Symbolbild für die bevorstehende Deathroll, quasi. (Foto: Jakubetz)

Medien und die digitale Deathroll

In der Wirtschaft gibt es einen ebenso martialischen wie bildhaften Begriff: Deathroll. Damit gemeint ist sinnbildlich das, was Krokodile mit ihren Opfern machen. Sie beißen sich fest, zerren sie erstmal langsam ins Wasser. Und wenn sie dann in der richtigen Position sind, drehen sie sich quasi einmal um die eigene Achse. Es entsteht ein buchstäblich tödlicher Sog, der das Opfer in die Tiefe reißt. In der Konsequenz bedeutet das meistens, dass ein längerer Kampf ganz schnell und schlagartig zu Ende geht. Read More

Wie ich die Digitalisierung jeden Tag aufs Neue überlebe…

Es ist noch gar nicht so lange her, da konnten wir die Welt in zwei Lager einteilen, wenn es um die Digitalisierung ging: in die der Technik-Optimisten (also: wir alle, die wir uns aufgeschlossen im Netz herumtreiben) und die der Technik-Verweigerer. Meistens meinten „wir“ damit Zeitungsverleger und Fernsehsender und all die anderen, die meinten, das Internet gehe dann schon irgendwann mal wieder weg. Read More

Die Nur-wenn-es-gute-Inhalte-die-monetasierbar-sind-Kette

Seit gut 20 Jahren gibt es jetzt dieses Internet. Zumindest in einer solchen Form, in der man sich als Medienmensch damit beschäftigen sollte.  Seitdem hat sich fast alles mindestens einmal komplett geändert. Nur eines, das bleibt. Vermutlich sogar für immer…Read More

 

 

Kaufen Sie Ihrem Redakteur ein Smartphone – es lohnt sich!

Mitarbeitern ein Smartphone schenken? Die dann womöglich damit auch noch privat damit telefonieren? Wo kämen wir denn dahin? Eine kleine Posse – die zeigt, warum man sich vielen deutschen Redaktionen mit diesem Internet immer noch schwer tut. Read More

Huch, den Medienwandel gibt es ja wirklich!

Wie sehen Medienmacher auf der ganzen Welt ihre Zukunft, genauer gesagt: das Jahr 2018? Kurz zusammengefasst: eher skeptisch. Weil den meisten von ihnen dämmert, dass sie die ganze Sache mit der Digitalisierung und dem Medienwandel etwas arg nachlässig angegangen sind. Read More

Digitalisierung: Verlage zwischen Theorie und Praxis

Die analoge Medienwelt ist beinahe endgültig tot. Sagt die neue PWC-Studie“Media Outlook“. So banal, so einfach, so nachvollziehbar. Und trotzdem klaffen beim Thema Digitalisierung zwischen Theorie und Praxis in Deutschland immer noch himmelweite Unterschiede…Read More

Fünf Thesen zum Journalismus 2020

Visuelle Inhalte, Digital-Native-Style, Communities und User-Finanzierung: Fünf Thesen zu den wichtigsten Entwicklungen des Journalismus 2020.
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2016: Was war – und was nicht

Einmal im Jahr werfen wir auf dieser kleinen Seite einen Blick auf die Trends des kommenden Jahres. Und am Ende dieses Jahres steht die Frage: Was kam so – und was war völlig verkehrt? Ein Rückblick.

Der Journalismus lebt noch, so viel lässt sich wenigstens mit Sicherheit sagen. Es gibt immer noch Zeitungen, Radio und Fernsehen. Aber es gibt unverkennbar auch: mehr Digitales. Vor allem solche digitalen Dinge, die journalistisches Eigenleben führen und nicht nur einfach alten analogen Kram in neue digitale Schläuche packt.

Aber schauen wir mal, welche Trends für 2016 hier vorausgesagt wurden – und was aus ihnen geworden ist…

Prognose 1: VR kommt, aber erst später!

Der Originaltext von damals: 

„Virtual Reality! Ja, schon klar, kommt. Irgendwann. Aber nicht jetzt. Nicht solange man sich irgendwelche sperrigen Dinge überstülpen und auch ansonsten unangemessen viel Aufwand betreiben muss. Solange ist das was für Nerds (siehe auch: Brille! Watch!), aber nichts für den Massenmarkt. Wir reden dann später nochmal.“

Nein, es war noch nicht das Jahr der Virtual Reality, auch wenn es ein paar echte und auch selbsternannte Netzkenner gab, die genau das prophezeit hatten. VR hätte bereits in diesem Jahr zum Massenphänomen werden sollen. Wurde es aber nicht, aus einer Reihe von guten Gründen. Einer davon war beispielsweise, dass es einem Massenmarkt nie sonderlich zuträglich ist, wenn man sich erst einmal ziemlich teures und sperriges Zubehör zulegen muss. Für eine Sache, die eine nette und immer ausgefeiltere Spielerei ist. Aber eben: eine Spielerei, die man zum Überleben sicher nicht braucht. Das alte Spiel halt: Nerds glauben, der Rest der Welt bestehe auch aus Nerds, nur aus solchen, die es erst etwas später merken. Reden wir doch in ein, zwei Jahre nochmal, vor allem dann, wenn die Hardware günstiges geworden ist. Und wenn es Anwendungen gibt, die wirklich Spaß machen. Solange man nur zeigt, was man alles damit machen könnte, ist das kaum ein Kaufanreiz.

Prognose 2: Die (Medien-)Welt wird ein Messenger!

Der Originaltext von damals: 

„Die (Medien-)Welt wird ein Messenger. Senden und empfangen. Schon immer das Prinzip aller Kommunikation. Jetzt zusammengepackt in winzig kleinen Apps. Das ist das nächste große Ding. So einfach, so gut.“

WhatsApp ist der Standard aller (mobilen) Kommunikation geworden, Facebook will seinen Messenger ebenfalls weiter massiv in den Markt drücken. Chatbots sehen aus wie Messenger, Snapchat ist, genau betrachtet, auch nichts anderes als ein sehr, sehr bunter und greller Messenger.  Klein, wendig, schnell und einfach zu bedienen (ok, Snapchat vielleicht nicht so). Aber das Prinzip wird immer klarer: Die One-to-One-Kommunikation wird mindestens genauso wichtig wie die großen Netzwerke, in denen jeder alles lesen kann. Und nichts deutet darauf hin, dass irgendetwas diese Trends stoppen könnte.

Prognose 3: Bezahlen für Inhalt? Nichts ist selbstverständlicher.

Der Originaltext von damals: 

„Die Ausrede, man könne Journalismus im Netz nicht gewinnbringend verkaufen, die zählt für 2016 nicht mehr.“

Zugegeben, über den richtigen Weg wird immer noch gestritten. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Zumal es den einen, funktionierenden Königsweg nicht geben wird. Beim „Spiegel“ etwa debattieren sie angeblich gerade mal wieder darüber, ob das mit dem Einzelverkauf mit Laterpay wirklich so eine grandiose Idee war. Jochen Wegner, Chefredakteur von „Zeit Online“ will es ihnen ja gleich gesagt haben.

Aber davon abgesehen: Niemand würde heute mehr ernsthaft behaupten wollen, dass man Journalismus im Netz nicht verkaufen kann. Lediglich das wie und das wieviel sind umstritten. Und ob das wirklich für alle reicht, die sich heute am Markt tummeln, kann man natürlich auch bezweifeln.

Prognose 4:  Alte Medien sterben nicht, wandern aber in die Nische

Der Originaltext von damals:

„Natürlich wird die Nutzung von Zeitungen, Radio und Fernsehen in der bisherigen Form zurückgehen. Insbesondere der (regionalen) Tageszeitung bisherigen Prägung kann man sogar ein vergleichsweise schnelles Verschwinden in der Nische prophezeien.“

Im WDR läuft seit dieser Woche eine ziemlich empfehlenswerte TV-Serie namens „Phoenixsee“ (die ist wirklich gut!). Aber was heißt schon TV-Serie? Natürlich kann man sich jeden Montag um 20.15 Uhr vor den Fernseher setzen und die aktuelle Folge anschauen. Aber im Zeitalter des Binge-Watching setzt sich der Digitalmensch natürlich vor die Mediathek von ARD/WDR und streamst sich eine Folge nach der anderen auf den TV-Bildschirm. Da gerät die Mediathek also zum Beleg dafür, dass unsere gute, alte Fernsehwelt auch immer netflixiger wird. Wer schaut schon noch Fernsehen?

Unterdessen hat die „Passauer Neue Presse“ den „Donaukurier“ aufgekauft, während in Berlin gerade die „Berliner Zeitung“ zu einem Zombie umgebaut wird. Überhaupt hat sich auch in diesem Jahr die Trends fortgesetzt, dass die gute alte Tageszeitung weiter an Boden verliert, zumindest in der gedruckten Form.

Und selbst im Radio ist der Umbruch unverkennbar: Schulz und Böhmermann muss man nicht zwingend mögen. Aber dass ihr Podcast jetzt nicht mehr bei den Öffentlich-Rechtlichen, sondern bei Spotify läuft – noch Fragen?

Prognose 5: Qualität siegt!

Der Originaltext von damals:

„Blinkportale“ wie „Focus Online“ oder „Buzzfeed“ mögen mehr (Focus) oder weniger (Buzzfeed) erfolgreich sein, sie nerven trotzdem.“

Hm. Würde ich so heute nicht mehr schreiben. Nicht weil ich nicht glauben würde, dass Focus Online nervt. Sondern weil die immer noch sehr erfolgreich sind. Da war wohl (leider) mehr der Wunsch der Vaters des Gedankens. Natürlich gibt es auch im digitalen Zeitalter reichlich Platz für das, was wir Qualität nennen. Für reichlich journalistischen Sperrmüll wohl aber auch.

Muss wohl so sein. Und außerdem hätten ja dann die ganzen Niggemeiers dieser Welt nix mehr zu tun, wenn es anders wäre.

(Die Trends für 2017 kommen in den nächsten Tagen mal…)

Content, Kontext, Device

Müssen wir nicht alle bei Snapchat sein? Momentan gibt es mal wieder die Debatten. So wie es solche Debatten mittlerweile alle paar Monate gibt. Der Effekt dieser Debatten ist übrigens hübsch zu beobachten: Erst stürzen sich alle einigermaßen viele wie die Lemminge auf diese neuen Dinger, man wird mit Push-Meldungen zugebombt, wer jetzt gerade snapt oder streamt – und irgendwann ist das Ding, das gerade noch die Zukunft war, tot (siehe: Meerkat). Es empfiehlt sich also bei der Beurteilung von Hypes, auch mal ein bisschen längerfristig zu denken.

Längerfristig und beurteilen, das sagt sich so leicht. Vor allem gemessen daran, dass uns mehr oder weniger kurzlebige Trends im digitalen Journalismus inzwischen seit vielen Jahren begleiten und es vermutlich eine lange Liste von Dingen gibt, deren Lebenszyklus zwischen den Polen „next big thing“  und der stillen Beerdigung nicht sehr lange war. Es gibt jedenfalls inzwischen eine ganze Menge Medienmacher, die sich mit einer ordentlichen Portion Fatalismus irgendwelche Dinge runterladen, sie ausprobieren und sie dann ggf. auch schnell wieder vergessen. Nicht alles, so viel haben wir nach rund 20 Jahren jetzt gelernt, ist es wert, dauerhaft auf dem Radar belassen zu werden.

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Aber wie beurteilt man nun, ob sich etwas lohnt oder nicht? Was macht digitales Erzählen aus, was ist Hype und was ist von Dauer? Und vor allem: Wie bekommt man Zufälligkeit und Beliebigkeit aus dem digitalen Storytelling? Was unbestritten die größte Gefahr ist, wenn man plötzlich enorm viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung hat: Man gerät in die Versuchung, all diese Möglichkeiten auch zu nutzen – weil man es ja kann. Und deswegen finden sich plötzlich Videos, Audios, Animationen, datenjournalistische Anwendungen und  360-Grad-Videos in einem einzigen Stück, obwohl die Hälfte davon vielleicht gar keinen Sinn macht.

Was aber macht denn dann Sinn? Das ist, will man in einem digitalen Narrativ erzählen, die wichtigste Frage. Die sich leider nur mit einem „kommt drauf an“ beantworten lässt. Das klingt auf den ersten Blick nach einer schlechten Nachricht, dabei ist das der gar nicht mal so schlecht. Weil man die Kriterien, auf die es ankommt, einschränken kann. Alles dreht sich schlechtweg um die Frage, auf welchem Endgerät welcher Inhalt in welchem Kontext stattfinden soll.

Content – Kontext – Endgerät: Diese drei Faktoren entscheiden darüber, wo welcher Inhalt angebracht ist. Und das ist auch der Grund dafür, warum ich mich gemeinsam mit der UVK-Lektorin Sonja Rothländer dafür entschieden habe, diese kleine, griffige Formel auch zum Untertitel von „Universalcode 2020“ zu machen. In der leisen Hoffnung, dass sie etwas ist, an was man sich erinnern kann, wenn man mal wieder dasitzt, vor Kameras, Aufnahmegeräten, Smartphones, Mikros und 360-Grad-Linsen, wenn man mal wieder überlegen muss, was man jetzt twittert, facebookt, snapt, instagramt, youtubet. Oder gleich einen „Instant Article“ produzieren soll, der einem kleinen multimedialen Feuerwerk gleich kommt.

Willkommen im Netz-Totalitarismus

Ist das Netz kaputt und der Journalismus dort gleich auch noch? Soweit muss man vielleicht nicht gehen. Trotzdem gibt es eine ganze Menge Dinge, die momentan in die falsche Richtung laufen.

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Vor ziemlich genau zwei Jahren schrieb Sascha Lobo in der FAZ einen Aufsatz, den ich längere Zeit für einen cleveren Schachzug eines begnadeten Eigenvermarkters gehalten habe: Das Netz sei nicht das, wofür er es gehalten habe und sei mithin ziemlich kaputt. Inzwischen, im Februar 2016, würde ich mir nicht so viel Überblick zutrauen, um gleich das ganze Netz für kaputt zu halten. Wohl aber dämmert mir mehr und mehr, dass ich vieles in der digitalen Medienszene für einigermaßen kaputt halte. Inhaltlich, strukturell und personell.

Warum ich das glaube? Mich stört zunehmend die unbedingte Fortschritts-und Technikgläubigkeit digitaler Sektierer. Mich stört die Absolutheit, mit der alles und jeder in die Ecke gestellt wird, der diesen Glauben nicht teilt. Und es stört mich, wie wir digitale Monster füttern. Wie wir Strukturen aufbauen, vor denen wir eigentlich als halbwegs bei Verstand befindliche Journalisten zurückschrecken müssten.

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Irgendwas zwischen 1,5 und 2 Milliarden Menschen auf dieser Welt vertrauen große Teile ihre Kommunikation dem Reich des Mark Zuckerberg an (über eine Milliarde bei Facebook, rund eine Miliarde bei WhatsApp, dazu noch ein paar nicht unwesentliche Millionen bei Instagram). Es ist also keineswegs übertrieben, wenn man sagt, dass das „soziale“ Netz zu einem beträchtlichen Teil in der Hand eines einzigen Konzerns ist, der sich dann auch dementsprechend benimmt.

Dieser Konzern bietet Medien seit einiger Zeit generös an, man könne sich mit ihm in die Kiste legen. Man könne auf seiner Plattform Geschichten erzählen, man könne dank seiner Reichweiten unzählige Menschen erreichen und dabei auch noch Geld verdienen. Ein Pakt mit dem Teufel ist ein Witz dagegen: Der Gigant wirft ein paar Brosamen hin, stellt aber dafür natürlich eine Rechnung. Gäbe es solche Strukturen in irgendeiner anderen Branche, die Wirtschaftsteile der Zeitungen und Sender würden sich (hoffentlich) die Finger wundschreiben.

So geht das mit diesem ganzen digitalen Kram immer. Evgeny Morozov, mit dem man natürlich keineswegs immer einer Meinung sein muss, hat das unlängst in der „Süddeutschen Zeitung“ mit den Mechanismen einer Sekte verglichen: Kommt aus irgendeiner Ecke wenig opportuner Gegenwind, sind die üblichen Verdächtigen aus dem Silicon Valley (und das keineswegs nur aus der Medienecke) jederzeit in der Lage, ihre Jünger zu mobilisieren, die dann gemeinsam zur wütenden Attacke auf den gesammelten Unverstand ansetzen. Die Silicon-Jünger gibt es auch in Deutschland zuhauf und auch hier kann man sich sicher sein, schnell als seniler Trottel hingestellt zu werden, wenn man nicht beim Wort Hackathon sofort einen Orgasmus hat.

Dabei sind wir, zumindest in Deutschland, schon länger in einer Lage, die für den Journalismus gar nicht gut sein kann. In dem der Abhängigkeit nämlich. Ich war immer ein Gegner des Leistungsschutzrechts, aber gleichzeitig hat diese Debatte auch gezeigt, wie groß die Abhängigkeit von Google inzwischen ist. Wer dort nicht gefunden wird, ist in der digitalen Welt praktisch nicht existent. Deutlich über 90 Prozent aller Suchanfragen in Deutschland kommen über Google – de facto ist da nichts anderes als ein Monopol, selbst wenn Wirtschaftstheoretiker jetzt natürlich darauf verweisen werden, dass es ja auch andere Anbieter gibt, weswegen die Vorraussetzungen für ein Monopol nicht gegeben seien.

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Noch weitere Zahlen gefällig? 87 Prozent aller Social-Media-Nutzer in Deutschland sind regelmäßig auf Facebook unterwegs, was nur noch von YouTube mit 88 Prozent übertroffen wird. Der neue Riesenkonzern Alphabet kontrolliert also nicht nur über 90 Prozent der Suchanfragen in Deutschland, sondern auch nahezu den kompletten Markt der Webvideos. Auf über der Hälfte der deutschen Smartphones läuft das Google-Betriebssystem Android. Unsere journalistische Aufregung darüber hält sich in engen Grenzen; stattdessen verbreiten wir (ich mache da leider auch nur eine bedingte Ausnahme) die reine Lehre von der unbedingten Präsenzpflicht auf allem, was aus irgendwelchen Start-Up-Kellern im Valley kommt.

Demnach müssen wir jetzt alle auf Snapchat sein, ohne uns vorher überhaupt einen Gedanken zu machen, welchen Sinn das inhaltlich machen soll. Und ob wir auf einer Plattform, deren Kernzielgruppe irgendwas zwischen 14 und 20 ist, überhaupt jemanden erreichen, der ernsthaft zu unserer potenziellen Zielgruppe gehört (wenn wir nicht gerade bei Bento arbeiten). Wir erklären also eine Poser-Plattform zur Zukunft der digitalen Kommunikation, weil es uns irgendjemand vorkaut. Wenn das so wäre, dann ist es mit unserem eigenen Kopf, den wir uns in dieser Netz-Blase so gerne attestieren, nicht wirklich weit her.

Um ehrlich zu sein: Ich fürchte sogar, dass wir in dieser Beziehung kein bisschen anders sind als diejenigen aus den „alten“ Medien, die wir gerne etwas belächeln. Es gibt ein paar (vor)laute Wortführer und eine eher lahme Herde, die dem hintertrottet, der möglichst laut und spektakulär agiert. Dass ihm Netz für eher graue Zwischentöne nicht so viel Platz ist, wissen wir ja selbst nur zu gut.

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Auf der anderen Seite ist es ja leider so, dass man, wenn es um Thema Digitalisierung geht, schnell in eine Ecke gestellt wird, aus der man dann bestenfalls in die andere Ecke wechseln könnte. Mehr geht nicht. Der Verweis darauf, dass man sich in der einen Ecke ja ganz wohl fühle, es aber dennoch das eine oder andere gibt, was in der Ecke nicht ganz so dolle ist, führt zur sofortigen Strafversetzung in die andere Ecke. Soll heißen: Man ist irgendwie Internet-Guru und wird sofort zum Internet-Skeptiker umgewidmet.

Dabei gibt es zu vieles, was man nicht akzeptieren kann, wenn einem das Netz am Herzen liegt. Das Netz allgemein und natürlich der Journalismus dort.