Das ganz große Dilemma mit Facebook

Bei Facebook haben sie etwas Ungeheuerliches gewagt. Könnte man zumindest glauben, wenn man die aktuellen Reaktionen deutscher Medien und des BDZV so anschaut. Der Algorithmus wird also nun tatsächlich geändert, Inhalte klassischer Publisher dürften demnach erheblich an Bedeutung verlieren. Dabei rächt sich jetzt nur, dass etliche Redaktionen es in den vergangenen Jahren versäumt haben, eine echte Social-Media-Strategie zu entwickeln. Wer sich sklavisch an einen Kanal kettet, sollte sich hinterher nicht wundern…“Read

Journalisten nehmen bitte den Hintereingang von Facebook

In nicht ganz wenigen Medienhäusern herrscht immer noch eine ebenso merkwürdige wie falsche Vorstellung vor. Für sie ist es für Facebook die einzige Daseinsberechtigung, eine zusätzliche Plattform für Medieninhalte zu sein. “Read

Der wachsende Überdruss an Social Media

Für Facebook und andere soziale Netze hat es in den letzten Wochen wenig zu lachen gegeben. Neben einigen kritischen Stimmen aus frühere eigenen Reihen kommt jetzt womöglich noch ein neues Phänomen hinzu, das man bis vor kurzem noch gar nicht für möglich gehalten hätte: Social-Müdigkeit. Der Überdruss an Social Media. “Read

Social Media: Eine Frage der Leere

Social Media stagniert, stellt die neue Onlinestudie von ARD und ZDF fest. Plattformen wie Twitter und Snapchat hängen sogar auf einem erstaunlich niedrigen Niveau fest. Trotzdem: Kein Grund, soziale Netzwerke wieder vom Radar zu nehmen und nur noch irgendwas mit Facebook zu machen… “Read

Facebook, der nette Sklavenhalter von nebenan

Ändert Facebook seinen Algorithmus und werden wir alle am organischen Reichweitenverlust sterben? Die Debatte geht in die falsche Richtung. Viel wichtiger ist die Grundsatzfrage: Haben wir uns nicht viel zu sehr in eine sklavische Abhängigkeit begeben? “Read

Facebook sperrt den Guru: #FreeLorenz!

Liebes Facebook, wir müssen reden. Diese Formulierung habe ich gewählt, weil mal jemand bei euch geschrieben hat, Journalisten, die einen Beitrag mit „Wir müssen reden“ beginnen, solle man besser nicht allzu ernst nehmen. Das fand ich sehr witzig und gut beobachtet und natürlich nur bedingt ernst zu nehmen. Der Mann, der das geschrieben hat, heißt Lorenz Meyer, ist Mitglied bei euch – und von Beruf: Guru. “Read

Facebook und die Schattenseiten der Supermacht

Die Hoffnungen waren ja mal andere: Eigentlich träumten wir Netz-Optimisten von mehr Freiheit, von leichterer Kommunikation und von einer Vernetzung rund um den Globus (oder wenigstens: quer durch Deutschland). Bekommen haben wir einen Konzern, dessen Größe alles überragt, was wir bisher im Bereich von Medien und Kommunikation gekannt haben. Facebook: fast zwei Milliarden Nutzer. Instagram: eine halbe Milliarde. WhatsApp: rund eine Milliarde. “Read

Eine Falle namens Social Media

Populäres wird immer populärer, das Simple noch einfacher und der Laute schlägt den Nachdenklichen: Vielleicht ist dieser ganze Kram mit Social Media  für den Journalismus gar nicht so gut, wie wir immer meinen…“Read

Der blaue Planet

Facebook frisst gerade die Welt – und was machen wir? Schauen nicht nur zu, sondern helfen auch noch tatkräftig mit.

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Diesen Text werde ich bei Facebook posten, wenn er fertig ist. Vermutlich wird es, wenn überhaupt, auch nur dort Kommentare geben, weil man schon lange nicht mehr beim eigentlichen Blogbeitrag kommentiert. Wenn ich etwas Glück habe, wird der Beitrag bei Facebook ab und an geteilt, was schon alleine deswegen positiv wäre, weil sich der Algorithmus dann einbilden würde, es handle sich um einen besonders wichtigen Beitrag. Mal sehen, vielleicht mache ich auch noch ein eigenes Beitragsbild mit irgendeinem windschnittigen Zitat dazu. Das hebt die Chancen abgebucht nochmal, weil Facebook schnöde Links nach draußen nicht mehr so schätzt, Fotos und Videos aber dafür mal so richtig geil findet.

Was ich Ihnen hier erzähle, treibt einem durchschnittlichen Social-Media-Praktikanten nicht mal ein müdes Lächeln ins Gesicht. Weiß er alles schon seit dem zweiten Tag, seit ihm der Online-Chef  geflüstert hat, wie man bei Facebook richtig gut gerankt wird. Der Online-Chef wiederum weiß das vom Medienwissenschaftler oder auch nur dem Medienblogger seines Vertrauens, weil der regelmäßig aufbereitet, wie wichtig es heute ist, sichtbar zu sein. Wäre ja auch semi-idiotisch, schöne Inhalte zu produzieren, die am Ende keine findet. Gefunden werden ist die neue Überschrift, sozusagen: Ohne geht´s einfach nicht.

Facebook ist schon lange die größere Bedrohung als Google

Gefunden werden, das bedeutete noch bis vor kurzem noch hauptsächlich: Google. Das erklärt, warum vor allem Verlage lange Zeit versucht haben, Google mit rechtlichen Mitteln zur Abgabe von wenigstens ein paar Brosamen zu zwingen. Und außerdem gab es ungefähr keinen Verlagsmanager, der Google nicht mindestens als den Inbegriff des Bösen darstellte, während er gleichzeitig seinen Online-Chef und den Social-Media-Praktikanten anwies, ja auch alles dafür zu tun, dass die eigenen Texte in diesem Facebook schön platziert werden.

Tempi passati, inzwischen konzentriert sich die Frage nach der Sicht- und Auffindbarkeit vor allem auf Facebook. Könnte man zumindest meinen. Tatsächlich ist Facebook schon lange einen Schritt weitergegangen. Nämlich den hin zum eigenen Medienunternehmen, zur größten Medien- und Content-Umschlagmaschinerie, die der blaue Planet (damit ist ausnahmsweise mal nicht Facebook gemeint) jemals gesehen hat. Was bei Facebook wirklich zählt, ist der Inhalt, den das Unternehmen von uns allen bekommt: Mit allen (Copy-)Rechten und natürlich kostenlos. Als Lohn dafür bekommt man ein paar größere Brosamen, die aber, nüchtern betrachtet, auch nichts mehr ändern können an der Tatsache, dass das kleine Monstrum Facebook wirklich gerade die Welt auffrisst, wie Emily Bell unlängst geschrieben hat.

Kleine Übersicht gefällig? Fotos und Videos werden deutlich besser gerankt, wenn sie direkt auf dem Facebook-Server landen. Bedeutet in der Konsequenz nicht nur, dass die Inhalte dann Facebook gehören, sondern auch, dass man das Zuckerberg-Universum gar nicht mehr verlassen muss, will man das Foto oder Video anschauen. Mit der Live-Funktion wird Facebook nicht nur die Konkurrenten wie Twitters „Periscope“ plätten, sondern sich zudem auch ein Quasi-Monopol daran sichern, immer dann on air zu gehen, wenn in irgendjemandes Lebens irgendetwas passieren wird. Und mit den „Instant Articles“ macht sich Facebook auch noch zum Universal-Magazin für alles. Artikel aus „Zeit“, „Bild“ „FAZ“ oder „New York Times“ – bitte sehr, gibt es alles auf dem blauen  Planeten. Das ist eine bizarre Vorstellung in einer Zeit, in der sich die deutschen Verlage immer noch mit dem Thema Leistungsschutzrecht abmühen, während Facebook sehr viel erkennbarer das eigentliche Kerngeschäft angreift. Mit jeder Geschichte, die man als „Instant Article“ an Facebook abtritt, schwächt man die eigene Plattform.

Das leicht Verrückte daran: Das ist etwas, was wir de facto nicht mehr hinterfragen. In jedem Volo-Seminar hören wir inzwischen, dass man ganz selbstverständlich auf Facebook massiv vertreten sein muss. Social-Media-Redakteure, die ihre Tage und Nächte auf Facebook verbringen, sind nichts Ungewöhnliches mehr. Wir sind angekommen bei einem perpetuum mobile: Mit jedem Post, mit jedem Video und jedem Foto füttern wir das Monstrum immer weiter, was wir wiederum tun müssen, weil wir ohne das Monstrum auf eine ganze Menge Reichweite verzichten müssen.

Und, verrückt genug: Wir Medienschaffende und auch die Nutzer machen das nicht mal für ein Unternehmen, das irgendwie sympathisch wäre. Wenn über Facebook gesprochen wird, dann immer mit einem latenten Unbehagen. Dieser seit Jahren existierende Hoax, man widerspreche der kommerziellen Nutzung von Daten und Fotos, der ist zwar lustig, auf der anderen Seite aber auch bezeichnend: Er funktioniert deshalb so verlässlich, weil es eine Menge Leute gibt, die nur so eine maue Ahnung haben, dass sie sich Facebook ganz schön ausliefern.

Die publizistische Großmacht

Aber das ist ein vergleichsweise harmloser Aspekt – gemessen an der publizistischen Macht, die Facebook inzwischen hat: Dass ein Algorithmus ohnehin schon eine massive Beeinflussung dessen ist, was wir zu lesen bekommen, steht außer Frage. Wenn dann auch noch Redakteure den Algorithmus so beeinflussen, dass er bestimmte Dinge ausblendet, dann ist eine Dimension erreicht, die man sich bisher kaum vorstellen konnte:  Die größte Plattform der Welt steuert gezielt den Inhalte-Konsum ihrer Nutzer.

Womit wir wieder am Anfang wären. Es wäre natürlich schön, wenn man das einfach unterbinden könnte. Ein bisschen boykottieren oder so. Facebook und uns selbst mal zeigen, dass es ganz wunderbar auch ohne Facebook geht. Ich befürchte, das wird nicht funktionieren, weil wir stattdessen, wenn ich diesen Beitrag bei Facebook gepostet habe, bei Facebook darüber debattieren werden, warum Facebook irgendwie ganz furchtbar ist.

Die große Entbündelung

Wir denken immer noch zuviel in Kategorien wie Plattformen oder Zeitungen. Dabei zeigen Apple News und Blendle einmal mehr: Journalismus der Zukunft wird in erster Linie entbündelt stattfinden. Das muss kein Fehler sein.

Jetzt also Apple: „News“ heißt das Ding, das unter dem Strich nichts sehr viel anderes ist als eine moderne „Zeitung“ auf dem Smartphone oder dem Tablet. Verlage können für die App zuliefern und bekommen dafür irgendwie auch Geld. Wem das bekannt vorkommt: Eine sehr ähnliche Idee hatte Facebook unlängst mit seinen „Instant Articles“.

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Der Entrüstungsschub, dem sich Facebook nach der Präsentation seinen Modells ausgesetzt sah, blieb bei Apple bisher aus. Vielleicht auch deswegen, weil die Entrüstung irgendwie schon aufgebraucht war. Und vielleicht auch deshalb, weil man sich auf Journalistenseite gerade unter Schmerzen an einen Gedanken gewöhnt; gewöhnen muss: Journalismus ist schon noch wichtig und wird auch weiter gebraucht. Nur die Verpackung, das was bisher insbesondere Zeitungen waren, das sieht jetzt und in Zukunft eindeutig anders aus.

Verpackungen, das werden im Zukunft immer häufiger Kuratoren und Aggregatoren sein. Angebote wie Flipboard beispielsweise, auch wenn man sich nicht wundern sollte, wenn von Flipboard angesichts der schieren Marktmacht von Apple oder Facebook von Flipboard nicht mehr so wahnsinnig viel übrigbleibt. Ganz sicher wird auch ein Angebot wie das jetzt auch in Deutschland startende „Blendle“ seinen Anteil dazu leisten, dass sich der Journalismus zusehends entbündelt.

Das muss erst einmal nicht so schlecht sein, wie man es angesichts der kurzfristigen Hysterie  um die „Instant Articles“ hat vermuten können. Weil diese Entbündelung erst einmal nur bedeutet, dass es für Journalismus weitere Vertriebskanäle gibt – und dass man den veränderten Nutzungsegwohnheiten entgegen kommt. Es wäre schließlich naiv zu glauben, dass Journalismus auch weiterhin nur in ganzen Paketen konsumiert werden kann. Natürlich, wer seine SZ oder seinen Spiegel haben will, der wird ihn auch weiter kaufen. Komplett, auch mit den Geschichten, die er nicht lesen will. Vermutlich deshalb, weil sein Vertrauen in die Redaktionen so groß ist, dass er ihnen zubilligt, der bestmögliche Kurator der Welt zu sein.

Gleichzeitig aber gibt es eben auch all jene, die sich vielleicht für eine oder zwei Themen einer Ausgabe interessieren, deswegen aber nicht gleich 30 weitere Themen dazu kaufen wollen, die ihnen vergleichsweise egal sind. Die Musikindustrie hat genau diesen Prozess schon hinter sich. Sie beklagt zwar nicht ganz zu Unrecht, dass diese Entbündelung das Ende des Albums gewesen sei. Auf der anderen Seite hat sich aber eben auch rausgestellt, dass der Kunde dieses Konzept des kompletten Albums immer weniger goutierte.

Es wäre nicht erstaunlich, wenn der Journalismus eine ähnliche Entwicklung nähme. Wenn er sich immer weniger in ganzen „Alben“ und zunehmend mehr in Einzelteilen verkaufen würde.

Dass ein Song wie Pharell Williams´ „Happy“ über 40 Millionen Mal gestreamt werden musste, um seinem Schöpfer knapp 3000 Dollar an Tantiemen zu bringen – das steht dann leider wieder auf einem ganz anderen Blatt.