Die AZ – Exempel der Krise

Vermutlich muss man Martin Balle, dem Totengräber Neuverleger der Münchner „Abendzeitung“ fast schon wieder dankbar sein. Weil er gerade, wenn auch ungewollt, einen Beweis antritt: Man kann Journalismus eher schlecht ohne Journalisten machen. Man kann Journalismus auch schlecht ohne einen Mindesteinsatz an Investition machen. Und ohne das Publikum zu kennen und sich entsprechend zu überlegen, welche Zeitung man für wen machen will, das geht auch nicht so gut.

Das klingt erst einmal furchtbar banal. Kaum einer Erwähnung wert. Blöd nur, dass man in Zeiten wie diesen solche Feststellungen dennoch treffen muss und dass man sich vielleicht sogar über ihre schlichte Wahrheit wundern kann. Schließlich drängt sich in den letzten Jahren bei den Strategien nicht ganz weniger Häuser der Gedanke auf, es reiche völlig aus, der Krise und dem Wandel mit ein paar Planstellen weniger zu begegnen. Stellen streichen, Redaktionen schließen, Ausgaben zusammenlegen, den ganzen Schmonzes einfach ein bisschen billiger produzieren. Wer schaut schon so genau hin, mit was die Lücken zwischen den Anzeigen geschlossen werden?

Ironischerweise gehören Martin Balle und sein „Straubinger Tagblatt“ zu den konsequentesten Vertretern dieser Theorie. Das „Tagblatt“ ist vor allem bekannt für seine untertarifliche Bezahlung und für seine grundsätzlich im untersten Bereich angesiedelten Honorare für freie Mitarbeiter. Die Publikationen aus der Balle-Mediengruppe folgen hauptsächlich einem Prinzip: Billig muss es sein. Wer publizistisch nichts erwartet hatte, sieht sich jetzt getäuscht. Es ist weniger als nichts. Die ersten Ausgaben der neuen AZ muss man selbst dann als desaströs bezeichnen, wenn man dem neuen Konstrukt zugute hält, dass es sich erst einmal finden muss und dass es personell am untersten Rand dessen fährt, was überhaupt möglich ist.

Hauptsache billig: Das ist jetzt offenkundig auch Balles Prinzip bei der von ihm übernommenen AZ. Die Zeitung, die sich immer noch „Das Gesicht dieser Stadt“ nennt und laut Balle eine freundliche Großstadtzeitung mit einem klaren Fokus auf München werden soll, bringt es beispielsweise am Freitag fertig, auf der Titelseite zwei große Geschichten ohne München-Bezug zu machen: „Darum gewinnen wir“ zur WM – und ein Stück darüber, dass Berlin (!) Deutschlands Kifferhauptstadt sei. Da jubiliert das Herz des Münchners aber. Innendrin geht es dann weiter: eine Umfrage zum Viertelfinale mit sechs oder sieben Befragten wird zu einer kompletten Seite aufgeblasen (irgendwie muss so eine Seite ja auch voll werden), das ist dann auch schon tatsächlich die größte Geschichte im München-Teil.

Und wenn man den Unterschied zwischen der alten und der neuen AZ wirklich festmachen möchte, nimmt man sich am besten die ebenfalls zu einer Seite aufgeblasenen 65 Fakten zu Horst Seehofers 65. Geburtstag. Die frühere Landtagskolumnistin Angela Böhm hätte Seehofer vermutlich bissig-süffisant die Geburtstags-Leviten gelesen, um ihm dann doch noch zu gratulieren. In solchen rasanten Wendungen waren sie immer ziemlich gut in der AZ. Heute liest man in den gähnend langweiligen 65 Fakten, dass Seehofer seine SMS mit „HS“ unterzeichnet. Kurz darauf: Seine Facebook-Postings zeichnet er mit „HS“ (Loriot hätte jetzt mit indigniertem Blick gesagt: Ach was?) Wenn sie demnächst auch noch enthüllen, dass Angela Merkel ihre SMS mit „AM“ zeichnet und dass sie in Wirklichkeit eine Frau ist, haben sie bei der AZ vermutlich den größtmöglichen Scoop der Neuzeit gelandet.

Der Sport? Einstmals eine Perle der Zeitung. Heute schafft es die AZ zum Viertelfinale auf eine Seite. Zum Vergleich: Konkurrent „tz“ hat 7. Soll man dazu ernsthaft noch etwas sagen?

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Und  noch eine kleine Frage am Rande, Herr Prof. Dr. Balle: Für das Bild im Lokalteil mit dem offenbar erst gemeinten Bildhinweis „Foto: Google“, da bekommt Google aber sicher irgendeine Kompensation für, oder? So eine Art Leistungssschutzrecht für Google.

Nein, natürlich kann man der verbliebenen Rest-Truppe daraus keinen Vorwurf machen. Darum geht es nicht. Sondern darum, dass Journalismus eben doch mehr ist als das schnelle Füllen leerer Seiten. Darum, dass es schlechterdings unmöglich ist, über den schwierigen Markt zu lamentieren, wenn man gleichzeitig solche Produkte abliefert (die noch dazu kurz vorher ihren Preis um stolze 60 Prozent angehoben haben). Der Trugschluss, dem Menschen wie Martin Balle – und nicht nur er – unterliegen: Balle glaubt, dass sein „Straubinger Tagblatt“ deshalb gut läuft, weil die Leute diese Zeitung so mögen wie sie ist. Dabei lesen sie diese Zeitung, weil sie keine Alternative haben.  Wer in Straubing wissen will, was in der Gegend so los ist, muss die Zeitung lesen, er kommt nicht daran vorbei. Aber  ein Gefängnisinsasse würde ja auch nicht sagen, dass er seinen täglichen Hofgang macht, weil er die Landschaft dort so schön findet.

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Das System des langweiligen, normierten und billigen „Journalismus“ funktioniert also noch in weiten Teilen der Zeitungslandschaft, weil es nicht anders geht. In München geht es aber anders. Weil es dort alleine fünf Tageszeitungen gibt. Davon sind drei Boulevardblätter. Kein Mensch also braucht  die AZ. Weswegen man sich einiges einfallen lassen muss, wenn man zahlende Leser haben will. Dafür wiederum bräuchte man Journalisten und dafür wiederum müsste man investieren. Martin Balle ist vermutlich zu vielem bereit, dazu aber nicht. Davon abgesehen könnte man ihn dann auch noch fragen, wie lustig das eigentlich ist, wenn ausgerechnet die „Abendzeitung“ keine Abendausgabe mehr hat. Und wie einleuchtend er es findet, wenn in der Ausgabe am Morgen künftig wegen des frühen Andrucks de facto alle späten Fußballspiele fehlen werden. Und ob es nicht eine eigenartige Strategie ist, wenn ausgerechnet eine Boulevardzeitung sich freiwillig aus einer ganzen Reihe von „stummen Verkäufern“ zurückzieht. Aber das würde vermutlich etwas zu weit führen. Bei der „tz“-Konkurrenz jedenfalls dürften sie aktuell dauerbesoffen vor Glück durch die Redaktion wanken.

Womöglich allerdings werden wir irgendwann in ein paar Jahre die Balle-AZ als ein Exempel verwenden. Als Beleg dafür, wie grundverkehrt die Annahme war, nur das Internet habe die Zeitungen zerstört. Wie wichtig es stattdessen gewesen wäre, sich Gedanken über adäquaten Journalismus zu machen. Für die Erkenntnis, dass man von Synergien und Kostenreduktion alleine eben doch nicht leben kann.

Und schließlich vielleicht auch noch dafür: Am Ende des Tages sind Leser nichts anderes als ganz normale Kunden. Sie zahlen für etwas, womit sie zufrieden sind. Wenn sie das mal nicht mehr sind – dann könnte es am Produkt liegen. Und nicht am Leser.

AZ: Die Rettung, die keine ist

Die Kollegen auf den Medienseiten haben am Dienstag jubiliert: Die ebenso traditionsreiche wie insolvente „Abendzeitung“ in München ist gerettet. Der niederbayerische Verleger Martin Balle („Straubinger Tagblatt“) hat das Blatt übernommen. Allerdings unterliegen die Kollegen einem Trugschluss: Seit Dienstag gibt es keine „Abendzeitung“ mehr. Es gibt nur noch ein Blatt, das so heißt.

Zunächst einmal die Fakten: Balle ist ab sofort Mehrheitseigner, daneben beteiligt sich der Anwalt Dietrich von Boetticher an der Übernahme. Die „Süddeutsche Zeitung“ vermutet, dass Balle nicht mal eine Million Euro für die Traditionszeitung bezahlen musste. Von den knapp 100 Mitarbeitern des Verlags will Balle nach eigener Aussage maximal 25 übernehmen. Nach Tarif werden sie nicht bezahlt werden, auch das hat der Verleger bereits deutlich gemacht. Mit dem zynisch-ehrlichen Hinweis, bei keiner seiner Zeitungen Tarif zu bezahlen. Bei seinen niederbayerischen Blättern begründet er dies gerne damit, dass dort ja auch die Lebenshaltungskosten nicht so hoch seien. Wie man in München mit einem untertariflichen Gehalt überlebt, hat Balle noch nicht erklärt.

Das Blatt soll gedruckt wie online weiterbestehen. Weil das mit 25 Leuten naturgemäß nicht wirklich gut funktionieren kann, will Balle möglichst viel an Material aus seinem „Straubinger Tagblatt“ in der AZ unterbringen. Das „Straubinger Tagblatt“ ist also künftig eine Art „Mantelredaktion“ für die AZ – und da gehen die Schwächen der vermeintlichen Rettung bereits los. Das „Tagblatt“ ist eine extrem konservativ geprägte Heimatzeitung, deren Anspruch alles mögliche ist, nur nicht der, den die AZ mal hatte und den eine Großstadtzeitung generell haben muss. Und man tritt den Kollegen in Straubing auch ganz sicher nicht zu nahe, wenn man sagt: Das“Straubinger Tagblatt“ ist nicht gerade die erste Adresse, die einem einfällt, wenn man von einem journalistischen Profil und dem dazu gehörenden Anspruch spricht.

Davon abgesehen: Es ist ja nicht so, dass die Mantelredaktion in Straubing eine gut geölte Maschine für journalistische Inhalte ist. Politik und Wirtschaft bestehen zum allergrößten Teil aus dpa-Meldungen. Die kann man zwar auch in der AZ weiter verwursteln, aber wie soll ein Boulevard-Blatt aussehen, das aus Agenturmeldungen besteht?  Eigenen journalistischen Output liefern beim Tagblatt (neben den Lokalredaktionen) vor allem die Ressorts Niederbayern/Oberpfalz und der Sport. Für Niederbayern und die Oberpfalz wird sich aber in der Großstadt München ungefähr niemand interessieren, selbst wenn da plötzlich lauter Kisch-Preisträger in der Redaktion versammelt wären.

Der Sport vom „Tagblatt“ ist übrigens gar nicht mal schlecht. Aber seine Kernkompetenz besteht in erster Linie aus Eishockey und den „Straubing Tigers“. Was ja auch naheliegend ist: Der FC Bayern und die Fußball-WM liefern dpa, kein Mensch in Niederbayern kauft auch nur eine Zeitung mehr, weil ein Straubinger Sportredakteur in der Allianz Arena vor Ort ist. Was aber sollen dann die Sport-Kollegen aus Straubing der AZ zuliefern? Gerade der Sport wird in München bei fünf (!) Tageszeitungen vor Ort durch die kleinen Geschichten entschieden, die man nur hat, wenn man täglich präsent ist. Vielleicht sollte sich Verleger Balle mal einen Tag an den Trainingsgeländen vom FC Bayern und dem TSV 1860 gönnen. Und sich dann mal fragen, warum da wohl jeden Tag bei jedem Dreckwetter und selbst bei Nicht-Anlässen Reporter von AZ, tz und Bild München rumlungern. Bei tz und „Bild“ werden sie sich vor Lachen auf die Schenkel klopfen, wenn sie künftig dieses Terrain für sich alleine haben, während in der AZ nette Storys über das Straubinger Eishockey und dpa-Geschichten über den Rest stehen.

Behalten will Balle das Lokale und das Feuilleton. Also, nur das, was man zum Überleben dringend braucht. Was Balle allerdings nicht hat: ein journalistisches Konzept. Eine Idee, was eine AZ der Zukunft ausmachen könnte. Balles Konzept zur Rettung besteht in erster Linie aus: sparen. Die AZ wird aus ihren bisherigen Räumen ausziehen, er druckt das Blatt künftig (in einem kleineren Format) in wesentlich geringerer Auflage selber. Und Arno Makowsky als Chefredakteur wird gehen. Natürlich ist das Reduzieren von Kosten in der jetzigen Situation unabdingbar. Aber wenn es das einzige ist, was Balle zu bieten hat, dann kann man sich das Ende des von Balle vorläufig auf ein Jahr begrenzten Experiments schon jetzt vorstellen. Wer übrigens sehen will, wie eine Zeitung aussieht, deren wesentliches Credo es ist, möglichst billig hergestellt zu werden: Nach einem Probeabo des „Straubinger Tagblatts“ wissen Sie es.

Natürlich hat Balle erzählt, was aus seiner Sicht inhaltlich mit der AZ passieren soll. Eine Art familien- und heimatfreundliches Boulevardblatt soll daraus werden, stellt er sich vor. Da würde man ihm wünschen, sich vorher mit dem Publikum in München auseinandergesetzt zu haben. Natürlich ist familienfreundlich immer toll, aber ob das ausgerechnet in Deutschlands Single-Hauptstadt eine wirklich probate Idee ist? Und heimatfreundlich? Für seine niederbayerischen Blätter hat Balle schon des öfteren postuliert, es sei nicht ihre journalistische Aufgabe, ständig jemandem weh zu tun. Mag sein, dass das in Niederbayern so ist. Aber erstens ist München München und zweitens war die AZ immer dann gut, wenn sie gegen den Strom geschwommen ist. Oder anders, verlegerfreundlicher formuliert:  wenn sie mal jemandem wehgetan hat. Insbesondere denen, denen das tiefschwarze „Tagblatt“ ausgesprochen ungern wehtut und es deshalb auch nie tut.

Dazu kommen Voraussetzungen, für die Balle nichts kann. Aber die er kennen müsste, wenn er sich auf den Münchner Markt traut. In München tummeln sich fünf Tageszeitungen, davon drei Boulevardblätter. Das alleine ist schon ein brutaler Wettkampf. Die AZ wird weiterhin diejenige bleiben, die die wenigsten Synergien mit anderen aufweisen kann. Vor allem auf dem Boulevardmarkt. Die tz profitiert von ihrer Stellung innerhalb des Verbundes der Ippen-Blätter und die Bild ist die Bild. Balle schafft jetzt tatsächlich ein paar Synergien. Aber er hat eben nur das „Straubinger Tagblatt“, die anderen gehören zu Deutschlands Verlagsriesen.

Und schließlich noch das: Die Abendzeitung hatte in den letzten Jahren einen ordentlich funktionierenden Online-Auftritt aufgebaut. Einen, der für ein lokales Angebot gute Abrufzahlen aufwies. Nicht umsonst dürften die anderen bisherigen Bieter für die AZ, insbesondere die SZ und die Ippen-Gruppe, ihre Angebote ausschließlich auf die Online-Ausgabe bezogen haben. Balle selbst hat es mit dem Internet nicht so sehr, weder persönlich noch strategisch. Und es dürfte kein Zufall sein, dass Balle seine Übernahme der AZ vor allem damit begründet, dass er an Print glaubt und ein entsprechendes Zeichen setzen wolle. Von Online war keine Rede.

Nein, diese Rettung der AZ ist keine. Sie hat nur ihr langsames Sterben verzögert.

Und vor dem Tagblatt grasen glückliche Kühe

Mit Zeitungen, so der erste Eindruck der aktuellen Debatte, kann man irre viel anfangen. Man kann überwachungsfrei in ihnen stöbern, man kann sie knicken und einrollen, ohne dass das Display kaputtgeht. Und man kann sogar Fisch in ihnen einwickeln. Die Argumente, die man so hört, sind also nur bedingt dafür geeignet, der Gattung Tageszeitung eine glorreiche Zukunft vorherzusagen. Noch dazu, wo gerade in den letzten Tagen und Wochen ungeheuerliche Dinge passieren: Bei Springer wollen sie nicht mehr so richtig Verleger sein, während auf der anderen Seite des Atlantiks Mr. Amazon mal eben die „Washington Post“  einsackt. Der Satz „Ich kauf mal eben eine Zeitung“ bekommt jedenfalls gerade eine irgendwie zusätzliche Dimension.

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Die Kollegen der ARD-Sendung „TTT“ haben sich angesichts dessen des Themas ebenfalls angenommen – und die Frage gestellt: „Nur noch Rendite? Die Situation der Regionalzeitungen.“ Die Fragestellung als solche ist schon irgendwie lustig, weil man, was man als öffentlich-rechtlicher Redakteur womöglich vergisst, natürlich irgendwie Rendite erwirtschaften muss, will man als Medium am Markt überleben. Trotzdem hat man sich auf die Suche nach einem Gegenbeispiel zu den bösen Springers gemacht, die ja nur auf Rendite schauen. Gelandet sind die ARD-Kollegen dann in – Straubing. Weil hier, so textet man am Anfang des Beitrags, „ist die Zeitungs-Welt noch in Ordnung“. Verleger Martin Balle ist (die folgende Sammlung ist aus dem Beitrag):

  • gerne bei den Menschen
  • der Gesellschaft verpflichtet
  • nicht vordringlich renditeorientiert
  • kulturell mit der Region verwurzelt
  • irgendwie nicht Springer

Und auf der Weide vor dem Tagblatt grasen glückliche Kühe.

Natürlich wird dieses Eintreten für die Heimat auch belohnt: Balle berichtet von steigenden Anzeigenumsätzen und einer wachsenden Bedeutung der Lokalzeitung in einer globalisierten Welt. Auf Rendite schaut der Verleger auch, natürlich, aber in erster Linie dann doch nur, um Mitarbeiter bezahlen zu können und den Menschen im niederbayerischen Gäuboden eine gute Zeitung liefern zu können. (Untermalt wird das Idyll mit dramatischen Umschnitten zum Springer-Verlag, wo die Bösen sitzen, die einfach ihre Zeitungen verkaufen.) Das ist wirklich eine sehr schöne Geschichte. Und weil sie schön ist, haben die Kollegen von „TTT“ sicherheitshalber die Recherche dann auch eingestellt. Dass man eine Geschichte auch tot recherchieren kann, weiß man vermutlich auch dort. Deswegen sei an dieser Stelle erlaubt, noch auf ein paar Dinge hinzuweisen, die man praktischerweise gleich weggelassen hat nicht mehr ganz in den Beitrag gepasst haben:

Seine jüngeren Redakteure bezahlt das Tagblatt deutlich unter Tarif. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte Martin Balle das in diesem Jahr mal damit, dass die Lebenshaltungskosten in Straubing ja auch niedriger seien als anderswo.

Freie werden vom „Tagblatt“ traditionell schlecht bezahlt. In den Honorarspiegeln belegt man dort seit vielen Jahren einen der hinteren Plätze. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber Reisejournalisten berichten beispielsweise im Mai 2013 davon, pro Zeile acht Cent und für jedes Foto 2,50 Euro zu bekommen.

Medienvielfalt gibt es im Balle-Beritt traditionell nicht. Das „Tagblatt“ ist in nahezu allen Gebieten seines Verbreitungsgebiets de facto das Monopolblatt. Das lokale Anzeigenblatt gehört dem Verlag, am Lokalfunk hält man die Mehrheitsanteile. Neuerdings gehört auch das Landshuter Lokalfernsehen mehrheitlich zum Verlag. Anteile an diversen Lokalradios und dem Regensburger Lokal-TV noch nicht eingerechnet.

Die politische Ausrichtung des „Tagblatts“ ist, nun ja, ziemlich eindeutig. So eindeutig, dass man alles, was nicht mit CSU zu tun hat, eher ungern ins Blatt nimmt.

Das alles gab´s bei „ttt“ nicht zu sehen und nicht zu hören. Hätte aber vielleicht auch nicht in diese schöne Geschichte gepasst. Schließlich heißt es am Ende des Beitrags „Da sein für den Leser und nicht nur für die Geldgeber. In Straubing hat man sich entschieden. Und noch scheint’s zu funktionieren.“

So einfach ist die Welt manchmal.