Focus & Co: Die Lösung ist das Problem

Drei Magazine, zweieinhalb gefeuerte Chefredakteure: Der Blick auf die drei wichtigsten Magazine Deutschlands zeigt, wie sehr das Thema „Digitalisierung“ inzwischen auch bei den Wochentiteln angekommen ist. Und wie wenig selbst den Großverlagen dazu einfällt.

In einer seiner letzten Ausgaben hatte der „Focus“ einen Titel darüber, wie man irgendwie sein Hirn wieder in Schwung bringen kann. Ich hatte die Ausgabe am Flughafen-Gate mitgenommen. Als dann im Flieger die Durchsage kam, dass man neuerdings sein iPad auch bei Start und Landung nutzen kann, habe ich die Ausgabe ungelesen wieder weggelegt. Ertappt hatte ich mich dabei, dass ich ein Magazin wie den „Focus“ nur noch in die Hand nehme, wenn ich für 5 Minuten beim Starten oder Landen mal eben Lektüre zum Durchblättern brauche. Aber irgendwelche Gehirntrainings? Himmel, nein, solche Geschichten gibt es wie Sand am Meer und wenn ich das denn unbedingt machen wollte, könnte ich solche Spiele im Netz dann auch gleich in die Praxis umsetzen.

Dominik Wichmanns letzte „Stern“-Ausgabe wartete unterdessen mit einem Titel darüber auf, dass es sich auf Deutschlands Autobahnen öfter mal staut, vor allem jetzt zur Ferienzeit. Und dass das Stress bedeute. Weil solche Magazine sich gerne über den wie auch immer gearteten „Nutzwert“ definieren, schrieb der „Stern“ auch noch brav auf seine Titelseite, dass es im Heftinneren Tipps gebe, wie man dem Stress entgehe.

Der „Spiegel“ hat in dieser Woche eine Nazi-Geschichte auf dem Titel. Das ist nicht gerade nutzwertig, beim „Spiegel“ jetzt aber auch nicht gerade eine Überraschung. Immerhin hatte der „Spiegel“ zu Mascolo-Zeiten auch mal eine Titelgeschichte über „Hitlers Uhr“ und damit den Beweis angetreten, dass man aus nahezu allem eine Geschichte machen kann, wenn „Hitler“ draufsteht.

Drei Magazine, drei Titelgeschichten. Und drei Chefredakteure, von denen zwei mit vielen warmen Worten gefeuert sind und einer öffentlich angezählt worden ist. Innerhalb von gerade mal drei Wochen. Das mag man für Zufall halten. Ist es aber nicht. Vielmehr zeigt der langsame Verfall der deutschen Magazine, wie sehr sich der Journalismus gerade verändert. Und wie sehr auch den Dickschiffen der Branchen plausible Antworten fehlen. Das beginnt bei der Personalauswahl und hört bei inhaltlichen Fragen noch lange nicht auf.

***

Vielleicht muss man, um das eigentliche Problem zu begreifen, erst mal in die nahe Zukunft schauen. Denn zumindest „Stern“ und „Focus“ haben bereits Nachfolger für ihre Chefposten gefunden, ehe der bisherige Chefredakteur offiziell vor die Tür gesetzt worden ist. Es ist bezeichnend, dass sie sich für die homöopathische Lösung entschieden haben – nach dem Grundsatz: Gleiches mit gleichem behandeln. Beim „Stern“ kommt jetzt der bisherige „Gala“-Chef an die Spitze, beim „Focus“ der Ex-Chefredakteur der WAZ. Beides gestandene Printmänner. Kein einziger davon mit dem Ansatz einer Digital-Expertise. Was zeigt, wie sehr die Macher in den Verlagen immer noch ihren Fokus auf das Heft legen und dabei keinen einzigen Gedanken an die Möglichkeit verschwenden, dass ein Magazintitel mittelfristig nur noch eine Chance hat, wenn er sich als digitale Marke auf allen Kanälen positioniert. Es ist ebenso bezeichnend, dass Wolfgang Büchner mit seinem „Spiegel 3.0“ als einziger konkret in diese Richtung denkt und es nicht nur bei lauwarmen Willensbekundungen belässt, dass dieses Internet schon irgendwie auch ein bisschen wichtig ist. Was Büchner davon hat, sieht man ja jetzt. Dass die neuen Männer an der Spitze von „Stern“ und „Focus“ auch nur ansatzweise in diese Richtung denken, kann man sich derzeit kaum vorstellen.

Was sie aber wiederum anders essentiell anders machen wollen als ihre Vorgänger, erschließt sich nicht so ganz. Natürlich, man wird das übliche Branchengerede hören. Aber speziell der „Focus“ hat ja am eigenen Leib zu spüren bekommen, dass es mit ein paar besseren und „härteren“ Geschichten alleine in der digitalen Welt nicht mehr getan ist. Der „Focus“ hatte u.a. den Gurlitt-Skandal und die Hoeneß-Geschichte als erster. Gebracht hat es ihm ungefähr gar nichts. Davon hätte man in analogen Zeiten lange zehren können, nicht aber in einer „always-on-Zeit“. Möglicherweise – halt, nein: ganz sicher – werden die neuen Männer an den Spitzen beider Magazine ein paar Dinge neu justieren. Aber nur mit dem Heft alleine wird sich das Überleben auf dem Markt dauerhaft nicht sichern lassen.

Es wäre also keine ganz schlechte Idee, würde man sich konzeptionell Gedanken machen, wie man das Blatt und das Online-Angebot enger miteinander verzahnen könnte. Das ist weniger eine organisatorische Frage als eine inhaltliche. Denn tatsächlich haben sich Print und Online bei „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ in den letzten Jahren inhaltlich eher voneinander entfernt, als dass man das als eine konsequente Strategie auf allen Kanälen wahrnehmen könnte.

Beispiel „Spiegel“: Das Heft kommt immer noch daher mit dem Anspruch, ein kerniges Nachrichtenmagazin zu sein (trotz aller Rückenschmerzen-Titel). „Spiegel Online“ hingegen hat sich schon lange zu einem eher bunten Sammelsurium des Tages entwickelt. Erfolgreich in der Breite, auch und vor allem deswegen, weil man sich dort nicht scheut,  bunte Geschichten an exponierter Stelle zu fahren und sich möglichst massenkompatibel zu geben. Eine Klickstrecke über eine Pandabärin, die eine Schwangerschaft vortäuscht – das ist eben „Spiegel Online“. Wie weit das zu einem Nachrichtenmagazin mit dem Anspruch des „Spiegel“ passt, lässt sich diskutieren…

Beispiel „Focus“: Ulrich Reitz wird vermutlich den politischen Anspruch des „Focus“ und dessen Seriosität und sein Gewicht herausstellen. Könnte allerdings ein Problem mit der Glaubwürdigkeit geben, wenn sein Online-Chefredakteur Daniel Steil weiterhin darauf setzt, Geschichten über das „heiße Nacktbaden“ bei „Promi Big Brother“ zu bringen. Wenn das Blatt gerne der konservative „Spiegel“ wäre und die Online-Ausgabe nur eine mühevoll gezähmte und etwas weniger hechelnde Variante der „Bild“ ist, verzweifelt jeder Marketingstratege. Und ja, Seriosität im Journalismus hat schon auch was mit dem Umfeld zu tun, in dem sie sich bewegen soll. Leitartikel zur Lage der Nation und heißes Nacktbaden, das beißt sich.

Bei „Focus Online“ findet sich heute auch diese hübsche Passage: „Paul und Alexandra und Mia und Aaron. Da knistert es heftig im „Promi Big Brother“-Container. Alexandra sagt über die Flirterei: „Paul und ich haben einen sehr, sehr engen Draht. Ich habe schon eine starke Verbindung zu ihm. Paul ist auf jeden Fall ne Schnitte, hübscher Kerl.“ Heißt: Sie findet ihn heiß, er hat sich noch nicht geäußert. Solo sind sie beide.“

Da darf man gespannt sein, ob sich der neue Chefredakteur auch mal Gedanken darüber macht, inwieweit „Focus“ und „Focus Online“ überhaupt noch zusammenpassen…

Und der „Stern“? Hat „stern.de“. Das einzige, was mir von „stern.de“ in Ernennung ist, ist die Ankündigung des damaligen Chefredakteurs Frank Thomsen, demnächst „Spiegel Online“ überholen und die Nummer 1 der deutschen Webseiten werden zu wollen. Das war vor etlichen Jahren. Thomsen ist inzwischen wieder zum Blatt zurückgekehrt und der Online-Ableger ist…nun ja, vorhanden.

Umgekehrt lohnt sich der Blick auf die „Zeit“ und „Zeit Online“. Ob man das Blatt nun mag oder nicht, unbestritten ist: Kein Wochentitel in Deutschland führt online so konsequent fort, was es gedruckt ist. Wo „Zeit“ draufsteht, ist „Zeit“ drin. Ohne Wenn und Aber. Wer die Online-Ableger von „Spiegel“ und „Focus“ anschaut, landet hingegen in einer sehr eigenen Welt. Das mag kurzfristig beim Blick auf Klicks und Quote vielversprechend sein. Die eigentliche Marke stärkt man damit ganz sicher nicht. Nach allem, was man hört, geht es der „Zeit“ erstaunlich gut. Vielleicht denken die Kollegen in Hamburg und München ja mal darüber nach, ob das auch andere Gründe als den Chefredakteur haben könnte.

***

Problem Chefredakteur? Speziell der „Focus“ hat in den letzten Jahren ungefähr alle Varianten mal probiert. Den konservativen Haudrauf, den politischen Feingeist, den Nutzwert-Handarbeiter. Jetzt kommt wieder jemand, der das konservative Blattmachen als Lebenselixier hat. Ebenso beim „Stern“. Und auch bei den Kandidaten, die beim „Spiegel“ als potentielle Nachfolger für Wolfgang Büchner genannt wurden, war kein einziger dabei, den man mit dem Digital-Thema in Verbindung gebracht hätte. Dabei haben die Wochenblätter mit dem Netz ebenso zu kämpfen wie die Tageszeitungen – man hat nur bisher weniger darüber gesprochen. Tatsächlich ist aber gerade das Manko einer wöchentlichen Erscheinungsweise nur dann wettzumachen, wenn die Marke ihre Geschichte auch durch die Woche hindurch erzählen kann. Wenn sie für den Nutzer als gegenwärtig wahrzunehmen ist. Und als relevant. Wer seinen Lesern montags von Weltpolitik und dienstags von heißem Nacktbaden erzählt, hat ein Problem. Das wird sich nicht ändern, solange weiter an den Spitzen der Blätter Blattmacher stehen, die sich zwar mit viel Liebe zum Detail einem Softrelaunch im Blatt widmen, alle anderen Kanäle ihrer Marke außer acht lassen. Aktuell würde es mich reizen, den designierten „Fcous“-Chef mal zu fragen, ob er weiß, wie Instagram tickt. Oder YouTube. Vine, Storify, Popcorn, Pageflow. Und ob er dafür irgendeine Idee hat, die darüber hinausgeht, Werbung für die kommende Print-Ausgabe zu machen.

Eine Zeitlang hatte ich ja auch mal gedacht, dass die Grabenkämpfe zwischen Print und Digital vorbei seien. Zumal sich ja nicht nur die „Süddeutsche“ den Herrn Plöchinger, sondern auch der „Stern“ mit Anita Zielina eine ausgesprochene Könnerin in die Chefredaktion geholt hatte. Inzwischen ahne ich, dass ich mich getäuscht habe. Weil in 98 Prozent aller Fälle zwar inzwischen die Online-Redaktionen wenigstens nicht mehr das Schicksal publizistischer Kellerasseln zu tragen haben. Aber direkt Einfluss auf die Unternehmensstrategie, auf das gedruckte Blatt bekommen sie nur selten.

Womit wir wieder beim „Spiegel“ wären. Mehr Einfluss der Onliner auch aufs Blatt, nicht weniger als das steht hinter der Idee von „Spiegel 3.0“. Anders wird sich im digitalen Zeitalter kein journalistisches Produkt machen lassen. Genau hier beginnt aber der neue Grabenkampf.

Die letzten beiden Wochen bei „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ haben genau eines gezeigt: Daran wird sich auch in nächster Zukunft nichts ändern. Die aktuellen Personalentscheidungen sind der beste Beleg dafür.

Den Spiegel vorgehalten

Spiegel 3.0 oder doch alles wie gehabt? Der Showdown in Hamburg steht sinnbildlich für eine ganze Branche. Weil sie durch die Debatten dort selbst einen Spiegel vorgehalten bekommt…

Natürlich ist es immer ein ganz besonderes Spektakel, wenn es beim „Spiegel“ um Köpfe geht. Vor allem wenn es der des Chefredakteurs ist. Der „Spiegel“ hat eine ganz besondere Begabung für Drama. Und wenn sie in Hamburg gerade mal wieder Drama-Tage haben, dann schaut nicht nur Mediendeutschland hin. Das ist auch diesmal nicht anders, zumal Wolfgang Büchner der ganzen Sache einen ganz besonderen Thrill gegeben hat: Das ist so ein bisschen wie „High Noon“, was sie da gerade an der Ericusspitze spielen. Für Medien und ihre Journalisten ist das ein ganz besonders gefundenes Fressen, weswegen die Medienressorts momentan von zwei Fragen dominiert sind: Wie lange macht´s der Büchner noch? Und ist das nicht sensationell, wie der „Spiegel“ das Thema digitale Transformation einfach nicht gebacken bekommt?

Dabei ist der „Spiegel“ in dieser Digitalgeschichte gar kein spezieller Einzelfall. Er steht vielmehr stellvertretend dafür, wie ungeheuer schwer sich die ganze Branche immer noch damit tut, die Grundlagen für eine gesicherte digitale Zukunft zu schaffen. Besonders lustig ist es dann, wenn Michael Hanfeld in der FAZ mutmasst, diese ganze Sache in Hamburg könne noch ein böses Ende nehmen. Das eigene Haus hat unterdessen gerade im zweiten Jahr in Folge bemerkenswerte Millionenverluste geschrieben und als Vorreiter einer plausiblen Digital-Strategie haben sie sich in Frankfurt bisher auch noch nicht hervorgetan. Dass dort mittlerweile ein gewesener Spiegel-Chefredakteur die digitalen Geschäfte managt, ist eine hübsche Fußnote. Man müsste den Herrn Müller-Blumencron mal fragen, ob er sich in Frankfurt wirklich wesentlich leichter tut als in Hamburg. Von außen betrachtet müsste man vermutlich sagen: nein.

Beim Verlagsriesen Funke in Essen haben sie zwischenzeitlich nicht nur eine Unit für digitale Projekte gegründet, sondern gleichzeitig auch noch jemanden berufen, der sich um „Innovationsmanagement“ kümmern soll. Das ist als Idee grundsätzlich nicht zu kritisieren. Man würde nur gerne anmerken, dass wir mittlerweile 2014 haben und die Idee einer Stabsstelle für Innovationsmanagement im Jahre 20 der Digitalisierung ganz sicher keine Sekunde zu früh kommt.

Im Gegenteil: Bei Funkes sind sind sie zwar vielleicht ein bisschen spät dran, immerhin aber haben sie jetzt so etwas. Das ist immer noch eher die Ausnahme denn die Regel, was man auch an der Tatsache ermessen kann, wie aufgeregt die Branche hyperventilierte, als die SZ in diesem Jahr ihren Online-Chefredakteur zum Mitglied der Chefredaktion machte. Das war ganz sicher eine kluge Entscheidung, noch dazu, wo man mit Stefan Plöchinger einen der Besten der Branche im Haus hat. Trotzdem ist es verblüffend, dass eine solche Personalie immer noch so diskutiert wird, als wenn sich die SZ entschieden hätte, fortan in kyrillisch zu erscheinen. Weil es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müsste, sowohl das Thema Innovationen explizit zu besetzen als auch eine Online-Redaktion und eine Print-Redaktion irgendwie miteinander zu verzahnen. Davon sind die meisten, die sich jetzt gerade genüsslich über den „Spiegel“ hermachen, ziemlich weit entfernt. Wo sind sie denn, die Innovationsmanager, die exponiert positionierten Onliner in den deutschen Verlagshäusern?

Wie die Sache beim „Spiegel“ unterdessen ausgehen wird, weiß ich natürlich nicht. Ob der Chefredakteur nächste Woche noch Büchner oder vielleicht ganz anderes heißen wird, spielt allerdings auch nicht die entscheidende Rolle. Der „Spiegel“ muss über kurz oder lang zu einem digitalen Gesamtpaket werden, das ist alles, was zählt. Bevor jetzt aber jemand von FAZ, Funke und all den anderen auf die Idee kommt „Ja, genau“ zu sagen – das gilt uneingeschränkt auch für alle anderen.

Spannende Tage also. Für den „Spiegel“. Und die ganze Branche.

„Spiegel“ und ich: Szenen einer Ehe

Der „Spiegel“ und ich – das ist wie eine lange Ehe. Die von der Liebe zur Zweckgemeinschaft erkaltet ist. Aber mit ein bisschen mehr neuem Pepp wäre diese Beziehung schon noch zu retten. Auch wenn langsam der Glaube schwindet.

Von den internen Verhältnissen und Vorgängen beim „Spiegel“ habe ich natürlich keinerlei Ahnung. Deshalb weiß ich auch nicht, ob diese Geschichte aus der „Berliner Zeitung“ stimmt und wie sie einzuschätzen ist. Ich würde mir auch keinerlei Urteil über einen Chefredakteur und dessen Arbeit erlauben, wenn ich ihn nicht kenne.

Aber über den „Spiegel“ erlaube ich mir eines. Zumindest aus der Sicht eines interessierten Lesers. Oder besser gesagt: eines zunehmend gelangweilten Lesers.

Also, lieber „Spiegel“ wenn ich da mal eine Bitte äußern dürfte: Könntet ihr mich in Zukunft wieder etwas weniger langweilen, etwas weniger ritualisiert daherkommen, ein bisschen was von eurer Attitüde ablegen und möglicherweise öfter wieder solchen Lesestoff bieten, dass ich mein iPad nicht mehr aus der Hand legen will? Es ist nämlich so, dass ich euch schon ziemlich lange lese und deswegen inzwischen einige Dinge, nun ja, quasi antizipieren kann.

Mit tödlicher Sicherheit habt ihr in einer Ausgabe eine Geschichte über einen Politiker/Funtionär/Manager drin, der kurz vor dem Fall steht. Und mit ebenso tödlicher Sicherheit raunt ihr dann was im Sinne von „Schon formieren sich die ersten Kritiker…“.

Ein „Spiegel“ ist nicht ein „Spiegel“, wenn nicht mindestens irgendeine Gesetzesvorlage zur künftigen Mindestgröße von Regenabflussrohren als wenigstens dilettantisch beschrieben wird. Beliebte Formulierung bei diesem Thema: „Jetzt rächt sich, dass…“

Einmal pro Jahr beglückt ihr mich mit der Feststellung, dass die CDU/SPD/sonstige künftige Regierungspartei zum Kanzlerwahlverein verkommen ist. Das habe ich gelesen über: Kohl. Schröder. Merkel. Verbunden ist meistens die Feststellung, dass es der CDU/SPD/allen anderen Parteien spürbar an geeignetem Nachwuchs fehlt.

Irgendeine Straße/Bahntrasse/Bauwerk ist nicht rechtzeitig fertig geworden/wird nicht rechtzeitig fertig. Beliebtes Einsprengsel in ungefähr jeder dritten Ausgabe.

Ganz neu und dafür umso gruseliger: der Konsenskommentar. Ich bin meistens nicht einer Meinung mit Jan Fleischhauer oder Jakob Augstein, aber über die kann ich mich wenigstens halbwegs ordentlich aufregen. Der Konsenskommentar lässt mich meistens schulterzuckend zurück.  Ihr braucht sicher keine Ratschläge von mir, aber eines habe ich mir früh zur Gewohnheit gemacht: Wenn ich Kommentare schreibe und bekomme ihn nach dem Gegenlesen mit einer Anmerkung wie „Sind keine Fehler drin“ zurück, werfe ich ihn weg. Eure Konsenskommentare sind meistens frei von Fehlern, aber ungefähr so aufregend wie Regenwetter in Hamburg. Momentan warte ich nur noch auf einen Kommentar, der mit dem Satz „Bleibt zu hoffen…“ endet.

Gerade im Moment überlege ich angestrengt, welche Geschichte aus den letzten Ausgaben bei mir irgendwie haften geblieben ist. Wahrscheinlich ist das jetzt ungerecht und euch fallen auf den Schlag irgendwelche lesenswerten Stücke ein, aber in meiner Erinnerung ist da: Langeweile. Das letzte wirklich bemerkenswerte Stück war das von Cord Schnibben über die Nazi-Vergangenheit seiner Familie, das habe ich verschlungen. Aber sonst? Ja, kann man alles machen, was ihr macht, Muss man aber nicht. Für mich ist es einigermaßen schlimm, so einen Satz hinzuschreiben. Weil ich sonst sowas nur beim „Focus“ denke.

Achja, dann habt ihr ja auch noch „Spiegel Online“, das ihr jetzt irgendwie näher ans Blatt führen wollt, was aber anscheinend gar nicht so einfach ist. SPON war für mich mal vor etlichen Jahren das Maß der onlinejournalistischen Dinge, weil dort immer wieder mal Neues und Aufregendes passiert ist. Inzwischen ist SPON so aufregend wie….ach nö, halt, den Regenwetter-Vergleich hatten wir ja schon. SPON ist wie eine publizistische Verwaltungsbehörde. Das ist alles ok, man schaut zweimal am Tag rein, weil man als Journalist ja auch einmal täglich in den Ticker einer Nachrichtenagentur schaut. Dass ihr laut „Berliner Zeitung“ gerne den Kollegen Stefan Plöchinger zurückgehabt hättet, glaube ich euch in dem Zusammenhang gerne. Weil der euch jeden Tag bei „süddeutsche.de“ vormacht, wie man ein gutes und erfolgreiches Nachrichtenangebot macht, das sich trotzdem permanent entwickelt. Blöd jetzt, dass der angeblich lieber in München bleibt, bei euch hätte er sicher eine lohnenswerte Aufgabe gefunden (wenn man mal davon absieht, dass in München auch das Wetter meistens besser ist).

Wie gesagt, ich kenne eure Interna nicht und sie sind mir auch vergleichsweise egal. Aber als Leser habe ich mehr und mehr den Eindruck, dass es euch nicht schaden könnte, wenn ihr mal alle Fenster aufmacht und ordentlich durchlüftet. Wenn ihr mal eure Routinen hinter euch lasst. Weil ich euch ja immer noch mag, trotz alledem.

Trotzdem, es ist so ein bisschen wie in einer alten Ehe: Ab und an mal wieder ein bisschen Spannung in die Beziehung bringen, das würde uns ganz gut tun.

Bild dir deinen Jogi

Zum Einstieg heute mal eine Frage auch und ganz besonders an die Nicht-Fußballexperten unter Ihnen (also geschätzt an ungefähr zwei oder drei): Eine Mannschaft, die von den letzten 32 Pflichtspielen 28 gewonnen hat, die ihr letztes Pflichtspiel vor ziemlich genau zwei Jahren verloren hat, die in der Weltrangliste auf Platz 1 steht und bei den letzten vier großen Turnieren dreimal im Halbfinale und einmal im Endspiel stand – würden Sie der es zutrauen, dass sie Weltmeister werden kann? Ja? Echt jetzt?

Sie können sich ja noch kurz überlegen, ob sie diese überaus gewagte Prognose ernsthaft aufrecht erhalten wollen. Falls Sie zweifeln, ziehen Sie doch bitte einfach mal Deutschlands Sportjournalisten zu Rate. Die nämlich kommen heute bspw. in der FAS und im „Spiegel“ auf nahezu revolutionäre Ideen. „Kaum zu glauben, aber zum Greifen nah“, titelt beispielsweise die FAS heute. Der „Spiegel“ wiederum widmet dem Bundestrainer einen ganzen Titel und spricht von den „kühnen Strategien des Joachim Löw“. Die „Bild am Sonntag“ hat eh keinen Zweifel mehr: Jetzt werden wir auch Weltmeister.

Ja, das ist schon echt heftig: Der Weltranglisten-Erste könnte Weltmeister werden. Wenn das nicht „kaum zu glauben“ ist, was dann noch?

Das heißt, wenn man so mitliest, was Deutschlands Fußball-Schreiber in den letzten Jahren so alles geschrieben haben – man könnte meinen, Deutschland sei ein Fußball-Entwicklungsland und Jogi Löw in Wirklichkeit die Wiedergeburt von Erich Ribbeck. Löw, der nie ein großes Turnier gewinnen wird, Löw, der im entscheidenden Moment alles vercoacht, Löw, der immer nur die Schönspieler einsetzt, anstatt ein Spiel auch mal ganz dreckig mit den deutschen Tugenden (die bestehen in erster Linie darin, ein Spiel dreckig zu gewinnen) gewinnen zu lassen.

Deutschlands Fachorgan Nummer eins, die „Bild“, ist da übrigens auch immer ganz vorne dabei. Was irgendwie fast verständlich ist: Der smarte Jogi, der Taktikfuchs, der Schöngeist, das passt vermutlich nicht ganz in das Bild, das „Bild“ gerne von einem deutschen Bundestrainer hätte. Die Volkstümlichkeit fehlt Löw zur Gänze und für markige Sprüche oder Wutreden oder kaiserliche Ja, gut-Dampfplaudereien ist er auch nicht zu haben. Weswegen es kein Wunder ist, dass „Bild“ kaum eine Gelegenheit auslässt, ihn anzuzählen: Wann muss Löw gehen? Diese Frage beschäftigt das Blatt schon eine ganze Zeit, zuletzt letzte Woche. Für „Bild“ war klar: Packen wir das Viertelfinale nicht, kann er sofort seine Sachen packen, der Jogi. Halbfinale geht gerade noch so, Finale muss es eigentlich dann schon sein.

Und die ganzen „Jogi, so werden wir nie Weltmeister“-Schlagzeilen, die kann man eh nicht mehr zählen.

Aber es ist ja keineswegs nur die „Bild“. Keine große Sportredaktion im Land, die vor dem Turnier Deutschland ernsthaft zum Titelfavoriten ausgerufen hätte (im Gegensatz übrigens zu vielen Kollegen im Ausland). Als sich Marco Reus vor dem Turnier verletzte, wurde mindestens der sofortige Untergang postuliert, dabei hatte Löw doch schon vor vier Jahren gezeigt, dass er clever genug ist, solche Ausfälle zu kompensieren. Oder hat nach Südafrika nochmal irgendjemand ernsthaft nach Michael Ballack gerufen (außer der „Bild“ natürlich)?

Jetzt also Halbfinale – und die Erkenntnis: Wer im Halbfinale steht, könnte theoretisch ja auch Weltmeister werden. „Kaum zu glauben“, titelt die FAS, man müsse Löw auf Knien danken für das, was er für den deutschen Fußball getan habe, verpasst ihm der „Spiegel“ sogar eine Komplett-Rehabilitation.

Und Jogi? Bleibt cool wie immer. Wenn im Halbfinale Schluss ist, hat er es als einziger deutscher Trainer der Geschichte dennoch geschafft, seine Mannschaft in allen von ihm gecoachten Turnieren unter die letzten vier zu bringen. Auch wenn man auf die Forderungen nach seinem Rückzug warten kann, schließlich hat er dann schon wieder kein Turnier gewonnen. Für schnelle Wendungen ist Deutschlands Fußball-Journaille  immer zu haben.

Oder, wie man es auch sagen könnte:

Die Wundertüten kommen ans Ende

Vor drei Wochen hat der „Spiegel“ eine Titelgeschichte von Cordt Schnibben und die Nazi-Vergangenheit seines Vaters gemacht. Vor zwei Wochen befasste sich der Titel damit, dass es angeblich immer mehr Menschen gibt, die mit über 40 Eltern werden. In dieser Woche fragt sich der „Spiegel“ auf dem Titel, ob es womöglich bald wieder Krieg in Europa gibt (Antwort: vermutlich eher nicht).

Die Kollegen vom „Stern“ haben zwischenzeitlich eine Titelgeschichte über veganes Leben gemacht. Davor gab es Titel über alles Mögliche, ich weiß nur nicht mehr genau, was es war. Was der „Focus“ getitelt hat, weiß ich beim besten Willen nicht mehr, im Zweifelsfall könnten es ein paar Listen gewesen sein oder auch Gesundheitstipps.

Das steht hier, weil es vergangene Woche eine interessante Meldung zum Thema Auflagen gegeben hat. Demnach geht es den Zeitschriften in Deutschland auch nicht mehr unbedingt gut – auch den zweieinhalb publizistischen Flaggschiffen „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ nicht mehr. Zusammen mit dem seit Jahren anhaltenden Abwärtstrend der Tageszeitungen könnte man jetzt wieder in das übliche Lamento über den Niedergang von Printmedien anstimmen. Aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Denn am Trägermedium alleine liegt es nicht, dass der Journalismus auf gedrucktem Papier zunehmend schwierigeren Zeiten entgegen geht.

Bleiben wir deshalb nochmal kurz beim „Spiegel“ – der „Stern“ hatte sich ja schließlich schon immer als eine gedruckte inhaltliche Wundertüte definiert. Natürlich kann man das schon machen: eine Woche mit Nazis aufmachen und dann wieder mit alten Eltern. Das ist schließlich über Jahrzehnte das Prinzip von Wochentiteln gewesen: Man bildet ungefähr alles ab, was in Deutschland und der Welt passiert, so ein wöchentlicher Welterklärer kann ja auch mal ganz nett sein. Nur: Braucht es den noch, wenn es alle diese Themen sehr viel umfangreicher auch im Netz gibt? Schafft man es wirklich, so unterschiedliche Interessen und Themen und damit auch Zielgruppen hinter einem einzigen Titel zu versammeln? Das ist ja auch die Frage, der sich die Tageszeitungen stellen müssen: Ist es ein Konzept, alles ein bisschen gut zu können, alles ein klein wenig anzureißen, nirgends aber in die Tiefe zu gehen?

Das Prinzip „Wundertüte“ kommt langsam an sein Ende. Das ist kein Problem, das Printmedien exklusiv für sich haben, auch das analoge TV beispielsweise steht zunehmend vor dem Problem, dass sich Nutzer die Inhalte, die sie wirklich sehen wollen, irgendwo rauspicken – und nicht warten, ob zwischen Nachrichten, Spielfilmen, Ratgebersendungen und Sportübertragungen möglicherweise auch mal eine Serie kommt, die sie interessiert. Man könnte auch sagen: Das Nutzerverhalten wird durch die unfassbaren Mengen, die es in der digitalen Welt gibt, zunehmend selektiver. Weil es gar nicht mehr anders geht.

Was können, was müssen Redaktionen tun? Sich eindeutig positionieren. Klare Haltungen einnehmen. Zur Community werden. Nein, nicht durch eine Facebook-Seite, sondern durch Kompetenz und Zugehörigkeit zu einem Thema, zu einem Lebensgefühl. Zugehörigkeit zu einer Community, das ist es, für was Nutzer im Zweifelsfall auch zu zahlen bereit sind.

Der Blick in den“Spiegel“

Ab und an soll man ja auch mal was Positives sagen. Um allerdings das Positive, dass ich gleich loswerden möchte, sagen zu können, muss ich erstmal was Negatives vorausschicken: Ich fand den „Spiegel“ in der dann doch eher kurzen Mascolo-Ägide gruselig. Voraussehbar, bräsig, langweilig, stereotyp, manchmal hart am Rand der Lächerlichkeit („Hitlers Uhr“). Manchmal wusste ich auch nicht, ob sich nicht Helmut Markwort als Georg Mascolo getarnt hatte und lauter abgelehnte „Focus“-Geschichten zu „Spiegel“-Titeln umwandelte. Die Häufung von Geschichten jedenfalls, die irgendwas mit Volkskrankheiten zu tun hatten, verleidete mir die „Spiegel“-Lektüre einigermaßen nachhaltig.

Dass Wolfgang Büchner Chefredakteur wurde, hielt ich für eine ausgesprochen gute Idee, auch wenn ich nach der Causa Nikolaus Blome zunächst dachte: Ok, du kannst weiter darauf verzichten, den „Spiegel“ zu lesen. Dann kamen die ersten neuen Hefte – und das erkennbare Bemühen, den „Spiegel“ wieder zu dem zu machen, was er früher mal war. Im Heft dieser Woche ist das ziemlich gut gelungen: mit dem NSA-Thema ein relevantes Titelthema, eine klare Haltung, gut recherchierte Geschichten.

Natürlich, es gibt immer noch die spiegeligen Marotten, die in keinem Heft fehlen dürfen. Sätze wie „Jetzt rächt sich, dass…schon gibt es erste Kritik aus den eigenen Reihen“ gehören offensichtlich zur „Spiegel“-DNA. Und natürlich gibt es immer noch die merkwürdigen Bildtexte, die manchmal mit Brachialgewalt erzeugten szenischen Einstiege und alles andere, was man als wenigstens merkwürdig abtun kann. Aber in Zeiten, in denen einen ansonsten die „Huffington Post“ anquäkt und Lautstärke mit Substanz verwechselt, findet man das fast schon wieder heimelig.

Die Paywall muss vor die Wagenburg!

Es gibt eine neue App. Sie heißt „Der Abend“ und bietet einen Überblick über den beinahe zurückliegenden Tag. Sie ist personalisierter, interaktiv, lern- und merkfähig, lässt sich insbesondere auf mobilen Geräten gut nutzen, verzichtet demnach völlig auf Papier und ist im Falle der Fälle auch so konfigurierbar, dass sie dem Design verschiedener Redaktionen angepasst werden kann. Kurz gesagt: So soll sie sein, die Zeitung der Zukunft, sofern man sich darauf einlässt, die Zeitung endlich mal davon zu entkoppeln, immer gedruckt sein zu müssen.

derabend

Kommt Ihnen nicht übermäßig spannend, innovativ und aufregend vor? Wären Sie auch selbst drauf gekommen, wenn man Ihnen mal eine Viertelstunde Zeit gegeben hätte? Mag alles sein. Trotzdem ist dieses Ergebnis, das der „Spiegel“ und der Zeitungsdebatten-Mastermind Cordt Schnibben jetzt als Resultat von #tag2020 vorgelegt haben, nicht einfach damit abzutun, dass es eher unspektakulär ist. Im Gegenteil. Denn erstens ist vieles sehr richtig und überlegenswert daran, zum anderen wirft es eine Frage auf, die man sich schon länger stellen müsste: Wenn denn alles so einfach und banal ist, wie es von Print-Seite gerne heißt (der unvermeidliche FAZ-Hanfeld und seine 2 Cent Häme stehen bereits online), warum gibt es ein solches Produkt nicht schon lange? Und wieso halten immer noch viele Verlage die Transkription einer Zeitung in ein e-Paper für die Krönung des digitalen Journalismus?

Darüber soll an dieser Stelle nicht spekuliert werden. Nicht mal, obwohl mir spontan etliche Gründe einfielen. Eines ist dennoch frappierend: wie sehr dieses Beharrungsvermögen auf Printseite immer noch ausgeprägt ist. Cordt Schnibben schildert in seiner Zusammenfassung u.a. die Reaktionen auf die Zeitungsdebatte – und wie ihm eines Morgens fast die Kaffeetasse aus der Hand gefallen ist, weil jemand ernsthaft behauptete, er habe ein von Matthias Döpfner geordertes, „Bild“-ähliches Konzept entworfen. Aber auch die Reaktionen aus anderen Blättern waren von beeindruckender Engstirnigkeit: In „FAS“, „Zeit“ und anderen wurden die bösen Zeitungshasser für alles verantwortlich gemacht, in der FAZ verstieg sich Stefan Schulz zu der selbst für seine Verhältnisse erstaunliche Behauptung, der Anspruch der Zeitung sei schließlich „Wahrheit“. Seinem Herausgeber Frank Schirrmacher fiel nichts anderes ein, als ernsthaft darauf zu verweisen, es dämmere gerade immer mehr Menschen, dass die Zeitung nicht von der NSA überwacht werden könne. Und auch Hanfelds neuer Text kommt nicht ohne den Hinweis aus, in der „Spiegel“-Debatte seien „Online-Onkels von der Leine“ gelassen worden, die dann ihren „Zeitungshass“ ausgelebt hätten.

Schon klar, so einfach kann man sich das natürlich machen. Alles ist gut, nur die bösen Online-Onkelz reden alles kaputt. Weil es ihnen Spaß macht, es ihr Hobby ist und dem eigenen Business schließlich auch noch gut tut. Das ist eine Wagenburg-Mentalität, die bisher noch jedem Untergang vorausgegangen ist, wobei ich beim Stichwort Untergang irgendwie an den gleichnamigen Film denken muss und an die Szene, in der der Führer irgendwelche Armeen herbeizitiert, die schon lange nicht mehr existieren. Eine solche Mentalität verhindert allerdings auch die Öffnung nach außen und die Möglichkeit, auf solche Dinge wie das Konzept „Der Abend“ zu kommen. Bevor jetzt wieder irgendein Hanfeld loskräht: Das Konzept wurde nicht von den bösen Onkelz kreiert, sondern basiert weitgehend auf dem, was User eingebracht haben. Hätte man übrigens ebenfalls selber machen können, man müsste nur mal von seinem hohen Journalisten-Roß runterkommen und aufhören zu glauben, man wisse schon, was für (Medien-)Land und Leute gut ist.

Haben sie aber nicht, sind sie aber nicht – und ich würde die Prognose wagen: Viel wird sich auch weiterhin nicht ändern, schon alleine, weil man sich ja jetzt erst mal dem Aufziehen von Paywalls widmen muss. Andersrum würde vielleicht eher ein Schuh heraus.  Journalismus neu denken, den Gegebenheiten eines digitalen Zeitalters anpassen – und dann Produkte entwickeln, die man sich auch bezahlen lassen kann. Aber, schon klar: Solange man böse Internet-Onkelz und diebische Geizhals-Leser als Feindbild ausmacht, muss man sich über die eigene Einfallslosigkeit kaum Gedanken machen.

Nachtrag: Ein anderer böser Onkel, Thomas Knüwer, hat sich ebenfalls zum Thema geäußert. Er hält die Abend-App für ziemlich konfus und nimmt die Debatte letztlich als Beleg dafür, dass sich das bedruckte Papier dem Ende nähert. Lesen kann man das hier – aber bitte nicht gleich wieder ´ne Verschwörung wittern, liebe analoge Verschwörungstheoretiker.

Geständnisse eines selbstverliebten Laberers

Zunächst muss ich Ihnen heute ein Geständnis machen: Ich habe absolut gar keine Lösung für die Frage, wie sich eine Tageszeitung in die Zukunft retten könnte. Gar keine. Ich habe nur eine Ahnung, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Das denke ich übrigens auch vom klassischen, linearen Fernsehen. Aber eine fertige Lösung? Wenn ich sie hätte, würde ich heute noch meine Bank oder Jeff Bezos anrufen und würde das, was ich für richtig halte, ausprobieren, indem ich mir eine Zeitung kaufen würde. Muss ja nicht gleich die Washington Post sein, als kleine Experimentierfläche würde mir auch der „Dingolfinger Anzeiger“ völlig ausreichen. Aber erstens wüsste ich dann nicht so richtig, was ich damit anstellen soll und zweitens habe ich die Nummer von Jeff Bezos nicht. Deswegen wird es vorläufig dabei bleiben, dass ich lediglich hin und wieder öffentlich weiterhin behaupten werde, dass das Produkt Tageszeitung aus meiner Sicht keine große Zukunft hat. Das würde ich auch vom Tonträger CD behaupten, ohne dass ich ein Patentrezept für die Zukunft der Musikindustrie habe.

Warum das hier steht? In den letzten Monaten hat sich aus meiner Sicht mal wieder die Front zwischen Befürwortern des Modells Tageszeitung und der Skeptiker erheblich verschärft. Das ist erst mal nicht weiter schlimm, in einer guten Debatte darf es ruhig mal scheppern. Was ich allerdings weniger schätze: Es wird zunehmend persönlicher. Ein erster kleiner Höhepunkt dessen war für mich die unsägliche Debatte im „Medium Magazin“ zwischen Thomas Knüwer und Christian Lindner, bei der Sinn und Zweck der Beiträge erkennbar nicht war, Positionen auszutauschen. Sondern einfach Leute aufeinander loszulassen. Christian Lindner hat das dann auch brav getan, in dem er den „Onlinern“ (was auch immer das sein soll) Arroganz und Besserwisserei vorgeworfen hat.

***

Seit gut einer Woche gibt es nun bei „Spiegel Online“ eine Debatte über die Zukunft der Zeitung. Dort haben bisher u.a. Thomas Knüwer, Mario Sixtus, Richard Gutjahr, Wolf Schneider, Armin Wolf, Stephan Weichert, Wolfram Weimer und Constantin Seibt versucht, die Frage zu beantworten, wie es um die Zukunft der Tageszeitung bestellt ist. Die Antworten der angefragten Autoren (einschließlich meiner eigenen) fielen nicht wirklich überraschend aus: Wenn man Knüwer, Sixtus, Gutjahr und ab und an mal meinen Kram liest, dann wird man schwerlich erwarten können, dass einer von uns etwas sehr viel anderes schreibt als das, was wir schon längere Zeit so schreiben und was – ich behaupte das mal einfach für die anderen mit – unserer Überzeugung entspricht.  Man kann das aus zweierlei Gründen kritisieren. Erstens, weil man schlichtweg anderer Meinung ist. Oder aber man kritisiert, dass der „Spiegel“ Leute angefragt hat, deren Haltungen weitgehend bekannt sind. Aber zu kritisieren, dass wir auf die Frage nach unserer Meinung unsere Meinung geäußert haben, ist ein kleines bisschen obskur.

Allerdings geht es offensichtlich bei der Debatte um die Zukunft der Zeitungen beileibe nicht mehr nur um die Sache als solche, sondern auch um sehr viel Emotionen. Stefan Winterbauer beispielsweise kritisiert beim Branchendienst „Meedia“ u.a. „selbstverliebtes Gelaber“ und „nervenzerfetzende Langeweile“. Und dass es ausschließlich darum gehe, dass jeder „selbsternannte Medienprophet“ bei dieser Debatte dabei sein wolle. Was im Übrigen ein hübscher Beleg dafür ist, dass Winterbauer erst genervt und dann genervt und schließlich gernervt war und deswegen nicht recherchiert hat: Bei der Debatte hat sich keiner von uns Selbstdarstellern aufgedrängt und wollte unbedingt mit dabei sein. „Spiegel Online“ hatte die Autoren angefragt. Aber es ist dann schon irgendwie erschütternd für mich selbst, wenn ein Medienjournalist offenbar denkt, ich hätte mit dem Ruf „Ich will da rein“ an der Tür des „Spiegel“ gescharrt.

Winterbauer konstatiert dann noch einen Redundanz-Overkill und merkt an, dass es sich um das ewige Geschwätz handle, das keinerlei Lösung anbietet. Tja, kann gut sein – allerdings fällt mir auch nach längerem Nachdenken nicht ein, welche probaten Lösungen ich nach Lektüre von Stefan Winterbauer oder „Meedia“ gefunden hätte. Und falls man dort jetzt einwenden sollte, dass ein guter Musikkritiker ja nicht auch gleichzeitig ein guter Musiker sein muss, würde ich sagen: Treffer. Natürlich dürfen Winterbauer und Meedia jede Kritik der Welt üben, ohne sofort eine Lösung für die Zukunft der Tageszeitung zu haben. Es ist nur schwierig, wenn man das im Gegenzug von uns verlangt.

***

Zu den lustigen Wendungen dieser „Spiegel“-Debatte gehört auch, dass man Stefan Niggemeier lesen muss, um Sascha Lobo zu lesen. Lobo hat dort einen „Gastbeitrag“ verfasst, in dem er als Quintessenz mitnimmt, die SPON-Autoren würden in erster Linie sich selbst als die Lösung der Probleme anbieten. Von all den vielen Kritiken, die ich bisher gelesen habe, war das die Originellste. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich mag Sascha Lobo, finde ihn von seiner Frisur abgesehen sehr unterhaltsam und meistens auch bemerkenswert klug, nehme aber durchaus auch wahr, dass Sascha Lobos Geschäftsmodell u.a. darin besteht, sich als die Lösung aller offenen Netzfragen anzubieten. Und ich verstehe die Logik hinter dem Beitrag nicht: Richard Gutjahr beispielsweise fordert in seinem Beitrag „mehr Experimentierfreude“, Sascha Lobo attestiert ihm, eine der experimentierfreudigsten Figuren in der deutschen Medienszene zu sein. Wunderbar, würde ich daraus folgern: Da tut einer, was er selbst von anderen fordert. Mario Sixtus fordert mehr „mutige Ausprobierer“ und Lobo attestiert ihm, ein „mutiger Ausprobierer“ zu sein. So geht das am Beispiel aller Autoren weiter, am Ende kommt Sascha Lobo dann zu der verblüffenden Schlussfolgerung, die Mediendebatte kranke vor allem daran, dass ihre Teilnehmer „unfähig und unwillig“ seien, ihre eigene Perspektive mal zu verlassen.

Aber genau das ist der Punkt – der zum einen entscheidend ist für die Debatte und an dem zum anderen Herr Lobo irrt. Richard Gutjahr hätte sich ein angenehmes Leben als Moderator beim öffentlich-rechtlichen TV machen können. Mario Sixtus hätte andere Optionen gehabt, als ein neues Format zu kreieren. Thomas Knüwer wäre vermutlich heute noch beim „Handelsblatt“, hätte er sich nicht selbstständig gemacht – und (ich will Ihnen ja nicht vorjammern) ich hätte ebenfalls ein Leben in öffentlich-rechtlicher Tüdeligkeit führen können. Ich habe in meinem Leben zweimal Jobs aufgegeben, bei denen ich komplett unbefristete Verträge hatte und bei denen ich in Ruhe alt hätte werden können. Der Trugschluss, dem Sascha Lobo in seinem Text unterliegt, ist also der: Fast jeder der Autoren hat seine Perspektive schon mal verlassen und geändert, einige sogar ziemlich radikal. Das vermutlich manchmal etwas Schlaumereirische, Selbstverliebte und Arrogante an uns (nebenbei ernsthaft bemerkt: Ich kann mir sogar gut vorstellen, dass das manchmal so rüberkommt) resultiert vermutlich daraus, dass wir diesen Perspektivwechsel hinter uns haben. Was im Übrigen nicht immer der Spaß ist, nachdem es manchmal nach außen klingt. Ich glaube, jeder der hier angesprochenen hat seine eigenen schmerzhaften Erfahrungen damit gemacht, wie es ist, wenn man neue Dinge ausprobieren will, die dann schlichtweg nicht so funktionieren, wie man sich das vorstellt.

***

Ich nehme mich da keineswegs aus. Ich würde sogar sagen, dass ich mich in meinen Vermutungen, was die Zukunft für uns Medienmenschen bereit hält, öfter getäuscht habe als dass ich richtig gelegen wäre. Ich habe an eine große Zukunft von Blogs geglaubt, habe mich bei einem großen interaktiven TV-Projekt prächtig verhoben und meine letzten kapitalen Schnitzer waren die Vermutungen, bei Twitter handle es sich um eine Übergangserscheinung und das iPhone sei ein Spielzeug, das keiner braucht. Schon alleine wegen dieser Erfahrungen würde ich mich nicht trauen und Lösungen für Fragen propagieren, bei denen selbst der Verleger der „Washington Post“ sagt, er habe sie nicht gefunden. Im Gegenteil: Mir ist jeder suspekt, der genau wissen will, was in den nächsten 5 oder 10 Jahren passiert. Man sollte jedem mit diesem Anspruch misstrauen, egal ob er jetzt pro oder contra Tageszeitung ist, ein analoger oder doch ein digitaler Journalist.

Deswegen werde ich dennoch weiter meine Zweifel an der Zukunft der Tageszeitung haben. Und mein Respekt vor „experimentierfreudigen Figuren“ und „mutigen Erneuerern“ wird immer ungleich höher sein als vor denjenigen, die viele laute und scharfe Worte finden – und selbst zur Debatte außer kulturpessimistischem Genöle nicht sehr viel beizutragen haben.

Was vom #tag2020 übrig bleibt

Im „Spiegel“ beginnt mit der neuen Ausgabe eine größere Serie zum Thema „Zukunft der Tageszeitung“. Erzählt wird das ganze in einem neuen Format, der sogenannten „Multistory“. Das ist vermutlich die etwas hippere Variante eines crossmedialen Projekts, jedenfalls aber widmet man sich dort diesem Thema derart intensiv, dass man eine Ahnung davon bekommen  kann, wie relevant das Thema inzwischen auch außerhalb der jahrelang branchenintern heftig geführten Debatten geworden ist. So wichtig, dass man es auf den Titel gehoben hätte, ist es noch nicht, da war Napoleon schon wichtiger. (aber ok, besser als irgendwas mit Hitler). Ab morgen sollen die Debatte und das Thema auf „Spiegel Online“ weitergeführt werden und wenn die Redaktion meinen Text nicht gerade als unbrauchbar gelöscht hat, werde ich bei dieser Debatte ebenfalls vertreten sein.

Die Geschichten aus dem Heft habe ich, appseidank, heute schon gelesen. Da steht nicht viel drin, was man als mit dem Thema befasster nicht irgendwie schon mal gehört hätte (was ja auch nicht Ziel der Übung war, der normale Spiegel-Leser wird sich mit den Tücken unseres Berufs vermutlich wenig beschäftigt haben). Was aber auffällig ist: Der Ton hat sich geändert. Das klingt jetzt erst mal kryptisch. Und weil das so ist, habe ich auch darauf verzichtet, diesen Satz, diesen Eindruck in meinen Beitrag für „Spiegel Online“ zu packen. Tatsächlich aber gab es für mich bei der Lektüre der „Spiegel“-Geschichten vor allem das als ersten und bleibenden Eindruck: Wenn man das mittelfristige Ende der Tageszeitung an einem Indikator festmachen will (außer natürlich an den ganzen anderen, den Zahlen beispielsweise), dann kann man das inzwischen ganz gut an der Tonart festmachen, die inzwischen auch aus den Verlagen, ihren Geschäftsführungen, Herausgebern und Chefredakteuren angeschlagen wird. Die war noch vor gar nicht mal so langer Zeit so, dass Menschen, die an eine Digitalisierung des Journalismus glaubten, als eher bemitleidenswerte Spinner belächelt wurden. Dann kam die Phase, in der sie vom Spinner wenigstens schon mal zur Kassandra befördert wurden, dann schließlich zum Onliner, der schon auch mal wichtig werden könnte. Heute sollen sie den Verlag retten. Der FAZ attestiert der „Spiegel“ beispielsweise, man verlasse sich dort ziemlich auch den neuen Online-Chef  (der zufällig vom „Spiegel“ kommt). Wenn man vor ein paar Jahren gesagt hätte, die FAZ setze mal sehr darauf, dass die Rettung aus dem Digitalen kommen könne, man hätte ihn auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen.  Trotzdem ist das Warten auf Müller-Blumencron womöglich gar keine schlechte Idee, wenn man im gleichen Heft zum Thema Internet ansonsten nur mal wieder das übliche Schirrmacher-Lamento liest, es gehe jetzt demnächst um die Frage nach dem Wert der geistigen Arbeit im Allgemeinen und des Journalismus im Speziellen. Das mag schon möglich sein, dass das so ist, wird aber den durchschnittlichen Nutzer im Zweifelsfall eher weniger interessieren. Und dass bei den Kollegen der „Süddeutschen“ die spannenderen Beiträge schon seit längerem mehr von Stefan Plöchinger und weniger von Kurt Kister kommen, ist auch nur bedingt ein Zufall.

***

Der „Spiegel“ beschreibt in seinem ausführlichen Stück dann auch noch mal ein paar Realitäten, die sich auf Zahlen stützen. Beispielsweise über das momentan wieder mal überaus gehypte Thema „Paid Content“, bei dem sich dann rausstellt, dass die Zahlen doch nicht so großartig sind, wie man vielleicht denken könnte, nicht mal beim Lieblingsbeispiel der Branche, der „New York Times“. Dass es aus dem Hause Springer nicht fortlaufend Jubelmeldungen über „Bild plus“ und dem Pay-Modell der „Welt“ gibt, mag einer Menge von Gründen geschuldet sein. Einer davon könnte sein, dass es so viel vielleicht gar nicht zu jubeln gibt. Die Zahlen über die stetig sinkenden Auflagen sind ebenfalls jedem bekannt, der mit der Branche zu tun hat und dass weder die Vertriebs- noch die Anzeigenumsätze viel Grund zur Hoffnung geben, ist ebenfalls nicht neu.  Das alles muss man aufschreiben, wenn es um die Probleme und die Zukunft der Zeitungen geht, bringt aber die Sache nicht endgültig auf den Punkt. Dass sie Umsätze, Auflage und Relevanz verlieren, wissen sie in den meisten Häusern schon ganz gut selbst, wenn man nicht gerade beispielsweise in Passau sitzt, dort den Realitätsverlust zur Verlagspolitik erklärt und Dinge wie beispielsweise eine App für Tablets für völlig überbewerteten Unfug hält. Selbst wenn sich der Ton gegenüber Onlinern geändert und man womöglich erkannt hat, dass es ganz ohne dieses Internet nicht gehen wird, die Konsequenzen, die in den allermeisten Häusern daraus gezogen sind zu wenige – falls es überhaupt irgendwelche gibt.

Das hat damit zu tun, dass in er durchschnittlichen deutschen Tageszeitung das Thema Medienwandel (hier steht absichtlich: Medienwandel. Und nicht Internet) nicht wirklich durchdrungen und bearbeitet wird. Für die allermeisten ist die große Abenteuerwelt des Internet noch immer ein zusätzlicher Ausspielkanal. Würde man vom Chefredakteur bis zum Volo nach dem Verständnis der Digitalisierung fragen, die meisten würden sinngemäß sagen: Da kann man jetzt auch noch reinschreiben. Ist das ein Wunder, wenn sogar Journalistenausbilder wie Wolf Schneider dem Netz vor allem bescheinigen, dass in seinem großen Bauch auch Dinge Platz finden, die in die Zeitung nicht mehr reinpassen? Kurz gesagt: Wer eine Webseite betreibt und einen Facebookaccount und möglicherweise sogar eine App, der hat noch lange nicht begriffen, was Journalismus im digitalen Zeitalter bedeutet. Oder wenigstens bedeuten müsste.

Genau deswegen sind ja auch diese ganzen Debatten um Papier oder nicht Papier so sinnlos. Ich kenne kaum ein Verlagshaus, in dem sich die Debatten tatsächlich auch um ein geändertes journalistisches Rollenverständnis oder um eine neue Positionierung der eigenen Publikation in der Gesellschaft drehen würden.  So lange das aber so ist, ist es vergeudete Zeit, über digitale Produkte zu reden. Oder darüber, ob den Menschen geistige Arbeit noch irgendwas wert ist. Die Frage wäre also viel eher: Ist es die richtige geistige Arbeit, die wir da verrichten? Braucht und will die künftig überhaupt noch ein Mensch? Würde man heute einen Opel Kadett bauen, wäre die Frage ja auch nicht die, ob den Menschen die Arbeit, die hinter einem solchen Kadett steht, noch etwas wert ist. Die Frage wäre eher: Will und braucht jemand noch einen Kadett, sofern er nicht gerade alte Autos sammelt?

***

Man weiß also momentan nicht so recht, ob man es als wirklichen Fortschritt verstehen soll, wenn die Onliner in den Verlagshäusern jetzt nicht mehr nur am Katzentisch sitzen und manchmal sogar als Heilbsringer angesehen werden oder gute Interviews geben dürfen.

Die Kollegen vom „Spiegel“ jedenfalls haben angekündigt, dass am Ende ihrer dreiwöchigen Debatte das Konzept und die Idee einer modernen Tageszeitung stehen soll. Wenn ich bei diesem Projekt auf etwas gespannt bin, dann auf das.