Der Blick in den“Spiegel“

Ab und an soll man ja auch mal was Positives sagen. Um allerdings das Positive, dass ich gleich loswerden möchte, sagen zu können, muss ich erstmal was Negatives vorausschicken: Ich fand den „Spiegel“ in der dann doch eher kurzen Mascolo-Ägide gruselig. Voraussehbar, bräsig, langweilig, stereotyp, manchmal hart am Rand der Lächerlichkeit („Hitlers Uhr“). Manchmal wusste ich auch nicht, ob sich nicht Helmut Markwort als Georg Mascolo getarnt hatte und lauter abgelehnte „Focus“-Geschichten zu „Spiegel“-Titeln umwandelte. Die Häufung von Geschichten jedenfalls, die irgendwas mit Volkskrankheiten zu tun hatten, verleidete mir die „Spiegel“-Lektüre einigermaßen nachhaltig.

Dass Wolfgang Büchner Chefredakteur wurde, hielt ich für eine ausgesprochen gute Idee, auch wenn ich nach der Causa Nikolaus Blome zunächst dachte: Ok, du kannst weiter darauf verzichten, den „Spiegel“ zu lesen. Dann kamen die ersten neuen Hefte – und das erkennbare Bemühen, den „Spiegel“ wieder zu dem zu machen, was er früher mal war. Im Heft dieser Woche ist das ziemlich gut gelungen: mit dem NSA-Thema ein relevantes Titelthema, eine klare Haltung, gut recherchierte Geschichten.

Natürlich, es gibt immer noch die spiegeligen Marotten, die in keinem Heft fehlen dürfen. Sätze wie „Jetzt rächt sich, dass…schon gibt es erste Kritik aus den eigenen Reihen“ gehören offensichtlich zur „Spiegel“-DNA. Und natürlich gibt es immer noch die merkwürdigen Bildtexte, die manchmal mit Brachialgewalt erzeugten szenischen Einstiege und alles andere, was man als wenigstens merkwürdig abtun kann. Aber in Zeiten, in denen einen ansonsten die „Huffington Post“ anquäkt und Lautstärke mit Substanz verwechselt, findet man das fast schon wieder heimelig.