Besser online, live und unsortiert

Komisch, warum alles, wo mehr als drei Leute an einem Panel sitzen, “Podiumsdiskussion” genannt wird. Das, was jetzt gerade in Hamburgs ehrwürdiger Handelskammer als Eröffnungsveranstaltung läuft, ist zwar ein Podium, aber irgendwie wenig Diskussion. Macht nix, ist auch mal nett, einfach Einblicke in den Alltag von Redaktionen, von großen noch dazu, zu bekommen.

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Vielleicht liegt das auch daran, dass es so richtig viel zu diskutieren nicht gibt. Diskussion hat ja irgendwie immer auch was mit Kontroverse, mit unterschiedlichen Standpunkten zu tun. Hier wird viel geredet davon, dass Online die Zukuft sei und dass die Redaktionen zusammenwachsen und dass man es sich als Journalist künftig kaum erlauben könne, nur noch monomedial zu arbeiten. Darüber kann man  nun wirklich beim besten Willen nicht mehr streiten. Aber schön, dass wir uns einig sind.

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Dafür, dass wir die Zukunft sind, sind wir immer noch ziemlich schwach ausgestattet, fällt mir auf. Komisch, jeder kleine Handwerksbetrieb würde sich auf sein zu erwartendes künftiges Kerngeschäft konzentrieren. Medienhäuser sehen zwar die Zukunft, wollen aber mit Brachialgewalt das sterbende Geschäft retten. Mein ja nur.

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USA. Wenn wir von Zukunft reden, kommt spätestens nach zehn MInuten jemand und ruft: “USA!”. Schön zu sehen, wenn das andere machen. Ich mach´s ja leider auch immer wieder.

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Vorher am Bücherstand vorbeigeschaut. “Internetjournalismus” liegt da rum, “Unerkannt im Netz” auch. “Crossmedia” fehlt leider. Laune schon wieder verhagelt für heute, ich will heim nach Bayern.

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Nach einer Dreiviertelstunde rühren sich drei Hände zaghaft zu einem ersten Applaus. Es geht um Google und den richtigen Umgang von Medienhäusern. Erster Miniansatz einer Diskussion. Sonst? Ich warte darauf, dass sich dort oben umarmen und eventuell auch mal zärtlich küssen. Kuschelrock ist Punk dagegen.

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Links neben sitzt Kollege Niggemeier (begleitet vom Kollegen ix, den man auch dann erkennen würde, wenn man ihn nicht kennen würde). Rechts von mir sitzt die Vizechefin von RP-Online. Die beiden würde ich jetzt lieber diskutieren hören. Deswegen u.a.

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Knappe Stunde vorbei: Nach dem bisherigen Eindruck muss man glauben, das größte Problem des (Online-)Journalismus in Deutschland hieße Google und die entscheidende Frage sei, wie man am besten von der Suchmaschine gefunden wird. Da fällt mir ein, dass mir unlängst ein Volontär auf einem Seminar erzählte, sie seien gehalten, ihre Leadsätze so zu formulieren, dass sie möglichst gut von Google gefunden werden. Oder so. Googlekompatible Vorspänne- ich denke darüber nach, ob ich diesen Blüten nicht mal ein Kapitel in der nächsten Auflage von “Crossmedia” widme (die kommt übrigens 2009, sofern jetzt nicht ab heute alle in Kaufstreik treten).

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Guter Journalismus und Suchmaschinenoptimierung hingen zusammen, sagt – der Chefredakteur von “Spiegel online”. Ich hab mich selten so alt und so konservativ gefühlt wie gerade eben.

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Später wurde es dann erheblich lebhafter. Und auch spannender. Man kabbelte sich ein wenig über Sinn und Unsinn von öffentlich-rechtlichen Onlineangeboten, Bild kabbelte sich mit Niggemeier, vielleicht war´s auch umgekehrt, man stellte fest, dass regionale Zeitungsverlage mit ihrem starrem Festhalten an ihren bisherigen Strukturen auf dem Holzweg sind, man bemerkte, dass (Nachrichten-)Videos im Netz einer anderen Systematik folgen als TV-Nachrichten. Darüber war schwer zu bloggen, weil das WLAN dauern kollabierte (bei mir zumindest). Das ist die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis.

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Zitat des Tages: “Die (gemeint war: Bildblog) haben den Charme einer Politesse, sind aber notwendig.” (Wolfgang Büchner, Chefredakteur Spiegel Online)

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Erkenntnis: Och ja. Nö. Passt scho.