Archiv für November 2008


Weg mit dpa!

4. November 2008 - 10:48 Uhr

Die WAZ will angeblich dpa kündigen, die Ippen-Gruppe bzw. Teile von ihr wollen zumindest darüber nachdenken, den Basisdienst der Agentur zu kündigen. Das sorgt erst einmal für den üblichen reflexartigen Aufschrei und tatsächlich muss man bei dieser Idee unterstellen, dass es erst einmal ums Geld sparen geht. Wenn man die Sache aus dieser Perspektive betrachtet, dann ist die Kritik zunächst einmal verständlich.

Allerdings gibt es, möglicherweise ungewollt, noch einen anderen Aspekt. Nämlich den, dass man Redaktionen mit einer solchen Maßnahme dazu zwingen könnte, ihren zumeist tödlich langweiligen Regionalblättern wieder neues Leben einzuhauchen. Dabei geht es nicht darum, die Qualität der dpa zu besprechen und sie möglicherweise in Abrede zu stellen. Es geht vielmehr darum, dass das exzessive Verwenden von Agenturen für viele Zeitungen zur publizistischen Falle geworden sind; man könnte auch sagen: dpa et al. stehen sinnbildlich für ein journalistisches Modell, das sich überlebt hat. Niemand braucht mehr “Mantelredaktionen” in Regionalzeitungen, die de facto nichts anderes sind, als ein Durchlauferhitzer für Agenturmeldungen. Niemand hat etwas davon, wenn ein engagierter Redakteur hier mal eine dpa-Meldung um 4 Zeilen kürzt und da mal eine AP und eine dpa zu einer Meldung zusammenbastelt. Die Regionalzeitung ist keine gedruckte Tagesschau mehr; sie muss, will sie überleben, andere Schwerpunkte setzen.

Was man behaupten darf: Das werden die allerwenigsten “Mantelredaktionen” von sich aus tun; dazu ist der Dünkel und auch der Stolz, sich gerade angestrengt mit der Lage im Norden Afghanistans zu beschäftigen, viel zu groß. Man müsste ihnen also die Agenturen wegnehmen; nicht aus Kostengründen, sondern um sie zum Nachdenken zu zwingen: Wie könnte eine Zeitung aussehen, die sich wieder am Leser und an ihrem Umfeld orientiert; die nicht publizistischen Selbstzweck betreibt und die wieder eigene Schwerpunkte setzt, statt sich in Konferenzen stur die dpa-Agenda vorzulesen und die dann abzuarbeiten.

Wenn das unter dem Strich rauskommt, dann gerne: Weg mit den Agenturen!

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Liebe Süddeutsche,

2. November 2008 - 12:08 Uhr

dass Du in Deiner Wochenendausgabe der scheußlichen Tatsache, nunmehr aus der Sendlinger Straße irgendwo an den Standrand Münchens ziehen zu müssen, auf der ersten Seite einen Vierspalter widmest, soll in Ordnung sein. Dass sich das Streiflicht des gleichen Tages mit diesem Drama beschäftigt, geschenkt. Natürlich ist es sinnvoll, auf Seite 2 deine neue Anschrift (nicht mehr Stadtzentrum, sondern Standrand) bekanntzugeben, falls es irgendjemand noch nicht mitbekommen haben sollte. Die ganze Seite, die sich in der Wochenendausgabe davor mit dem weltbewegenden Fakt befasste, dass die Redaktion der Süddeutschen jetzt nicht mehr im Stadtzentrum, sondern am Stadtrand arbeitet, fand ich richtig gut. Und selbstverständlich rechtfertigt es der Anlass, dass die Redaktion der Süddeutschen jetzt nicht mehr im Stadtzentrum, sondern am Stadtrand arbeitet, dass kommende Woche eine ganze Beilage zu diesem Thema erscheint.

Aber danach ist auch wieder gut, versprochen? Zumal sich die Zahl bodenständiger Redakteure, auf der Suche  nach bodenständigen Münchner Themen und im Gespräch mit echten bodenständigen Münchnern, die ich im Areal rund um die Sendlinger Straße beim Arbeiten beobachten durfte, in den letzten Jahren doch ziemlich in Grenzen gehalten hat.

3 Kommentare » | NUR SO DAHINGESAGT

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