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Anmerkungen eines Medienmenschen

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Ein Buch – das Update (18): Das Thema “Social Media”

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Über das Thema “Soziale Netzwerke” reden so ungefähr alle momentan — und es ist nicht anzunehmen, dass sich daran in den nächsten Jahren wirklich etwas ändert. Klar also, dass es auch in unserem Buch um dieses Thema gehen wird. Nicht so sehr aus einer theoretischen Warte heraus, sondern ganz praktisch. Aufgeteilt ist das Kapitel in zwei Teile, nämlich zum einen zum Thema “Reputation”, dann aber auch zum aus arbeitstechnischer Sicht mindestens genauso wichtigen Thema “Selbstorganisation”. Geschrieben wird es von unserer Co-Herausgeberin Ulrike Langer und von Björn Sievers, stellv. Ressortleiter bei “Focus Online”. Und hier ist ihr Exposé, ich freue mich auf Anregungen und Kritik:

1. Social Media für die Reputation:

Blogs/ Bloggen: Ulrike Langer

Journalisten sollten bloggen. Vor allem für freie Journalisten kann das eigene Blog ein dynamischer Ausweis ihrer Interessengebiete, ihrer Expertise und ihres Schaffens und somit ein wichtiges Tool für die Selbstvermarktung werden. Journalisten als Blogger können sich ohne an verlagsinterne Richtlinien, Weisungen und Themenvorgaben gebunden zu sein direkt an ihre Zielgruppe wenden. Blogger bekommen im Idealfall unmittelbares Feedback und oft steckt in einer konstruktiven Debatte auf einem Blog schon der Keim für die nächste Themenidee. Bloggen ist nicht teuer (über Plattformen wie WordPress.com, Tumblr oder Posterous sogar kostenlos). Und auf dem eigenen Blog lassen sich multimediale Fähigkeiten wie Webvideos und Audio-Slideshows produzieren und einbetten oder interaktiven Grafiken erstellen, ausprobieren und nach und nach verfeinern.

Xing (u.a.): Björn Sievers

Die ursprüngliche Idee der Online-Geschäftsnetzwerke ist einfach: Die Nutzer tragen ihre Kontaktdaten ein und geben sie ihren Geschäftspartner frei. Auf diese Weise hat man immer ein aktuelles Adressbuch seiner Kontakte, auch dann wenn diese den Job gewechselt haben oder mit der Firma umgezogen sind. Im Laufe der Jahre, sowohl Xing als auch LinkedIn wurden 2003 gegründet, haben sind aus den Online-Adressbüchern Kommunkationsplattformen geworden, die zum Beispiel Gruppen für den Austausch über Fachthemen bieten. Für Journalisten sind diese Netzwerke wichtig, weil sie dort gefunden werden und weil sie – eingeschränkt – dort auch recherchieren können.

Facebook: Björn Sievers

Seit seiner Gründung 2004 hat Facebook den rasantesten Aufstieg unter den sozialen Netzwerken verzeichnet. Ursprünglich nur für US-amerikanische Studenten gedacht, ist Facebook inzwischen zu einer Kommunikationsplattform für alle geworden. Das Ergebnis: mehr als eine halbe Milliarde Mitglieder. Facebook ist damit – inzwischen auch in Deutschland – das wichtigste Netzwerk. Für Journalisten ist der Dienst zum einen interessant, um sich mit Kollegen und Gesprächspartnern zu vernetzen. Gleichzeitig dient die Plattform dazu, um die eigene Arbeit bekannt zu machen. Neben Twitter und Blogs ist Facebook das dritte wichtige Werkzeug, um die eigene Reputation zu plegen und die eigene Sichtbarkeit zu auszubauen.

Twitter: Ulrike Langer

Journalisten sollten twittern. Twitter ist in seinen Funktionen wesentlich leichter zu durchschauen als Facebook, es ist die am einfachsten zu konfigurierende personalisierte Kommunikationsplattform. Mit Twitter lässt man sein Netzwerk die gefilterten Nachrichten zusammentragen. Twitter ist eine Linkschleuder für interessante Inhalte – auch für die eigenen. Twitter ist ein schnelles und effizientes Recherchetool. Wer mit Bedacht den richtigen Leuten folgt, bekommt in der Regel auf Zuruf Antworten – oder wird weitergeleitet, bis eine Antwort kommt. Twitter taugt in bestimmten Fällen zur Vorhersage und zur Analyse von Trends. Und nicht zuletzt ersetzt Twitter vor allem für Solo-Selbstständige auch den Flurfunk.

2. Social Media für die Selbstorganisation:

Google Reader: Björn Sievers

Aus dem Internet ist längst ein Selbstbedienungsladen geworden, in dem sich jeder sein persönliches Informationsangebot zusammen stellen kann. Das geht zum Beispiel mit RSS-Feeds, also den Nachrichtenströmen, die jedes Blog, fast jedes Medienangebot und inzwischen auch viele Unternehmen und Institutionen anbieten. Diese Feeds lassen sich mit Online-Diensten wie dem Google Reader, Netvibes, Pageflakes und MyYahoo elegant verwalten. Dabei sind einige dieser Plattfomen inzwischen weit mehr als nur Sammelstellen für das persönliche Infotainment. Vor allem der Google Reader ist in sich wiederum ein soziales Netzwerk, das es Journalisten ermöglicht, sich zum Beispiel mit Kollegen zu vernetzen und von deren Internet-Recherchen zu profitieren.

Wikis: Björn Sievers

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia hat das Wiki-Prinzip bekannt gemacht. Ber Begriff Wiki ist hawaiisch und bdeutet schnell – womit ein Teil des Prinzips erklärt ist. In einem Wiki lassen sich schnell Informationen ablegen und mit anderen Teilen. Vor allem kann man gemeinsam – als Arbeitsgruppe oder wie im Fall der Wikipedia als potenziell das gesamte Internet – an einem Informationsangebot arbeiten. Für Redaktion und Gruppen von freien Journalisten bieten Wikis die spannende Möglichkeit, zum Beispiel Rechercheergebnisse zu sichern und anderen zugänglich zu machen.

Delicious (Mister Wong u.a.): Ulrike Langer

Wer Online-Inhalte erstellt, sieht sich schnell mit einem Problem konfrontiert: Browser-basierte Bookmarks sind mit hunderten von Lesezeichen überfordert. Und die kommen schnell zusammen, wenn man bloggt. Den Überblick schaffen netzbasierte Bookmarkingdienste wie delicious oder Mister Wong, bei denen man URLs mit beliebig vielen Stichworten (Tags) markiert und ablegt, anstatt eine logische Ordnerstruktur anlegen und pflegen zu müssen. Die Bookmarkingdienste sind sozial, weil man die Lesezeichen mit anderen Nutzern teilen kann, z.B. für gemeinsame Recherchen oder zur Weitergabe von Online-Lektürelisten.

Written by cjakubetz

November 20th, 2010 at 7:20 pm

Wie sich die Journalistenausbildung verändert (5 Thesen)

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Das mit den Thesen ist so eine Sache. Es gibt sie mittlerweile inflationär, viele von denen, die ich in diesem Jahr gelesen habe, fand ich gut, manche unsinnig. Dass ich jetzt selbst mal zehn Thesen zur Zeitungszukunft geschrieben habe, sollte eigentlich mein einziger Ausflug ins Reich der Thesen bleiben. Aber weil ich morgen auf einer Ausbildertagung der öffentlichen-rechtlichen Sender etwas sagen soll und man mir explizit klar gemacht hat, dass so etwas wie Thesen hübsch wäre – kommen jetzt auch noch meine Thesen zur künftigen Journalistenausbildung. Davon abgesehen ist es ja auch keine ganz schlechte Idee, sich mit diesem Thema intensiv zu befassen, wenn man gerade ein Buch zur Journalistenausbildung auf den Markt bringen will. Und weil ich schließlich am Wochenende beim Jahrestreffen des IfP in Stuttgart bin und sich dort naturgemäß sehr vieles um Ausbildung drehen wird, passt mir das gerade ganz gut in den Kram (danach isses dann auch wieder gut mit der Thesenaufstellerei, fest verspochen).

1. Wir müssen dahin, wo die schon sind

Es klingt zunächst wie ein Paradox: Wir Journalistenausbilder konnten bis vor wenigen Jahren diesen Satz problemlos auf diejenigen anwenden, die wir ausbilden sollten. Kommt ihr mal dahin, wo wir schon sind. Lernt von uns — und ihr werdet irgendwann vielleicht mal können, was wir können.  Die momentane Entwicklung dreht diesen Satz exakt um. Wir sind es, die dorthin wollen und müssen, wo eine digital aufgewachsene Generation sich befindet. Es geht nicht darum, dass wir plötzlich alle zu Berufsjugendlichen mutieren und es geht explizit auch nicht um die Entwicklung irgendwelcher Jugendprogramme/Jugendseiten. Es geht darum, eine Lücke im Verständnis digitaler Medien zu schließen. Für uns sind digitale Medien viel zu häufig noch “neue Medien”. Für die, die wir ausbilden sollen, sind sie Bestandteil ihres täglichen Lebens. Wir werden also von denen, die wir ausbilden, genauso viel zu lernen haben wie umgekehrt. Dass im Übrigen gerade öffentlich-rechtliche Sender eklatante Probleme mit dem jungen Publikum haben, hat neben vielen anderen Gründen auch den, dass sie einen Bezug zu einem jungen Publikum schon lange verloren haben. Wer sich in den diversen “Hauptabteilungen” von ARD und ZDF umsieht, hat auch eine Ahnung, warum das so ist. (Bevor jetzt jemand in den Zeitungsredaktionen jubiliert: Leider liegt auch bei ihnen die Betonung beim Wort “Volontärsvater” auf dem Vater…)

2. Wir müssen uns und die Ausbildung ständig auf den Prüfstand stellen

Klingt wie selbstverständlich — und vermutlich wird auch nahezu jeder Ausbilder das von sich behaupten: Natürlich stellen wir uns ständig auf den Prüfstand (und ab und an hinterfragen wir uns sogar).  Gemeint damit ist aber nicht ein jährlicher Workshop, bei dem man sich über die neuesten Entwicklungen auf dem Medienmarkt informieren lässt. Sondern tatsächlich ein jährlicher Abgleich und eine jährliche Erweiterung der Ausbildungsrichtlinien (doch, so etwas gibt es in dem einen oder anderen Unternehmen). In einem Zeitalter, in dem sich Journalismus und Medien in einem rasenden Tempo verändern, ist es ein hoffnungsloser Anachronismus, nach den Erkentnissen der 80er oder 90er Jahre auszubilden. Was insbesondere fehlt ist eine stringente Einbindung des Themas Digitalisierung. Praxis ist vielerorts immer noch, dass man jungen Leute auch mal in die Online.Redaktion steckt. Oder dass die Online-Redaktion eine Wiederaufbereitungsanlage für Inhalte aus dem eigentlichen Muttermedium ist. Kurzum: Wir machen vielerorts immer noch eine Ausbildung, die noch auf Grundsätzen aus einer Zeit basiert, als es das Netz noch gar nicht gab. Eigene Erfahrung am Rande: Seit drei Jahren machen wir inzwischen mit jeder DJS-Klasse am Anfang der Ausbildungszeit ein paar Einführungstage, wo es um die Entwicklung im (digitalen) Journalismus im Großen und Ganzen geht. Diese Einführungstage hatten noch nie das gleiche Programm und letztlich ist das ja auch zwingend: Mit dem Programm von 2007 hätten wir die Teilnehmer von 2010 vermutlich nur zum Lachen gebracht.

3. Lernen ist keine Einbahnstraße mehr

Hefte raus, Klassenarbeit! Früher kam ich mir in Ausbildungsveranstaltungen öfter mal so vor und meine eigene Ausbildung habe ich durchaus noch als Schulunterricht klassischer Prägung in Erinnerung. Ich wollte etwas von dem da vorne lernen. Heute ist es umgekehrt. Wir Ausbilder müssen ggf. bereit sein, etwas von dem mitzunehmen, was unsere Volontäre etc. mitbringen. Vielleicht verstehen wir mehr von klassischem journalistischen Handwerk. Aber dieses selbstverständliche Wandeln in einer digitalen Welt wird bis auf Weiteres deren natürliche Domäne bleiben. Schlimm? Nein. Lernen wir was davon. Früher war´s mir unangenehm, wenn ich von einem längeren Ausbildungsprojekt zurück kam und den Eindruck hatte, mindestens genauso viel gelernt zu haben wie die Teilnehmer. Heute freue ich mich darüber.

4. Wir müssen uns von Lehrsätzen verabschieden

Man sollte nicht mehr glauben, was man sieht oder was man liest. Immer öfter, wenn ich an irgendwelchen Online-Projekten arbeite, merke ich, wie hohl, leer und verbraucht viele unserer journalistischen Dogmen sind. Text darf nicht länger sein als X-Zeichen, Zuschauer ertragen lediglich 1.30-Beiträge, danach sind sie weg. Und einen Teaser fürs Netz muss man soundso formulieren, damit er gelesen wird. All das hat in der digitalen Welt wenig Bestand. Mit den Glaubenssätzen analoger Tage können wir nicht in der digitalen Welt bestehen. Also: Weg mit den Dogmen, weg mit der reinen Lehre von Zeichen- und Minutenbeschränkungen. Lehren wir stattdessen wieder Journalismus mit all seinen Qualitäten und Fähigkeiten, nutzen wir die Chance, die uns die Digitalisierung gibt. Im Netz spielen Formatierungen nur noch eine sehr untergeordnete Rolle.

5. Wir müssen Journalisten als Journalisten begreifen

Ich dachte immer, ich hätte in erster Linie Journalismus gelernt. Ich dachte immer, es gehe letztendlich um eine journalistische Grundlage, die für alle gelte. Und dann darum, dieses Grundlagen mit einem bestimmten Handwerk für einen bestimmten Kanal nutzbar zu machen. Momentan hingegen lese ich eher Debatten um das Überleben des Journalismus in einzelnen Gattungen. Journalisten separieren sich momentan erstaunlicherweise. Das alles spielt aber in Zukunft — und damit auch in der Ausbildung – keine entscheidende Rolle mehr. Wir machen Journalismus, wir reden von Journalismus. Und wir brauchen Journalismus, die Journalismus können. Die Journalismus auf vielen Plattformen begreifen und ihn machen können. Wir brauchen keine Fernsehleute, die jetzt auch ein bisschen Online machen. Wir brauchen keine Zeitungsschreiber, die man auch im Netz lesen kann. Wir sollten Journalisten ausbilden, die Journalismus machen wollen.

Written by cjakubetz

November 2nd, 2010 at 8:56 am

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Gebt den Kindern das Kommando!

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Vielleicht muss man ja künftig genau andersrum denken. Also so, dass nicht mehr wir, die wir junge Journalisten mehr oder weniger ausbilden, denen sagen, was zu tun ist. Sondern dass wir vielleicht mehr auf den Nachwuchs hören müssen, damit uns Alten nicht vollkommen entgleitet, was da überhaupt passiert.

Gestern an der Uni Passau: Es läuft ein komplett gruseliges Video, das eine Tageszeitung online gestellt hat. Ich zeige es, weil ich eigentlich die unzähligen handwerklichen Fehler demonstrieren will, die man machen kann, wenn man sich an (Web-)Videos wagt. Dann kommt meine rhetorische Frage: Wie kann es denn dazu kommen, dass ein Video so dermaßen in die Hose geht? Die Antwort einer Studentin verblüfft mich, obwohl ich Nachhinein zugeben muss: So ganz von der Hand zu weisen ist sie leider nicht…

Das müsse, sagt die Studentin, das Video eines älteren Mannes gewesen sein, so sei das erklärbar. Ich frage nach, wie man denn bitteschön einem Video ansehen könne, dass es von einem älteren Mann stammt. Das sei doch völlig klar, erwidert die Studentin: Die Jungen, die jetzt nachkämen, die wüssten ja, wie man mit einer Kamera und einem Schnittprogramm umgeht. Und weil derjenige, der dieses Gruselvideo gemacht hatte, ganz offensichtlich keinen blassen Hauch davon hatte, könne es ja nur ein älterer Mann gewesen sein.

Warum ein Mann, das leuchtete mir nicht ganz ein, aber davon mal abgesehen: Stimmt, diese Erfahrung habe ich inzwischen auch schon oft gemacht, egal ob an Journalistenschulen, Universitäten oder anderen Projekten. Die allermeisten der heute 20plusjährigen haben zumindest schon mal mit irgendwas Audiovisuellem rumgedreht und via Schnittprogramm irgendwas zusammengestellt. Und diejenigen, die das nicht gemacht haben, für die ist der Umgang mit Software und Technik so vertraut, dass sie sich einfach hinsetzen und mal was probieren.

Noch so ein Beispiel, vorletzte Woche bei den Einführungstagen für die neuen Klassen an der DJS. Als wir Bilanz der Woche ziehen, kommt als grundlegender Tenor, dass das ja alles schön und recht sei mit dem digitalen Leben, den neuen Medien, dem ganzen Kram mit Multi- und Crossmedia — aber dass man ihnen zumindest diese sehr grundlegenden Erwägungen nicht mehr mit auf den Weg geben müsse, weil sie letztendlich ja alle schon komplett digital leben würden und das, was wir Alten da als neue Erkenntnisse abfeiern würden, für sie Alltag sei.

Ist es also denkbar, dass wir in den kommenden Jahren in vielen Redaktionen eine eher absurde Situation erleben werden? Dass diejenigen, die eigentlich das Blatt, den Sender (zukunftsfähig) führen sollen, in Sachen Zukunftsfähigkeit möglicherweise sogar ihren Praktikanten unterlegen sind? Und könnte es sein, dass die Erkenntnis, die der keineswegs als Printfeind in Verdacht stehende Paul-Josef Raue mit seiner Erkenntnis, Zeitungen würden inzwischen sogar Stammleser verlieren, woran die Journalisten selbst schuld seien, nur vordergründig recht hat (ich würde im Übrigen in dem Zusammenhang gerne nochmal auf die These vom Vergreisen der Redaktionen verweisen)? Natürlich klingt es erstmal prima, wenn Raue fordert, Journalismus endlich wieder zu machen statt ihn nur zu verwalten. Das Problem ist nur: Wie will man das hinbekommen, wenn man in den Entscheider-Etagen noch gar nicht begriffen hat, wie dieser neue Journalismus gehen könnte?

Diese beiden Beobachtungen – die jungen volldigitalisierten und die vergreisten Redaktionen – hängen ziemlich unmittelbar zusammen. Man müsste in jeder Redaktion, in jedem Verlag, in jedem Sender die “digital natives” nicht einfach nur ins Haus holen, sie nicht einfach nur für ein, zwei, drei Jahre “ausbilden” und dann wahlweise wieder gehen lassen oder als “Jung-Redakteure” beschäftigen. Man müsste sie viel aktiver einbinden, ihnen die Möglichkeit geben, den Journalismus der Zukunft selbst zu gestalten. Ohne einen “digital native” in der Chefredaktion wird kaum ein Haus überlebensfähig sein. Das klingt nach einer banalen Feststellung, widerspricht aber leider immer noch dem Tagesgeschäft. Ein 50jähriger Chefredakteur geht und wird durch einen 57jährigen ersetzt. Ein 60jähriger hört auf und wird durch einen vollanalogen 50jährigen ersetzt. Zwei Beispiele, die ich in meiner eigenen Umgebung jetzt erst selbst erlebt habe. Nix gegen 50jährige, entscheidend ist ja immer noch, was jemand im Kopf hat. Aber die Diskrepanz zwischen digitaler und analoger Generation wird von Jahr zu größer werden. Mit der Konsequenz, dass die Jungen nicht zu halten sein werden, möglicherweise ganz aus dem Journalismus abwandern — und an der Spitze der Redaktion noch über Jahre hinweg Menschen sitzen werden, deren Denken immer noch vollständig analog geprägt ist.

Letzte Beobachtung noch am Schluss: 17 Teilnehmer habe ich momentan an einer WÜ an der Uni Passau zum Thema “Onlinejournalismus”. Journalisten werden wollen – drei.

Written by cjakubetz

Oktober 26th, 2010 at 7:22 pm

Die DJS und die Nummer 50

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Eigentlich ist das ja fast schon wieder amüsant: Da reden wir im Jahr 2010 alle von den Schwierigkeiten mit dem multimedialen Journalismus — und dabei gibt´s seit über 60 Jahren eine kleine Schule in einer kleinen Münchner Straße, die Journalisten mit Print, mit Radio, dem Fernsehen und seit knapp zehn Jahren auch mit den digitalen Medien vertraut macht. Dass sie einen exzellenten Ruf genießt, hat nicht nur, aber sicher auch etwas mit ihren vielen ziemlich prominenten Absolventen zu tun.

Momentan absolvieren die Schüler der 48. Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule die letzten Wochen ihrer Ausbildung, die 49. Lehrredaktion hat ihre ersten Tage gerade hinter sich — und jetzt wird ein ganz besonderer Jahrgang gesucht: die 50. Lehrredaktion. Wenn Sie also nicht über 30 sind und eine exzellente Ausbildung absolvieren wollen — hier geht´s zur Online-Bewerbung.

Wir sehen uns am Altheimer Eck.

Written by cjakubetz

Oktober 23rd, 2010 at 2:19 pm

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Ein Buch, eine Idee – und Ihre Hilfe

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Ich brauche ziemlich dringend Ihre Hilfe. Normalerweise ist es ja nicht so meine Art, sofort mit der Tür ins Haus zu fallen, in diesem Fall geht es aber nicht anders. Weil ich eine Idee habe und mir das Risiko zu groß ist, dass Sie nicht weiterlesen, wenn ich zunächst endlos brauche, um zur Sache zu kommen. Was es bisher gibt, ist eine Idee, den Ansatz eines Textes — und eben der Gedanke, die Leser dieses Blogs (und natürlich auch noch viele andere) um Unterstützung zu bitten.

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Schon seit Jahren ärgere ich mich. Darüber, dass es zwar für jeden erkennbar dramatische Veränderungen in unseren (Medien-)Branche und in unserem Journalisten-Beruf gibt, wir aber anscheinend noch immer nicht willens und in der Lage sind, die Ausbildung von jungen Journalisten diesem Umstand anzupassen. Noch immer ist es in vielen Häusern ja schon fast an eine Revolution grenzend, wenn man Volontäre mal für vier Wochen in die spartanisch ausgestattete Onlineredaktion steckt, damit die “das auch mal lernen”. Das liegt vielleicht daran, dass diejenigen, die dem Nachwuchs zeigen sollten, wie es gehen könnte, selber nicht allzuviel Ahnung davon haben. Als Lehrbücher (wir kommen langsam zum Thema!) liegen verbreitet immer noch diese Dinger aus den gelben Reihen” aus, die man mir schon vor 25 Jahren in die Hand gedrückt hat und gesagt hat: Lies mal, danach weißt du, wie man Journalismus macht.

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Es nervt mich ganz furchtbar, dass Lektüre für den journalistischen Nachwuchs immer noch weitgehend von älteren Herren im Tonfall des erhobenen Zeigefingers gemacht wird. Und ja, ganz ehrlich (Sie dürfen mich prügeln): Ich bin mir nicht sicher, ob die Herren Schneider und Raue und wie sie alle heißen die Richtigen sind, um das Monopol für Journalisten-Ausbildung im digitalen Zeitalter für sich zu beanspruchen. Ich glaube, dass die Lektüre, die man heute jungen Journalisten zum Zwecke der Aus- und Weiterbildung in die Hand drückt, nicht mehr zeitgemäß ist. Ist das nicht originell? Wir (da nehme ich mich nicht aus) monieren gerne mal den Zustand des Journalismus als solchen und überlassen es dann älteren Herrschaften aus der analogen Welt, dem Nachwuchs zu sagen, wie Journalismus geht.

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Auf der anderen Seite: Das mit den Büchern ist ja so eine Sache.  Für mein “Crossmedia”-Buch habe ich ziemlich schnell den UVK als Verlag gefunden. Das Buch erschien erstmals 2008 und damals war “Crossmdia” tatsächlich das ganz große Thema. Bei einigen anderen Buch-Ideen habe ich teilweise bizarre Vorschläge von diversen Verlagen zu hören bekommen. Einer gipfelte darin, dass man das Buch, das ich vorschlug, sehr gerne verlegen würde, allerdings müsste ich einen kleinen Druckkostenzuschuss bezahlen. Ich rechnete dann mal eben durch und stellte fest, dass ich realistischerweise bei den avisierten Beteiligungen an den Erlösen nie eine Chance haben würde, wenigstens null auf null rauszukommen. Mich ein Jahr oder mehr mit einem Stoff zu befassen, um dann für eine Veröffentlichung auch noch bezahlen zu müssen, das ließ sich dann mit meinem mir eigenem Trotz (Sie dürfen das gerne auch Selbstüberschätzung nennen) nicht ganz vereinbaren. Da investiere ich lieber mehr Zeit in diese kleine Seite hier. Dafür muss ich wenigstens nix bezahlen, liebe Verlage.

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Und schließlich noch das Folgende: Irgendwas sträubt sich bei mir gegen die Idee, ein (Ausbildungs-)Buch gemeinsam mit einem Verlag zu machen. Ich habe ziemlich viele interessante Modelle gelesen, wie sich Autoren selbst finanzieren und verlegen. Ich habe auch in Chris Andersons “Free” rumgestöbert und reingehört und denke mir: Diese Idee(n) finde ich weitaus interessanter, als einem Verlag dafür Geld zu geben, dass er das Ergebnis meiner Arbeit veröffentlicht. Das ist antiquiert — und widerspricht auch allen meinen Ideen von digitalen Medien, von Inhalten, von Journalismus. Insofern wäre es also hochgradig widersprüchlich, darauf zu warten, dass irgendein Verlag mal sagt: Hammse nicht mal Lust, ein Buch über Journalisten-Ausbildung in unserem Hause zu veröffentlichen?

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Also ist die Idee: Ich mache mich selbst ans Werk. Das heißt, natürlich nicht ganz alleine. Ich brauche nämlich, siehe oben, Ihre Mithilfe. Sei es mit Ideen, mit Anregungen, mit Unterstützung via Flattr oder Paypal. Mit Verlinkungen auf Ihren Blogs und Webseiten. Oder aber (in einem eher fortgeschrittenen Stadium) als Co-Autoren. Mir ist durchaus klar, dass ich nicht in der Lage bin, ein komplettes Buch über Journalismus alleine zu schreiben. Mir ist auch bewusst, dass sich so ein Buch nicht über Flattr oder Spenden alleine finanzieren lässt. Das Risiko, dass ich meine Zeit (und von der werde ich viel benötigen) in erster Linie auf mein eigenes Risiko hin investiere, ist mir vollkommen klar. Trotzdem gefällt mir der Gedanke: ein Buch für junge Journalisten komplett auf eigene Faust zu produzieren, zu vertreiben, zu entwickeln. Vielleicht auch mal als ein Audiobuch und vielleicht irgendwann mal als App (dafür bräuchte man dann allerdings wirklich viel Erfolg und natürlich auch jede Menge Geld). Und ganz bewusst möchte ich dieses Buch auf mehreren Kanälen anbieten. Kostenlos zum Download, meinetwegen gerne gegen einen kleinen freiwiligen Beitrag. Als gedruckte Version, die man dann kaufen kann. Immer wieder mal auch mit Auszügen daraus hier auf dieser kleinen Seite.  In jedem Fall aber ohne Verlag und ohne den großen, professionellen Vetrieb.

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Um ganz ehrlich zu sein: Natürlich sind mir, als ich diese Idee hatte, auch ein paar unschönere Aspekte durch den Kopf gegangen. Was, wenn sich kein Mensch für diese Idee interessiert? Was, wenn nach einem Jahr zwei Flattr-Klicks und 2,50 Euro an Spenden da sind? Und was, wenn Sie nun alle kopfschüttelnd dasitzen, mich zum hoffnungslos naiven Spinner erklären und als Konsequenz gleich mal diese Seite hier aus Ihren Lesezeichen entfernen? Mir ist schon klar, dass das alles passieren kann. Trotzdem, ich würde mich vermutlich ewig ärgern, wenn ich es nicht wenigstens versuchen würde.

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Und unverändert glaube ich: Die Bücher für junge Journalisten sollten wir nicht den alten Männern überlassen. Alleine das ist es wert.

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(Und falls Sie jetzt schon nach den Buttons suchen: Flattr und PayPal sind rechts oben am Seitenrand angebracht – vielen Dank schon jetzt!)

Written by cjakubetz

September 19th, 2010 at 8:01 pm

Zum Abschluss: ein paar Videos und was Selbstgebasteltes

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Das “Klartext”-Magazin der 48 K der DJS ist seit gestern abend fertiggestellt — wir haben noch eine ganze Reihe neuer Videos draufgepackt. Beispielsweise lernt man jetzt einiges darüber, wie es ist in einem Ort zu leben, dem die Einwohner weglaufen. Nein, er liegt nicht in Mecklenburg-Vorpommern, sondern in Niederbayern:

Und weil man ja nicht immer alles so bierernst sehen muss, gibt es auch einen Schnellduchlauf durch das Millionendorf Deutschlands: München in 100 Sekunden:

Das ganze “Volt”-Magazin online gibt´s hier.

Written by cjakubetz

Juli 17th, 2010 at 5:26 pm

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Journalismus 2010 (2)

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Zugegeben: Der erste Monat des gar nicht mehr so neuen Jahres ist auch schon wieder fast rum. Gilt das trotzdem noch, wenn ich jetzt noch ein Video zeige, das sich mit Zukunftsperspektiven von Medien beschäftigt?

In Wien habe ich vergangene Woche Dr. Meinrad Rahofer getroffen, einer der bekanntesten Journalistenausbilder im deutschsprachigen Raum. Er ist Geschäftsführer des Kuratoriums für Journalistenausbildung in Salzburg und ein ausgewiesener Kenner der Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Klar also, dass wir nicht nur über die allgemeinen Trends gesprochen haben, sondern auch über die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich (allerdings nur in Sachen Medien, sonst hätten wir drei Tage weiterquatschen müssen).

Wen es interessiert: Ich habe zum ersten Mal ein längeres Interview mit der Flip aufgenommen. Geht sogar ganz passabel, auch wenn man ein paar kleine Abstriche schon hinnehmen muss. Großartig daran ist aber dennoch die Option, ganz spontan etwas in sehr anstndiger Qualität aufnehmen zu können.

Nachtrag, 18.2.2010: Drei Wochen nach diesem Interview ist Dr. Meinrad Rahofer völlig überraschend verstorben. Er wurde 55 Jahre alt. Es fällt mir ziemlich schwer, das zu glauben.

Written by cjakubetz

Januar 24th, 2010 at 10:12 pm

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Münchner Gsichter

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Die Idee der “Abendzeitung” fanden wir überaus reizvoll: ob man nicht typische Münchner portraitieren könne? Nicht auf die übliche Art, also keine Textstücke. Sondern mit Fotos und O-Tönen, kurz gesagt also vertonten Slideshows. Nachdem ich dieses Format sehr liebe und ich die Idee auch thematisch sehr interessant fand, machte ich mich mit meiner (inzwischen bereits verabschiedeten) DJS-Klasse an die Arbeit. Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, etwas auch mal einfach ausprobieren zu können (dafür: danke an die AZ!). Gefunden und portraitiert haben wir u.a. eine Tabledancerin, einen Isarfischer, einen Schuhmacher und einen, der von sich behauptet, den ältesten Kiosk überhaupt zu betreiben.

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Die ersten Ergebnisse dieser Serie bei der “Abendzeitung” sehen Sie hier.

Written by cjakubetz

Januar 24th, 2010 at 1:47 pm

Klartext, Nummer 19

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Seit heute mittag  ist die neueste Ausgabe des Klartext-Magazins der DJS online. Die Lehrredaktion 47A hat sich dabei ein knappes Jahr mit dem Thema “Selber machen” beschäftigt.

Ein knappes Jahr lang? Ja, weil das inzwischen fester Gedanke in der DJS-Ausbildung ist: ein Projekt konsequent cross- und multimedial aufzusetzen. Am Anfang stand das Heft: Zusammen mit Jan Weiler als “Heftdozent” wurde das Magazin auf- und umgesetzt; dahinter stand allerdings von Anfang an der Gedanke, jedes Thema multimedial begleiten zu können.

klartext1

Ein ganz simples Beispiel: Anna Kistner hat einen Bob- Ross-Malkurs besucht. Im Heft (als Komplett-Download übrigens auf der Startseite) erzählt sie in Form einer klassischen Reportage ihre Erlebnisse als Selbst-Malerin, auf der Webseite kann man dann in fünf Schritten multimedial selbst erlernen, wie man Bob-Ross-Epigone wird.

Die multimedialen Elemente, insbesondere Audios und Videos, sind dann Stück für Stück im Laufe dieses Jahres dazugefügt worden. Und so gibt es überall da, wo es möglich und sinnvoll ist, multimediale Zusatzelemente. Man lernt dabei übrigens dann auch, wo es nicht sinnvoll oder machbar ist — und auch das kann ja ein Lerneffekt sein.

Und es gibt eine Premiere: Zum ersten Mal besteht die Online-Ausgabe des Klartext-Magazins nicht aus einem, sondern eigentlich aus zwei Angeboten. Die Zusatzseite “Deutschland 2″ befasst sich vordringlich mit Utopien, wie Deutschland alternativ und anders aussehen könnte, würden wir es selber machen. Es wird über ein Deutschland ohne Banken geschrieben, es gibt Vorschläge für eine neue Nationalflagge und für eine neue deutsche Grammatik..

klarttext2

“Klartext” ist übrigens kein einmaliges Projekt. Früher war es “nur” das Magazin, das die DJSler im Zuge ihrer Printausbildung erstellten. Das wurde gedruckt und verschickt, klassisch analog also. Seit gut einem Jahr ist die Idee dahinter eine andere: Jedes Magazin läuft online und ist nicht hinter irgendwelchen Passwörtern auf irgendwelchen Schulservern versteckt. Das Heft zum Thema “Selber Machen” ist das vierte, das wir in dieser Form präsentiert haben. Für Journalisten ein ganz besonderer Tipp: Im Sommer 2009 hatten wir eine Ausgabe gemacht, die sich ausschließlich mit Journalismus beschäftigt — was damals angesichts des 60. Geburtstags der DJS eine ganz besonders schöne Idee von Schulleiter Uli Brenner war.

Jetzt aber ab heute erst mal die neue Ausgabe zum Thema “Selber machen”. Das nächste Heft/Projekt erscheint dann voraussichtlich im Frühjahr 2010 mit der Lehrredaktion 48K.

Written by cjakubetz

Dezember 16th, 2009 at 3:47 pm

Und fast jeder Maurer ist besser ausgebildet…

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Wenn man nicht gerade über die Maßen naiv ist, dann weiß man das: Volontariat ist zwar ein wohlklingendes Wort, dahinter verbirgt sich aber nicht selten etwas, was mit Ausbildung nicht wirklich viel zu tun hat. Volos, die über Wochen hinweg das Blatt alleine stemmen müssen, Volos, die de facto billige Arbeitskräfte und nicht mehr sind – das alles hat man immer wieder mal gehört und sich (leider) achselzuckend damit abgefunden.

Gestern dann aber eine Veranstaltung mit (Zeitungs-)Volontären, bei der mir fast die Luft weggeblieben ist: eine Gruppe mit einem guten Dutzend, von denen kein einziger mit seinem Volontariat auch nur halbwegs zufrieden war. Eine Gruppe (aus ganz unterschiedlichen Häusern), für die es selbstverständlich war, dass es keinen Ausbildungsplan gibt, keinen Redakteur, der sich um sie kümmert, kein Feedback, keine Anleitung, einfach nichts, außer: mach mal.

Das ist dann doch ziemlich verblüffend, weil man auf der anderen Seite gerade in den jetzigen Debatten um die “neuen” Medien immer wieder hört, wie wichtig gut ausgebildete Journalisten seien, die gehaltvollen Qualitätsjournalismus liefern und damit all den ganzen bloggenen, twitternden und sonstwie publizierenden Laien etwas entgegensetzen zu können. Lass die doch irgendwelchen Blödsinn schreiben, heißt es aus der Qualitätsprinterecke immer wieder gerne, wirklich relevant sind nur wir; wir uns unsere Qualität. Qualität, die daraus besteht, dass man den bisher unbezahlten Praktikanten in den Status des nicht selten untertariflich bezahlten Volos befördert, ihn aber ansonsten weiterhin unbeaufsichtigt arbeiten lässt?

Komisch ja auch: niemand käme auf die Idee, einen Maurerlehrling mal eben alleine und unbeaufsichtigt und ohne Anleitung an einem Haus bauen zu lassen. Bei Qualitätsmedien, bei unserem “4. Stand” ist man da wesentlich salopper.

Stefan Niggemeier schrieb in den letzten Tagen von einem “Kulturkampf” gegen das Web 2.0. Da ist was dran. Allerdings, wenn dem so sein sollte, dann gehen die Kulturkämpfer eher mit schlecht ausgebildeten Truppen in den Kampf.

Übrigens, im Mai bin ich auf dem Süddeutschen Journalistentag auf einem Panel zum Thema “Bloggen, twittern – neue Sündenfälle im digitalen Zeitalter.Über Ethik im Journalismus.” Gerade im Moment kommt mir diese Debatte ziemlich abgehoben vor.

Written by cjakubetz

März 26th, 2009 at 10:47 am

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