Kategorie: TV


Das Fernsehen als solches

14. Oktober 2008 - 8:55 Uhr

Nein, hier kommt jetzt nicht die 37. Abhandlung der “Wutrede” von MRR. Dazu ist alles gesagt. Viel spannender finde ich die Reaktionen derer, die Reich-Ranicki gescholten hat. Als “arrogant und überzogen” bezeichnet Pro7Sat1-FreeTV-Chef Andreas Bartl die Kritik des Kritikers und befindet sich in trauter Eintracht mit der WDR-Intendantin. Wenn Private und Öffentlich-Rechtliche also sich einig sind, sollte man stutzig werden; dass aus dem gefeierten Gottschalk-Vorschlag einer Elefantenrunde nun doch nur ein Smalltalk zwischen Gottschalk und Reich-Ranicki wird, spricht Bände. Ein gerüttelt Maß an Kritikfähigkeit darf man weder von den Anstalten (der Name sagt eh alles…) noch den Privaten erwarten; schließlich heiligt der Zweck im TV nahezu alle Mittel.

Bitte bei dieser ganzen Debatte nicht vergessen: Man ließ bei dieser ominösen Langweilerveranstaltung namens Fernsehpreis Atze Schröder auf die Bühne, man zeichnete Veronika Ferres aus Proporzgründen aus, man erwählte ernsthaft “Deutschland sucht den Superstar” zu besten Show, man ließ Lafer und Lichter und Lecker einen derart desolaten Auftritt hinlegen, dass man ihn hinterher lieber wieder herausschnitt. Kurz, die Branche feiert sich am liebsten selber, wirft in der Kategorien en passant “Switch reloaded” und “Scheibenwischer” zusammen (Scheibenwischer – eine “Comedy”??)  und das Einzige, was man Reich-Ranicki vorwerfen muss ist, dass es naiv ist zu glauben, es gehe bei einer solchen Veranstaltung ernsthaft um einen Qualitätsgedanken. Konsens und Proporz, das sind die entscheidenden Motive. Schade lediglich, dass dadurch wirklich herausragende Produktionen wie “Das Schweigen der Quandts” ziemlich untergehen, wenn vorher Atze Schröder geflachsinnt hat.

Reich-Ranickis Auftritt also ist leider verkommen zu einem Quotenbringer; wüsste man es nicht besser, man würde dahinter einen wohlinszenierten Event einer Agentur vermuten. MRR als Trapattoni des Fernsehens, als ulkiger alter Mann mit putzigen Ausfällen. Und dass Monika Piel (“Ich vermisse dort (bei den Privaten) diese Qualitätsdebatte. Wir führen sie ständig. Wenn er das erreicht hätte mit seinem Auftritt, dann wäre ich damit sehr einverstanden.”) allen Erntes meint, dass es neben dem Trivialen doch auch ganz hübsche Sachen im Fernsehen gibt und dass vor allem die Privaten mal in sich gehen sollten, weil sie beim besten Willen ARD und WDR nicht in der Kritik sehe, sagt viel über den Zustand des Fernsehens.

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Blödsinnspreise

12. Oktober 2008 - 10:40 Uhr

Ich bin bestimmt kein glühender Anhänger von Reich-Ranicki. Aber die Nummer, die der alte Knarzer beim Deutschen Fernsehpreis abgezogen hat, ist einfach nur richtig groß.

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Mobile 0.0

7. Oktober 2008 - 20:12 Uhr

Handy-TV ist also mal wieder gescheitert in Deutschland. Man muss sich darüber aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht wundern, tatsächlich kommt aber erschwerend noch ein neuer Aspekt dazu, der potenzielle Investoren erst einmal abschrecken wird. Denn bewegtes Bild ist inzwischen überall, allgegegenwärtig, ständig verfügbar; sei es in Form gekaufter Sendungen oder Filme, sei es als Videopodcast. Kurzum, speziell in einer mobilen Nutzungsform braucht kein Mensch mehr live auf kleine Screens übertragene Werbepausen und lineare Programme. Die Vorteile, die Video on demand bietet, kommen mobil noch viel stärker zum Tragen als zu Hause vor der heimischen Glotze. Vor die legt man sich vielleicht mal, um sich berieseln zu lassen. Aber in der U-Bahn?

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Anne Will

15. September 2008 - 11:56 Uhr

Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass Anne Will die Mission hat, den deutschen Fernsehzuschauer totzulangweilen.

Nach gestern abend weiß ich: Sie ist auf einem verdammt guten Weg.

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Wer braucht eigentlich Premiere?

11. September 2008 - 10:32 Uhr

Georg Kofler macht jetzt in irgendwelchen “spannenden” anderen Wirtschaftsmodellen, er tat das wenigstens noch halbwegs freiwillig zum rechtzeitigen Zeitpunkt. Sein Nachfolger als Vorstandschef bei Premiere, Michael Börnicke, kann das nicht so ganz von sich behaupten: dass er mit sofortiger Wirkung sein Amt niederlegt, kann man weniger kapriziös einfach als Rauswurf bezeichnen. Was weniger die Frage nach den Hintergründen und/oder den Fähigkeiten Börnickes aufwirft als vielmehr die grundsätzliche Frage: Wer braucht eigentlich Premiere?

Es spricht eine ganze Reihe von Gründen für die Annahme, dass das Geschäftsmodell von Premiere gar keines mehr ist. Der wohl entscheidende: Es gibt ein kaum mehr überschaubares (Über-)angebot an Bewegtbild aus den verschiedensten Quellen. Wer vor, sagen wir, 15 Jahren Premiere buchte, der wollte möglicherweise nicht einfach nur einen Fußballkanal, sondern sein aus heutiger Sicht bescheidenes Programmangebot erweitern – und war bereit, dafür Geld zu bezahlen. Der Reiz dieser Idee ist weg; es gibt unzählige andere, billigere und attraktivere Möglichkeiten, an den Film/an die Serie seiner Wahl zu kommen, als darauf zu warten, dass das gute Stück irgendwann mal bei Premiere läuft. Zumal Premiere nach wie vor immer noch einfach “nur” Fernsehen und somit auf einen einzigen Abspielkanal angewiesen ist. Kein mobiles Angebot, keine ernstzunehmende Online-Plattform; Premiere, das in den 90ern mal als innovativ gelten durfte, ist inzwischen einfach nur Fernsehen, das Geld kostet.

Bleibt der Fußball, wenn er denn bleibt. Ein Modell, dass sich sehr einseitig auf einen einzigen Faktor stützt, bekommt über kurz oder lang Probleme; gesehen hat man das sehr schön, als plötzlich Arena auf dem Markt war und man bei Premiere glücklich sein durfte, dass die Arena-Leute noch töpelhafter waren als der Platzhirsch selber. Und selbst wenn man Premiere unterstellen würde, für die nächsten 20 Jahre im Besitz der Fußballrechte zu bleiben, was ist dann die Idee? Ein Fußballkanal mit angeschlossenem Spielfilmgemischtladen? Das ging doch schon zu Kirchs Zeiten formidabel schief. Wenn man dann auch noch wie im Fall Börnicke auf die Fantastereien von 10 MIllionen Abonennten kommt, ist das Desaster schnell perfekt. Es dürften keine 3 Millionen sein und sehr viel höher wird das Potenzial auch nicht mehr; selbst wenn man Fußballfans mal wieder die Daumenschrauben anlegen und die Spiele aus dem Free-TV verbannen will. Ein Kunde schätzt es nicht, wenn er genötigt wird.

Und während also vermutlich gerade im  Moment irgendwo in Unterföhring an irgendwelchen teuren Kundenbindungsmaßnahmen getüftelt wird, habe ich mir mit iTunes, Maxdome, Online-Videorekorder und gelegentlich auch mal einer ganz konventionellen DVD schon lange mein Programm zusammengestellt, das individueller und besser und günstiger als alles das ist, was mir Premiere bieten kann. Premiere: alleine schon der Name zeigt, wie sich ein Geschäftsmodell in den letzten 15 Jahren im Zeitalter digitaler Medien ad absurdum geführt hat.

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Blue collar Hillary…

26. August 2008 - 13:00 Uhr


…oder: Wie gut Fernsehen sein kann, wenn es von Current TV kommt. Anschauen und lachen. Unbedingt.

(Danke an Ansgar M.)

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Wills Waldi

22. Juli 2008 - 17:16 Uhr

Zu einer der schönsten, wenngleich inzwischen beinahe ausgestorbenen bayerischen Redewenndungen gehört der Satz:

“Iatz werds hint höha wia vorn.” 

(Für Nicht-Eingeborene: Jetzt wird es hinten höher als vorne.) Man kann diesen Satz u.a. dann verwenden, wenn man sein Erstaunen über etwas ausdrücken will, wenn man etwas besonders absurd findet – oder wenn man den Fernseher einschaltet und dann sieht, wie bei Anne Will Waldi Hartmann (rprt. Weißbier-Waldi Hartmann!) über ökologisch sinnvolle Verehrspolitik diskutiert.

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Dr. Psycho und die Quote

10. Juli 2008 - 20:11 Uhr

Weiß irgendjemand die Quote von der letzten Folge von Dr. Psycho? Zugegeben: Ich habe keinerlei Ahnung, wie sie war. Ich habe die letzte Folge von Dr. Psycho (aktuell beste Serie im deutschen TV) noch nicht mal gesehen. Das heißt, natürlich habe ich sie gesehen, aber nicht bei Pro 7. Um genau zu sehen: Gesehen habe ich Dr. Psycho erst einmal im Fernsehen. Das war ein ziemlich entsetzliches Erlebnis, weil ich vorher die letzten Minuten des talentbefreiten Elton und seines Prellbocks Simon sehen und danach etliche Male Werbeunterbrechungen und Trailer (“gleich bei Pro 7…”) über mich ergehen lassen musste.

Und deswegen gibt´s Dr. Psycho nur noch aus der Konserve. Das kann Pro 7 ziemlich wurscht sein, weil es gerade bei solchen Formaten (Stromberg ist ein ähnliches Phänomen) ganz prima mit der Entkoppelung von Programm und Schema leben kann. Bei iTunes beispielsweise ist nämlich zuverlässig nach jedem Ausstrahlungstag die jeweilige Folge von Herrn Ulmen die Nummer eins der (TV-)Downloads. Wer also braucht Programm, wenn´s (guten) Inhalt gibt? Und wenn interessiert eigentlich das Markenlabel, unter dem der gute Inhalt läuft? Von mir aus zeigt auch 9 Live den…öhm, nein, das dann lieber doch nicht.

Nachsatz: Ich habe zwar einen Maxdome-Account und könnte dort ebenfalls Dr. Psycho sehen. Aber Streaming ohne Download, ohne mobile Anwendung? WTF?

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Lukas Podolski…

26. Juni 2008 - 9:47 Uhr

wie stark ausgeprägt ist der Wunsch, das Finale am Sonntag zu gewinnen?

Nicht so groß wie mein Wunsch nach Sportreportern, die nach einem Spiel Fragen stellen, die wenigstens im Ansatz intelligent sind.

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Arne und Yoga

22. Juni 2008 - 13:01 Uhr

Doch, liebes ZDF, natürlich bin ich ein großer Fußball-Fan. Aber ich muss das nicht wirklich verstehen, wenn in der Halbzeitpause eines EM-Spiels das heute-journal mit einem Film aufmacht, in dem die essentielle Erkenntnis ist, dass sich Arne Friedrich gerne und erstmals mit Yoga entspannt hat, oder?

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