Bitte diskriminiert uns, liebe Tech-Riesen!

Sollte man diskriminierende Praktiken der Tech-Giganten von vorneherein verbieten? Nein, sagen Ökonomen aus Passau und ein Jurist aus Belgien, die diese Frage für den Brüsseler Think Tank CERRE analysiert haben. “Read

Ich bin dann mal weg (bei der PR)

Die folgende kleine Episode erzähle ich immer wieder gerne mal – weil sie heute, rund 30 Jahren nach ihrem Ursprung so wunderbar absurd wirkt, dass man sich alle weiteren Kommentare und Analysen mühelos sparen kann:

Als ich irgendwann in den 80ern beschlossen hatte, Journalist werden zu wollen, hatten ich und mein gesamtes Umfeld nicht nur nicht den leisesten Zweifel an dieser Entscheidung. Sondern auch das Gefühl,  Zeuge einer der wenigen Entscheidungen im Leben geworden zu sein, an denen es nicht im Ansatz etwas zu bemäkeln gibt. Was auch? Journalisten sind angesehene und manchmal auch wichtige Mitglieder dieser Gesellschaft. Sie verdienen gut und sind aufgrund der bereits erwähnten Wichtigkeit nahe an einem Beamtenstatus. Vielleicht nicht unkündbar, aber wenn man sich nicht allzu bekloppt anstellt, dann hat man als Journalist ein einträgliches Auskommen. Bevor Sie jetzt in schallendes Gelächter ausbrechen, bedenken Sie bitte: Das ist 30 Jahre her.

Man muss heute ein gewisses Maß an Idealismus mitbringen, wenn man Journalist werden will. Das hat zwar schon früher nicht geschadet, aber wenn man richtig viel Geld verdienen will, sollte man sich die Sache mit dem Journalismus zumindest nochmal überlegen. Diese Sätze schreiben sich im Jahr 2014 verblüffend einfach hin und vermutlich werden Sie sich, nachdem Sie sie gelesen haben, weder besonders aufregen noch verwundert sein. Dabei ist es schon erstaunlich, was in den letzten 30 Jahren mit diesem Beruf passiert ist: vom Beinahe-Beamten hin zum Beinahe-Sozialfall, das muss man ja so erst einmal hinbekommen. Sieht man mal  davon ab, dass noch ein paar andere potenziell unschöne Faktoren hinzukommen: Wie was genau in dieser Branche weitergeht, ist erstens Gegenstand von heftigen Grundsatzdebatten und zweitens alles andere als eindeutig. Wem also ein bisschen etwas am Sicherheit und Verlässlichkeit gelegen ist, sollte im Journalismus momentan auch nicht allzu gut aufgehoben sein.

Das eigentlich Traurige ist: Zunehmend öfter kapieren das potenzielle Nachwuchs-Journalisten auch. Der Idealismus verschwindet, wenn man sich mit den Realitäten der Branche erst mal konfrontiert sieht. Das ist nicht nur ein Bauchgefühl, das man zwangsweise bekommt, wenn man es öfter mit journalistischem Nachwuchs zu tun hat. Dazu gibt es auch Zahlen, selbst wenn ich natürlich weiß, dass sie weder repräsentativ noch irgendwelchen strengen empirischen Maßstäben standhalten würden. Aber bezeichnend ist es dennoch, welcher Trend sich beispielsweise bei den Medienstudenten an der Universität Passau zeigt:

passau

Zur Erklärung: Gefragt wurde, wie sich der Berufswunsch während des Studiums entwickelt hat.  Und selbst dann, wenn man zugesteht, dass diese Zahlen für eine streng wissenschaftliche Untersuchung nicht ausreichen würden, so ist der Trend ebenso bezeichnend wie irgendwie nachvollziehbar.  Während zu Beginn des Studiums die meisten noch den Journalismus als Berufsziel angegeben haben, steht er am Ende des Studiums am Ende der Wunschliste. Ganz oben, man ahnt es: die PR. Es ist müßig, über die jeweiligen Gründe im Detail nachzudenken, der Trend ist eindeutig. (Mehr zum Thema: hier).

Nein, natürlich kann man aus einem Trend an einer vergleichsweise kleinen Universität noch keine allgemein gültigen Regeln ableiten. Aber auf der anderen Seite: Würde wirklich jemand dagegen halten, wenn man behauptet, dass diese kleine Stichprobe aus Passau dann eben doch einige Rückschlüsse auf die Gefühlslage des Medien-Nachwuchses zulässt?

Man kann sich natürlich in altväterliche „Weckrufe“ an Studierende ergehen, man kann über das Sicherheitsdenken der jungen Generation ausgiebig lamentieren. Muss man aber nicht. Weil das in der Konsequenz nichts daran ändert, dass uns auf Dauer die Journalisten ausgehen könnten. Dass es womöglich die besten Köpfe an die andere Seite des Schreibtisches verschlagen könnte. Dass unser Beruf beim Nachwuchs nicht mehr als sonderlich erstrebenswert gilt und (überspitzt gesagt) diejenigen, die es sich aussuchen könnten, lieber etwas machen, auf das sie eine gesicherte Existenz aufbauen können.

Neben der Frage, von was und wie wir zukünftig leben wollen, steht also auch noch eine andere: Wer will eigentlich künftig noch mit uns arbeiten?