Archiv für Oktober 2007


Qualität im Journalismus

16. Oktober 2007 - 19:37 Uhr

Aus eigener Erfahrung heraus würde ich aktuell meine Anforderungen an Qualität im Journalismus etwas runterschrauben, dafür aber deutlich präzisieren.

Sauber  arbeiten.

Gründich recherchieren 

Korrekt zitieren.

Dinge verifizieren und differenzieren.

Klingt banal und so einfach. Wär trotzdem schon viel gewonnen damit.

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Online überholt Zeitung

16. Oktober 2007 - 18:14 Uhr

So sieht das aus inzwischen:

Die steigende Bedeutung des Internets als aktuelles Nachrichtenmedium zeigt sich, wenn man die jungen Nutzer nach den wichtigsten Informationsquellen für das aktuelle Geschehen fragt: 37,7 Prozent der 14-bis 19-Jährigen und 37,1 Prozent der 20- bis 29-Jährigen zählen hierzu das Internet. Die Zeitung gehört hingegen nur noch nur 24,5 Prozent der 14- bis 19-Jährigen und 36,9 Prozent der 20- bis 29-Jährigen dazu. Hier hat das Netz das Papier überholt.

Hier gefunden - als nette kleine Gegenthese für all die, die meine, Print habe eine quasi eingebaute Bestandsgarantie. Weil Zeitungen ja der letzte Hort des Qualitätsjournalismus sind.

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From now on you have to pay…

16. Oktober 2007 - 9:57 Uhr

 

“Wir müssen nach Wegen suchen, die Inhalte im Internet kostenpflichtig zu machen.” Es könne nicht sein, dass eine Mentalität, besonders bei jungen Leuten, vorherrscht, dass auch seriöse, hochwertige und verlässliche Informationen im Web umsonst zu bekommen seien. Ausdrückliches Lob bekam von ihm das kostenpflichtige Internetangebot des Wallstreet Journals.

 

Na, von wem ist dieses Zitat? Und vor allem: Aus welchem Jahr stammt es? Nein, nicht 1999. Sondern aus dem Oktober 2007, vom Chefredakteur der Süddeutschen. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass die SZ ein eigenartiges Verhältnis zum Thema Web hat.

(via Media Coffee Blog) 

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War was?

16. Oktober 2007 - 9:32 Uhr

Ein paar Panels und Diskussionen verfolgt und diverse Ankündigungen für 2008 gelesen. Kurz nachgedacht – danach überlegt: Hat sich 2007 eigentlich irgendetwas geändert, ich meine, immerhin im Hinblick darauf, dass 2007 von ganz vielen Menschen als ein Jahr mit gravierenden Änderungen und Weichenstellungen bezeichnet wurde?

Schauen wir uns mal um.

Citizen Media, Bürgerjournalismus – es wäre übertrieben zu sagen, dass sic dort irgend etwas Essentielles getan hätte. Es gab Hingespinste von Leuten, sie könnten für ein Projekt mit “20 Millionen Reportern” oder die “größte Redaktionskonferenz der Welt” in einer Arena machen. Letztendlich ist unter dem Strich herausgekommen, was zu erwarten war: Flops. Unsinn. Im besten Fall: einfach irrelevant. Ich habe keine wirkliche Erklärung dafür, warum ein Projekt wie “Current TV” in den USA wirklich großartige Ergebnisse hervorbringt und bei uns nichts dergleichen zu sehen ist. Aber die Erkenntnis bleibt, dass der Bedarf der Nutzer und Leser und Zuschauer, sich in irgendeiner Weise an Medien zu beteiligen, möglicherweise viel geringer ist als wie wir das ursprünglich meinten. Zumal man Communitys, Eitelkeiten und Journalismus strikt trennen sollte. Wenn jemand irgendwo seine Fotos oder Filmchen ausstellt, muss das noch lange kein Beleg dafür sein, dass dieser Mensch auch ernsthaftes Interesse an Journalismus hat. Möglicherweise will er einfach nur seine Sachen herzeigen oder seine kleinen Eitelkeiten befriedigen. Das gilt sowohl für Online-Communitys als auch die Versuche von TV-Sendern, die Zuschauer einzubinden.

Online-Medien: Ich hatte es ja schon einmal erwähnt, dass ich die Ankündigungen, den Spiegel von der Top-Position zu verdrängen, weitgehend für heiße Luft halte. Tatsächlich ist es auch so: SPON zieht einsam seine Kreise und dass irgendjemand in der Position wäre, ihn (aus kommerzieller Perspektive) ernsthaft zu attackieren, ist beim besten Wilen nicht in Sicht. Man wollte diskutieren, kommunizieren, man wollte die große Wunderwelt des Web 2.0 und seine Tools bereisen, um Marktfürer zu werden. Übrig geblieben ist nicht sehr viel davon, ein paar ziemlich nette Features bei dem einen oder anderen, zugegeben – aber nichts, was wirklich für Furore sorgen würde. Ob Welt, Focus, Stern – allen gemeinsam könnte die Erkenntnis sein, dass es immer noch der Inhalt ist, der zählt. Man muss allerdings befürchten, dass ein Chefredakteur, der sich hinstellt und sagt: Wir wollen an journalistischen Inhalten und deren Qualität arbeiten, weil wir glauben, dass wir nur über Inhalte und deren Qualität Erflg haben werden – schnell seine Laufbahn im entsprechenden Haus beenden müsste. Man gibt gerne zig Millionen an Beteiligungen an irgendwelchen Plattformen aus, während man sich gleichzeitig inzwischen dafür feiert, dass man eine vollwertige Onlineredaktion auf 25 Leute aufstockt. So viele sitzen andernorts in einer einzigen Feuilleton-Redaktion – umgekehrt sollen 25 Leute ein komplettes, anspruchsvolles Onlineangebot stemmen. Verkehrte Welt.

Und umgekehrt kommt gerade Leo zurück und kapert die Bundesliga – 2007 soll sich wirklich irgendwas Essentielles geändert haben? 

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Blender und die hairy Brits

13. Oktober 2007 - 14:34 Uhr

Spex zu abgehoben, die anderen zu mainstreamig? Und deswegen lieber gar kein Musikmagazin lesen? Blender.com ist eine wunderbare Alternative. Vor allem aus vier Gründen:

  • Sie bezeichnen “Pet Sounds” als das am meisten überschätzte Album aller Zeiten.
  • Sie bezeichnen “fast alle Dylan-Platten” als überschätzt (notabene: ich bin ein großer Fan von Dylan. Trotzdem wahr.)
  • Sie nennen John Lennons Solo-Output “vergleichweise bescheiden” gegen McCartney in den Jahren 1970-1980.
  • Und sie bezeichnen Genesis als “absurd hairy Brits” (um dann dennoch eine ziemlich kluge und vorurteilsfreie Abhandlung über die Band zu schreiben).

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Einmal laut lachen…

12. Oktober 2007 - 9:39 Uhr

beim Lesen bitte! Vor allem die Mitstreiter von früher: Taschentücher raus, Lachtränen abwischen. Dejan vu.

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Ein Loblied dem Sportstudio (auch wenn´s manchmal schwer fällt)

11. Oktober 2007 - 18:48 Uhr

Sportjournalismus scheint eine lustige Sache zu sein. Besser gesagt: Eigentlich kann es sich bei Sportjournalismus nicht um Journalismus handeln, zumindest nicht um eine Form, die man halbwegs ernst nimmt. Anders jedenfalls ist es kaum zu erklären, dass das, was sich gerade bei der künftigen Berichterstattung über die Fußball-Bundesliga anbahnt, von der Branche allenfalls mit einem Schulterzucken wahrgenommen wird.

Geplant ist also jetzt folgendes: Leo Kirch darf wieder Bundesliga machen. In Ermangelung eigener Sender, die ihm der böse Rolf mal weggekickt hat, kann er sie zwar nicht mehr ausstrahlen, aber vermarkten. Dazu gehört, dass er in einem Jointventure mit der DFL die Berichte über die Spiele selbst produzieren darf, die DFL wiederum will zur Auflage machen, dass die abnehmenden Sender das fertige Produkt nehmen und keineswegs versuchen, eigene Wertungen ins und zum Spiel zu bringen. Wie das aussieht, kann man sich vorstellen, denn notabene: Ausgerechnet Ex-Arena-Mann Dejan Jocic darf sich jetzt als Geschäftsführer von Bundesliga-TV probieren. Wer einmal die unerträgliche, marktschreierische Berichterstattung von Arena miterleben durfte und gesehen hat, wie man dort selbst noch einen Gurkenkick atemlos zum Event hochredete, der hat eine Ahnung, was Kirch und die DFL vorhaben: Viel Geld machen, indem man die Bundesliga zur Show macht und praktischerweise sowas Lästiges wie Journalisten aussperrt und sich seine Berichte selber macht (im Übrigen durfte man das jähe Ende von Arena als Fußball-Fan durchaus als Erlösung empfinden, schon alleine wegen Oliver Welke).

Man stelle sich vor: Erwin Huber, Günther Beckstein und Leo Kirch gründeten CSU-TV und würden sich die Berichte von Parteitagen und Wildbad-Kreuth-Memorial-Treffs selber produzieren. Absurd? Natürlich. So absurd wie dieser Bundesliga-Deal.

Persönliche Konsequenz? Selbst wenn ich auf unabhängige Bilder bis tief in der Nacht warten muss, Bundesliga-TV kommt mir nicht ins Haus. Dann lieber Sportstudio. Trotz Poschmann und Steinbrecher.

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Ein letztes Wort…

11. Oktober 2007 - 17:53 Uhr

…zu Frau Herman und den geflissentlichen Auseinandersetzungen mit ihr und der leidenschaftlichen Nazi-oder-nicht-Debatte. Frau Herman hat den ganzen Kuddelmuddel um ihre Person mit dem folgenden (wörtlichen) Satz begonnen:

“Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der daraus folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das, was wir an Werten hatten, es war ne grausame Zeit. Das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder. Das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehenbleiben.‘‘

Mal im Ernst: Warum diskutieren wir einen solchen sprachlichen und intellektuellen Trümmerhaufen überhaupt? Die Frau sagt Dinge, die man mit halbwegs gutem Gewissen dämlich nennen darf. Und gut is´auch wieder.

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Entweder oder

11. Oktober 2007 - 9:47 Uhr

Merkwürdig ist das ja schon irgendwie: Ausgerechnet wir Journalisten, die wir von anderen gerne die Fähigkeit zur Differenzierung einfordern, tun uns mit genau dieser Differenzierung ziemlich schwer. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass bei nahezu jeder Veranstaltung und Diskussion zum Thema Medienzukunft irgendwann dieses Fass aufgemacht wird, auf dem groß und in Leuchtfarbe steht: entweder/oder.

Im Entweder-Oder-Fass befindet sich dann aber leider meistens kein aufbauender und inspirierender Zaubertrank, sondern eine eher ungenießbare Brühe. Das Spiel spielt sich dann in etwa wie folgt ab (so wie auch gestern abend wieder bei einer kleinen Runde im Münchner Presseclub, bei der ich mitdebattieren durfte): Man gibt zu bedenken, dass sich die Dinge gerade im ziemlich heftigen Fluss befinden und sich so schnell ändern wie noch nie zuvor. Man gibt dann weiter zu bedenken, dass dies für unsere bisherigen konventionellen Medien und ihre Journalisten, unbeschadet ob Zeitung, Radio oder Fernsehen, ein paar Veränderungen einhergehen werden, von denen man noch nicht so ganz genau sagen könnte, wie sie aussehen werden, weil Hellsehen leider noch nicht erlernbar ist. Statt dann aber darüber zu reden, wie solche Veränderungen aussehen und die Vorbereitungen darauf aussehen könnten, kommt als Killer-Gegenargument in etwa folgendes. Erstens: Zeitungen hat es schon immer gegeben. Zweitens: Zeitungen wird es auch immer geben. Drittens: Zeitungen rascheln beim Lesen so schön. Ob Fernseher wohl auch rascheln, wenn man sie abends zusammen faltet? Erstaunlich übrigens, wenn man über Veränderungen im Journalismus in einem digitalen Zeitalter redet und die Diskussion dann nahezu immer auf Zeitungen kommt. Ganz so, als wären Radio und TV keine Medien und von den anstehenden Veränderungen quasi ausgeschlossen.

Mich wundert, dass man so selten Leute hört, die erkennen, dass das eine das andere nicht ausschließt. Dass eine vernünftige Digitalstrategie nicht zwangsweise das Ende der gedruckten Zeitung bedeutet und dass umgekehrt es der Digitalstrategie nicht schadet, wenn man dazu noch eine ordentliche Zeitung macht. Kein vernünftiger Mensch würde bezweifeln, dass die bisher bestehenden Medien auch weiterhin ihren Platz haben werden.

Und noch etwas hat mich gestern abend erstaunt: nämlich dass wir, beinahe schon im Jahr 2008 angekommen, über das Web immer noch reden, als sei es ein kleines Schifflein, dessen Segel man schon schemenhaft am Horizont erkennt und auf dessen Ankunft man sich allmählich ja mal vorbereiten könnte.

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So lauft´s (Eva)-Business…

10. Oktober 2007 - 9:14 Uhr

Ich glaube, Gerhard Polt hat diesen wunderbar lakonischen Satz geprägt: So lauft´s Business…(dass da kein “ä” sondern ein “a” in “laufen” steht, ist dem bayerischen Idiom geschuldet).

Gestern und heute hat die Branche mal wieder gezeigt, wie´s Business so lauft: Eva Braun Herman durfte im ZDF rund 52 Minuten schwadronieren. Ihre Bücher wurden in schöner Regelmäßigkeit namentlich genannt und ab und an auch mal eingeblendet. Sie durfte weitgehend unwidersprochen erstaunlich NS-kompatibles Vokabular wie das der “gleichgeschalteten Presse” benutzen und Thesen verwenden, die man selbst an einem Stammtisch irgendwo in Niederbayern nicht mehr bringen würde, weil sie echt zu blöd sind (“Hitlers Autobahnen”). Außerdem stilisierte sie sich zur verfolgten blonden, aufrechten Unschuld, die sich nicht mal mehr über den Verlauf der Geschichte äußern dürfe, ohne in Gefahr zu geraten. Daneben saßen ein blöd daher schnabelnder “Comedian”, der mit dem Formulieren anständiger deutscher Sätze (anständig und deutsch jetzt bitte nicht falsch deuten…) erhebliche Probleme hatte, eine Frau Schreinemakers, die den empörten Gutmensch geben durfte und als einziger Lichtblick Senta Berger, die den Herman-Quatsch souverän konterte und irgendwann mal meinte, sie gehe jetzt, weil ihr der ganze Kram zu abstrus werde. Nach 52 endlos langen Minuten entschied sich der Herr Kerner dann aber dafür, dass lieber Blondchen Eva gehen solle, weil er ja nicht dumm ist, der Johannes Baptist: Man stelle sich das verheerende Echo vor, wenn Senta Berger gegangen wäre und Eva Herman weiter schwadroniert hätte. Senta Berger also hat JBK die Pistole auf die Brust gesetzt: die oder ich.

Und was kommt am nächsten Tag raus? “Kerner wirft Herman aus der Sendung”, titeln sie alle ohne lang nachzudenken und vermutlich auch, ohne sich die Sendung angesehen zu haben: von Spiegel über Bild und Süddeutsche bis heute.de und zdf.de. ZDF.de freut sich übrigens über eine derat schöne Promotion und feiert auf der Startseite und der Mediathek den “Rauswurf” Hermans als “Tipp!”. Nettes Spekaktel, bitte klicken sie hier.

Und so haben schließlich alle was davon: Kerner grundpositive Schlagzeilen -dafür, dass er sich nach 52 von 60 Minuten entschied, lieber die anderen als Herman im Studio behalten zu wollen. Herman prima Werbung, 50 Minuten nahezu unbegrenzte und ungestörte Redezeit und sicher eine weitere Stärkung ihres positiven Images beim Ring Nationaler Frauen (die nächste Pressemitteilung des RNF kommt bestimmt). SPON & Co. haben wunderbare Schlagzeilen und Margarete Schreinemakers hat sich auch wieder in Erinnerung gebracht.

So lauft´s Business. Noch Fragen?

Nachtrag: Bei sueddeutsche.de hat übrigens der Qualitätsjournalismus-Reflex sofort reagiert, weswegen man zu der Kerner-Geschichte gleich mal eine Bildstrecke produziert hat. Immerhin, sechs Klicks hat man dem Ding damit noch zusätzlich rausgewürgt.

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