Ab welcher Untergrenze von Kommentaren sollte man denn als Blogger sich überlegen, ob sich das noch lohnt? Ich habe oft Beiträge mit weniger als sechs Kommentaren…
Da hast du mich falsch verstanden. Ich meine keineswegs, dass Blogs erst ab einem gewissen Quantum von Kommentaren lohnenswert sind – ich hab hier auch meistens unter 6 Kommentaren. Aber ich bin auch nicht Europas größte Regionalzeitung. Umgekehrt: Wenn du mal bei den großen Blogs schaust, da sind 100 und mehr Kommentare pro Beitrag keine Seltenheit. Insofern finde ich es bezeichnend und frappierend, wenn beim Westen der Beitrag mit 6 Kommentaren als “viel diskutiert” auf der Startseite besonders herausgestellt wird.
Mit dem Beispiel der Feuerwehr Hünxe hast Du dir aber ein schlechtes Beispiel ausgesucht.
Hünxe ist ein Dorf, absolut ländlich. Da liest man die Zeitung und diskutiert am Gartenzaun mit dem Nachbar darüber, was man gelesen hat.
Ich weiß das nur zu gut, ich komm aus dem Dorf
Aber das Problem mit dem Internet ist nicht nur auf Hünxe zu beziehen. Dinslaken hat über 70.000 Einwohner. Webabtivität? So gut wie Null.
Man schaue sich das http://www.Dinportal.de an. Bezeichnend für die Aktivität der Bürger.
Das der Westen so wenig Blogger hat liegt auch daran, dass sie nach ihrem Aufruf sich als Blogger zu bewerben, bei vielen gar nicht mehr gemeldet hat die sich beworben haben.
So auch bei mir. Keine Zusage, keine Absage, gar nichts.
Jetzt sucht man Händeringend nach Bloggern. Selbst schuld sag ich da nur
Naja, noch ist das ganze ja auch neu und ich gehe davon aus, dass man den Wert, ab dem etwas als meist kommentiert gilt ändern kann – wenn da mehr kommentiert wird.
Manche Verleger kommen mir vor wie Gestütsbesitzer, die mit immer schlechteren Zossen an immer mehr Rennen teilnehmen, in der Hoffnung, so mehr gewinnen zu können.
Wir haben tatsächlich immer noch einen reichlich nervigen Fehler bei der Anzeige der Kommentarzahlen – die meistkommentierten Artikel liegen weit über den genannten sechs Kommentaren und auch im Lokalen herrscht keineswegs Ödnis (auch wenn es bei 140 Orten natürlich große Unterschiede gibt, was auch nicht anders zu erwarten war).
Wir machen in der Onlineredaktion schon jetzt nicht einfach nur Agenturjournalismus, wollen die Zahl der eigenen Geschichten aber schon noch deutlich steigern. Wir brauchen aber auch noch ein bißchen Zeit, um uns als Redaktion im Live-Betrieb aufeinander einzuspielen (ein Haufen motivierter, teils auch sehr erfahrener Journalisten ist eben nicht gleich eine eingespielte Redaktion, was Dir sicherlich nicht neu ist). Die Steuerung der Seite lässt sich im Testbetrieb leider nur begrenzt “üben”, weil da Sachen wie Kommentar- und Forumspflege usw. nicht anfallen. Je weniger Leute langfristig tatsächlich am Newsdesk mit der Betreuung der Seite selbst beschäftigt sind, desto mehr sind frei für Recherche.
Und nun zu den berüchtigten 300 Euro: Wir haben keinen Einheitstarif für Blogger, auch wenn das jetzt gerne so dargestellt wird. Was wir zahlen, hängt ganz stark davon ab was uns angeboten wird (so funktioniert das auf dem freien Markt, munkelt man). Mit einer einzigen Ausnahme zahlen wir allen Bloggern derzeit deutlich mehr (und die eine Ausnahme bloggt auch nicht mehrmals pro Woche).
Ja, dafür habe ich sogar Beweise, denn ich unterschreibe die Verträge und die monatlichen Honoraranweisungen. Wenn wir also jemandem nur 300 Euro geboten haben, dann war uns seine Idee wohl nicht mehr wert (auch wenn das jetzt harsch klingt) und wenn er dann abgelehnt hat, das natürlich sein gutes Recht. Niemand wird gezwungen, für uns zu schreiben. Diejenigen, die es tun, haben sich bislang allerdings noch nicht beklagt.
(Bei allen Preisen bitte ich übrigens auch zu bedenken, dass Regionalverlage generell im Print niedrigere Zeilenhonorare zahlen als überregionale Zeitungen und ich das Gefüge nicht komplett zerschiessen will.)
Kannst du uns bitte mal erklären, Katharina, in welche ehernen Gesetzestafeln es eingehauen steht, dass der Printjournalist stets mehr Geld erhalten müsse als der Blogger?
@Chat Atkins: In überhaupt keinen Tafeln, zumindest keinen mir bekannten. Deshalb habe ich das auch mit keinem Wort gesagt. Mir kommt es nicht darauf an, wer von beiden mehr verdient, sondern dass das Verhältnis zwischen beiden gewahrt bleibt. Ich meinte damit eher, dass ein Blogger nicht generell das achtfache unserer Freien im Print verdienen sollte.
Schön langsam werde ich aber wuschig, nochmal zur Verdeutlichung: Die 300-Euro-Mails sind topaktuell, die letzte mir bekannte ging am 7. November raus, und da geht es
- um das kontinuierliche Füllen
- und Betreuen
- von von der WAZ selbst angefragten Spezialblogs
- von Leuten, die man monatelang hingehalten hat und
- die durchaus was können und
- deren bekannte Vorstellungen zur Entlohnung man über Wochen und Monate kannte, und auch nicht als Grund für eine Absage wahrnahm.
Nebenbei steht in der Mail, dass allen 20 externen Bloggern, die demnächst starten, für die ersten 3 Monate 30 Euro bezahlt werden, und man sich damit als Provinzmedium schon mehr leiste, als alle anderen in Deutschland.
Das sind die Fakten. Dass die bisherigen Blogger bei der WAZ besser bezahlt werden, kann schon sein, schliesslich sind es bei Westpoint zum grössten Teil normale Mitarbeiter der WAZ aus dem Altbestand, selbst wenn die dort unter Pseudonym schreiben (Runningblog). Wenn die WAZ nicht für die 20 ausgeguckten Externen mehr zahlen will, sagt es doch einfach, aber dieses Lavieren und Kleinreden des Nachweisbaren ist schon ein wenig komisch.
Wenn ich Katharinas und Don A.s Mails mal beide als wahrheitsgemäß im Kopf ‘addiere’, dann sind diese 300 Euro für einen externen Blogger also das Achtfache von dem, was eine freie Printe bei der WAZ verdient. Was sagt denn der DJV dazu?
Ab welcher Untergrenze von Kommentaren sollte man denn als Blogger sich überlegen, ob sich das noch lohnt? Ich habe oft Beiträge mit weniger als sechs Kommentaren…
Jens
10 Nov 07 at 20:25
Da hast du mich falsch verstanden. Ich meine keineswegs, dass Blogs erst ab einem gewissen Quantum von Kommentaren lohnenswert sind – ich hab hier auch meistens unter 6 Kommentaren. Aber ich bin auch nicht Europas größte Regionalzeitung. Umgekehrt: Wenn du mal bei den großen Blogs schaust, da sind 100 und mehr Kommentare pro Beitrag keine Seltenheit. Insofern finde ich es bezeichnend und frappierend, wenn beim Westen der Beitrag mit 6 Kommentaren als “viel diskutiert” auf der Startseite besonders herausgestellt wird.
cjakubetz
10 Nov 07 at 20:42
Mit dem Beispiel der Feuerwehr Hünxe hast Du dir aber ein schlechtes Beispiel ausgesucht.
Hünxe ist ein Dorf, absolut ländlich. Da liest man die Zeitung und diskutiert am Gartenzaun mit dem Nachbar darüber, was man gelesen hat.
Ich weiß das nur zu gut, ich komm aus dem Dorf
Aber das Problem mit dem Internet ist nicht nur auf Hünxe zu beziehen. Dinslaken hat über 70.000 Einwohner. Webabtivität? So gut wie Null.
Man schaue sich das http://www.Dinportal.de an. Bezeichnend für die Aktivität der Bürger.
Das der Westen so wenig Blogger hat liegt auch daran, dass sie nach ihrem Aufruf sich als Blogger zu bewerben, bei vielen gar nicht mehr gemeldet hat die sich beworben haben.
So auch bei mir. Keine Zusage, keine Absage, gar nichts.
Jetzt sucht man Händeringend nach Bloggern. Selbst schuld sag ich da nur
Silent
10 Nov 07 at 22:02
Naja, noch ist das ganze ja auch neu und ich gehe davon aus, dass man den Wert, ab dem etwas als meist kommentiert gilt ändern kann – wenn da mehr kommentiert wird.
Noch ist es ja nicht so weit.
@Silent:
Das ist natürlich dumm gelaufen.
Jens
10 Nov 07 at 23:04
Naja, dös Kästchen für die Kommentare spinnt wohl. Stehen immer andre Zahlen drin als beim Artikel.
Gibt aber wohl doch langsam Sachen, die kommentiert werden.
http://www.derwesten.de/nachrichten/2007/11/10/news-3329647/detail.html
Bin mal durch die Städte geflogen, richtig ab geht’s sogar in Menden (Sauerland?):
http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/menden/2007/10/29/news-1385024/detail.html
Jingo
11 Nov 07 at 1:19
Manche Verleger kommen mir vor wie Gestütsbesitzer, die mit immer schlechteren Zossen an immer mehr Rennen teilnehmen, in der Hoffnung, so mehr gewinnen zu können.
Chat Atkins
11 Nov 07 at 20:12
Also halbwegs der Reihe nach:
Wir haben tatsächlich immer noch einen reichlich nervigen Fehler bei der Anzeige der Kommentarzahlen – die meistkommentierten Artikel liegen weit über den genannten sechs Kommentaren und auch im Lokalen herrscht keineswegs Ödnis (auch wenn es bei 140 Orten natürlich große Unterschiede gibt, was auch nicht anders zu erwarten war).
Wir machen in der Onlineredaktion schon jetzt nicht einfach nur Agenturjournalismus, wollen die Zahl der eigenen Geschichten aber schon noch deutlich steigern. Wir brauchen aber auch noch ein bißchen Zeit, um uns als Redaktion im Live-Betrieb aufeinander einzuspielen (ein Haufen motivierter, teils auch sehr erfahrener Journalisten ist eben nicht gleich eine eingespielte Redaktion, was Dir sicherlich nicht neu ist). Die Steuerung der Seite lässt sich im Testbetrieb leider nur begrenzt “üben”, weil da Sachen wie Kommentar- und Forumspflege usw. nicht anfallen. Je weniger Leute langfristig tatsächlich am Newsdesk mit der Betreuung der Seite selbst beschäftigt sind, desto mehr sind frei für Recherche.
Und nun zu den berüchtigten 300 Euro: Wir haben keinen Einheitstarif für Blogger, auch wenn das jetzt gerne so dargestellt wird. Was wir zahlen, hängt ganz stark davon ab was uns angeboten wird (so funktioniert das auf dem freien Markt, munkelt man). Mit einer einzigen Ausnahme zahlen wir allen Bloggern derzeit deutlich mehr (und die eine Ausnahme bloggt auch nicht mehrmals pro Woche).
Ja, dafür habe ich sogar Beweise, denn ich unterschreibe die Verträge und die monatlichen Honoraranweisungen. Wenn wir also jemandem nur 300 Euro geboten haben, dann war uns seine Idee wohl nicht mehr wert (auch wenn das jetzt harsch klingt) und wenn er dann abgelehnt hat, das natürlich sein gutes Recht. Niemand wird gezwungen, für uns zu schreiben. Diejenigen, die es tun, haben sich bislang allerdings noch nicht beklagt.
(Bei allen Preisen bitte ich übrigens auch zu bedenken, dass Regionalverlage generell im Print niedrigere Zeilenhonorare zahlen als überregionale Zeitungen und ich das Gefüge nicht komplett zerschiessen will.)
Katharina Borchert
11 Nov 07 at 22:22
Kannst du uns bitte mal erklären, Katharina, in welche ehernen Gesetzestafeln es eingehauen steht, dass der Printjournalist stets mehr Geld erhalten müsse als der Blogger?
Chat Atkins
12 Nov 07 at 10:10
@Chat Atkins: In überhaupt keinen Tafeln, zumindest keinen mir bekannten. Deshalb habe ich das auch mit keinem Wort gesagt. Mir kommt es nicht darauf an, wer von beiden mehr verdient, sondern dass das Verhältnis zwischen beiden gewahrt bleibt. Ich meinte damit eher, dass ein Blogger nicht generell das achtfache unserer Freien im Print verdienen sollte.
Katharina Borchert
12 Nov 07 at 15:00
Schön langsam werde ich aber wuschig, nochmal zur Verdeutlichung: Die 300-Euro-Mails sind topaktuell, die letzte mir bekannte ging am 7. November raus, und da geht es
- um das kontinuierliche Füllen
- und Betreuen
- von von der WAZ selbst angefragten Spezialblogs
- von Leuten, die man monatelang hingehalten hat und
- die durchaus was können und
- deren bekannte Vorstellungen zur Entlohnung man über Wochen und Monate kannte, und auch nicht als Grund für eine Absage wahrnahm.
Nebenbei steht in der Mail, dass allen 20 externen Bloggern, die demnächst starten, für die ersten 3 Monate 30 Euro bezahlt werden, und man sich damit als Provinzmedium schon mehr leiste, als alle anderen in Deutschland.
Das sind die Fakten. Dass die bisherigen Blogger bei der WAZ besser bezahlt werden, kann schon sein, schliesslich sind es bei Westpoint zum grössten Teil normale Mitarbeiter der WAZ aus dem Altbestand, selbst wenn die dort unter Pseudonym schreiben (Runningblog). Wenn die WAZ nicht für die 20 ausgeguckten Externen mehr zahlen will, sagt es doch einfach, aber dieses Lavieren und Kleinreden des Nachweisbaren ist schon ein wenig komisch.
Don Alphonso
12 Nov 07 at 15:10
Korrektur: 3 Monate 300 Euro muss es heissen
Don Alphonso
12 Nov 07 at 15:36
Wenn ich Katharinas und Don A.s Mails mal beide als wahrheitsgemäß im Kopf ‘addiere’, dann sind diese 300 Euro für einen externen Blogger also das Achtfache von dem, was eine freie Printe bei der WAZ verdient. Was sagt denn der DJV dazu?
Chat Atkins
13 Nov 07 at 20:10