Ein Buch, eine Idee – und Ihre Hilfe

Ich brauche ziemlich dringend Ihre Hilfe. Normalerweise ist es ja nicht so meine Art, sofort mit der Tür ins Haus zu fallen, in diesem Fall geht es aber nicht anders. Weil ich eine Idee habe und mir das Risiko zu groß ist, dass Sie nicht weiterlesen, wenn ich zunächst endlos brauche, um zur Sache zu kommen. Was es bisher gibt, ist eine Idee, den Ansatz eines Textes — und eben der Gedanke, die Leser dieses Blogs (und natürlich auch noch viele andere) um Unterstützung zu bitten.

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Schon seit Jahren ärgere ich mich. Darüber, dass es zwar für jeden erkennbar dramatische Veränderungen in unseren (Medien-)Branche und in unserem Journalisten-Beruf gibt, wir aber anscheinend noch immer nicht willens und in der Lage sind, die Ausbildung von jungen Journalisten diesem Umstand anzupassen. Noch immer ist es in vielen Häusern ja schon fast an eine Revolution grenzend, wenn man Volontäre mal für vier Wochen in die spartanisch ausgestattete Onlineredaktion steckt, damit die “das auch mal lernen”. Das liegt vielleicht daran, dass diejenigen, die dem Nachwuchs zeigen sollten, wie es gehen könnte, selber nicht allzuviel Ahnung davon haben. Als Lehrbücher (wir kommen langsam zum Thema!) liegen verbreitet immer noch diese Dinger aus den gelben Reihen” aus, die man mir schon vor 25 Jahren in die Hand gedrückt hat und gesagt hat: Lies mal, danach weißt du, wie man Journalismus macht.

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Es nervt mich ganz furchtbar, dass Lektüre für den journalistischen Nachwuchs immer noch weitgehend von älteren Herren im Tonfall des erhobenen Zeigefingers gemacht wird. Und ja, ganz ehrlich (Sie dürfen mich prügeln): Ich bin mir nicht sicher, ob die Herren Schneider und Raue und wie sie alle heißen die Richtigen sind, um das Monopol für Journalisten-Ausbildung im digitalen Zeitalter für sich zu beanspruchen. Ich glaube, dass die Lektüre, die man heute jungen Journalisten zum Zwecke der Aus- und Weiterbildung in die Hand drückt, nicht mehr zeitgemäß ist. Ist das nicht originell? Wir (da nehme ich mich nicht aus) monieren gerne mal den Zustand des Journalismus als solchen und überlassen es dann älteren Herrschaften aus der analogen Welt, dem Nachwuchs zu sagen, wie Journalismus geht.

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Auf der anderen Seite: Das mit den Büchern ist ja so eine Sache.  Für mein “Crossmedia”-Buch habe ich ziemlich schnell den UVK als Verlag gefunden. Das Buch erschien erstmals 2008 und damals war “Crossmdia” tatsächlich das ganz große Thema. Bei einigen anderen Buch-Ideen habe ich teilweise bizarre Vorschläge von diversen Verlagen zu hören bekommen. Einer gipfelte darin, dass man das Buch, das ich vorschlug, sehr gerne verlegen würde, allerdings müsste ich einen kleinen Druckkostenzuschuss bezahlen. Ich rechnete dann mal eben durch und stellte fest, dass ich realistischerweise bei den avisierten Beteiligungen an den Erlösen nie eine Chance haben würde, wenigstens null auf null rauszukommen. Mich ein Jahr oder mehr mit einem Stoff zu befassen, um dann für eine Veröffentlichung auch noch bezahlen zu müssen, das ließ sich dann mit meinem mir eigenem Trotz (Sie dürfen das gerne auch Selbstüberschätzung nennen) nicht ganz vereinbaren. Da investiere ich lieber mehr Zeit in diese kleine Seite hier. Dafür muss ich wenigstens nix bezahlen, liebe Verlage.

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Und schließlich noch das Folgende: Irgendwas sträubt sich bei mir gegen die Idee, ein (Ausbildungs-)Buch gemeinsam mit einem Verlag zu machen. Ich habe ziemlich viele interessante Modelle gelesen, wie sich Autoren selbst finanzieren und verlegen. Ich habe auch in Chris Andersons “Free” rumgestöbert und reingehört und denke mir: Diese Idee(n) finde ich weitaus interessanter, als einem Verlag dafür Geld zu geben, dass er das Ergebnis meiner Arbeit veröffentlicht. Das ist antiquiert — und widerspricht auch allen meinen Ideen von digitalen Medien, von Inhalten, von Journalismus. Insofern wäre es also hochgradig widersprüchlich, darauf zu warten, dass irgendein Verlag mal sagt: Hammse nicht mal Lust, ein Buch über Journalisten-Ausbildung in unserem Hause zu veröffentlichen?

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Also ist die Idee: Ich mache mich selbst ans Werk. Das heißt, natürlich nicht ganz alleine. Ich brauche nämlich, siehe oben, Ihre Mithilfe. Sei es mit Ideen, mit Anregungen, mit Unterstützung via Flattr oder Paypal. Mit Verlinkungen auf Ihren Blogs und Webseiten. Oder aber (in einem eher fortgeschrittenen Stadium) als Co-Autoren. Mir ist durchaus klar, dass ich nicht in der Lage bin, ein komplettes Buch über Journalismus alleine zu schreiben. Mir ist auch bewusst, dass sich so ein Buch nicht über Flattr oder Spenden alleine finanzieren lässt. Das Risiko, dass ich meine Zeit (und von der werde ich viel benötigen) in erster Linie auf mein eigenes Risiko hin investiere, ist mir vollkommen klar. Trotzdem gefällt mir der Gedanke: ein Buch für junge Journalisten komplett auf eigene Faust zu produzieren, zu vertreiben, zu entwickeln. Vielleicht auch mal als ein Audiobuch und vielleicht irgendwann mal als App (dafür bräuchte man dann allerdings wirklich viel Erfolg und natürlich auch jede Menge Geld). Und ganz bewusst möchte ich dieses Buch auf mehreren Kanälen anbieten. Kostenlos zum Download, meinetwegen gerne gegen einen kleinen freiwiligen Beitrag. Als gedruckte Version, die man dann kaufen kann. Immer wieder mal auch mit Auszügen daraus hier auf dieser kleinen Seite.  In jedem Fall aber ohne Verlag und ohne den großen, professionellen Vetrieb.

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Um ganz ehrlich zu sein: Natürlich sind mir, als ich diese Idee hatte, auch ein paar unschönere Aspekte durch den Kopf gegangen. Was, wenn sich kein Mensch für diese Idee interessiert? Was, wenn nach einem Jahr zwei Flattr-Klicks und 2,50 Euro an Spenden da sind? Und was, wenn Sie nun alle kopfschüttelnd dasitzen, mich zum hoffnungslos naiven Spinner erklären und als Konsequenz gleich mal diese Seite hier aus Ihren Lesezeichen entfernen? Mir ist schon klar, dass das alles passieren kann. Trotzdem, ich würde mich vermutlich ewig ärgern, wenn ich es nicht wenigstens versuchen würde.

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Und unverändert glaube ich: Die Bücher für junge Journalisten sollten wir nicht den alten Männern überlassen. Alleine das ist es wert.

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(Und falls Sie jetzt schon nach den Buttons suchen: Flattr und PayPal sind rechts oben am Seitenrand angebracht – vielen Dank schon jetzt!)