Kategorie: AUSBILDUNG


Wie man in Passau jetzt auch die Ausbildung beerdigt

23. Januar 2009 - 15:38 Uhr

Eine der Besonderheiten der Passauer Neuen Presse (doch: die gibt es…) war über etliche Jahre hinweg ihr Modell für die Ausbildung. Wer als Volontär zur PNP kam, hatte im Regelfall die Gewissheit nicht wie in anderen Häusern häufig üblich als billige Vollzeitarbeitskraft missbraucht zu werden. Stattdessen gab es eine außergewöhnlich umfangreiche Betreuung, viel Feedback, laufende Wechsel der Redaktionen, in denen man eingesetzt war. Und schließlich kam man noch in den Genuss zahreicher Seminare, die in einem nach meinem Wissen für Tageszeitungen ziemlich einmaligen Modell zusammengefasst war: Das “Institut für Journalistenausbildung und Kommunikationsforschung an der Universität Passau” legte die Ausbildungskompetenzen der Zeitung, der Universität und der Akademie für politische Bildung in Tutzing zusammen. Doch auch damit ist es jetzt vorbei: Verlegerin Simone Tucci-Diekmann, bekannt für den gut getarnten Überraschungsangriff, ließ in dieser Woche bei der jährlichen Sitzung des Instituts die Bombe platzen: In dieser Form, so Tucci-Diekmann, werde es diese Kooperation nicht mehr geben – bezeichnenderweise kam diese Mitteilung unter dem Tagesordnungspunkt “Verschiedenes”, einen eigenen Tagesordnungspunkt wollte die Verlegerin dem Thema nicht widmen (sonst hätte sich ja auch möglicherweise schon im Vorfeld ein gewisser Widerstand formiert).

Bedeutet konkret: Die Ausbildung wird wohl nicht mehr in Zusammerarbeit mit der Universität stattfinden und die Kooperation mit Tutzing ist auch hinfällig. Zwar bedeutet das ausdrücklich nicht, dass man gar keine Ausbidung mehr betreiben wolle (das wäre ja auch schlecht möglich), aber es bedeutet ganz sicher, dass man sich von einem sehr bewährten Modell verabschiedet. Dem Studienleiter Michael Schröder hat man bereits mitgeteilt, dass 2009 sein letztes Jahr für die PNP-Ausbildung war. Und den ungeliebten Helmuth Rücker, dem man im November 2008 den Stuhl vor die Tür stellte, ist man damit en passant auch gleich noch los (Rücker firmiert bisher noch als Geschäftsführer des Instituts). Wieder also ein Stückchen guten Rufs, dass sich die Passauer da verspielen, zumal sich der Eindruck aufdrängt, dass diese Nacht- und Nebel-Aktionen bei Frau Tucci-Diekmann eher System als Zufall sind.

Interessant dabei ist auch, dass sich die Spirale nach unten fortsetzt. Zwar schrieb die Verlegerin ihren Mitarbeitern zum Jahreswechsel noch, man brauche, um der Krise zu trotzen, freundliche und motivierte Mitarbeiter (und man war bei der Lektüre dessen geneigt, noch hinzuzufügen: pünktlich! pünktlich sollten sie auch sein!), aber eine wirkliche Idee außer freundliche Mitarbeiter, rabiaten Personalwechseln und Spaßmaßnahmen, zu denen das Zurückfahren der Ausbildung sicher auch gehört, scheint sie nicht zu haben. Laut IVW jedenfalls hat die PNP im Jahr 2008 bei der verbreiteten Auflage erneut rund 2600 Exemplare verloren. Auch der Rückgang von 1200 Abonnenten ist nicht eben erfreulich – weil er in der Konsequenz nichts anderes bedeutet, dass im überaus bodenständigen Niederbayern, in dem die Passauer auch noch im allergrößten Teil ihres Verbreitungsgebiets Monoplist sind, jeden Monat 100 Abos wegfallen.

Aber vielleicht müssen ja wirklich nur die Mitarbeiter künftig ein wenig freundlicher sein.

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Klartext online

10. Dezember 2008 - 9:35 Uhr

Zugegeben, vor diesem Projekt war mir etwas mulmig: Wenn man Jahr und Tag vor sich hinbloggt und (gelegentlich) etwas ungnädig Projekte anderer begutachtet, dann ist es umso schwieriger, wenn man selber den Beweis antreten soll, dass man es anders (und vermutlich wohl auch besser) machen kann.

Passiert ist das Folgende: An der DJS ist die Ausbildung seit Jahr und Tag in drei bzw. vier Blöcke aufgeteilt: Print, Radio, Fernsehen – und seit einigen Jahren auch Online/Multimedia. Irgendwann im vergangenen Jahr entstand die Idee, dass es irgendwie unsinnig sei, wenn man den allergrößten Teil der Ausbidung quasi analog absolviert und dann noch einen kleinen digitalen Appendix dran hängt. Logische Konsequenz: Multimediales Arbeiten muss sich konsequent durch die Ausbildung ziehen. Erster Schritt: Das Print-Magazin “Klartext”, das jede Klasse im Zuge der Printausbildung erstellt, gibt es jetzt auch als Online-Erweiterung und wird künftig von jeder Klasse mit jeder neuen Ausgabe erstellt.

Wer sich beim Betrachten der Seite etwas wundern sollte, warum der Name “Klartext” so wenig auftaucht: Ausgerechnet die erste Ausgabe, die von der Online-Seite begleitet wird, war ein Spin-off von Klartext, mit Namen Silber, ein Zielgruppenheft für die Generation 50 +. Allerdings finde ich, dass die 46 B der DJS ziemlich toll gezeigt hat, dass Medien für 50 + überhaupt nichts Angestaubtes, Betuliches, Langweiliges an sich haben müssen.

Weitere Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Zusammenbaus dieser Seiten war die Klasse weder in Radio- noch Fernsehausbildung. Audiovisuelle Elemente kommen deswegen eher sparsam vor (das wird in einem späteren Projekt nachgeholt). Und nachdem man ja immer ales noch einen Tick besser machen kann, freue ich mich sehr über Feedback…

Wer wissen will, wer hinter dem Projekt steht: Hier finden Sie die Redaktion. Die Chefredaktion des Heftes hatten Moritz Baumstieger und Johanna Schoener, Lea Hampel war die allesverantwortliche Onlinefrau. Und ohne Johannes Ewald, der sich um die Technik kümmerte, hätte das alles eh nicht funktioniert. Danke euch allen.

Update, 12.12.: Dieser Beitrag war bereits einmal online, danach habe ich ihn noch einmal zwei Tage runtergenommen. Grund war, dass das Projekt Klartext tatsächlich noch ein paar Baustellen aufwies, die wir schließen wollten. Insofern: Schneller gebloggt als gedacht, das alte Phänomen.

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Geh heim und lerne…

26. April 2008 - 9:39 Uhr

Eigentlich könnte es ja ganz einfach sein: Man brauchte sich lediglich an die Thesen zu halten, die Mindy MacAdams in ihrem Blog Teaching Online Journalism aufgestellt hat und die u.a. auch bei Dirk von Gehlen nachzulesen sind.

Diese Dinge sind so banal, dass man sich eigentlich gar nicht traut, sie ernsthaft jemandem ans Herz zu legen. Sie sind banal und im Grunde müssten sie common sense sein. Gut, denkt man sich, ein paar digitale Totalverweigerer jenseits der 35 oder wahlweise ein paar Zeitungsleute, die immer noch meinen, die Qualität und die Wertigkeit eines Mediums richte sich danach, ob es auf Papier gedruckt ist – die werden damit nicht viel anfangen können. Aber für alle anderen, die jetzt noch mehr oder weniger am Anfang ihres Berufslebens stehen, für die muss das so sein wie die ersten Übungen zum Schwimmenlernen: so verinnerlicht, dass man gar nicht darüber nachdenkt, was man da tut.

Und dann ist man mal drei, vier Wochen am Stück in der Republik unterwegs, nur um dann festzustellen, dass das beileibe noch nicht so ist. Sondern dass es vielmehr immer noch einen frappierend hohen Anteil von journalistischem Nachwuchs gibt, der eine erstaunlich geringe Neigung zeigt, sich mit diesem Thema halbwegs ernsthaft auseinanderzusetzen. Dass man im Jahr 2008 überhaupt noch auf junge Journalisten trifft, die kein Audacity, Premiere, Soundslides et al auf dem Rechner haben (und das ist eine deutliche Mehrheit), hätte ich kaum für möglich gehalten. Ist aber so. Und vermutlich ist genau das auch der Grund, warum wir es auf dem Arbeitsmarkt für Journalisten auch in den kommenden Jahren mit einer paradoxen Situation zu tun haben werden: Der Nachwuchs drängt vehement in sterbende Bereiche, während man überall dort, wo die Zukunft liegt, händeringend gute Leute sucht. Fast ist das so, als wenn der größte Teil der deutschen Abiturienten als bevorzugte Branche des künftigen Arbeitslebens “Bergbau” angeben würde…

(Auslöser des Postings war die Tatsache, dass Dirk von Gehlen gestern an der DJS die Thesen von Miss MacAdams vorgestellt hat und das eine wunderbare Gelegenheit war, mal im Stillen über dieses Thema zu sinnieren. Keinesfalls bezieht sich das Ergebnis des Sinnierens auf eine bestimmte Einrichtung, Schule, Klasse, what else. Fällt mir nur so auf. Ich glaube auch auf gar keinen Fall, dass – beispielsweise – junge Volontäre von diesem Trend ausgenommen sind). 

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Früher war alles besser (oder so)

5. März 2008 - 10:10 Uhr

Es hat nicht sehr viel Mühe gekostet, Dinge wie die 54 Millionen Menschen, die alle Prozac einnehmen, und den künftigen bayerischen Ministerpräsidenten Maget zu finden. Genauer gesagt: Ich habe nicht danach gesucht, eher haben mich diese Geschichten förmlich angesprungen. Umso mehr macht mich das stutzig: Ich bin kein Watchblogger, ich suche keine Fehler, ich durchforste auch nicht morgens irgendwelche Angebote, Zeitungen, Sendungen, um mich dann über deren Qualitätsmängel herzumachen. Dennoch findet man genau diese Mängel. Haarsträubende Fehler, die man uns (Achtung, akuter Sentimentalitätsanfall) früher als Volos um die Ohren gehauen hätte, zurecht übrigens.

Und jetzt bin ich ziemlich verunsichert: War´s einfach nur Zufall? Ist die Lage in Onlineredaktionen besonders desolat oder haben andere ähnliche Probleme? Werden Journalisten schlechter ausgebildet als früher, liest eigentlich irgendjemand noch über Texte drüber, ehe sie live gehen?

Oder war einfach früher alles besser? (Bevor wieder jemand mosert: Der letzte Satz ist so etwas wie der Versuch von Ironie. Meinungen dennoch gerne erwünscht).

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Eierlegen und etwas Wollmilch produzieren

2. Mai 2007 - 22:09 Uhr

Seit ein paar Jahren geht das Spiel jetzt schon so: Am Ende ihrer Ausbildung an der DJS landen 15 meistens sehr begabte, sehr kluge, sehr engagierte junge Menschen in einem Online-Workshop, in dem wir dann in inzwischen eineinhalb Wochen ein selbstgedrehtes TV-Magazin multi- und crossmedial aufbereiten. Mit allem, was so dazu gehört, mit Videos, Podcasts, Texten, Fotos, die ganze Klaviatur halt. Eines haben diese Workshops indes gemeinsam: Sie sind immer anderes. Das liegt zum einen an der immer noch rasanten Entwicklung in dem Bereich, die mich regelmäßig an die Zustände an einem Bahnhof erinnert: einmal nicht richtig hingeschaut, ist er abgefahren, der Zug. Wenn ich mir jedenfalls so ansehe, wie das erste Projekt an der DJS aussieht, packt mich das Schmunzeln. Damals fand ich es toll, heute ist es wie ein Blick ins Online-Museum. Dabei ist das gerade en paar wenige Jahre her.

Der zweite Grund für diese wechselnden Ergebnisse ist die Zusammensetzung der Klassen bzw. deren Talente. Ich kann mich an Klassen erinnern, die komplett textlastig waren. In denen die Schüler mit Hingabe an wirklich großartigen Texten feilten und selbst sich noch um vermeintliche Kleinigkeiten wie Bildunterschriften streiten konnten. Dafür hatten sie es nicht so sehr mit dem bewegten Bild. Nicht, dass ihre Sachen schlecht gewesen wären, keineswegs, nur: Man merkte ihnen an, dass es nicht ihr größtes Talent und auch nicht ihre höchste Passion war, TV-Beiträge zu produzieren.

Das war beim letzten Mal anders: drei, vier Leute in der Klasse, die schon vorher viel mit dem Thema Fernsehen zu tun hatten, die spürbar eine hohe Affinität und eine große Begeisterung fürs TV hatten. Dafür war diesmal, im Gegensatz wiederum zur Klasse davor, niemand dabei, der sich wirklich für das Medium Foto begeistern konnte. Auch hier galt: alles nicht schlecht und handwerklich war an den Bildern auch nichts auszusetzen, aber sie waren eben nicht so, dass sie einen vom Hocker geworfen hätten. Solide eben.

Ich bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass sich daran auch in den folgenden Jahren auch nichts ändern wird, nur dass die Verteilung der Talenten und Interessen von Mal zu Mal variieren wird. Was bei näherer Betrachtung auch überhaupt nichts Ungewöhnliches ist. Ich kenne (denke ich zumindest) eine Reihe wirklich ausgezeichneter und auch vielseitiger Journalisten, die ich allesamt für ihr Können und ihre Arbeit aufrichtig bewundere. Ich kenne allerdings keinen, der alle Spielarten gleichermaßen gut beherrscht. Kein Wunder, schließlich müssen gute Kameraleute erstmal jahrelang irgendwo mitlaufen, ehe sie alleine an große Projekte randürfen. Wirklich gute Fotografen lernen vermutlich lebenslang und ein richtig gutes Radio-Feature ist eine hohe Kunst für sich. Wie also soll jemand, der ein guter Generalist ist, auch gleichermaßen ein guter Spezialist sein?

Unterm Strich also: Ich glaube fest an die Zukunft multi- und crossmedialer Journalisten, sie sind das Berufsbild der Zukunft. Nur stoßen auch die ausgefeiltesten Konzepte, die besten Ausbildungen und die talentiertesten Leute an natürliche Grenzen. Die einen früher, die anderen später.

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Der kommunale Haushalt und die Gerichtsreportage als solche

22. April 2007 - 14:04 Uhr

Gerade mal wieder ein paar Blicke auf die Aus- und Weiterbildungsangebote für Journalisten geworfen, einmal querbeet durchs ganze Land sozusagen. In der Tat sehr schön: Der kommunale Haushalt, die Gerichtsreportage, der Kommentar, das Feature (nix gegen das Feature, zu dem Thema durfte ich selbst mal einen ganzen, echten Buchbeitrag verfassen), Layout für Tageszeitungen, Kommentar II, Feature für Fortgeschrittene, Medienethik, Medienethik II…

…noch Bedarf für mehr…?
 

…das Interview, die Glosse, Nachrichtentexten, Moderationen, Sprechen fürs Radio, Sprechen fürs Fernsehen, Photoshop, Recherchieren im Internet. Und noch ganz vieles anderes.

Komisch, irgendwie fehlen mir da ein paar essentielle Dinge. Kann das sein, dass die old school auch bei Aus- und Weiterbildungsthemen irgendwie ein bisschen dominat ist? 

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Medien Mittweida

14. Oktober 2006 - 9:48 Uhr

Ziemlich im Verborgenen, in der ostdeutschen Provinz, hat sich an der Hochschule Mittweida eine beachtliche Ausbildung für Medienmenschen etabliert. Findet neuerdings auch auf einer durchaus sehenswerten Website (ein rein studentisches Projekt) seinen Niederschlag. Klicken lohnt.

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Ausbilder – hintendran

8. September 2006 - 13:20 Uhr

Der Spiegel präsentiert also inzwischen ein ziemlich ansehnliches Web-TV. Focus, Zeit, FAZ, die meisten großen Medienmarken auch. Nur zwei Anmerkungen dazu:

  • Erstaunlicherweise ziehen die meisten TV-Sender nicht wirklich nach. Dort setzt man sehr auf eine Zweitverwertung bestehender Inhalte; das Netz respektive also Vetriebs-, aber nicht als Publikationskanal.
  • Die Ausbildung bei den allermeisten (Ausnahmen bestätigen wie immer…) nimmt sich dieses Themas des zunehmenden Verschwindens medialer Grenzen nur ausgesprochen zögerlich an. Natürlich wird nie einer alles können. Aber ohne ein gewisses Grundverständnis und die dazu gehörendes Grundkenntnisse wird´s nicht gehen. Ziemlich fahrlässig, dass sich auf Ausbilderseite nur die Allerwenigsten zu diesem Thema echte Gedanken machen.

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Wie die Sitten verfallen

6. September 2006 - 23:04 Uhr

Und da gibt es dann jetzt noch dieses Volontariat, bei dem der Volontär nach (!) einer dreimonatigen Grundausbildung ein Gehalt erhält; ein Gehalt, dass er während dieser Grundausbildung nicht bekommt. Dafür hat er am Ende dieses Volontariats einen Titel, den ich in den offiziellen Berufsbeschreibungen noch nie gelesen habe, obwohl man seitens des Volontärausbilders beteuert, es handle sich um einen “offiziellen” Abschluss.

Merkwürdige Zeiten, das.

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