Wechselwirkungen zwischen (Süddeutscher) Zeitung und Online

Man gibt bei der Süddeutschen nicht allzu viel aufs Internet, das ist hinlänglich bekannt. Man spricht dort schon mal auch von der „Seuche Internet“ und man schreibt gerne Serien darüber, wie leicht man im Web Opfer von Kriminalität wird. Das Verhältnis des ansonsten überaus geschätzten Blattes zum Web ist jedenfalls ziemlich gestört und insofern ist es kein wirkliches Wunder, wenn man lieber die SZ-Bibliothek jetzt bis zu Band 100 zu Tode expandiert, anstatt sich mit ein paar Erste-Hilfe-Maßnahmen fürs Online-Angebot zu beschäftigen.

Zu glauben, das Ansehen einer Medienmarke definiere sich erst einmal über das Muttermedium, das dann alle anderen Aktivitäten nach vorne bringt, kann allerdings ein ziemlicher Trugschluss sein. Was momentan in den Kommentaren zu einem – zugegeben – unfassbar schlechten Stück Journalismus bei sueddeutsche.de abgeht, lässt den Schluss zu, dass hier die „Süddeutsche“ als Ganzes ziemlich in die Mangel und letztendlich in die Verantwortung genommen wird. Warum sollte man als User eine solche Geschichte auch mit dem Argument „is eh nur online“ entschuldigen? Und tatsächlich – die Vorstellung, dieses Stück würde man gedruckt als Seite 3 lesen, kommt einem dan doch ziemlich eigenartig vor (ich hoffe doch sehr, dass mir das nicht morgen tatsächlich auch noch in der gedruckten Ausgabe entgegen springt). Wie man ein Stück über einen derart entsetzlichen und dramatischen Tag dann auch noch mit einem Video aus YouTube illustrieren kann, bleibt für immer das Geheimnis des Online-Ablegers von Deutschlands (immer noch) bester Tageszeitung.

(Thema auch bei Stefan Niggemeier und Thomas Knüwer).

Nachtrag: Der Text, siehe auch Kommentare, erschien tatsächlich auf der Seite 3, was es nicht wirklich besser macht. Allerdings unter einer anderen Überschrift und natürlich ohne ein wahllos eingebautes YouTube-Video. 

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