Gute Monopole, schlechte Monopole

(Bevor Sie die Augen verdrehen und „nicht schon wieder seufzen“: Dass es in den ersten Zeilen dieses Beitrags um alte Bekannte geht, sollte Sie nicht irritieren, die alten Bekannten sind nur Platzhalter und können von Ihnen nahezu nach Belieben von einer Zeitung Ihrer Wahl ersetzt werden)

In Niederbayern ist es ziemlich schwierig, an unseren Freunden der Verlagsgruppe Passau vorbeizukommen. Die Tageszeitung „Passauer Neue Presse“ deckt einen Großteil unserer Region konkurrenzlos ab, daneben gibt es die Sonntagszeitung „Am Sonntag“, das Lokalradio (an dem der Verlag beteiligt ist), ein Onlineangebot, ein Anzeigenblatt, kurz gesagt: Wenn hier irgendetwas publiziert wird, dann kann man fast sicher davon ausgehen, dass die Passauer Verlagsgruppe ihre Finger mit im Spiel hat. Nach klassischer Definition nennt man das: Monopol.

Von Hubert Burda weiß man in Passau u.a., dass er der dortigen Verlegerfamilie einigermaßen freundlich verbunden ist. Unbekannt ist hingegen, ob Verleger Burda schon einmal mahnend den Zeigefinger gehoben und das Meinungs- und Medienmonopol der Passauer Verleger zumindest als bedenklich bezeichnet hat (man darf aber annehmen, dass eher nicht). Auch der Deutsche Journalistenverband hat möglicherweise an diesem und an vielen anderen Regionalverlagen einiges zu kritisieren, aber dass man sich Gedanken darüber gemacht hätte, wie sich eigentlich diese Quasi-Monopole auf das Leben vor Ort und das regionale Demokratieverständnis auswirken könnten, ist jetzt auch eher unbekannt.

Gibt es also gute und gibt es schlechte Monopole?

Folgt man der Argumentation von Hubert Burda und dem DJV (welch eigenartige Allianz), dann handelt es sich bei Google nicht nur um ein Monopol, sondern um ein schlechtes Monopol. Und nicht nur das, Google, so Burda, sei die Killerapplikation schlechthin. Begründet wird dies wie folgt: Google  verwalte „in Deutschland über ein Drittel der Werbeumsätze im Netz – und all das, ohne selbst in teuren Journalismus zu investieren“. Dass umgekehrt Google einen ganz erheblichen Teil des Traffics auf die Seiten auch von Burda bringt und man Google ja auch mit einem vergleichsweise geringen Aufwand aussperren könnte, erwähnt man dort lieber nicht. Stattdessen rufen die Zeitungsverleger hinzwischen: Haltet den –jawoll– Dieb! Oder aber: Gebt uns wenigstens was ab vom Diebesgut!

Das andere, foglich wohl eher gute Monopol der Regionalblätter, absorbiert in Niederbayern oder sonstwo mal eben fast alles an Werbeumsätzen und ist insofern eine Killerapplikation, weil es nahezu alles dafür tut, den Markt geschlossen zu halten.  Schon in den 80ern ist man dort nicht ins Lokalradio eingestiegen, weil man gerne gutes Radio machen wollte, sondern weil verhindert werden sollte, dass irgendjemand anderes einen Fuß in die Tür bekommt. Die Motivation, sich auch online zu engagieren, war vielerorts keine andere. Die Forderung nach einem „Fair share“ des Marktes hat man dort noch nicht so oft gehört.

Dabei ist die Sache ja ziemlich einfach, wie „Spiegel Online“ gestern sehr schön dargelegt hat: Das Netz, nicht etwa Google alleine, hat den Markt für Medien grundlegend verändert. Die Nachfrage und auch die Notwendigkeit für Produkte, wie sie Verlage sehr häufig anbieten, existiert schlichtweg nicht mehr. Es gibt Unternehmen, die das schnell erkannt haben — und es gibt welche, die diesen Umbruch bis heute nicht wirklich wahrhaben wollen. Das Geschäftsmodell jedenfalls, das davon ausgeht, man müsse bezahlen für eine Zusammenfasung von Themen in einer bunten Wundertüte, hat sich weitgehend erledigt. Und das ist nicht einmal ein Zeitungsphänomen. Auch Fernsehsender werden das in den kommenden Jahren vermehrt zu spüren bekommen, es geht also gar nicht so sehr um die Frage: Papier oder Nicht-Papier als darum, dass es inzwischen tendenziell ein Überangebot an Inhalten gibt.

Man macht es sich allerdings ein wenig zu leicht, wenn man nur auf die Verleger einschlägt. Leider ist das, was wir als Journalisten zu diesem Thema abliefern, auch nicht immer so, als dass man sich nicht mit Grausen abwenden müsste. Der DJV beispielsweise fordert, dem drohenden Monopol und der ungeahnten Meinungsmacht von Google einen Riegel vorzuschieben (dass danach noch die „Gratiskultur“ im Internet angesprochen wird, war ja dann eh unvermeidlich). Von einem derart vehementen Vorgehen des DJS gegen regionale Medienmonopole ist bisher ebenfalls nichts bekannt.

Nein, natürlich bin ich nicht der Meinung, es sei sinnvoll, ein Monopol durch ein anderes zu ersetzen. Nur wird in der aktuellen Debatte über „Leistungsschutzrechte“ mit derart vielen Halbwahrheiten und Merkwürdigkeiten argumentiert, dass es vielleicht doch ganz angebracht ist, auch darauf mal hinzuweisen.

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