Die lustige Welt des Fernsehens ohne Fernsehen

Wenn man wirklich ulkige Sachen über die Zukunft des Fernsehens hören will, kommt man inzwischen an Thomas Ebeling nicht mehr vorbei.

Als es vor einigen Monaten um die Zukunft von N24 ging, meinte Ebeling, dass Nachrichten ja irgendwie nicht so wichtig seien, zumindest nicht für die Zuschauer in seiner Sendergruppe. Da war es dann  nur konsequent, dass er in dieser Woche ankündigte, den Etat der Nachrichtensendungen der Gruppe mal eben um zwei Drittel zu kürzen, was durchaus möglich ist, wenn man, wie Ebeling fordert, nicht immer diese komischen bewegten und vor allem sauteuren bewegten Bilder zeigt. Manchmal reicht da ja auch ein Foto, so einfach geht das. Was insofern nicht ganz von der Hand zu weisen ist, als dass es bei der Qualität der meisten Nachrichtensendungen aus der Gruppe nicht mehr darauf ankommt, ob das Ganze jetzt mit bewegten oder doch eher stehenden Bildern hinterlegt ist.

Nun könnte man Ebeling eigentlich gar nicht böse sein. Erstens triftt man so viel frappierende Ehrlichkeit in der Branche eher selten an, zum anderen: Der Mann kommt aus der Pharmaindustrie, hat in seinem langen und sicher erfolgreichen Managerleben noch nie ein Medienunternehmen geleitet — und führt ProSiebenSat1 so, wie er vermutlich auch die Wurstfabrik von Uli Hoeneß führen würde, wenn Uli Hoeneß ihn darum bäte. Ebeling ist noch nie mit einem einzigen sinnigen Wort zu Themen wie Programm und Inhalt auffällig geworden. Nicht nur, weil er dazu vermutlich auch nichts Sinniges sagen könnte, sondern weil er dafür nicht geholt worden ist: Sein Job ist es nicht, aus P7S1 etwas fernsehähnliches zu machen, sondern: Rendite. Wenn man die mit einer 24-Stunden-Dauersendung kopulierender Fliegen erzielen könnte, würde Ebeling auch das senden, solange seine Investoren 15 Prozent Umatzrendite auf diesem Sendeplatz bekommen.

Aus seiner medienunbelasteten Sicht ist Ebelings Argumentation auf den ersten Blick sogar verständlich:  Man kann immer alles noch einen Tick billiger machen. Das Problem ist, dass Ebeling seine Zuschauer unterschätzt: Selbst Laien bemerken inzwischen an allen Ecken und Enden des Programms der Gruppe, dass es in erster Linie billig sein muss. So etwas ähnliches wie eine programmliche Innovation ist aus dem Haus schon gefühlte Jahrhunderte nicht mehr gekommen (nimmt man mal Raab aus, aber das ist eben: Raab.) Und wann hat eigentlich der letzte wirklich kreative Kopf Unterföhrimg verlassen?

Das alles könnte man schulterzuckend ad acta legen, hätte die Entwicklung einer Sendergruppe, die demnächst Fernsehen ohne bewegte Bilder machen will, nicht auch eine medienpolitische Komponente: Sie zeigt, dass Fernseh- und Medienunternehmen nichts in der Hand von Finanzinvestoren verloren haben. Medien sind eben nicht einfach ein Wirtschaftsgut, sondern ein Kulturgut. Medien dürfen eben nicht nur von Controllern und Investoren und Managern gemacht werden. Sie brauchen — selbst dann, wenn es um Privatfernsehen geht — ein Mindestmaß an Kreativität, an journalistischer Verantwortung und Kompetenz an gesellschaftlicher Verantwortung. Bei allen Benken, die man damals vor allem aus kartellrechtlicher Sicht gegen eine Übernahme des Senders durch den Springer-Verlag haben konnte: eine bessere Lösung als das controllergesteuerte Ruinieren wäre sogar das gewesen.

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3 Kommentare

  1. „Fernsehen ohne Fernsehen“ will Ebeling ja nur aus den Nachrichten machen. Bei „Germany’s Next Topmodel“ bleibt das Bewegtbild erhalten 😉 Ich finde Ebeling konsequent: Nachrichten von Kabel 1, ProSieben, Sat 1 und N 24 interessieren ohnehin niemanden (auch bei N24 sorgen nicht die Nachrichten, sondern Monstertrucks und U-Boote aus dem 2. Weltkrieg für Quote). Also ist es auch egal, ob die Nachrichten noch billiger aussehen als sie ohnehin schon sind. Die gibt es ohnehin nur, damit die Sender nicht den Status als Vollprogramme verlieren und weiterhin bevorzugt in die Kabelnetze eingespeist werden. Aber ich frage mich, warum P7S1 auf diesen Status nicht einfach verzichtet: Welcher Kabelnetzbetreiber würde die Sender schon rauswerfen?

    Nochmal zu den Nachrichten-Standbildern: Sooo viel anders macht die sprecherverlesene „Tagesschau“ das auch nicht. Ziehe ich mal die reinen Bilderteppiche (Limouse fährt vor dem Kanzleramt vor, Flagge weht auf dem Reichstagsgebäude)von den Bewegtbildern ab, dann bleibt ein gefühlter Anteil „echter“ Filmbeiträge von unter 20 Prozent.

    Aber ich gestehe: Auch das ist mir egal. Ich werfe ab und zu aus journalistischem Interesse noch einen Blick in die Fernsehnachrichten, aber nicht um mich zu informieren.

  2. Entschuldige, ich muss gerade einmal die kopulierenden Fliegen in Schutz nehmen. Zugegeben – nur unter ’normalen Bedingungen‘ wären 24 Stunden etwas lang. Aber ansonsten ist das Paarungsverhalten schon Fliegen recht unterhaltsam. Und hey: Bildungsfernsehen hat noch keinem geschadet (und wenn ist gut gemacht ist, ist es bisweilen sogar noch interessant). Überhaupt: gilt nicht im Allgemeinen ’sex sells‘?
    Zum Schluss eine Buchempfehlung: Jonathan Weiner. Time, Love, Memory.

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