zdf multimedia
9. Oktober 2005 - 12:22 Uhrder fernsehrat des zdf hat in dieser woche die strategische (neu-)ausrichtung des hauses als multimediale anstalt beschlossen.
muss man noch mehr wissen/sagen, wenn wir von zukunftsthemen reden?
Anmerkungen eines Medienmenschen
der fernsehrat des zdf hat in dieser woche die strategische (neu-)ausrichtung des hauses als multimediale anstalt beschlossen.
muss man noch mehr wissen/sagen, wenn wir von zukunftsthemen reden?
die untenstehenden lach- und sachgeschichten sind es einfach wert, ausführlich diskutiert zu werden. nach der geschichte zum thema zukunftsfernsehen (in eigener sache: das buch dazu ist in der entstehung) stoff also für ein neues symposium. planungen laufen.
erster spontaner gedanke: gute onliner werden sich finden lassen. aber wer gibt ihnen seitens der zeitungsleute contra?
heute bei spiegel online, u.a. mit ein paar großen visionären der deutschen zeitungslandschaft.
die jedenfalls hat getreu dem motto “crisis? wot crisis?” die rosarote brille aufgesetzt und erklärt hiermit die krise, falls es jemals eine gegeben haben sollte, als beendet. weil, so hat man erkannt:
“Jeder Verlag hat sich in den vergangenen vier Jahren restrukturiert, unter anderem im Bereich der Personalkosten. Deshalb können Verlage auch durch Zeitung und Anzeigen Profit machen”, sagte (Dr. Hermann) Balle (Chef der bayerischen Zeitungsverleger) zu SPIEGEL ONLINE.
visionär und zielgerichtet auch dieser ansatz hier:
Einen anderen Weg müssen Regionalverlage gehen, da sie aufgrund ihres Verbreitungsgebietes weniger auf Sammlungen setzen können. So bietet der “Nordbayerische Kurier” seinen Lesern eine Rabattkarte an, die in Zusammenarbeit mit anderen Zeitungen bundesweit gültig sein soll.
darf es die möglichkeit sein? eine rabattkarte? ja, dass da vorher noch keiner drauf gekommen ist! (lieber fabian mohr, falls du das liest: hier sind die lösungen für eure amerikanische zeitungskrise – rabattkarten!profite durch anzeigen!)
und erst mal richtig in fahrt gekommen, jubilieren sich spon und zeitungsverlagen in ungeahnte zukunftsweisende höhen:
Eine andere Möglichkeit für dauerhafte Einnahmen für Zeitungen sei die wachsende Bedeutung des Online-Angebotes, so Clemens Bauer, Geschäftsführer des Verlages der “Rheinischen Post”. Vor allem junge Leser holen sich Informationen aus dem Internet, das Interesse an seriösem Journalismus im Netz wächst stetig. Keine Frage, dass viele Verlage die Online-Redaktionen aufstocken und versuchen, Leser auf diese Weise dauerhaft an das Internet-Angebot ihrer Zeitung zu binden.
ermattet lasse ich mein haupt sinken – wege aus der krise, aufgezeigt von spiegel online und den deutschen verlagen. schon schön.
die passauer neue presse veröffentlicht neuerdings in ihrem online-angebot “diashows” – slideshows zu diversen themen. nix atemberaubend neues; interessant fand ich allerdings den gedanken, auch den lokalausgaben die möglichkeit für lokale slideshows zu geben. immerhin ist das lokale ja immer noch das kerngeschäft von regionalzeitungen.
bei lokalen slidehows a la pnp muss man allerdings nicht sehr sensibel sein, um mit stockendem atem vor bildern und texten zu sitzen:
Erntehelfer tödlich verunglückt
Ein Erntehelfer (20) ist am Samstag auf der Staatsstraße 2083 bei einem Unfall ums Leben gekommen.
ergänzend zu der schlagzeile über die “wachsende kritik” an merkel aus der csu: heute bei spiegel online in der aufmachergeschichte darf sich jemand zu wort melden, dem ebenfalls unbedingte kompetenz bei diesem thema zugebilligt werden muss: hiltrud hensen, frühere schröder und aka “hillu”, fordert gerd zum aufgeben auf.
noch jemand ohne wortmeldung bisher? spitzenpositionierung bei führenden deutschen nachrichtenangeboten garantiert.
in meinem heimat-land- und wahlkreis dingolfing-landau gibt´s einen bundestags-abgeordneten, der eines mit ca 350 anderen kollegen gemeinsam hat: man hat außerhalb von generalversammlungen des trachtenvereins und eröffnungen mittelgroßer volksfeste noch nicht sehr viel von ihm gehört. ein klassischer heimatabgeordneter, was ja durchaus ehrenwert und an dieser stelle auch nicht zu kritisieren ist.
jetzt macht er schlagzeilen: nachdem er es angesichts der 49kommanochwas-prozente der csu nicht mehr zurück nach berlin schafft, hat er sich mal richtig ausgetobt. unter anderem in der “leipziger volkszeitung”, in der er todesmutig frau merkel für den verunglückten wahlkampf verantwortlich macht und außerdem sagt, was (angeblich) viele in seiner fraktion denken: eine frau als kanzlerin gerne – aber (zitat) die nicht. und immerhin räumt er großmütig ein, sich im wahlkampf immer schützend vor frau merkel gestellt zu haben, was man ihm vermutlich hoch anrechnen muss.
jedenfalls, bei spiegel.de und sueddeutsche.de und noch einigen anderen hat er es jetzt weit nach oben geschafft, beim spiegel bspw. bis auf platz 2 der meldungen. dort heißt es jetzt, die kritik aus der eigenen partei nehme zu und der “csu-sozialpolitiker” (hinterbänkler mochte man wohl nicht schreiben) m. strebl habe jetzt die merkel mal so richtig auf den grill gelegt.
schön für den matthäus strebl. nach zehn jahren als mdb endlich mal ne schlagzeile.
so werden in deutschland nachrichten gemacht.
richtiges dreckswetter am sonntag. keine chance, rauszugehen. dafür gute chancen, mit schlechtem gewissen und einer zeitung auf der couch zu liegen. schöne gelegenheit also, sich nach monaten mal wieder eine welt am sonntag zu gemüte zu führen.
ich liebe realsatirische, blasierte kulturschreiber. und entnehme der wams mit fettem grinsen im gesicht, das cover der neuen franz ferdinand sei an russischem konstruktivismus angelehnt (soso…). lese desweiteren, dass einer der wams-autoren früher als konditor in madrid gearbeitet habe und dort von madonnas like a prayer zu tränen gerührt worden sei.
und als die jungs dann wieder ernsthaft werden, schreiben sie zur schleichwerbung bei sat1, kurt beck habe die ard als vorbild zur selbstreinigung genannt und dass sei ja wohl ein schlechtes vorbild (über den eigentlichen sachverhalt beim künftigen haussender schweigt man sich aus).
zum thema medienschelte des kanzlers schließlich attestiert man sich in völliger bescheidenheit, man sei fair, sachlich, ausgewogen gewesen.
für die nächsten monate langt´s wieder mit der wams. so schlecht kann das wetter gar nicht werden.