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Anmerkungen eines Medienmenschen

Archive for Oktober, 2008

Abo gekündigt, Leser weg

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Anke Gröner hat ihr SZ-Abo gekündigt. Nicht, weil sie die Zeitung schlechter finden würde, sondern weil sie sueddeutsche.de nicht mehr richtig gut erträgt. Ein Einzelfall? Vorerst vermutlich ja. Aber ich würde einiges darauf wetten, dass der Kontext zwischen Printobjekt und Onlineausgabe künftig häufiger hergestellt wird; dass es küftig mehr Menschen geben wird, die Zeitung und Online als eines begreifen und keineswegs gewillt sind, Abstriche in der Qualität zu machen, nur weil man Online ja ohnehin nicht so ganz für voll nimmt und das ganze ja auch nichts kostet (hab´ich übrigens wirklich mal in einem Vieraugengespräch von einem Verlagsmanager gesagt bekommen – dass sich die Leute bittesehr nicht so anstellen sollen, mit Internet würde man ja nix verdienen und kostenlos sei´s auch noch).

Ehrlich gesagt, gerade im Moment will ich auch nicht so recht daran glauben, dass sich diese merkwürdige Grundhaltung in absehbarer Zeit noch ändert. Meine Vermutung ist, dass viele Printleute neben dem Wandel der journalistischen Darstellungsformen auch etwas anderes nicht begriffen haben. Nämlich, dass sie lange Zeit das letzte Relikt der alten Bundesrepublik waren; die Zeitung, die morgens auf dem Tisch liegt wie selbstverständlich (“Wer glaubt, die Bezugsgebühren für die Heimatzeitung sparen zu können, spart am falschen Platz”, titelte mein allererster Arbeitsgeber noch bis in die 90er Jahre hinein). Die Zeitung, die sich vor allem durch den Artikel “DIE” definiert. Die keine oder wenigstens keine ernstzunehmende Konkurrenz hat und die eine Institution ist (zugegeben: Blätter wie die SZ sind es ja auch irgendwie immer noch).

Angekommen in einem ziemlich brutalen (Volkswirte nennen das: wettbewerbsintensiven)  Markt mit ganz anderen Konkurrenten sind die allermeisten dieser Gattung immer noch nicht. Sie bauen weiterhin auf ihre Unverzichtbarkeit und setzen gegen Auflagenverluste immer noch hübsche Kaffeemaschinen als Prämien und Ticketverkauf und lustige Bücherreihen. Anstatt das naheliegende zu tun und ein onlineaafines Publikum auf dem Kanal zu bedienen, den dieses Publikum nunmal bevorzugt.

Wie gesagt, ich weiß nicht, wie viele Menschen so weit gehen würden wie Frau Gröner. Aber es reicht ja schon aus, wenn sich die meisten irgendwann mal für Zeitungen schlichtweg nicht mehr interessieren.

Written by cjakubetz

Oktober 21st, 2008 at 8:43 am

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Online worst (7) – oder: Warum man im Netz so schwer Geld verdient

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Fragt man Zeitungsverleger nach dem, was sie vom Netz halten, dann antworten sie im Tenor immer noch gerne in etwa so: Natürlich müsse man sich im Netz irgendwie engagieren, aber so richtig gerne mache man das alleine schon deswegen nicht, weil man bei diesem Engagement selten bis gar nicht Geld verdienen könne. Erlösminimierer Netz; Sie wissen schon…

Tatsächlich fällt es mir (ohne Zahlen zu kennen) sehr schwer zu glauben, dass meine lieben Freunde von der Passauer Neuen Presse auch nur einen Euro mit ihrem Online-Engagement verdienen (falls doch: Glückwunsch, damit auch noch etwas zu verdienen, wäre eine bemerkenswerte Leistung). Denn was man den Lesern dort seit Jahr und Tag anbietet, spottet nahezu jeder Beschreibung, wie wir in den vergangenen Wochen an dieser Stelle schon öfter gesehen haben. Frappierend finde ich vor allem, dass man all jene Dinge, die man für ein Printmedium seit Jahrzehnten verinnerlicht hat, online sträflich vernachlässigt – und sich dann wundert, dass der Leser auf dieses “Produkt” gerne verzichtet.

Bemerkenswert erscheint mir auch, dass die PNP vermutlich die erste Zeitung ist, die es mit der Aktualität genau andersrum macht; das langsame analoge Medium Zeitung jedenfalls ist heute schneller als die Onlineausgabe, die heute um 8.24 Uhr folgendes titelt:

Mal wieder also eine “Blitzmeldung”; diesmal über einen tödlichen Verkehrsunfall um 4 Uhr morgens. Schnell, schnell, die Jungs, könnte man meinen – wenn sich der Unfall nicht bereits am Sonntagmorgen, resp. also vor 28 Stunden ereignet hätte. Ein 28 Stunden altes Ereignis als “Blitzmeldung” zu verkaufen, das dürfte selbst in der an Kuriositäten reichen Onlinelandschaft ziemlich einmalig sein. Da nimmt es man fast schon mit stoischer Gelassenheit, dass die Meldung auch noch mitten im Satz abgerissen wird. Man kann sich ja denken was kommt, und wenn man das nicht kann, kann man ja weiterklicken.

Nach dem obligatorischen dpa-Ticker an zweiter Stelle (was für ein Unsinn, nebenbei bemerkt: eine Regionalzeitung, die an prominentester Stelle einen unsortierten dpa-Ticker mit Wichtigem und Unwichtigem aus aller Welt platziert) kommt dann das “Aktuelle Video von PNP-TV”). Helmut Schmidt war in Passau zu Gast, nette Geschichte soweit. Wenn man sich allerdings vor Augen hält, dass dieses “aktuelle Video” bereits eine knappe Woche alt ist, möchte man die anderen Videos lieber erst nicht sehen. Vermutlich beschäftigen sie sich mit dem Ende der Freibadsaison in Passau oder damit, dass man in der Eishalle langsam wieder an die Saisonvorbereitungen geht. Oder mit dem Ende der Sommerferien, was weiß man schon. (Lustige Ironie übrigens: Schmidt war auf Einladung der PNP zu Gast, ebenso wie sein Gesprächspartner Wolf von Lojewski. Wenn man weiß, was Gäste dieser Kategorie an Honoraren kosten und wenn man sich überlegt, man würde auch nur den Betrag dieser beiden Gäste in den Ausbau einer halbwegs vernünftigen Onlinepräsenz stecken…aber natürlich ist es schöner, wenn der Verleger sich mit Herrn Altbundeskanzler fotografieren lassen kann.)

Und wieder darunter der Regio-Ticker, das Ding also, das wohl noch am ehesten auf dieser Seite die Kernkompetenz des Blattes ist sein sollte. Den hat man gestern abend um 18.53 Uhr letztmals mit irgendwas bestückt.

Rechnen wir also mal zusammen, was die PNP uns online bietet:

  • Einen Aufmacher (“Blitzmeldung”), der über 24 Stunden alt ist.
  • Einen dpa-Ticker. Erhältlich an jeder gut sortierten Straßenecke im Internet.
  • Ein Video, ca. eine Woche alt.
  • Einen Regioticker mit irgendwas, letztmals vor ca. 14 Stunden aktualisiert.

Und wenn man dann tatsächlich auf dem Siedepunkt der Spannung angelangt ist, wenn man meint, es nicht mehr aushalten zu können und unbedingt weiterlesen will – dann empfängt einen bei einem Großteil der Geschichten folgendes Fenster:

Und so kommt es, dass ich Ihnen leider nicht sehr viel mehr über diese Perle des Onlinejournalismus erzählen kann. Bin leider kein Abonnent der PNP und kann mir angesichts von pnp-online auch nicht vorstellen, jemals einer zu werden.

Und Geld verdienen? Damit? Vielleicht sollte irgendjemand mal einen Haufen Verleger nehmen, die der PNP aber in jedem Fall, und ihnen schonend etwas über Ursache und Wirkung erzählen.

Written by cjakubetz

Oktober 20th, 2008 at 9:09 am

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Stellen kürzen ohne zu sparen

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Ich bin ja leider kein Betriebswirt, aber eines frage ich mich angesichts der momentan wieder um sich greifenden Stellenkürzungswut (aktuelles Beispiel: DuMont Köln) ja schon: Wenn man angeblich so mühelos rationalisieren kann, wenn Stellenkürzungen nach allen Beteuerungen keinen wirklich spürbaren Nachteil mit sich bringen – ist dann vorher irgendwas entsetzlich schief gelaufen (nämlich, dass man hoffnungslos überbesetzt war) oder plant man dann freiweg nach der Devise, dass er es schon nicht merken wird, der Leser, wenn´s an ein paar grundlegenden Dingen des Journalismus hakt?

Written by cjakubetz

Oktober 20th, 2008 at 8:11 am

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Besser online, jetzt sortiert

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Vorhin nochmal das Geschreibsel vom Liveblogging aus Hamburg angeschaut und festgestellt, dass es in der Quintessenz womöglich wesentlich negativer klingt als es eigentlich gemeint war. Dabei fand ich weder die Elefantenrunde noch den Rest des Tages gestern wirklich schlecht. Nein, zu richtig neuen Erkenntnissen bin ich nicht gekommen, aber immerhin soweit, dass ich das, was ich mir in den letzten Monaten im stillen Kämmerlein so gedacht habe, allmählich bestätigt fühle. Wenn man auf dem Podium die Herren Büchner, Sadrozinski und Wegener so reden hört, bekommt man eine Ahnung davon, dass Onlinejournalismus endgültig erwachsen geworden ist und nicht mehr in irgendwelchen finsteren Abstellkammern stattfindet, die in den Häusern bisher noch ungenutzt waren. Wenn mir gestern ein wenig die Diskussion gefehlt hat, lag das weniger am Thema oder an den Leuten als vielmehr daran, dass der Kern der gestrigen Veranstaltung eigentlich nicht diskutabel ist: Wenn insbesondere Zeitungsverlage sich noch dagegen wehren, ernsthaftes Onlineengagement zu betreiben (und ernsthaft meint nicht: Onlineredaktion mit einem Redakteur, einem Praktikanten und Honorarsätzen von 30 € für ein Video), dann lasst sie doch. Das Thema wird sich innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre von selbst erledigen. Vor kurzem hätte ich diese Galgenfrist noch ein wenig länger angesetzt, aber diese hübsche kleine dräuende Krise am Werbemarkt wirkt wie ein hübscher kleiner Teilchenbeschleuniger. 2010 also wird die Landschaft allmählich anders aussehen als heute und dabei erwischt es vor allem Pratikantenonlineredaktionen. Und tschüss.

Von dem her waren also gestern auf der gesamten Tagung keine wirklich rasend neuen Erkenntnisse zu erwarten – es trieben sich dort ja eh die rum, die es kapiert haben, während die Nichtbekehrten Wochenende machten, weil seit hundert Jahren bei Tageszeitungen am Samstag nicht gearbeitet wird.

Was ich mir für die nächsten beiden Jahre von denen wünschen würde, die gestern da waren und es vulgo kapiert haben: noch mehr Mut, noch mehr journalistische Eigenständigkeit und noch mehr eigenes, wirklich multimediales Storytelling. Noch sind mir viele Onlineangebote zu sehr elektronische Tageszeitung. Aber auch das wird sich ändern. Spätestens dann, wenn auch das Massenpublikum sich vom Wundertütenprinzip der Tageszeitung abgewendet hat.

Written by cjakubetz

Oktober 19th, 2008 at 10:39 am

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Besser online, live und unsortiert

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Komisch, warum alles, wo mehr als drei Leute an einem Panel sitzen, “Podiumsdiskussion” genannt wird. Das, was jetzt gerade in Hamburgs ehrwürdiger Handelskammer als Eröffnungsveranstaltung läuft, ist zwar ein Podium, aber irgendwie wenig Diskussion. Macht nix, ist auch mal nett, einfach Einblicke in den Alltag von Redaktionen, von großen noch dazu, zu bekommen.

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Vielleicht liegt das auch daran, dass es so richtig viel zu diskutieren nicht gibt. Diskussion hat ja irgendwie immer auch was mit Kontroverse, mit unterschiedlichen Standpunkten zu tun. Hier wird viel geredet davon, dass Online die Zukuft sei und dass die Redaktionen zusammenwachsen und dass man es sich als Journalist künftig kaum erlauben könne, nur noch monomedial zu arbeiten. Darüber kann man  nun wirklich beim besten Willen nicht mehr streiten. Aber schön, dass wir uns einig sind.

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Dafür, dass wir die Zukunft sind, sind wir immer noch ziemlich schwach ausgestattet, fällt mir auf. Komisch, jeder kleine Handwerksbetrieb würde sich auf sein zu erwartendes künftiges Kerngeschäft konzentrieren. Medienhäuser sehen zwar die Zukunft, wollen aber mit Brachialgewalt das sterbende Geschäft retten. Mein ja nur.

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USA. Wenn wir von Zukunft reden, kommt spätestens nach zehn MInuten jemand und ruft: “USA!”. Schön zu sehen, wenn das andere machen. Ich mach´s ja leider auch immer wieder.

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Vorher am Bücherstand vorbeigeschaut. “Internetjournalismus” liegt da rum, “Unerkannt im Netz” auch. “Crossmedia” fehlt leider. Laune schon wieder verhagelt für heute, ich will heim nach Bayern.

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Nach einer Dreiviertelstunde rühren sich drei Hände zaghaft zu einem ersten Applaus. Es geht um Google und den richtigen Umgang von Medienhäusern. Erster Miniansatz einer Diskussion. Sonst? Ich warte darauf, dass sich dort oben umarmen und eventuell auch mal zärtlich küssen. Kuschelrock ist Punk dagegen.

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Links neben sitzt Kollege Niggemeier (begleitet vom Kollegen ix, den man auch dann erkennen würde, wenn man ihn nicht kennen würde). Rechts von mir sitzt die Vizechefin von RP-Online. Die beiden würde ich jetzt lieber diskutieren hören. Deswegen u.a.

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Knappe Stunde vorbei: Nach dem bisherigen Eindruck muss man glauben, das größte Problem des (Online-)Journalismus in Deutschland hieße Google und die entscheidende Frage sei, wie man am besten von der Suchmaschine gefunden wird. Da fällt mir ein, dass mir unlängst ein Volontär auf einem Seminar erzählte, sie seien gehalten, ihre Leadsätze so zu formulieren, dass sie möglichst gut von Google gefunden werden. Oder so. Googlekompatible Vorspänne- ich denke darüber nach, ob ich diesen Blüten nicht mal ein Kapitel in der nächsten Auflage von “Crossmedia” widme (die kommt übrigens 2009, sofern jetzt nicht ab heute alle in Kaufstreik treten).

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Guter Journalismus und Suchmaschinenoptimierung hingen zusammen, sagt – der Chefredakteur von “Spiegel online”. Ich hab mich selten so alt und so konservativ gefühlt wie gerade eben.

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Später wurde es dann erheblich lebhafter. Und auch spannender. Man kabbelte sich ein wenig über Sinn und Unsinn von öffentlich-rechtlichen Onlineangeboten, Bild kabbelte sich mit Niggemeier, vielleicht war´s auch umgekehrt, man stellte fest, dass regionale Zeitungsverlage mit ihrem starrem Festhalten an ihren bisherigen Strukturen auf dem Holzweg sind, man bemerkte, dass (Nachrichten-)Videos im Netz einer anderen Systematik folgen als TV-Nachrichten. Darüber war schwer zu bloggen, weil das WLAN dauern kollabierte (bei mir zumindest). Das ist die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis.

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Zitat des Tages: “Die (gemeint war: Bildblog) haben den Charme einer Politesse, sind aber notwendig.” (Wolfgang Büchner, Chefredakteur Spiegel Online)

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Erkenntnis: Och ja. Nö. Passt scho.

Written by cjakubetz

Oktober 18th, 2008 at 10:50 am

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Crisis? Wot Crisis?

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Ein kleiner Überblick im Tagesspiegel, wer sich gerade wie gegen das rüstet, was in der sensationellen Rekordzeit von gerade mal einer Woche zum geflügelten Wort geworden ist: Zeitungskrise.

Written by cjakubetz

Oktober 16th, 2008 at 8:46 am

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Besser online

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Am Samstag bin ich bei “Besser online” in Hamburg und freu mich, wenn ich dort den einen oder andere sehe, den ich kenne oder jemanden kennen lerne, den ich bisher noch nicht kenne.

Was ich eigentlich sagen wollte: gutes Programm, interessante Teilnehmer – sollte sich lohnen.

Written by cjakubetz

Oktober 14th, 2008 at 8:58 am

Posted in IN EIGENER SACHE

Das Fernsehen als solches

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Nein, hier kommt jetzt nicht die 37. Abhandlung der “Wutrede” von MRR. Dazu ist alles gesagt. Viel spannender finde ich die Reaktionen derer, die Reich-Ranicki gescholten hat. Als “arrogant und überzogen” bezeichnet Pro7Sat1-FreeTV-Chef Andreas Bartl die Kritik des Kritikers und befindet sich in trauter Eintracht mit der WDR-Intendantin. Wenn Private und Öffentlich-Rechtliche also sich einig sind, sollte man stutzig werden; dass aus dem gefeierten Gottschalk-Vorschlag einer Elefantenrunde nun doch nur ein Smalltalk zwischen Gottschalk und Reich-Ranicki wird, spricht Bände. Ein gerüttelt Maß an Kritikfähigkeit darf man weder von den Anstalten (der Name sagt eh alles…) noch den Privaten erwarten; schließlich heiligt der Zweck im TV nahezu alle Mittel.

Bitte bei dieser ganzen Debatte nicht vergessen: Man ließ bei dieser ominösen Langweilerveranstaltung namens Fernsehpreis Atze Schröder auf die Bühne, man zeichnete Veronika Ferres aus Proporzgründen aus, man erwählte ernsthaft “Deutschland sucht den Superstar” zu besten Show, man ließ Lafer und Lichter und Lecker einen derart desolaten Auftritt hinlegen, dass man ihn hinterher lieber wieder herausschnitt. Kurz, die Branche feiert sich am liebsten selber, wirft in der Kategorien en passant “Switch reloaded” und “Scheibenwischer” zusammen (Scheibenwischer – eine “Comedy”??)  und das Einzige, was man Reich-Ranicki vorwerfen muss ist, dass es naiv ist zu glauben, es gehe bei einer solchen Veranstaltung ernsthaft um einen Qualitätsgedanken. Konsens und Proporz, das sind die entscheidenden Motive. Schade lediglich, dass dadurch wirklich herausragende Produktionen wie “Das Schweigen der Quandts” ziemlich untergehen, wenn vorher Atze Schröder geflachsinnt hat.

Reich-Ranickis Auftritt also ist leider verkommen zu einem Quotenbringer; wüsste man es nicht besser, man würde dahinter einen wohlinszenierten Event einer Agentur vermuten. MRR als Trapattoni des Fernsehens, als ulkiger alter Mann mit putzigen Ausfällen. Und dass Monika Piel (“Ich vermisse dort (bei den Privaten) diese Qualitätsdebatte. Wir führen sie ständig. Wenn er das erreicht hätte mit seinem Auftritt, dann wäre ich damit sehr einverstanden.”) allen Erntes meint, dass es neben dem Trivialen doch auch ganz hübsche Sachen im Fernsehen gibt und dass vor allem die Privaten mal in sich gehen sollten, weil sie beim besten Willen ARD und WDR nicht in der Kritik sehe, sagt viel über den Zustand des Fernsehens.

Written by cjakubetz

Oktober 14th, 2008 at 8:55 am

Posted in TV

Gestern, heute, morgen – oder: Online worst (6)

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Vielleicht muss man sich einfach mal das, was deutsche Zeitungen jeden Tag im Netz so produzieren, einfach mal ein wenig genauer anschauen, um zu verstehen, warum es den meisten von ihnen im Netz und mit dem Netz nur so mittelmäßig gut geht. Dass es dabei, nur nebenbei bemerkt, mal wieder die PNP erwischt, hat nichts mit irgendwelchen Traumata zu tun, sondern damit, dass die Kollegen halt direkt vor meiner Haustür publizieren und ich insofern viel eher dadrauf schaue als, sagen wir, auf die Braunschweiger Nachrichten, falls es die geben sollte.

Bei der PNP jedenfalls hat man schon seit längerem intern wie extern verkündet, dass man die Bedeutung der digitalen Medien erkannt habe und sie sich dementsprechend zunutze machen wolle. In der Konsequenz hat man die ehemalige 1-Frau-Redaktion um zwei Leute erweitert. Und man arbeitet jetzt mit Blitzmeldungen, zunehmend auch, nachdem man in der Woche, als die CSU mal eben kollabierte, den ungemeinen Reiz solcher Blitzmeldungen entdeckte.

Sehr schön zeigt sich in diesen “Blitzmeldungen” auch, wie sehr in Zeitungsleuten Zeitungsdenken tief verankert ist. Das ist an sich auch kein Wunder, aber eher hinderlich, wenn man Onlinemedien machen will, die, man weiß das ja jetzt zur Genüge, eben ganz anderen Gesetzen folgen. Dazu gehört beispielsweise, dass Online nicht wie die gute alte Tageszeitung am Wochenende mal eben eine ausgedehnte Pause einlegt, das Hämmerchen fallen lässt und erst zum Wochenbeginn wieder die regulären Betrieb aufnimmt. Auch mit dem Tempo ist das so eine Sache, jedenfalls steht da jetzt seit einigen Stunden auf der Startseite:

So ganz gewiss ist das allerdings nicht. Wenn heute Sonntag ist und der Mann wurde “gestern” gefunden, dann steht die Meldung entweder schon seit Samstag da und das gestern bezieht sich auf den Freitag. Oder die Meldung stammt von heute (was der Terminus “Blitz” ja irgendwie suggeriert), dann war´s am Samstag. Oder wurde der Mann am Freitag ermordet und am Samstag gefunden? Das kommt raus, wenn die Zeitungsdenke im Kopf ist, nach deren Logik es ja klar ist, was mit gestern, heute, morgen gemeint ist.

Aber man kann ja gottlob die Fortsetzung nach dem angebrochenen Satz “Sie waren dem Hinweis eines 19-Jährigen…” (wer macht sowas eigentlich, Sätze abzubrechen?) klicken und dann darauf hoffen, dass das Rätsel eine Lösung bekommt. Bitte sehr, hier ist sie:

Tat also am Freitag, am Samstag gefunden, am Montag Vorführung vor dem Richter. Was man allerdings nur weiß, weil in der Fortsetzung der Geschichte angegeben ist, von wann die Meldung überhaupt stammt (Sonntag, 13.40 Uhr). Dass eine Meldung nach fast vier Stunden aber eher etwas angestaubt und keineswegs mehr eine Blitzmeldung ist, leuchtet einem Onliner ein, einem Printmenschen vermutlich eher weniger. Spannend jedenfalls heute abend zu beobachten: Wie lange wird die Blitzmeldung noch eine Blitzmeldung sein?

Und: Wann schaut sich jemand mal den eigenen RSS-Feed an, nebenbei gefragt? “Pkw ohne ennzeichen” jedenfalls liest sich mindestens so drollig wie “Kinder besuchen ewegungstag”, nicht zu vergessen natürlich “Leer stehendes Wohnhaus rennt nieder.” Schöner lödsinn.

Written by cjakubetz

Oktober 12th, 2008 at 5:47 pm

Posted in NUR SO DAHINGESAGT

Blödsinnspreise

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Ich bin bestimmt kein glühender Anhänger von Reich-Ranicki. Aber die Nummer, die der alte Knarzer beim Deutschen Fernsehpreis abgezogen hat, ist einfach nur richtig groß.

Written by cjakubetz

Oktober 12th, 2008 at 10:40 am

Posted in TV