Archiv für Oktober 2008


Wieso sind uns eigentlich die anderen so weit voraus?

11. Oktober 2008 - 10:47 Uhr

Drei Einführungstage mit zwei nagelneuen Klassen an der DJS bedeutet nicht nur,  drei Tage versuchen zu erklären, was zur Hölle eigentlich da draußen los ist, sondern auch, sich mit Fragen zu befassen, mit denen man sich vorher möglicherweise noch nie befasst hat und auf die man eigentlich auch keine wirklich gute Antwort hat. Um ehrlich zu sein: gar keine.

Eine davon, die in diesen drei Tagen immer wieder aufgetaucht ist: Warum wird man das Gefühl nicht los, dass andere, beispielsweise in den USA oder in Großbritannien, uns in Sachen Onlinejournalismus so verdammt weit voraus sind? Ist das so – und wenn ja: warum?

Und wenn man dann mal so eben über die Kollegen von nyt.com stoplert (mal wieder, ich weiß), dann bekommt man eine Ahnung, dass es sich tatsächlich nicht bloß um ein Bauchgefühl handelt, wenn man meint, der Onlinejournalismus in Deutschland wäre in erster Linie ideenlos und/oder von latentem Ressourcenmangel geprägt. Natürlich wird es einen nicht zu unterschätzenden technischen Aufwand bedeuten, einen 90-Minuten-Film in Kapitel zu unterteilen, eine thematische Timeline anzubringen, ein Transkript zu erstellen, das wahlweise auch durch eine Analyse der Times-Redakteure ersetzt werden kann – aber ich befürchte ein wenig, dass ich keine Redaktion bei uns kenne, die überhaupt auf die Idee gekommen wäre, so etwas zu machen, selbst dann nicht, wenn die Ressourcen, die man nicht hat, zur Verfügung gestanden wären. Jedenfalls, was die NYT gemacht hat, ist mal wieder großartig und sieht so aus:

(Das ganze Modul: hier.)

Zwischendrin begegnet man dann auch noch jemanden, der gerade in ziemlich anstregende Tarifverhandlungen mit Verlegern involviert ist und der sich ziemlich drüber beklagt, dass sich die Verleger ziemlich beklagen, weil sie für 2009 jetzt wohl doch mit einer heftigen Krise rechnen. Von den Einstellungsstopps bei FAZ und Gruner&Jahr war schon zu hören und so ganz nebenbei lese ich heute, dass man bei BMW und seinen 20.000 Mitarbeitern in Dingolfing im November die Produktion so weit drosseln wird, dass man eine Woche lang die Bänder anhält. Man kann sich dann wiederum vorstellen, dass BMW vielleicht nicht mehr ganz so viele schöne Anzeigen schalten wird und dass die Menschen, die dann eine Woche lang zuhause sitzen müssen, auch nicht mehr so konsumieren wie erst noch vor einem Jahr. Krise also überall, der man entkommen könnte, würde man sich vom bisherigen Krempel lösen und sich auf das konzentrieren, was die Zukunft sein wird. Die Zukunft wird es jedenfalls nicht sein, totes Holz auf Lastwägen durch die Nacht zu fahren, um den Menschen zu erzäheln, was gestern so alles war. Selbst dann nicht, wenn es noch so viele schicke Kongresse mit dem Titel “Print lebt!” gibt.

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Rebellen mit Markt

11. Oktober 2008 - 9:36 Uhr

Don Alphonso schreibt in der FAZ. Fühlt sich komisch an, ist trotzdem lesenswert.

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Mobile 0.0

7. Oktober 2008 - 20:12 Uhr

Handy-TV ist also mal wieder gescheitert in Deutschland. Man muss sich darüber aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht wundern, tatsächlich kommt aber erschwerend noch ein neuer Aspekt dazu, der potenzielle Investoren erst einmal abschrecken wird. Denn bewegtes Bild ist inzwischen überall, allgegegenwärtig, ständig verfügbar; sei es in Form gekaufter Sendungen oder Filme, sei es als Videopodcast. Kurzum, speziell in einer mobilen Nutzungsform braucht kein Mensch mehr live auf kleine Screens übertragene Werbepausen und lineare Programme. Die Vorteile, die Video on demand bietet, kommen mobil noch viel stärker zum Tragen als zu Hause vor der heimischen Glotze. Vor die legt man sich vielleicht mal, um sich berieseln zu lassen. Aber in der U-Bahn?

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Online worst (5)

7. Oktober 2008 - 19:47 Uhr

Auf den nationalen Zeitungsmärkten sehen wir beispielhaft, wie Wettbewerb zu Innovationen führt. Doch in der Regionalzeitungsindustrie, die auf ihren Märkten durch den Segen des Monopols häufig fett und faul geworden ist, beobachten wir einen fast schon kriminellen Mangel an Innovation, weil Verleger versuchen, ihre existierenden Produkte zu schützen. Aber Bewahrung alter Modelle ist keine Strategie für die Zukunft.

Jeff Jarvis in einem überaus lesenswerten Interview mit sueddeutsche.de. Und schöne Grüße nach Passau, übrigens.

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Sprechblasen (2)

7. Oktober 2008 - 12:33 Uhr

Achtung! SPON stellt, für alle überraschend fest, dass es in Polit-Talkshows zu Sprechblasen kommt! Kein Konsensjournalismus! Unbedingt lesen!

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Mohr will Schweinerock

6. Oktober 2008 - 10:13 Uhr

Der Mann muss Nerven (und Zeit) haben: Jeden Montag, das ist so erwartbar wie der Verlauf der Sendung, über die er schreibt, setzt sich Reinhard Mohr bei SPON mit Anne Will auseinander. Also, nicht nur mit der Frau, sondern mit der nach ihr benannten Sendung. Und jeden Montag vermutet Herr Mohr, bei Anne Will würden Sprechblasen abgelassen – ebenfalls so erwartbar, dass es langsam auch zur Sprechblase wird. Warum sich Herr Mohr jeden Sonntag und SPON uns jeden Montag damit quält, ist irgendwie völlig offen, aber auf der anderen Seite ziemlich bezeichnend: So geht Konsens-Journalismus, man schlägt auf Frau Will ein und darf sich des Beifalls des SPON-Publikums ziemlich sicher sein. Trifft ja nicht die Falsche; davon abgesehen, dass hochschreiben und dann draufhauen auch so ein Reflex im deutschen Journalismus ist (womit ich um Himmels Willen nichts Gutes über die Sendung namens Anne Will gesagt haben will).

Jedenfalls, wäre Herr Mohr Sänger statt Journalist geworden, er wäre wahrscheinlich als Reinkarnation von Bono aufdie Welt gekommen. Schweinerock nennt man das unter halbwegs musikalischen Menschen, was Bono und U2 so veranstalten. Ziemlich schauderhafte Vorstellung, das.

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Online worst (4)

4. Oktober 2008 - 9:49 Uhr

Als Abschluss einer überaus witzigen Online-Woche mit der Passauer Neuen Presse schnell noch das hier: Natürlich muss man mit so einem Online-Angebot auch Geld verdienen, denkt man sich in Passau. Weswegen man jetzt “pnp.tv” ins Leben gerufen hat; eine Art Loseblatt-Samlung mit mehr oder minder gehaltvollen Videos. Eigene Videos dreht man dort auch; vor allem solche, die sich mit eigenen Veranstaltungen beschäftigen, bei denen zumeist Promimente mit der lokalen Prominenz irgendwas feiern, der normale Leser aber ausgeschlossen ist. Das wird dann via Camcorder mitverfolgt und das Endprodukt kann man dann entweder “normalauflösend” ansehen oder in einer hochauflösenden Version – kaufen. 5 Euro, I´m not kidding, zahlt der Nichtabonnent – für 1.30 Imagefilm einer Werbeveranstaltung der PNP (der, nebenbei gesagt, allenfalls Hobbyfilmer-Ansprüchen genügt).

Das Ende vom Lied mag man sich ausdenken: Man wird kein Geld damit verdienen und dann beim nächsten Zeitungsverlegerkongress mal wieder darüber lamentieren, wie schwierig und undankbar dieses Online-Business doch ist…

(BTW: Der “Regio-Ticker” hängt tatsächlich noch auf Donnerstag, 18.51 Uhr.)

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Online worst (3)

3. Oktober 2008 - 11:05 Uhr

Georg Schmid nennt man in Bayern gemeinhin auch “Schüttel-Schorsch”. Das ist ziemlich witzig, weil man damit wunderbar das Wesen Schmids umschreibt, dem nachgesagt wird, jede Hand zu ergreifen und zu schütteln, selbst solche, die sich ihm gar nicht entgegenstrecken. Außerdem ist Schmid maßgeblich für das ziemlich strenge Rauchverbot in Bayern verantwortlich und zudem Fraktionsvorsitzender der CSU.

Ob das ausreicht, um bayerischer Ministerpräsident zu werden, bezweifelt inzwischen sogar Schmid selber, weswegen er heute vormittag durchaus überraschend angekündigt hat, nicht mehr für ebenjenes Amt kandidieren zu wollen. Da waren´s nur noch drei und die CSU lieferte einen weiteren Beleg für ihr in dieser Woche herausragendes Können, jeden Tag die Vormittagsschlagzeilen zu beherrschen. Alle Welt berichtet mal wieder über die CSU. Alle? Nein…nicht alle:

Unsere Freunde von der PNP halten die gute alte Zeitungsdenke aufrecht: Heute ist Feiertag, morgen gibt´s keine Zeitung – da muss online der dpa-Ticker reichen. Den “Regio-Ticker” hat man erkennbar am Donnerstag um 18.51 Uhr eingestellt. Und ich würde viel Geld darauf wetten, dass er vor Montag, ca. 9 Uhr, auch nicht wiederbelebt wird. Das kommt davon, wenn Zeitungsmenschen elektronische Medien (und Online ist im gewissen Sinne ein solches) bedienen. Die kämen wahrscheinlich auch auf die Idee, am Samstag kein Radio- und Fernsehprogramm zu senden; es ist ja schließlich der freie Samstag in den Redaktionen.

Online first im Jahr 2008. Soviel dazu.

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Neues von Premiere

3. Oktober 2008 - 10:34 Uhr

Jetzt also dieses hier: eine satte Gewinnwarnung, den Finanzvorstand mit sofortiger Wirkung gefeuert, der Murdoch-Adlatus macht jetzt auch diesen Job mit, und nebenher mal die Abonennten-Kartei durchforstet. Siehe da, da waren es nur noch 2,4 Millionen, weil irgendwie ein paar hunderttausend Karteileichen rausgerechnet werden mussten. Mit den 10 oder 12 Millionen, die der Ex-Chef prophezeit hatte, wird das vorerst nichts werden – und man muss kein Prophet sein um festzustellen: MIt allem anderen wird das auch nichts mehr. In Zeiten, in denen TV-Sender dazu übergehen, TV-Sendungen gegen Gebühr schon vor der Erstausstrahlung anzubieten, wen will Premiere eigentlich noch damit locken, dass man Filme schon bald nach der Erstausstrahlung zu sehen bekommt?

2,4 Millionen Abos – damit ist Premiere in etwa genau so weit wie vor zehn Jahren, nur dass inzwischen das Image nachhaltig ruiniert und das Vertrauen potenzieller Investoren vermutlich in einem nicht mehr messbaren Bereich liegt. Abpfiff in Bälde.

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Absolute Mehrheit bei Volltrunkenen (2)

2. Oktober 2008 - 10:21 Uhr

Gerade mal durch den Kopf gehen lassen: So nahe dran wie die Freunde von “quer” war kein einziger Demoskop am tatsächlichen Ergebnis der CSU bei der Landtagswahl. 45 Prozent hatte man dort prophezeit, vorausgesetzt, die Leute sind nüchtern an die Urne gegangen. Man müsste die Demoskopie tatsächlich auf neue Grundlagen stellen und das Thema, wie Promille das Wahlverhalten beeinflussen, ist auch noch einige Überlegung wert.

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