Das Lokale

Am Wochenende mal wieder Gelegenheit gehabt, die gute alte Heimatzeitung durchzulesenblättern. Nachem gerade in der vergangenen Woche bei diversen interessanten Diskussionen mir immer wieder die Frage gestellt wurde, ob das Internet die Zeitung als solche und insbesondere das Lokalblatt kaputt mache, habe ich das Ding vor diesem Hintergrund mal besonders interessiert durchgelesengeblättert.

Die einfache Antwort: Nein, das Internet macht keine Regionalzeitungen kaputt. Das erledigen sie schon brav selber. Ca. 50 Seiten Langeweile, das nennt sich dann Wochenendausgabe. Belanglosigkeit, Uninspiriert hingeklatschter Krempel. Und nein, damit sind nicht (ausschließlich) die gefürchteten Lokalteile gemeint, bei denen man ja in etwa weiß, was einen erwartet. Nein, auch die Teile, auf die sich deren Macher gemeinhin viel einbilden, vom Leitartikel bis zum Feuilleton, eine Ansammlung von gedrucktem Grau. Thommy Gottschalk dreht mit Til Schweiger einen Film in Burghausen – halbe Seite Feuilleton (!). Das war die journalistische Eigenleistung des Tages. Der Rest: Cut & Paste mit Agenturmaterial und ein Leitartikel, der einem (unabhängig von irgendwelchen politischen Standpunkten) nach drei Zeilen die Augendeckel schwer werden lässt. Layout? Keines, das diesen Namen verdient. Fotos im Postkartenformat, Umbruch quadratisch, praktisch, gut. Ich nehme an, die Zeitung hat in ihren Statuten als klares Ziel, den Leser zu Tode zu langweilen. Nicht mal mehr ordentlich aufregen kann man sich über das Blatt – und wenigstens das konnte man früher ganz gut. (Kenner des Landes wissen, was gemeint ist).

Ein Extrembeispiel? Nein. Diese Geschichte kann in etlichen Winkeln des Landes spielen, man muss dafür nicht Niederbayern als Exempel nehmen; geschweige denn glauben, dieser Landstrich sei ganz besonders rückständig. Braucht man also wirklich Internet, um Regionalzeitungen allmählich dem Exitus entgegen erodieren zu lassen? 

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5 Kommentare

  1. Wer ist noch bereit, für eine gedruckte Tagesschau (1. Buch), ein paar Agenturmeldungen (2. Buch), sowie einen praktisch anzeigenfreien – weil von Inserenten nicht angenommenen – Lokalteil (3. Buch) mit oftmals lieblos dahingestreuten Belanglosigkeiten, genausoviel zu zahlen, wie für die Telefon- bzw. Handyrechnung?
    Die Lokalzeitungsverlage sollten sich nicht wundern, dass keine junge Leserschaft mehr nachwächst, wenn sie ihre Produkte (von einigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen) so konsequent an den Lesern der Zukunft vorbei machen.
    Da sind viele Anzeigenblätter heute schon besser aufgestellt und die AWA-Zahlen beweisen es.
    Wenn Print eine Chance bei jungen Menschen haben soll, dann muss man sie früh genug in ihrem Leben an die Zeitungsnutzung heranführen. Dazu haben aber viele Verleger seit dem „Kölner Zeitungskrieg“ offenbar keine Lust. Andere Länder machen uns vor: Junge Leute lieben Gratiszeitungen und können darüber für die werbetreibende Wirtschaft erreicht werden.
    Und wer heute in den Ländern um uns herum die Gratis-Pendlerzeitungen liest, der ist zumindest printaffiner als die heute in Deutschland aufwachsense Jugend.
    Morituri vos salutant, liebe Lokalzeitungsverleger!

    Georg Vetter
    http://www.zeitungsakademie.eu

  2. Genauso ist es. Am Wochenende blätterte ich durch die „Rheinische Post“ und begriff wieder einmal, warum ich kein Abo habe. Nicht einmal der Lokalteil ist interessant. Und das ist keine Frage der Themen, sondern der Aufbereitung. Alles ist so uninspiriert und uninispirierend.

  3. Ich hatte mir ja extra die Lokalteile aufheben lassen, als in der alten Heimat, ebenfalls zu dem niederbayerischen Zeitungsverlag gehörend, der Lokalkrimi nach der Stadtratswahl stattfand: plötzlich ein grüner Bürgermeister, Abweichler in der CSU, Krach, Streit – alles, was ein Lokaljournalistenherz begehrt… Und was sie draus gemacht haben, war zum Heulen…

  4. @Helga: Stimmt, das ist das eigentlich Frappierende. Dass sie sogar Steilvorlagen versemmeln, wirklich gute Geschichten in den Ruin schreiben. Es ist nicht so, dass es keine guten Themen gäbe…

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