Zeitung raus, Klassenarbeit!

„Mama, Papa — ich bin durchgefallen. Ich hab´ne 5 in Zeitung.“

„Ne 5? In Zeitung? Kann ja echt nicht wahr sein.“

Dieser Verband ist wirklich ein steter Quell der Heiterkeit: Beim BDZV haben sie jetzt rausgefunden, dass es nicht nur an der zeitungsresistenten Jugend liegt, wenn es mit den Auflagen dauernd abwärts geht (weswegen man bereits die jugenderobernde Initiative „Jule“ gegründet hat, die jetzt die Massen an den Kiosk peitschen wird). Man hat noch eine eindeutige Ursache ausgemacht: Schulen, Lehrer, Lehrpläne. Man liest nämlich viel zu wenig Zeitung an den Schulen, weswegen der Verband die Keule rausgeholt hat: Zeitunglesen muss Pflicht werden in der Schule — und nicht nur das: Zeitung muss Prüfungsfach werden! Sie wissen nicht, was ein Zweispalter ist? Sie können den letzten Leitartikel der FAZ nicht rezitieren? Setzen, sechs!

Das Bizarre ist ja: Die „Nationale Initiative Printmedien“, deren Gründung alleine ja schon ein ziemliches Armutszeugnis war, meint diesen Vorschlag vermutlich auch noch ernst. Sie argumentiert mit der gesellschaftlichen Relevanz, die bei Zeitungen ja zweifelsohne gegeben sei. Ein schönes Argument, mit dem demnächst auch „Fernsehen“ als Prüfungsfach an den Schulen eingeführt werden könnte. Oder Surfen. Spielen mit dem iPad. Radiohören vielleicht noch als Wahlfach?

Allerdings fragt man sich dann (wieder mal, ich weiß…), ob die Menschen, die für das Printmedium gleich für sich in Anspruch nehmen, „nationale Initiativen“ gründen zu müssen, wirklich schon im Jahr 2010 angekommen sind. Nichts spricht dagegen, schon in der Schule Medienkonsum und Medienkompetenz zu thematisieren, sogar als eigene Schulfächer. Es spricht viel dafür, Schülern zu zeigen, wie sie mit dem ganzen Wust an Medien, über den sie inzwischen verfügen können (oder ist es nicht sogar umgekehrt?) umgehen können. Aber wie kommt man dazu sich herauszunehmen, dass man sich zwar mit Zeitungen als Schulfach zu beschäftigen habe, alle anderen aber ausblendet? Ganz offensichtlich ist beim BDZV immer noch nicht angekommen, dass seine Zeitungen eben nur noch einen kleinen Teil einer kaum zu überschauenden Medienlandwirtschaft darstellen. Der Verband betreibt plumpe Lobbypolitik, weil er für seine Idee (die schon jetzt erkennbar eh niemand ernst nehmen wird) keinen einzigen wirklichen Grund nennt, sondern einfach nur sein eigenes Produkt retten will.

Das eigentlich Erstaunliche daran ist, dass der BDZV anscheinend immer noch darauf setzt, einfach die Zeit zurück zu drehen. Statt selber im digitalen Markt mitzumischen, fordert er immer noch eine Rückbesinnung auf die Zeitung. Ganz so, als würden wir immer noch in Zeiten der schweren Druckmaschinen und der röhrenden Lastwagen leben, die in der Nacht tausende Zeitungen ausliefern. Ginge es dem BDZV wirklich um ein gesellschaftliches Anliegen, er würde sich dafür einsetzen, Schüler und vor allem auch Lehrer mit digitaler Kompetenz auszustatten. Stattdessen will er den Schülern jeden Morgen seine Zeitung auf den Tisch legen — und, wenn´s denn nur ginge, am liebsten gleich noch ein Bestellkärtchen fürs Probeabo.


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