Und wo bleibt das Positive (7)?

Ich bin kein Leser der Frankfurter Rundschau. Noch nie gewesen. Es gibt keinen wirklichen Grund dafür, ich habe nichts gegen das Blatt – aber auch nicht wirklich viele, die mich zum Abonnenten lassen würden. Der Umbau ins Tablet-Format hat mich eher kalt gelassen, in welchem Format eine Zeitung erscheint, ist mir eigentlich egal.

Heute dagegen – habe ich mir eine FR gekauft. Nicht am (realen) Kiosk, sondern auf einige Empfehlungen hin für das iPad. Seit heute könnte ich mir vorstellen, die FR regelmäßig zu lesen. Ist das nicht witzig, liebe Verleger?

Erklärt ist das einfach und schnell: Die FR hat seit heute eine App am Start. Eine App, die man gerne nutzt, die gut gemacht ist, die dem Medium gerecht wird, eine App, die nicht einfach nur die Zeitung einszueins auf den Bildschirm holt. Keine Zeitung, sondern ein Bildschirm-Magazin.

Dabei sind viele Dinge, die die FR richtig gemacht hat, eigentlich so furchtbar banal und einfach, dass man sich kaum traut, sie nochmal als grundlegend anzumahnen. Erstens: Ich habe keine Abo- oder sonstwas Verpflichtungen. Wenn ich eine Ausgabe haben will, dann lade ich sie. Einfach, unkompliziert. Am Kiosk muss ich ja auch kein Abo abschließen, wenn ich eine Zeitung kaufe. Zweitens: der Preis. Ich bin keiner der Leser, die wegen einer Preiserhöhung von 10 oder 20 Cent aufhören, eine Zeitung zu lesen. Aber ich habe bis heute nicht verstanden, weswegen ich für eine Einzelausgabe des „Spiegel“ mehr bezahle als für ein gedrucktes Exemplar. Merkwürdigerweise: Ich habe zwar gerade noch geschrieben, dass mit bei einem EVP 10 oder 20 Cent egal sind, aber in diesem Fall – ärgere ich mich einfach. 79 Cent hingegen für eine Einzelausgabe der FR, keine Frage, das Vergnügen werde ich mir öfter leisten, auch angesichts der Tatsache, dass der durchschnittliche Preis anderer überregionaler Blätter inzwischen gerne mal in der Größenordnung guter 2 Euro irrlichtert, wobei ich mich bei mancher Dienstags- oder Mittwochausgabe frage, wie man das eigentlich zu rechtfertigen gedenkt (zumal ich dummerweise immer noch die Neigung habe, ab und an in D-Mark-Zeiten zu rechnen und mich dann so rund 4 Mark für eine einzelne Ausgabe einer Tageszeitung immer wieder erschrecken).

Gratuliere also, FR: Das Ding ist gut, es zeigt übrigens in der ganzen Debatte um Zeitungszukunft, dass Menschen sehr wohl bereit sind, Geld für Inhalt und Journalismus auszugeben, wenn sie eine nachvollziehbare, gute Gegenleistung bekommen. Und dass man Zeitungen retten kann, wenn man endlich damit aufhört zu glauben, Zeitungen müssten Zeitungen sein.

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3 Kommentare

  1. Naja, wenn aber die Inhalte und die technische Ausführung nicht so wirklich Premium sind, mag ich das auch nicht bezahlen. BTW: Die „Süddeutsche“ erfreute mich heute auf der iPhone-App mit der schönen Schlagzeile „Obama will nicht mehr über…“. Tja.

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