Ein Verdienstkreuz für die Dinos, bitte!

Deutschlands Verlage würden von einer Rentnertruppe regiert, behauptet der “Journalist” in seiner neuen Ausgabe — schrieb das aber in einer übrigens ziemlich hübschen Geschichte nicht selbst, sondern ließ das den Hamburger Medienprofessor Stephan Weichert sagen.  Tatsächlich ist diese Beobachtung wohl ziemlich richtig und vielleicht eine der vielen möglichen Erklärungen dafür, warum man bei vielen Häusern immer noch so eine erstaunliche Starre feststellt, obwohl doch die Veränderungen, die in den kommenden Jahren auf sie zukommen werden, nicht mal mehr von Analog-Fetischisten noch ernsthaft bestritten werden.

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Das alles ist also nicht so sehr überraschend, zumal mal man sich ja auch nicht erinnern könnte, dass die handelnden Personen in Analogien in den letzten Wochen andere geworden wären. Es sind immer noch die Hombachs und die Piels und die DuMonts, die Dinge tun — oder besser gesagt, nicht tun. Vor allem fehlt es ihnen immer noch am Verständnis für das, was da überhaupt passiert. Immerhin reicht es aber noch dafür, dass sich die Blogger- und Medienjournalistenwelt ziemlich über sie echauffieren kann. Niggemeier schreibt über Piel, Knüwer über Hombach, Don Alphonso über alle zusammen. Und tatsächlich ist die Kritik in den einzelnen Fällen jeweils vollständig nachvollziehbar und Don Alphonsos Vermutung, dass wohl auch 2011 nichts wirklich Bemerkenswertes von den Holzmedien zu erwarten sei, will man auch nicht unbedingt widersprechen.

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Mario Sixtus ging zu Jahresbeginn noch ein Stück weiter und wetterte gegen die Verleger, niemand habe sie zur Onlineparty eingeladen, weswegen sie doch bitte einfach aufhören sollten zu nölen. Auch da möchte man nicht wirklichen Protest einlegen, außer dass man das Argument, niemand habe sie eingeladen, für ein bisschen schwach halten kann, aber sei´s drum. Trotzdem: Es herrscht gerade wieder helle Aufregung in Digitalien. Aufregung, die insofern schwer nachvollziehbar ist, weil alles das, was die Hombachpiels in letzter Zeit von sich gegeben haben, ja irgendwie erwartbar war. Und weil es ja auch eine Utopie wäre zu glauben, dass sich daran etwas ändern wird.

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Digital vs. Analog ist, wenn man so will, eine Art Kulturkampf. Einer, den ich momentan mit der größtmöglichen  Gelassenheit sehe.  Zum einen, weil das Ergebnis absehbar ist. Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass sich die Dinos nicht halten werden können. Weil sie zwar an der jetzigen Entwicklung sehr viel auszusetzen haben, ihnen aber noch keine einzige wirksame Gegenstrategie eingefallen ist. Die WAZ beispielsweise hat in atemberaubender Geschwindigkeit all ihre einstmals ganz interessanten Ansätze wieder über Bord geworfen und durch analoge Langeweile ersetzt. Man müsste Herrn Hombach eigentlich mal sehr ernsthaft nach der Idee fragen, die er für die WAZ für die kommenden zehn Jahre hat. Ich vermute: Er hat keine. Aber das soll kein Hombach-Bashing sein, ich bin auf der Gegenseite ebenso überzeugt, dass Konstantin Neven DuMont mit der einen oder anderen Vermutung die Zukunftsfähigkeit seines Ex-Verlages betreffend nicht unrecht hat. Und Frau Piel ist bestimmt eine ganz prima Intendantin, leider aber mit einem gewachsenen Unverständnis für die digitale Welt.

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Auf der anderen Seite: Soll uns das wirklich interessieren? Die Probleme werden sich spätestens dann lösen, wenn die letzte Generation der analogen Dinos abtritt, ein Bundesverdienstkreuz bekommt und den Enkeln erzählen wird, wie das damals so war, kurz nach dem Krieg.