Lokale Zukunft – oder: Das Beispiel Passau

(Vorweg, keine Sorge: Es folgt kein PNP-Bashing, sondern nur die Bestandsaufnahme einer ebenso interessanten wie bezeichnenden Entwicklung.)

Es müssen schöne Zeiten für Zeitungsverleger gewesen sein bis vor wenigen Jahren. Wer eine regionale Tageszeitung herausgab, hätte sich auch eine Lizenz zum Gelddrucken geben lassen können. Ein Produkt, das weitgehend unersetzbar war, so wie Fernsehen und Radio eben auch. Eines, das einfach dazugehörte und nicht hinterfragt wurde. Und eines, das im Regelfall konkurrenzlos blieb. Der Versuch, in ein gefestigtes Quasi-Monopol einzudringen galt (und gilt) als unternehmerisch halsberecherisch und aus redaktioneller Sicht nahezu aussichtslos. Was für eine komfortable Situation — eine Situation, die es in einer freien Marktwirtschaft so eigentlich gar nicht geben dürfte: Man hat ein Produkt, das schwer verzichtbar ist, hohe Renditen abwirft und gleichzeitig beim Kunden fest verankert ist, obwohl der Kunde vielleicht gar nicht mal wirklich glücklich damit ist.

Man hätte sich bis vor zwei, drei Jahren auch nur schwer vorstellen können, dass sich daran wirklich etwas ändert. Klar, die Blätter leiden ein wenig unter dem bösen Internet. Aber dass eine Regionalzeitung ernsthaft von Konkurrenz im eigenen Beritt bedroht werden könnte, das durfte man bis vor Jahresfrist dann doch eher für ein theoretisches Konstrukt halten.

Im Mikrokosmos Passau sieht man momentan allerdings so schön wie exemplarisch, wie sich die Dinge ändern können. Schon seit einigen Jahren gibt es (wie hier schon ausreichend nachzulesen war) Michael Wagners „Fußball Passau„, für das Wagner nicht nur einen Grimmepreis und viel öffentliche Aufmerksamkeit bekam, sondern auch ein anscheinend tragfähiges Geschäftsmodell. Immerhin gibt es FuPa nicht mehr nur als Onlineportal, sondern auch als Reprint. Nach einer anscheinend ziemlich langen Zeit des Nicht-Ernst-Nehmens oder aber der Fassungslosigkeit (oder beidem zusammen) zog die „Passauer Neue Presse“ mit „heimatsport.de“ nach. Keine Ahnung, ob das schon zu spät ist, es ist in jedem Fall spät. Einen Marktführer wieder einzuholen, das dauert. Würde nicht die geballte Marktmacht der PNP dahinterstehen, man könnte es auch als aussichtslos bezeichnen.

Jetzt gibt es in Passau ein zweites hyperlokales Projekt. 100prozentig lokal soll Passau demnach werden, rein online basiert. Und natürlich kann man für die Erfolgsaussichten der Seite noch keine Prognose abgeben, weil man sie noch nicht gesehen hat und eine schlecht gemachte Seite nicht einfach deswegen erfolreich ist, weil sie lokal ist. Trotzdem, besieht man die Situation der PNP Anfang 2011, dann hat sich einiges dramatisch verändert: Es gibt plötzlich einen lokalen Sportanbieter, es gibt ein Online-Lokalmagazin, es gibt mit dem „Bürgerblick“ noch ein kleines gedrucktes Stadtmagazin dazu. Und plötzlich ist der Monopolist irgendwie nur noch ein Scheinriese, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Keines der kleinen Konkurrenzprojekte wird für sich alleine den Untergang der großen PNP bedeuten. Aber zusammengenommen nagen sie an den Rändern und werden die ohnehin schon aus den unterschiedlichsten Gründen zerbröselnden Umsätze des Blattes weiter schmälern.

Dabei sind die weiter schwindenden Umsätze noch nicht mal das entscheidende Problem. Eine Verlagsgruppe mit hohen Millionenumsätzen wird das irgendwie verschmerzen können, wenn auch ungern. Viel wichtiger ist die Bedeutung für die Zukunft: Wenn sich die beiden Lokalprojekte halten können, dann ist es keine sehr gewagte Prognose wenn man behauptet, dass sie vor allem das künftige Leserpotential an sich binden werden. Eine onlineorientierte Generation hat die PNP bereits verloren.  Die Seite pnp.de sieht immer noch aus wie frisch aus den Neunzigern entsprungen (das darf man der Redaktion, die ohne nennenswertes Budget arbeiten muss, aber nicht zum Vorwurf machen). Die Zeitung selbst ist immer noch irgendwie 1996 (das könnte man der Redaktion schon eher zum Vorwurf machen). Kurzum, eine redaktionelle und verlegerische Fehlleistung über Jahre hinweg hat die Situation, wie sie jetzt ist, erst möglich gemacht: Nachdem publizieren jetzt sehr viel einfacher und kostengünstiger geworden ist, machen es andere eben auch.

Und weil wir die Debatte gerade mal wieder so intensiv haben: Mit dem bösen Internet und einem fehlenden Leistungsschutzrecht hat das alles ungefähr nichts zu tun. Wollte ich nur mal loswerden, ansonsten: weiterschlafen!

Beteilige dich an der Unterhaltung

4 Kommentare

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.