Was von Deutschland übrig bleibt

19. März 2013 - 21:08 Uhr

Ich muss jetzt endlich mal, was ich mir schon lange vorgenommen hatte, unverblümt Werbung machen. Für ein Projekt im Besonderen, das ich großartig finde. Und generell für einen Kollegen/Bekannten, den ich persönlich sehr schätze und der schon einige Projekte gemacht hat, die mir ein gewisses Maß an Respekt abnötigen.  Da halte ich es sogar aus, dass er in Sachen Fußball so schrecklich daneben liegt und einen Verein namens Eintracht Frankfurt unterstützt; womöglich haben Sie von denen ja auch schon mal was gehört.

sebastian

Sebastian Christ ist momentan auf dem Weg durch Deutschland. Zu Fuß. Eine Wanderung quer durchs Land, durch die großen Städte ebenso wie durch Gegenden, die wir urbanen Irgendwasmenschen ja so gerne spöttisch belächeln und dann Provinz nennen. Manchmal veröffentlicht Sebastian längere Texte, manchmal nur Fotostrecken. Aber jeder Tag vermittelt Eindrücke von Deutschland, ohne irgendwelche Landlust-Beschönigungen, trotzdem aber so, dass man sogar Nordhessen plötzlich mögen könnte (das hatte ich bisher kategorisch ausgeschlossen). Am Ende der Wanderung steht dann hoffentlich ein Buch, in dem beschrieben wird, “was von Deutschland übrig bleibt”.

Unterstützen kann man diese Wanderung bei Startnext, das habe ich gerade eben getan. Ich glaube, dass es solche Projekte sind, für die Crowdfunding eine wunderbare Geschichte ist (dass ich mit meinem eigenen Kram für “Universalcode 2″ immer noch nicht zu Potte gekommen bin, ist dann wieder eine ganz andere Sache, dazu in den kommenden Tagen mehr). Helfen Sie also dem Wandersmann Sebastian mit ein paar Euro bei diesem Projekt – und uns allen ist damit auch geholfen: ein Grund weniger, über die öde Medienlandschaft in Deutschland zu lamentieren.

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Das ZDF unter den Zeitschriften

19. März 2013 - 0:30 Uhr

Gott sei Dank haben sie beim “Stern” lange und laut genug getrommelt. Sonst wäre mir vermutlich gar nicht aufgefallen, dass sich da irgendwas geändert hat. Auf den ersten Blick fand ich ihn wie immer, auf den zweiten sieht er aus wie der “Stern” mit einer homöopathischen Dosis SZ-Magazin. Dass der neue und künftige Allein-Chef Dominik Wichmann eine entsprechende Vergangenheit hat, sieht man als Magazin-Leser relativ schnell, nicht nur daran, dass er seine Ex-Autorin Meike Winnemuth ausgegraben hat, die jetzt auch im “Stern” nochmal erzählen darf, wie das war, als sie bei Jauch 500.000 Euro gewann und dann auf Weltreise ging.

Auf der anderen Seite hat so eine Stern-Redaktion dann aber auch eine Vergangenheit, die man nicht mal eben vergessen macht. Der treue Leser der Hamburger Wundertüte muss sich deswegen also keine Sorgen machen. Das, was er seit gefühlt einem Jahrhundert im “Stern” findet, findet er unverändert wieder, all die Cartoons, Fotostrecken, Kochrezepte und natürlich das unvermeidliche “Was macht eigentlich…”.  Der “Stern” bleibt also vorläufig das ZDF unter den Zeitschriften, ein Rentner in Jeans, ein Heft, an das man sich gewöhnt hat, das man weiß Gott nicht mehr wirklich braucht, was aber doch irgendwie fehlen würde, wenn es weg wäre, schon alleine deswegen, weil ältere Menschen wie ich den “Stern” so untrennbar zu den Jugenderinnerungen zählen wie ein Raider, die Hitparade im ZDF oder Bonanza-Fahrräder.

Auf Dauer könnte das allerdings ein etwas schwaches Argument fürs Überleben sein. Gut möglich also, dass demnächst deutlich mehr SZ-Magazin im “Stern” steckt.

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Kanzler Rösler und die FDP/Grünen/Piraten-Regierung

10. März 2013 - 21:31 Uhr

(Vorwarnung: Der folgende Beitrag weist nur selten Fakten auf. Es geht eher um gefühlte Dinge. Aber möglicherweise haben Sie ja ähnliche Eindrücke, wenn Sie das konsumieren, was der Berliner Politikjournalistenbetrieb regelmäßig absondert.)

Für einen Toten ist Phillip Rösler ganz schön munter.

Eigentlich dürfte Rösler seit diesem Wochenende nicht mehr FDP-Chef sein. Zumindest dann nicht, wenn man regelmäßig gelesen hat, was Deutschlands Politikjournalisten oft und gerne über ihn geschrieben haben. Spätestens zu einem bestimmten Termin, allerspätestens aber nach einer verlorenen Niedersachsen-Wahl werde sich die Partei ihres ungeliebten Chefs entledigen, hieß es. Dass die Niedersachsen-Wahl ein Desaster werden würde, stand dabei gar nicht zur Debatte, weil über Rösler ja schon lange der Journalisten-Daumen gesenkt wurde: Der kann es nicht, hieß es, zu nett, zu jung, zu unerfahren, ausgeliefert einer Meute erfahrener Politprofis, die in ihrer liberalen Schlangengrube dem Jungspund zeigen würden, wie echte Machtpolitik geht.  Die Textbausteine gingen dann in etwa so weiter: Nachfolger laufen sich bereits warm/Kubicki sägt schon/Brüderle schon  jetzt heimlicher Chef/Spätestens beim Parteitag im März. Die echten FDP-Defätisten, beispielsweise bei der SZ, wiesen dann auch gerne noch darauf hin, dass die Personaldecke der FDP dünn geworden sei, das sehe man spätestens jetzt, wo sich so richtig eigentlich niemand für die Nachfolge Röslers aufdrängen würde.

Das ist übrigens ein ganz besonders beliebter Politikjournalisten-Textbaustein: Partei ausgeblutet, nachdem Kohl/Schröder/Merkel/Westerwelle ihre jeweilige Partei ganz auf sich ausgerichtet hatten und niemand anderen neben sich duldeten. Bitte denken Sie aber daran, dass Sie bei der Verwendung dieses Textbausteins grundsätzlich irgendwo noch die Formulierung “Jetzt rächt sich…” verwenden müssen. Sie kann gerne beliebig oft mit der Variante “Jetzt zeigt sich, dass die Partei ausgeblutet ist” verwendet werden. Bei soviel ausgebluteten Parteien und Kanzlerwahlvereinen fange ich in meinem hohen Alter allmählich an mich zu wundern, dass es überhaupt noch Menschen gibt, die im Bundestag, in Parteitagen oder womöglich sogar auf Regierungsbänken sitzen. Weil schließlich in solchen Argumentationszwecken gerne der an den Schluss gesetzte Formulierungsbaustein kommt, dass es mit dem Nachwuchs der Partei irgendwie auch nicht weit her ist. Verwenden Sie bitte hierzu den Argumentationsbaustein, dass der/die Vorsitzende der JU/Jusos/Julis unlängst kritische Worte über den Parteichef verloren hat, dabei aber schnell abgebügelt wurde.

Komisch also, wenn man dann über das Wochenende mitverfolgt, was Berlins Politikbetrieb über die FDP und Rösler zu schreiben hatte: dass er schon ein cleveres Kerlchen sei, der Herr Vizekanzler, dass die FDP erstaunlich vital gewirkt habe (weil die Delegierten die eine oder andere überraschende Personalentscheidung getroffen haben) und dass, ja, was eigentlich? War da mal was? Stand heute ist also: Rösler sitzt fest im Sattel und der FDP geht´s gar nicht so schlecht, wie man annehmen hätte müssen, wenn man die letzten 12 Monate politische Berichterstattung in Deutschland gelesen hätte.

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Aber es ist ja nicht so, dass Deutschlands Politikjournalistenbetrieb nicht enorm wendelernfähig wäre. An dieses zauberhafte Pärchen erinnern wir uns ja alle noch, sofern wir keine Journalisten waren, die die fabelhaften Guttenbergs als Retter der imagemäßig darbenden Branche gesehen haben (und nein, da war der “Spiegel” keineswegs alleine). Heute will´s keiner gewesen sein, Guttenberg ist verbrannt, egal bei welcher Äußerung, die er tut und auf absehbare Zeit tun wird, er wird niedergeschrieben von denen, die in ihm vor gar nicht allzu langer Zeit noch den künftigen Kanzler sahen. Das klingt so ein bisschen wie verletzte Eitelkeit, dass es nun doch nicht so kam, wie man prophezeit hatte. Und die Tendenz mal eben schnell umdrehen, wie jetzt bei Rösler, das ging nicht, weil alle sahen, was zu offensichtlich war.

Aber das ist, zugegeben, nur ein besonders schrilles Beispiel aus der politischen Berichterstattung, die mir immer öfter vorkommt wie ein Wetterbericht: kann so kommen, muss aber nicht.  Kohl war vom ersten Tag an nur ein Übergangskanzler, Schröder in der ewigen Krise, Merkel nur ein Strohfeuer, wenn ich das alles richtig in Erinnerung habe. Dafür haben die drei (und viele andere) es ganz schön lange gemacht, so wie im Übrigen auch unser bayerischer Übergangsministerpräsident Seehofer, der sich in den letzten Jahren laut Politikjournalisten schon auf seinen Abgang vorbereitete, mittlerweile aber wie selbstverständlich wieder in die Nähe der absoluten Mehrheit geschrieben wird.

Ich habe mich in letzter Zeit öfter gefragt, warum ich immer seltener diese klassische politische Berichterstattung in Zeitungen, Fernsehen, Radio und Netz verfolge. Seit ich diese lustige Volte um den fröhlichen Vizekanzler mitbekommen habe, seit ich mit gewissem Amüsement lese, wie es noch nicht lange her ist, dass der “Spiegel” über einen ersten grünen Kanzler und viele andere über die unfassbar verändernde Wirkung eines Häufleins namens “Piraten” fabuliert haben, seitdem fällt es mir immer schwerer, mich für politische Berichterstattung zu interessieren. Höchstens aus anderem Blickwinkel: Wie lange wird es wohl dauern, dass die SPD ausgeblutet ist, Gabriel stürzen wird? Und die Union sich der Kanzlerin entledigen will, sich aber, das rächt sich jetzt, in einem Kanzlerwahlverein kein geeignetes Personal mehr findet?

Dann muss es Rösler machen, gemeinsam mit Vizekanzler Guttenberg, in der ersten FDP-Koalition mit Grünen und Piraten!

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Warten auf Startnext

4. März 2013 - 13:52 Uhr

Zugegeben: Wenn ich gewusst hätte…nun gut, bevor ich lamentiere, hier in der verknappten Version: Bei Startnext ist das Projekt Crowdfunding deshalb noch nicht an den Start gegangen, weil man dort u.a. ein Video haben möchte. Ich halte es zwar für absurd, einem Crowdfunder ein Video als Voraussetzung abzuverlangen, aber bitte sehr. Ich drehe dann mal und dann hoffe ich, dass die Resonanz von Startnext beim nächsten Mal etwas, hüstel, schneller kommt als beim letzten Mal. Da habe ich drei Tage gewartet. Nun gut, Fortsetzung folgt.

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Das Internet kann doch auch nix dafür!

4. März 2013 - 13:50 Uhr

Ich habe eine ganz Zeit nachgedacht, wo dieser Text besser hinpasst, der erklären soll, warum es unsinnig ist, das Netz für die Probleme der etablierten Medien verantwortlich machen zu wollen. Und warum so was wie dieses missratene Leistungsschutzrecht die Probleme auch nicht lösen wird. Ich habe mich dann für Cicero entschieden, der Text könnte aber genauso gut hier stehen. Wenn Sie ihn dennoch lesen mögen – bitte hier entlang.

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Universalcode 2: Es geht los – wenn ihr wollt!

25. Februar 2013 - 13:28 Uhr

Update: Ich war etwas zu schnell, das Projekt ist bei Startnext eingestellt, aber noch nicht freigegeben. Sobald das der Fall ist, steht das hier.

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So, jetzt ist es passiert: Die Idee für das hier im Blog beschriebene Buch ist in ein Crowdfunding-Projekt bei startnext.de gemündet. Der Arbeitstitel lautet “Universalcode 2″, aber mit allergrößter Wahrscheinlichkeit wird das Buch nicht so heißen.

Nächste Phase, das heißt: Bis zum 31.März läuft jetzt die Finanzierungsphase. Wenn wir 5000,- Euro zusamenbekommen (das ist das mindeste, was man für Druck & Vetrieb benötigt), dann geht die Arbeit am Buch sofort los. Wenn nicht, muss ich mir was anderes überlegen. Oder das Projekt scheitert, was ja auch eine Option sein kann, ohne dass deswegen die Welt untergeht. Aber es wäre natürlich toll, wenn ihr dabei seid, es gibt auch einige hübsche Dankeschöns.

Aber bevor es soweit ist – helft mir, nicht nur durch jede noch so kleine Unterstützung, sondern auch durch retweeten, liken, weiterverteilen. Mehr Infos dann ab sofort hier, bei Startnext, Facebook, Twitter, Google und eigentlich überall, wo es Netz gibt.

Und: Ein dickes Dankeschön schon jetzt an alle, die irgendwie mitmachen!

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Twitter, eine Liebe auf den vierten Blick

25. Februar 2013 - 11:48 Uhr

Es ist gerade mal die Kleinigkeit von vier Jahren her, da habe ich an dieser Stelle und an ganz vielen anderen auch verkündet, dass dieses “Twitter” eine ziemlich unnütze Modeerscheinung sei. Ich erinnere mich sogar an eine Textpassage, die ich mit ganz besonderem Stolz formuliert hatte: “Twitter” sei ein weiterer Beitrag zu mehr Geschwätzigkeit in einer ohnehin geschwätzigen Welt (toll, oder?). Ich hatte mir da meinen Account gerade angelegt und war auch Tage danach eher ratlos, was das jetzt bringen soll: 140 Zeichen, das ist für jemanden, der gerne auch mal Texte von 100facher Länge schreibt, so was wie die Höchststrafe.  Zumal es damals immer diesen Vergleich mit der SMS gab und ich SMS-schreiben damals schon nicht sonderlich gerne mochte. Die Zukunft des Journalismus besteht also demnach aus einer Aneinanderreihung von SMS-artigen Texten? Ich hielt das damals für den größtmöglichen Verwirrtheits-Exzess.

twitter

Heute, vier Jahre später, habe ich einen freundlichen Erinnerungstweet bekommen, seit nunmehr genau seit vier Jahren bei Twitter zu sein. In nackten Zahlen ausgedrückt hat sich mein Verhältnis zu Twitter, nun ja, etwas gebessert: Ich habe “Twitter” tatsächlich als etwas zu schätzen gelernt, was weitaus mehr ist, als das schnelle zeichenlimitierte Verströmen von Heißluft. Ich mag das schnelle und unmittelbare Interagieren, das nachrichtentickerartige meiner Timeline – und ja, auch das: Meine Timeline bringt mich immer wieder herzlich zum Lachen. Fußball schauen oder Fernsehen, das wird durch die Twitter-Timeline meistens erst so richtig unterhaltsam. Ich weiß nicht, wie viele sensationell lustige Tweets ich schon gelesen habe. Und nicht nur das: Meine Timeline hat mich auf viele gute Themen gebracht, hat mir Anregungen geliefert und mir ab und an auch mal gezeigt, wenn ich auf dem Holzweg bin.

Twitter ist für mich aber auch etwas anderes geworden: ein sicherer Indikator für Themen, für Dinge, die das Netz (ja, ich weiß, es gibt nicht das Netz)bewegen. So sehr mich die dauerhaft hohe Betriebstemperatur bei Twitter manchmal nervt, so sehr ich es nicht mag, wenn mal eben auf 140 Zeichen rumgebrüllt oder draufgeschlagen wird, so sehr weiß ich aber auch: Wenn heute Twitter darüber spricht, dann gibt es eine gute Chance, dass dieses Thema morgen auch in den restlichen digitalen und analogen Sphären eines sein wird. Twitter also als eine Art Frühwarnsystem; ein Wert, den man gerade für Journalisten gar nicht hoch genug einschätzen kann.

Inzwischen sind wir gute Freunde geworden, dieses Twitter und ich. Ich bin nicht süchtig danach und kann auch ganz prima ein paar Tage ohne dieses Ding leben. Spätestens dann aber würde ich dann doch anfangen, es zu vermissen. Selbst dann, wenn ich gar nicht arbeiten muss.

Alles übrigens, was ich ganz oben über Twitter mal gesagt habe, habe ich mir jetzt auch über “Vine” gedacht. Bin gespannt, ob ich in vier Jahren an dieser Stelle mal schreiben werde, wie großartig doch dieses Sechs-Sekunden-Videotool ist.

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Videoreporter: Das kann man so sehen

5. Februar 2013 - 11:24 Uhr

Videoportraits bekannter und bemerkenswerter Journalisten: Der Kollege Roman Mischel macht in Zusammenarbeit mit der ABZV derzeit ein Projekt, das ich Ihnen wärmstens ans Herz legen möchte.  Die Videos finden Sie auf einer eigenen Webseite, bei YouTube, Vimeo und natürlich auch auf unserer Universalcode-Seite. Anschauen, weitersagen!

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Der Niedergang eines Berufsstands (und eine Buchidee)

28. Januar 2013 - 22:43 Uhr

Vorwarnung: Ich möchte mal wieder ein Buch schreiben. Aus einer sehr spontanen Idee heraus, so wie damals bei “Universalcode”. Dazu bräuchte ich mal wieder Ihre und Eure Hilfe. Und ich bedanke und entschuldige mich zugleich bei Dirk von Gehlen, von dessen Idee ich mich inspirieren lasse. Man könnte auch sagen: von dem ich sie geklaut habe (sorry, Dirk). Was also soll das werden – und warum? Wenn Sie ein bisschen zuviel Zeit haben, dann erkläre ich Ihnen das auf den nachfolgenden gefühlten 50.000 Zeichen. Danke für Ihre Geduld.

***

Was ist eigentlich aus unserem Beruf geworden? Wieso empfehlen Professoren plötzlich, auf gar keinen Fall mehr Journalist zu werden? Warum beschreiben junge Journalistinnen ihre Entscheidung für diesen Beruf als eine gegen jegliche Vernunft? Wieso ist es anscheinend nicht mal mehr längere Diskussionen wert, wenn ein Beruf, der ja dann doch irgendeine kleine Bedeutung für eine Gesellschaft haben sollte, so bezahlt wird, dass man ihn nicht wegen, sondern trotz seiner Bezahlung ausübt?

Das alles ist mir in den letzten Tagen oft durch den Kopf gegangen und an die Geschichte von meinen Großeltern (ich erzählte sie hier bereits), die mir vor inzwischen beinahe 30 Jahren von Herzen zugeraten haben, diesen Job zu machen, muss ich immer wieder denken. Würden sie heute noch leben,wären sie wahrscheinlich entsetzt über meine Berufswahl – und würden sagen: Willst du dir das wirklich antun? Es ist also genau genommen gar keine Krise, in der sich Medien und Journalismus aktuell befinden. Davon könnte man nur sprechen, wenn es sich um ein vorübergehendes Phänomen handeln würde, das irgendwann wieder vorüber geht. Tatsächlich ist der Journalistenberuf seit 30 Jahren langsam, aber stetig im Niedergang. Möglicherweise nicht nur, was sein ohnedies nie überragend hohes Ansehen angeht. Sondern auch, ganz profan, was seine materielle Ausstattung anbelangt.

Eine andere Frage, die sich stellt: Was wird eigentlich aus einer Gesellschaft ohne Journalismus? Braucht sie ihn und uns vielleicht gar nicht mehr? Und falls doch, wie soll ein Journalismus funktionieren, der aus Tagelöhnern und Dazuverdienern besteht – oder bestenfalls aus Menschen, die eine Unmenge an Idealismus mitbringen, weil es anders gar nicht mehr geht? Müsste man also nicht langsam mal eine Entscheidung treffen – entweder, den Journalismus, wie wir ihn heute kennen, für verzichtbar zu erklären, oder aber für eine Renaissance zu sorgen, damit er seine ihm eigentlich zugedachten Aufgaben wieder ordentlich wahrnehmen kann?

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So viele Fragen – und womöglich warten Sie jetzt zurecht auf ein paar Antworten. Die ich natürlich auch nicht habe und wenn ich sie hätte, würden sie nicht in einen Blogbeitrag handelsüblicher Größe passen. Aber womöglich passen sie in ein Buch. Jawoll, Buch. Eines, in dem man sich mal mit sehr grundsätzlichen Überlegungen zu Medien und Journalismus befasst. Keines dieser kurzatmigen Bestandsaufnahme-Dinger, auch kein Handwerksbuch wie es “Universalcode” ist. Sondern eines, nach dessen Lektüre man (vielleicht) versteht, was das passiert ist in den letzten Jahren.  Wie der status quo jetzt ist. Und wie es weitergehen könnte. Ich würde gerne mit vielen Menschen sprechen, mit Journalisten, die noch mit Schreibmaschine und Filmentwickler gearbeitet haben. Mit Leuten, die seit ein paar Jahren dabei sind und jetzt mitten im Berufsleben stehen. Und natürlich mit solchen, die einsteigen wollen oder es gerade eben erst getan haben. Ich würde gerne mit Verlegern sprechen, mit Senderchefs und Chefredakteuren. Aber auch mit Lokaljournalisten, freien Mitarbeitern, mit jenen also, die jeden Tag irgendwo an der Basis den Betrieb am laufen halten. Und natürlich mit Politikern und Medienwissenschaftlern. Darüber, welche Rahmenbedingungen unseren Beruf in den nächsten Jahren erwarten könnten.

Und am Ende hätte ich gerne eine Antwort auf die beiden simplen Fragen: Was ist da überhaupt in den letzten Jahrzehnten? Und: Lohnt es sich wirklich nicht mehr, Zeit und Mühe und Begeisterung in diesen Beruf zu investieren?

***

Das geht natürlich nicht alleine. Das ging schon bei “Universalcode” nicht alleine. Und es wäre vermessen zu glauben, man könne all diese komplexen Fragen mal eben im Alleingang beantworten. Zumal es dem Verständnis, dass ich von Journalismus der Neuzeit habe, komplett widersprechen würde, wenn ich den Anspruch hätte, das alles alleine zu stemmen. Ich würde mich gerne nach guten Mitautoren umsehen. Ich würde natürlich gerne wieder den Entstehungsprozess möglichst transparent machen. So (und da kommen wir auf die Einleitung zurück) wie es Dirk von Gehlen bei seinem Projekt “Eine neue Version ist verfügbar” vormacht. Ich mag die Idee sehr, das Schreiben zu verflüssigen, Menschen teilhaben zu lassen, ihre Ideen und Anregungen mit einfließen zu lassen. Und ich bin sehr angetan von der Möglichkeit, sich als Autor aus den Abhängigkeiten von Verlagen und Unternehmen zu befreien. Deswegen würde ich das Buch, sofern es jemals Realität werden sollte, ähnlich wie Dirks ENVIV via Crowdfunding finanzieren lassen.

Finanzieren? Ja. Sehr nüchtern betrachtet wird eine Menge Arbeit dahinter stecken und auch ein gewisser Materialaufwand, der irgendwie bezahlt werden muss. Zum anderen: Es ist ja schlichtweg widersinnig, wenn man zum einen immer von neuen Erlösmodellen und Finanzierungsmöglichkeiten von Journalismus spricht, Kollegen dazu auffordert, auch mal eigene Wege zu gehen – und dann bei einem solchen Projekt solche gar nicht mehr so neuen Wege nicht versuchen würde. Das bedeutet im Umkehrschluss auch: Die Entscheidung, ob es ein Buch über den Niedergang und die hoffentliche Wiederauferstehung des Journalismus treffen Sie/trefft ihr. Wenn das Thema niemanden juckt, gibt’s kein Buch. Auch das gehört zu den neuen Realitäten des Journalismus, dass das Feedback sehr unmittelbar und manchmal auch ganz gnadenlos ausfällt.

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Liege ich also völlig falsch mit dieser Idee? Dann ignorieren Sie dieses Posting. Liege ich vielleicht doch halbwegs richtig? Keine Sorge, dann müssen Sie jetzt noch nichts bezahlen oder sich für irgendwas verpflichten. Sie würden mir mit Feedback sehr helfen, gerne in den Kommentaren oder an cjakubetz (ät) gmail (dot) com. Uns noch mehr helfen würden Sie mir, wenn Sie diese Idee weiterverbreiten, auf allen Kanälen, die wir inzwischen haben, ob das Twitter, Facebook, Google + oder Ihr eigenes Blog ist. Oder sogar ganz analog, mündlich, in Gespräch mit echten, lebenden Menschen. Vielleicht sind ja auch noch ein paar Journalisten darunter, solange es sie noch gibt.

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Wie geht man richtig aufs Klo?

28. Januar 2013 - 18:52 Uhr

Bevor es hier dann wenigstens so halbwegs ernsthaft weitergeht, wüsste ich gerne, wieso jemand bei Google die Suchanfrage “Wie geht man richtig aufs Klo?” stellt. Und warum er nach dieser Frage auf dieser kleinen Seite hier landet.

suchabfragen

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