Dieses doofe Publikum!

Wie kann man mit digitalem Journalismus Geld  verdienen? Sind Menschen, zumindest in Deutschland, überhaupt schon so weit, dass sie für digitale Inhalte Geld ausgeben? Geht dieser ominöse paid content?

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Die Journalistin und Gründerin Pauline Tillmann („Deine Korrespondentin“) sagt: nein. Die Zeit sei für so etwas in Deutschland noch nicht reif. Diese Aussage kann man angesichts von genau zehn Abonnenten, die das Korri-Portal bisher als Abonnenten unterstützen, vordergründig ganz gut verstehen. Dabei ist sie falsch, unsinnig – und in ihrem ganzen Absolutheitsanspruch leider so bezeichnend dafür, wie Journalisten das Thema „Geld für Inhalte“ immer noch sehen.

Das ist eine Grundhaltung, die gerne mal in einem solchen Klischee zusammengefasst wird: Die Zeit ist noch nicht reif. Die User wollen alles nur umsonst. Lauter so Kram halt. Kram,über den sich Journalisten ziemlich lustig gemacht haben, als die Musikindustrie vor einer Dekade plötzlich feststellen musste, dass die werte Kundschaft plötzlich das bisherige Angebot – take it or leave it – nur noch so mittelgut fand.

Damals wie heute herrscht ein eigenartiger Grundgedanke vor: Wenn der Kunde plötzlich etwas anderes wünscht als das bisherige Angebot – dann muss mit dem Kunden irgendwas nicht in Ordnung sein. Dabei greifen auch im Journalismus gerade nur die gängigen marktwirtschaftlichen Prinzipien: Das Angebot übersteigt die Nachfrage bei weitem, der Kunde hat plötzlich eine unglaublich große Auswahl dessen, für was er Geld ausgeben will.

Ausgerechnet die Krautreporter haben belegt, dass es nicht am Willen fehlt

Der User ist also nur ein Schmarotzer, einer der plötzlich nicht mehr bereit ist, unsere journalistischen Leistungen zu bezahlen? Möglicherweise einer, der einfach noch Zeit braucht, bis er diese Notwendigkeit des Bezahlens begreift? Diese ganze „Die-Zeit-ist-noch-nicht-reif“-Argumentation ist blanker Unsinn. Es hat inzwischen auch in Deutschland schon etliche Projekte gegeben, die das Gegenteil beweisen. Ausgerechnet die ansonsten leider wenig inspirierenden „Krautreporter“ haben doch vorgemacht, wie es anders geht – und dass User sehr wohl bezahlen, wenn sie von einem Produkt überzeugt sind.

Genau das ist allerdings das, was auf der einen Seite so einfach nachzuvollziehen ist und und dennoch die Sache schwer macht: Ein Produkt hinzubekommen, für das der User in Zeiten des wahnwitzigen Überangebots zu bezahlen bereit ist, ist so schwer wie noch nie. Ok, wenn hier steht „wie noch nie“, dann muss man das relativ sehen: Sonderlich schwer war es ja bisher nicht, Produkte zu machen, für die User Geld ausgegeben haben. Regionale Tageszeitungen beispielsweise: Ein  Produkt, das man in analogen  Zeigen mehr oder weniger haben musste, ob man nun wollte oder nicht. Wie überhaupt alles Gedruckte: Wer irgendwas lesen wollte, musste bisher zahlen, so einfach war das. Diese ziemlich entscheidende Grundvoraussetzung fällt nunmehr weg. Man kann den Rest seines Lebens jeden Tag ziemlich schlaue Sachen lesen, ohne einen Cent zu bezahlen. Theoretisch zumindest.

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Foto: Christian Jakubetz

Was zählt, ist das Produkt

Es ist also, um nochmal auf das Beispiel „Krautreporter“ zurückzukommen, sogar so, dass User uns einen ganz erheblichen Vertrauensvorschuss geben, wenn sie von einer Idee überzeugt sind. Aber tatsächlich muss man dann auch liefern. Oder zumindest eine Produktidee entwickeln, die wirklich überzeugt und durchdacht ist.

Regel Nummer eins dabei: Nur weil man selber etwas gut findet, muss es andere noch lange nicht interessieren. Ich habe mir „Deine Korrespondentin“ auch angeschaut, aber die Tatsache, dass ich kein zahlendes Mitglied bin, hat nichts damit zu tun, dass ich zu geizig bin oder die Zeichen der Zeit noch nicht ganz begriffen habe. Sondern nur damit, dass ich dort nichts gefunden habe, was mich wirklich dazu gebracht hätte, die Seite in meine Bookmarks aufzunehmen. Letztendlich also die selbe Problematik wie bei den Krautreportern.

Gut, ich bin nicht Zielgruppe, ganz und gar nicht. Ich hätte allerdings schon vorher die Prognose abgegeben, dass ein Portal, dessen Ziel es irgendwie ist, Frauen mit „kantigen Themen““sichtbarer“ zu machen, kaum über eine Zielgruppe verfügt, die sehr viel größer als die bisher zahlenden Mitglieder ist. So ist das nun mal mit Nischenthemen, mit eher unklar definierten noch dazu. Sieht man mal davon ab, dass alles, was auch nur im Ansatz eine Neuerfindung des Journalismus ankündigt, per se scheitern muss. Frag nach bei…ach, die hatten wir jetzt schon oft genug.

Jaja, der User ist gemein und manchmal lässt er sich nicht mal von Sachen überzeugen, die wirklich richtig gut gemacht sind. Das Wissensmagazin „Substanz“ beispielsweise hat seine Aktivitäten ebenfalls auf Eis legen müssen, zumindest vorläufig. Ich glaube nicht, dass die beiden Gründer Georg Dahm und Dennis Dilba großartig viele Fehler gemacht haben. Trotzdem muss man konstatieren: Bei jedem Produkt, das sich nicht ausreichend verkauft, haben das Produkt und der dahinter liegende Plan einen Fehler. Und wenn es nur der ist, dass man dachte, es gäbe ein Publikum, obwohl es anscheinend kein ausreichend großes gab.

Wir haben kein Journalismus-Problem. Sondern ein Finanzierungs-Problem.

Natürlich ändert das nichts daran, dass Journalismus finanziert werden muss. Und daran, dass diese Finanzierung schwierig geworden ist, auch nicht. Ich glaube nicht, dass wir ein ernsthaftes Journalismus-Problem in Deutschland haben. Es gibt natürlich etliche Sachen, die man nicht wirklich gut finden muss, aber eben auch hinreichend viele, die zeigen, was Journalismus  und Journalisten können. Ich habe bisher jedenfalls noch nie das Problem gehabt, zu wenig Lesestoff oder zu wenige Filme und Audiobeiträge zu haben, die ich gerne konsumieren würde. Eher im Gegenteil – selbst meine überschäumende Bereitschaft zum Medienkonsum kann nichts daran ändern, dass ich weniger lesen, schauen und hören kann als ich eigentlich möchte.

So schlecht, wie in unserer Filter Bubble ganze Heerscharen von Medienkritikern, Bloggern und Plattform-Gründer regelmäßig behaupten, kann es also um unser publizistisches Angebot nun auch wieder nicht bestellt sein.

Weswegen der auch von gestandenen Chefredakteuren immer wieder mantraartig vorgebrachte Satz, die Menschen müssten endlich verstehen, dass guter Journalismus etwas wert sei und folgerichtig auch koste, alles andere als richtig ist. Die Leute müssen gar nichts. Wenn hier jemand was muss, dann sind wir das. Wir müssen solche Inhalte schaffen, auf die Menschen selbst in diesem gigantischen Angebot des digitalen Zeitalters unbedingt haben wollen.

Schon klar, das ist sehr viel schwieriger in die Praxis umzusetzen als wie es sich hier mal eben hinschreibt. Aber es wäre zumindest ein erster Schritt, würde man damit aufhören, nicht funktionierende Produkte mit dem doofen Publikum zu begründen.

Die Nischenreporter

Man kann aus der erstem Jahr der „Krautreporter“ eine ganze Menge lernen. Vor allem eines: Die (Medien)Welt tickt womöglich doch nicht ganz so, wie wir sie uns in unserer digitalen Filterblase gerne mal vorstellen…

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Ich habe in den letzten Woche ein paar interessante Experimente unternommen – was deshalb relativ leicht möglich war, weil ich tatsächlich auch im Besitz von ein paar Freunden und Bekannten bin, die nicht zu diesem Zirkel gehören, in dem wir uns immer wieder selbst begegnen. Ich habe dann ein bisschen Namedropping gespielt. Sowohl mit Namen von Personen als auch von Medien, Blogs oder ähnlichem Kram, von dem wir gerne mal denken, sie seien der Nabel der Welt. Und ich habe sie wirklich alle durchgespielt. Häufigstes Ergebnis: Nie gehört. Das erdet, nebenbei bemerkt, ganz ungemein. Ich empfehle das sehr zur Nachahmung, vor allem dann, wenn man sich gerade auf einen potentiellen Höhenflug begibt.

Ein Name schaffte eine ganz besonders bemerkenswerte Quote: Krautreporter. Außerhalb meiner digitalen Filterbubble kam das Projekt auf einen Bekanntheitsgrad von Null. Genau null. Man mag einwenden, dass die Krautreporter ja nun auch ein vorwiegend digitales Projekt sind, die es nicht so sehr auf das „analoge“ Publikum abgesehen haben. Aber man sollte sich da im digitalen Hochmut nicht täuschen: Auch „analoge“ Menschen gehen inzwischen ganz passabel mit digitalen Techniken um. Meine Mutter beispielsweise hat sich letztes Weihnachten ein Tablet geleistet und freut sich mittlerweile wie Bolle über das gute Stück.

Und nun also kommen die Krautreporter mit ein paar neuen Zahlen daher, die den Schluss zulassen, dass sie es nicht nur außerhalb der Filterblase nicht geschafft haben zu begeistern. Auch das avisierte Stammpublikum wendet sich ab: Rund 5000 Abonnenten habe man noch, räumte Sebastian Esser jetzt ein. Was bedeutet: Rund zwei Drittel derer, die letztes Jahr das Projekt mitfinanziert haben, sind nach gerade mal einem Jahr wieder weg. Dass das keine zwangsläufige Entwicklung sein muss, zeigt ausgerechnet das niederländische Vorbild: Dort sind es inzwischen 33.000 Abonnenten, bei einer naturgemäß viel kleineren Zielgruppe.

Über die möglichen Ursachen dieses Scheiterns (das muss man wohl so nennen) ist viel geschrieben worden. Was im Einzelnen richtig oder falsch ist, mag ich hier nicht nochmal wiederkäuen. Aber zumindest eines sollten wir alle, die wir in dieser digitalen Filterblase leben, uns hinter die Löffel schreiben: Es kommt immer noch drauf an, Menschen gute Geschichten zu erzählen. Ob das dann was kostet, ob die Webseite gut oder schlecht programmiert ist, ob die Macher etwas großmäulig sind oder eher bescheiden – alles unwichtig, wenn man es schaffen würde, auf die Mindmap des Users zu kommen. Oder anders gesagt: relevant zu sein.

All das ist den Krautreportern nicht gelungen. Bevor ich mir den Vorwurf der Besserwisserei gefallen lassen muss: Ich weiß auch nicht, wie man das geschafft hätte. Nicht bei dieser Zielgruppe, nicht mit einem General-Interest-Angebot. Das Problem des Journalismus im Netz ist doch eben gerade nicht, dass zu wenige Geschichten erzählt werden. Es sind viel zu viele. Meine Leseliste ist so lang, dass ich vermutlich bis zu meinem Lebensende an dem Versuch scheitern werde, sie jemals abzuarbeiten. Auf meiner Liste stehe etliche ungelesene Bücher, mittlerweile leider auch schon nach gerade mal ein paar Wochen ein knappes Dutzend Geschichten bei Blendle, dazu ungesehene Filme, Serien und Dokus in erschreckender Zahl sowie rund 25 ungehörte Podcasts. Wenn mir also jemand sagt, er könne mir gerne ein paar Geschichten erzählen, winke ich mittlerweile eher ab als das ich freudig zustimme. Es müssten schon außergewöhnliche Geschichten sein, wenn man wirklich noch zu etwas Neuem bewegen will. Ob die etwas kosten oder nicht, spielt keine Rolle.

Genau das aber haben die Krautreporter im ersten Jahr nicht geschafft. Bei mir nicht, aber vermutlich auch im digitalen kollektiven Gedächtnis nicht. Eine wirklich herausragende Geschichte ist mir nicht in Erinnerung. Und irgendetwas, wofür die Krautreporter stehen, auch nicht. Außer vielleicht für gute Vorsätze.

Die Debatte darüber, ob Menschen für Inhalte zu zahlen bereit sind, führt speziell in diesem Fall zu nichts. Natürlich sind sie es. Bei den Krautreportern waren es nach deren eigener Aussage rund 18.000, die nicht einfach nur abonniert, sondern einen gewaltigen Vertrauensvorschuss gegeben haben. Wenn von denen dann zwei Drittel wieder abspringen, dann heißt das ja nicht, dass die alle plötzlich geizig der zahlungsunwillig geworden wären. Sondern das bedeutet in erster Linie, dass sie von den Geschichten, die sie für ihr Geld bekommen haben, nicht überzeugt waren. Anders lässt sich das kaum interpretieren. Ein Leserverlust von zwei Dritteln ist schlichtweg desaströs.

Man lernt aber auch noch anderes. Gerade wir in unserer Filterblase bilden uns ja tatsächlich gerne ein, dass der Journalismus in einem derart schlechten Zustand ist, wie es gerade die Krautreporter ja auch lauthals herausposaunt haben. Aber nur mal angenommen, dass das ein beträchtlicher Teil der Menschheit außerhalb der Blase gar nicht so empfindet? Dass möglicherweise diese ganzen alten Tanker ihren Job doch nicht so übel machen, wie wir es uns gerne mal einbilden? Dass eine Mehrheit der Leute mit dem, was sie jeden Tag zu sehen, hören und lesen bekommen, gar nicht mal so unzufrieden ist? Das wäre immerhin eine mögliche Erklärung dafür, warum sie das Projekt Krautreporter trotz eines verblüffend großen Airplay im vergangenen Jahr nicht wahrgenommen haben und dass ihnen unsere ganzen digitalen Helden eher unbekannt sind.

Aber nochmal, ein letztes Mal, zurück zu den Krautreportern. Spannend zu beobachten wird es jetzt nur noch sein, ob man als kleines Nischenangebot in der digitalen Filterbubble überleben kann. Mit 5000 Abonnenten, einer kleinen Genossenschaft, ein paar wenigen Autoren und einem vergleichsweise bescheidenen Etat. Dass es das Projekt doch noch in eine breite öffentliche Wahrnehmung schafft, glauben sie vermutlich nicht mal mehr selbst.

Substanz vs. Wumms: 0:1

Man sollte Beiträge nicht in leicht frustrierter Stimmung schreiben. Und wenn doch, dann sollte man möglicherweise seine Leser vorwarnen. Also: Das hier ist ein Beitrag, der in leicht frustrierter Stimmung geschrieben wird.

Vor gut einem Jahr habe ich auf dieser kleinen Seite etwas getan, was ich an sich nicht oft mache: unverhohlen für ein Projekt getrommelt, das aus einer ganzen Reihe von Gründen meine uneingeschränkte Sympathie gefunden hat. Das u.a. aus Crowdfunding heraus entstandene Magazin „Substanz“ von Georg Dahm und Dennis Dilba hatte als, was ich bis heute an den „Krautreportern“ vermisse. Es war ein mit Herzblut gemachtes Projekt, das immer auch im Angesicht des potentiell möglichen Scheiterns gemacht wurde. Es war ein Projekt von Machern, die zwar überaus ambitioniert, aber eben auch mit einer feinen, augenzwinkernden Ironie ausgestattet waren. Vom verkniffenen Ernst der „Krautreporter“ sind Dilba und Dahm jedenfalls  so weit entfernt wie die „Krautreporter“ von einer funktionierenden Technik. Über das fertige Produkt wage ich nicht rasend viel zu sagen, weil ich von Wissenschaftsjournalismus nicht sehr viel verstehe. Nur so viel: Es sah großartig aus und das, was ich gelesen habe, hat sogar mir blutigem Laien gefallen.

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Warum das alles hier in der Vergangenheitsform steht? Weil „Substanz“ auf Eis liegt. Vorläufig zumindest. Auf ihrer Seite schildern die Macher die Hintergründe, sprechen offen davon, dass sie das Projekt in seiner jetzigen Form an die Wand fahren würden und über die Suche nach einem möglichen neuen Geschäftsmodell.

Einigermaßen selbstkritisch räumen sie auch ein, nicht den nötigen „Marketing-Wumms“ geschafft zu haben (wer darin eine sanfte Stichelei in Richtung der „Krautreporter“ sehen will, liegt sicher nicht ganz verkehrt). Und genau das ist es, was mich in die beschriebene Fruststimmung  bringt. Weil hier ein wirklich vom ersten Tag an durchdachtes, ausgezeichnet gemachtes Projekt zu scheitern droht, weil man womöglich nicht laut genug war – während auf der anderen Seite die Großsprecher auch nach einem Jahr immer noch erzählen dürfen, dass man ja irgendwie immer noch in der Lernphase sei und deswegen jetzt nochmal Geld in Form einer Genossenschaft einsammeln will.

Ich würde „Substanz“ wirklich aufrichtig wünschen, dass es weitergeht. Auch deswegen, weil diese kleine, ambitionierte Truppe gezeigt hat, wie man 2015 ein richtig gutes Digital-Magazin macht. Ohne Brimborium, ohne Attitüde, sondern einfach nur mit auf seine essentiellen Stärken besonnenen Journalismus. Ob das reicht, bezweifle ich leider etwas – am Ende siegt womöglich doch der „Marketing-Wumms“.

Wenn das mal kein Grund ist, leicht frustrierte Beiträge zu schreiben.

 

Ernüchterungs-Zelle

Geht es mit den „Krautreportern“ irgendwie weiter? Keine Ahnung. Ist auch nicht wirklich wichtig. Weil neun Monate nach dem Start die große Ernüchterung eingekehrt ist und sich jetzt auch noch eines der Aushängeschilder öffentlich abwendet.

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Vergangenes Jahr habe ich hier einen Text veröffentlicht, für den ich so viel Prügel wie schon lange nicht mehr bekommen habe. Ich attestierte den „Krautreportern“ ein paar Tage vor dem Start, sie seien an sich selbst gescheitert. Was ein bisschen voreilig war, weil die zum Start benötigten Mitglieder dann doch noch irgendwie zusammen kamen. Trotzdem gab es von vielen Menschen herbe Kritik und am allererstaunlichsten waren die Reaktionen von denen, die den Appendix „Kritiker“ in die Berufsbezeichnung eingebaut haben: Stefan Niggemeier war jedenfalls so angefasst, dass er mich auf Facebook entfreundete. Wieder also was Spannendes gelernt: Wenn man Niggemeier-Projekte kritisiert, reagiert er souverän wie die Springer-Presseabteilung auf eine Bildblog-Anfrage. Aber das nur nebenbei.

Jetzt, rund ein Jahr danach, sind die „Krautreporter“ lange am Start und gehen in die nächste Phase – nämlich in die, in der sich entscheidet, ob und wie der Megahype des vergangenen Jahres fortgesetzt werden kann. Alleine die Tatsache, dass sich diese Frage überhaupt stellt, zeigt: So richtig überzeugend war das nicht, was die Krautreporter abgeliefert haben. Das ist die vorsichtige Formulierung. Die präzisere wäre: Die „Krautreporter“ haben bestenfalls gezeigt, dass es so schlecht um die anderen, von Ihnen im vergangenen Jahr so heftig angegangenen etablierten Medien nicht steht. Sie haben es gezeigt, weil sie ihr größtes Versprechen nicht gehalten haben: Sie haben nichts von dem „wieder hinbekommen“, was sie dem (Online-)Journalismus als Mängel unter die Nase gerieben hatten. Sie haben nichts, aber auch gar nichts besser gemacht.

Nach rund neun Monaten im Echtzeitbetrieb ist die Bilanz ernüchternd. Aus einer Reihe von Gründen.

Journalistisch betrachtet sind die „Krautreporter“ ein hübsches Beispiel für jedes Proseminar an einer Uni. Nämlich dann, wenn man die These belegen will, dass es die größere Kunst ist, präzise kurze als ausschweifend lange Texte zu schreiben. Und dass die Länge eines Textes über seine Qualität nichts sehr viel aussagt. Die „Krautreporter“ sind dabei einem Trugschluss erlegen: Sie glaubten, wenn man einer Reportage nur den ausreichenden Platz gibt, sei das schon eine Garantie für eine Art Mindestqualität. Tatsächlich findet man bei den „Krautreportern“ Texte in Längen, die etablierte Medien ihren Autoren kaum zugestehen. Alleine Niggemeiers erster Text über Ulfkottes unsägliches „Gekaufte Journalisten“-Machwerk hatte, wie mal jemand ausgerechnet hat, die Länge von ungefährt 17(!) Druckseiten im „Spiegel“. Ich habe keine Ahnung, ob es danach nochmal vergleichbar lange Texte gab, trotzdem habe ich gelernt: Aus einem langen Text wird ganz schnell ein langweiliger Text. Vor allem, wenn ihm die Substanz fehlt. Ich habe mich wohlwollend durch etliche lange Texte gequält und am Ende festgestellt, dass man von ihnen nur eines sagen kann: Sie sind lang. Reportagen wie sie die Großen der Branche schreiben, Texte in der Güteklasse Gertz oder Schnibben, habe ich dort nicht entdeckt. Nun kann nicht jeder gleich ein Gertz sein, aber wenn man den Anspruch hat, dass „Journalisten aus den besten Redaktionen Deutschlands“ ein Magazin machen, dann erwartet man schon ein bissel was. Viele Texte lagen auf dem Level bemühter und talentierter Journalisten-Schüler.

Thematisch ist genau das eingetreten, was ich befürchtet hatte: Wenn jeder schreibt, worauf er gerade Bock hat, kommt ein kaum verträglicher Mix an irgendwelchen Geschichten raus.  Man fand dann bei den „Krautreportern“ innerhalb kürzester Zeit Geschichten über die Qualität der Marschverpflegung der chinesischen Armee, über das Leben von Prostituierten in Südafrika und überhaupt über ganz viele Dinge aus Regionen, bei denen sich die Redaktion offenbar zum Maßstab genommen hatte: je weiter weg, desto besser. Aus Deutschland kam und kommt vergleichsweise wenig und wenn was kommt, dann Geschichten von Theresa Bäuerlein, die sich mit allem auseinandersetzen, was irgendwie mit der weiblichen Sicht auf Sex und Porno zu tun hat. An manchen Tagen sahen die „Krautreporter“ aus wie eine bizarre Mischung aus „Neon“ und „Geo“, nur nicht so gut. Wirklich packende Geschichten: nach neun Monaten an einer Hand abzuzählen. Zudem brachten beispielsweise Christoph Koch und Tilo Jung lediglich Formate mit, die sie bereits anderswo entwickelt hatten. Innovativ wirkt das nicht.

Personell haben die Krautreporter ihr nächstes Problem. Um eine alte Fußballer-Binse zu bemühen: Elf gute Einzelspieler machen noch kein Team. Bei den „Krautreportern“ zeigte sich das ziemlich schnell: Richard Gutjahr machte nach zwei Geschichten Schluss, Niggemeiers Anfangselan erlahmte auch vergleichsweise schnell. Und als der Fifa-Skandal gerade auf seinen Höhepunkt zutrieb, las man von Jens Weinreich ziemlich viel, allerdings kaum etwas davon bei den „Krautreportern“. Genau dieses Problem hatte ich ebenfalls im vergangenen Jahr benannt: Wo ist der Reiz der „Krautreporter“, wenn die bekanntesten Autoren dort nur Zweitverwertung betreiben bzw. ihren Schwerpunkt nach wie vor auf ihre bisherigen Auftraggeber legen? Das mag aus Sicht dieser Autoren nachvollziehbar sein, für das Projekt ist es aber hochgradig schädlich.  Am Ende waren dann auch fast alle wirklich prominenten Autoren weg. Die Tilo-Jung-Geschichte habe ich immer für aufgeblasen gehalten, aber dass die „Krautreporter“ auch bei dieser Causa keine sehr glückliche Figur gemacht haben, hat dem Projekt ebenfalls nicht gerade gut getan.

Formal hatte ich etwas Neues erwartet. Experimente, die über das Verfassen sehr, sehr langer Texte hinaus gehen. Bei diesem Thema waren die „Krautreporter“ für mich die größte Enttäuschung. Da kommt von etablierten Redaktionen wie „Süddeutsche.de“ und „Zeit Online“ weitaus mehr an Innovation und Experimentierfreude. Schon klar, größerer Stab, mehr Geld und so. Aber da ist sie halt wieder, die Sache mit dem Anspruch. Wenn man sich als Retter des Onlinejournalismus aufspielt, ist die Fallhöhe brutal. Aber auch ohne diese Fallhöhe muss man feststellen: Was neue Formate und Ideen für den Onlinejournalismus angeht, sind von den „Krautreportern“ im vergangenen Jahr de facto keine Impulse gekommen.

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Quantitativ sind die „Krautreporter“ von ihrem einstmals verkündeten Anspruch weit entfernt. Von drei bis vier neuen Geschichten pro Tag war am Anfang die Rede. Das habe ich schon immer für ein sehr sportliches Ziel gehalten. Aber auch hier gilt: die Fallhöhe war selbstgemacht. Inzwischen bringen es die „Krautreporter“ an vielen Tagen nur noch auf eine Geschichte am Tag, rechnet man die Rubriken wie „Morgenpost“ nicht dazu. Natürlich, die „Krautreporter“ wollten nie eine Nachrichten-Seite sein und sich hektisch an der dpa-Agenda abarbeiten. Aber wenn man in nachrichtenintensiven Zeiten wie diesen so wie heute nur eine Geschichte hat, die sich darum dreht, dass der russische Journalist Konstantin Goldenzweig aus Rjasan seinen Job verlor, weil er sich despektierlich über Putin äußerte, dann muss dem Projekt KR schon sehr wohlgesonnen sein, um das akzeptieren zu können. Man liest dann tatsächlich den halben Lebenslauf von Konstantin Goldenzweig und wundert sich auch nicht, dass es die Geschichte bisher nur auf zwei Kommentare gebracht hat.

Ich habe keine Ahnung, wie es mit den „Krautreportern“ weitergeht. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr gebe ich diesmal keine Prognose ab. Aber nach allen bisherigen Äußerungen von Sebastian Esser zu schließen, wissen sie wohl selbst, dass es so wie bisher nicht weitergehen wird. 18.000 Abonnenten hatten sie eingesammelt, jetzt wären sie froh, wenn ihnen die für das Überleben wohl dringend nötigen 6.000 bleiben. Wenn man allerdings am Ende des ersten Jahres glücklich ist, wenn ein Drittel der Abonnenten bleibt – nun, wie würden wir das wohl bewerten, wenn wir von einem Projekt von „Spiegel“ oder Gruner&Jahr oder Burda reden würden?

Aus meiner Sicht sind die „Krautreporter“ in die Belanglosigkeit geraten. Das Projekt tut niemandem weh, es sorgt nicht für Debatten, es setzt keine Akzente. Weder formal noch inhaltlich. Dass die Bilanz nach neun Monaten derart ernüchternd ausfällt, hätte man nicht gedacht.

Nicht mal ich.

Jung und therapiert

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Tilo Jung wird gerade öffentlich gesteinigt. Während ein anderer Krautreporter einen Nebenjob beim Bundespresseamt hat. Das weckt langsam Zweifel daran, ob nicht die Hysterie die vernünftige Debatte im Netz verdrängt.

Gerade eben stelle ich mir vor, wie Tilo Jung zerknirscht in einer Ecke sitzt. Er sucht seine blinden Flecken, geht in sich, arbeitet an sich und seinen Schwächen und sucht in der Zwischenzeit nach der Telefonnummer eines guten Therapeuten, der ihm erklärt, warum er sich immer so garstig verhält. Und wie er das ändern kann. Einmal in der Woche wird er in die Teamsitzung bei den Krautreportern einbestellt und berichtet von seinen Fortschritten. Demnächst dann trifft sich die Wiedereinstellungs-Kommission, bei der ausgewählte Krautreporter gemeinsam mit Juliane Leopold und Anne Wiezorek entscheiden, ob Jung jetzt weitermachen darf als richtiger Krautreporter oder doch nicht.

Der Fall Tilo Jung also, ein wunderbares Exempel dafür, wie hysterisch zum einen das Netz tickt, welche erstaunlichen Prioritäten dort gerne gesetzt werden. Und wie diese ganze Geschichte mit den Krautreportern gerade auf dem schlechtesten Weg ist, zu einem eher unschönen Ende zu kommen. Vielleicht oder gerade weil sich dort viele Protagonisten aus einer Szene treffen, die gerade ein kleines bisschen hyperventiliert und das auch zum Lebensmotto erkoren hat. Zumindest wundert mich nichts mehr in einem Metier, in dem ein #Aufschrei mit einem Grimme Online Award honoriert wird. Aufschreie mögen ja schön und gut sein, aber sie sind eben auch laut und schrill und verstellen gerne mal den Blick auf das Wesentliche. Wie das halt so ist, wenn man schreit statt mal in Ruhe nachzudenken.

***

Und weil das so ist, kommt hier erstmal mittendrin der freundliche Hinweis: Ich fand Tilo Jungs umstrittenen Instagram-Post nicht sonderlich lustig. Eigentlich gar nicht. So richtig anspringen wollte meine persönliche Empörungsmaschine aber trotzdem nicht. Es gibt zu viel Unsinn auf der Welt und im Netz, als dass ich jedesmal die Betriebstemperatur eines Kernkraftwerks erreichen könnte, wenn ich einen solchen Unsinn sehe. Dazu sind mir meine Zeit und meine Gesundheit zu schade. Es gibt Dinge, die muss man einfach an sich vorbei treiben lassen. Aber bevor mich jetzt jemand für einen versteckten oder auch offenen Sexisten hält: Die Tatsache, dass ich mich nicht über jede Dummheit öffentlich echauffiere, bedeutet natürlich nicht, dass ich sie goutiere. Punkt, Ende der Durchsage.

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Jung also steht auch Tage nach dem missratenen Posting immer noch am Pranger. Er entschuldigt sich, die Krautreporter distanzieren sich so halbwegs von ihm, das corpus delicti ist gelöscht. Trotzdem hat es dieser Unsinns-Post in nahezu jeden Mediendienst dieses Landes geschafft und nach wie vor wird debattiert, als wenn die Grundsatzfrage zu klären wäre, ob Jung jemals auch nur einen einzigen Satz wird publizieren dürfen. Das ist ein bisschen viel der Aufregung um ein Posting, das man, wie gesagt, nicht mögen muss. Der wie immer stoisch unaufgeregte und kluge Felix Schwenzel hat im Übrigen den einzig treffenden Satz zum Thema Jung und die Krautreporter geschrieben: „Tilo Jung scheint den Krautreportern massiv zu schaden. Übrigens war das schon vor dem Start der Krautreporter so.“ Soll heißen: Man muss Jung und seine Formate nicht mögen (ich tue es auch nicht).  Und wer, wie Felix Schwenzel, Jungs Arbeit nicht durch seine Abo-Gelder unterstützen will, hat dazu natürlich jedes Recht. Aber ein einziger, noch dazu privat abgesetzter Post ist ein bisschen dünn als Begründung dafür, einen Journalisten und seine Arbeit tagelang öffentlich zu diskreditieren.

Bezeichnend für die netztypische Hysterie zum einen und die Probleme, die auf die Krautreporter zukommen zum anderen, ist etwas anderes: Während also die Gemeinde ernsthaft darüber diskutiert, wie sexistisch der Privatmann Tilo Jung womöglich sein könnte, geht eine andere Geschichte fast unter: Bei den „Krautreportern“ schreibt ein Autor über Politik, der im Nebenberuf für das Bundespresseamt arbeitet. Chefredakteur Alexander von Streit hat das inzwischen ausführlich erklärt, was auf der einen Seite natürlich löblich, auf der anderen Seite auch erstaunlich naiv ist: „Unsere Einschätzung war, dass dies die journalistische Unabhängigkeit nicht beeinträchtigt, solange beide Tätigkeiten thematisch getrennt bleiben.“ Jemand, der sich intensiv mit politischen Themen beschäftigt und auf der anderen Seite für das Bundespresseamt tätig ist, ist in seiner journalistischen Unabhängigkeit nicht beeinträchtigt? Dass das mindestens problematisch ist, müsste eigentlich generell klar sein, zumal bei einem Portal, das immer wieder mit seiner Unabhängigkeit pocht und deshalb sogar auf die böse, böse Werbung verzichtet.

Und während also weiter darüber debattiert wird, ob man Tilo Jung nicht gleich noch alle Bürgerrechte aberkennen und ihn zwangshormonell behandeln sollte, schreibt ein Mitarbeiter des Bundespresseamtes also weiter über Politik bei den Krautreportern. Das kann man natürlich begründen und der Chefredakteur hat das auch getan. (Hinweis: Tatsächlich schreibt der betreffende Krautreporter ab sofort so lange nicht mehr für das Portal, solange er die Tätigkeit beim BPA ausübt. Mein Fehler, sorry.)

Trotzdem: Ob unsere Netzdebatten über die Zukunft des Journalismus auch nur halbwegs in die richtige Richtung gehen, frage ich mich nach den letzten Tagen mehr denn je.

Crossmedia ist tot

2015 kommt – und damit das Jahr, in dem die neue digitale Medienwelt endgültig Gestalt annimmt. 5 Thesen, wie man sich dort am besten positioniert.

1.Vergesst Crossmedia!

Irgendwie ist es ja schon lustig, wie das in der Branche läuft mit diesem Internet: Irgendwann ploppen ein paar Schlagworte auf, die dann liebevoll adaptiert und fortan in ungefähr jeder  Diskussion verwendet werden. „Crossmedia“ ist so eines. Es existiert zwar schon einige Jahre, trotzdem scheut sich selbst ein WDR-Intendant nicht, der „Zeit“ im Jahr 2014 ernsthaft zu erzählen, die Zukunft der gesamten Branche sei irgendwie „crossmedial“. Dem kann man natürlich nicht so richtig widersprechen. Besonders treffend ist es dennoch nicht. Weil „Crossmedia“ ja erst einmal nur eines ist: Inhalte auf zwei Kanälen auszuspielen, so dass sie sinnvoll und ergänzend miteinander verknüpft sind. Das heißt aber auch: Das eine setzt das andere voraus. Genau das ist es aber nicht, was sich aus den Entwicklungen insbesondere der letzten beiden Jahre ablesen lässt. Im Gegenteil: Angesichts der Zersplitterung in viele verschiedene Kanäle, die Nutzer inzwischen nun mal einfach frequentieren, ist es weitaus vernünftiger, erst einmal jeden Kanal einzeln zu betrachten. Das mag verwirrend klingen, weil es das pure Gegenteil von dem ist, was über Jahre hinweg postuliert wurde (Offenlegung: teilweise auch von mir). Tatsächlich aber hat das bisherige „crossmediale“ Denken zur Folge, dass zwar unterschiedliche Kanäle bestückt werden, dies aber meistens dann doch nur in der mehr oder weniger deutlich ausgesprochenen Aufforderung landet, man möge doch am Ende bitte wieder zum eigentlichen „Hauptkanal“ zurück kehren. Natürlich kann es sinnvoll sein, beispielsweise eine Geschichte im Blatt mit einem Video auf der Webseite zu verbinden. Wenn sich die Idee aber alleine darin erschöpft, dann wäre es am Ende eben doch nur Zeitung (oder TV/Radio) mit ein bisschen Internet hintendran. Eine zukunftsfähige Strategie ist das aber noch lange nicht.

Und wenn wir schon dabei sind: Spätestens, seit es Wolfgang Blau bei der „Besser Online“-Tagung gesagt hat, ist das gottlob kein Sakrileg mehr: Online und Print/TV/Radio gehören nicht zwingend zusammen. Gemeinsam strategisch denken, das ist das eine. Alle zusammenwerfen, um dann Dinge zu machen, die man nur so mittelgut kann, ist das andere. Es gilt ja schon seit Jahren als common sense, dass Journalisten ungefähr alles können müssen. Das ist Unsinn, weil das niemand kann. Man muss das jeweils andere Medium begreifen, sicher. Man muss aufhören, nur an sich selbst und den eigenen Kanal zu denken, auch das ist klar.  Und wenn sich jemand findet, der für den jeweils anderen auch noch mitproduzieren kann, wunderbar. Ansonsten: Verabschiedet euch endlich von der Wunschvorstellung, dass jeder alles kann und es für jeden Beitrag noch irgendwas anderes gibt, was man anderswo ergänzend publizieren kann. Anders gesagt: Vergesst endlich die Crossmedia-Doktrin der letzten Jahre. Hübsches Schlagwort, das irgendwann aber zu Totschlagwort geworden ist.

2. Fahrt auf Sicht!

In Bamberg und in Heilbronn versuchen sie es jetzt mal mit „WhatsApp“. Wenn gefühlt die ganze Welt über dieses Ding kommuniziert, dann müsste es doch möglich sein, auch als Zeitungshaus dort ein paar Inhalte unterzubringen. Mit der Idee sind sie dort nicht ganz alleine, im Sommer hatten bereits BBC und SF mit solchen Experimenten begonnen – und auch ein renommiertes Blatt wie der „Standard“ in Wien hat inzwischen seinen eigenen Channel für den weltweit beliebtesten Messenger.

Das klingt erst einmal plausibel. Auch bei einem Netzwerk wie „Facebook“, originär sicher kein journalistisches Medium, würde heute kein vernünftiger Mensch mehr abstreiten, dass es für Medien sinnvoll ist, dort irgendwie präsent zu sein. Kein Mensch weiß, ob das funktionieren wird. Wie auch, so ganz ohne Erfahrungswerte. Es gibt gute Gründe, die dafür sprechen, dass man Menschen auf Messengern gut mit journalistischen Inhalten erreichen kann. Dummerweise gibt es aber auch genauso gute Gründe, die dagegen sprechen. Ohne den Versuch also werden wir es nie wissen. Kann sein, dass wir in ein paar Jahren über diese Schnapsidee lachen.

Aber so ist das nun mal in unserer digitalen Medienwelt. Und es ist schon immer so gewesen: Prognosen haben das Problem,  nur Prognosen zu sein. Die Weltgeschichte ist voll von legendären Falschprognosen. Man denke an die fehlenden Perspektiven für das Auto: „Die Zukunft ist das Pferd“, hat der damalige Kaiser gesagt. Oder an den schönen Satz, mehr als 640 KB Speicherplatz werde ein Mensch niemals in seinem Leben benötigen. Das Schöne wiederum ist, dass Bill Gates trotz dieser kapitalen Fehleinschätzung ein sehr reicher Mann geworden ist (also, zumindest für Gates ist das schön).

Speziell in den sich zunehmend mehr selbst beschleunigenden Entwicklungen der digitalen Welt könnte man vermutlich ein ganzes Kompendium von Fehleinschätzungen zusammenstellen und meine eigenen will ich da gar nicht ausnehmen, bevor mich jemand darauf hinweist: Ich hielt Twitter beispielsweise für komplett überflüssig und das iPhone für ein nettes Luxus-Spielzeug. Lernen kann man daraus zumindest,  nichts kategorisch auszuschließen und dabei dennoch ins Kalkül zu ziehen, mit neuen Ideen und Projekten jederzeit grandios scheitern zu können. Und dass es momentan nicht sonderlich sinnvoll ist, auf langfristige Strategien zu setzen.  Aufbauen und ggf. schnell wieder verwerfen – das ist zwar der Albtraum für Manager und Unternehmensberater, trotzdem aber kaum anders machbar.

Was die diversen „WhatsApp“-Projekte angeht, bin ich übrigens unentschieden. Weswegen ich es für eine ziemlich gute Idee halte, was die Kollegen da machen, u.a. in Bamberg und in Heilbronn: ausprobieren. Wer hinterher tönt, er habe es ja gleich gewusst (egal was), muss sich sagen lassen, bestenfalls ein risikoscheuer Wichtsack zu sein.

3.Lernt Euer Publikum kennen!

Den Seufzer kennt jeder, der schon etwas länger im Geschäft ist: Wenn wir doch bloß wüssten, was der Leser/Hörer/Zuschauer will! In den analogen Tagen, in denen man bestenfalls Quoten und Auflagen ein wenig analysieren konnte, war dieser Seufzer gerechtfertigt. Er war aber, nebenbei bemerkt, auch eine sehr kommode Ausrede: Wenn man mal wieder am Leser vorbeischrieb, konnte man darauf verweisen, dass man es eben nicht so genau weiß, was dieses Fabelwesen eigentlich will.

Ein solcher Seufzer zieht heute nicht mehr. Weil uns das Publikum jeden Tag auf sehr vielfältige Weise sagt, was er will. Gut, nicht immer so direkt. Aber es gibt mittlerweile ausreichend viele Möglichkeiten, zu den richtigen Rückschlüssen zu kommen. Man muss den Nutzer ja nicht gleich komplett gläsern machen, aber im Netzzeitalter lassen sich alleine aus dem Nutzerverhalten ganz andere Erkenntnisse als früher gewinnen.

Und man kann noch was ganz anderes machen: seine Nutzer fragen. Mit ihnen interagieren, kommunizieren. Weil soziale Netze und Kommentarfunktionen mehr sein könnten als reine Linkschleudern. Das mag banal klingen, muss man aber trotzdem so deutlich hinschreiben. Ich bin jetzt seit einem knappen Jahrzehnt immer wieder mal als Berater unterwegs – und es ist immer noch eine für mich verblüffende Feststellung: Über das Produkt wird in vielen Häusern präzise nachgedacht. Über die Leute, die es kaufen sollen, eher weniger. Fatal in einem Zeitalter, in dem sich ja nicht nur die Medien radikal wandeln. Sondern auch deren Nutzung.

Bevor das beliebte Totschlagargument kommt, man könne doch unmöglich ein Produkt nach Publikumswünschen machen, weil dabei nur Quatsch rauskommt: „Netflix“ hat das mal gemacht. Zahlen und Daten ausgewertet. Geschaut, was die User wohl gerne sehen könnten. Als man das dann wusste, hat man eine Serie in Auftrag gegeben. Weil die Leute Kevin Spacey mochten und gerne Drama-Serien zum Thema Politik und Gesellschaft sehen, hat man sich für eine Serie mit Kevin Spacey zum Thema „Politik“ entschieden. Herausgekommen ist „House of Cards“.

Nicht das schlechteste Argument dafür, sich mehr mit seinen Usern zu beschäftigen.

4. Macht aus Eurem Publikum eine Community!

Bei den „Krautreportern“ kann man alle Beiträge lesen, ohne dafür zu bezahlen. Trotzdem bezahlen Menschen für dieses Angebot. Weil sie Mitglied einer Community sein wollen. Das ist die vermutlich spannendste Erkenntnis aus dem Crowdfunding-Projekt, das irgendwann mal in der Gründung dieser Seite endete. Abonnenten der „Wired“ sind inzwischen auch nicht mehr einfach Abonnenten, sondern Member. Ein ähnlicher Gedanke wie er sich auch beim „Guardian“ durchgesetzt hat. Was ja auch naheliegend ist: Journalismus und Medien sind schon lange nicht mehr die Grundversorger von Information. Information gibt es in einem nie gekannten Überfluss. Was Journalismus also inzwischen schon heute und künftig noch viel mehr ist: der Welterklärer auf der einen und der Positionsbezieher auf der anderen Seite. Weil jede Community eine ist, in der Menschen ein paar Werte und Haltungen miteinander teilen und sie sich in ihren Haltungen tendenziell lieber bestätigt denn erschüttert sehen.

Wer also die „Wired“ liest, wird vermutlich eher zu der Kategorie der technikbegeisterten  Kulturoptimisten gehören und damit vermutlich das glatte Gegenteil eines FAZ-Lesers sein. Beide haben ihre Berechtigung und beide brauchen ihre journalistische Heimat. Dieses Lebensgefühl der journalistischen Heimat wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verstärken – und auch an strategischer Bedeutung gewinnen. Gebt den Menschen eine Heimat und eine Community, statt sie mit Informationen zu überladen – so ließe sich ein publizistischer Auftrag für die Zukunft formulieren.

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Sagt da jemand gerade was von Filter Bubble? Natürlich. Aber es wäre naiv zu glauben, dass wir vorher nicht schon auch in einer solchen Blase gelebt hätten. Die Welt, die der „Spiegel“ seinen Lesern schildert, ist schon seit ungefähr 50 Jahren eine fundamental andere als die, die der FAZ-Leser vermittelt bekommt. Durch das Netz wird womöglich sogar die Notwendigkeit einer bubble größer. Nicht mal mehr der schlaueste Kopf ist noch in der Lage wirklich zu überblicken, was gerade alles in der Welt passiert. Dann lieber eine ordentliche Blase. Aus der kann man ja trotzdem mal nach draußen schauen.

Daraus resultiert aber auch anderes: Medien, deren Prinzip es ist, für alles und jeden ein bisschen was zu bieten, werden es zunehmend schwerer haben. Tageszeitungen beispielsweise, die gute alte „Illustrierte“ oder auch die vermeintlich großen Fernsehsender. Ihre Idee hatte ihre Berechtigung, die aber zunehmend mehr aus der Zeit fällt. Der Gedanke, einen ganzen Abend lang vor dem Fernseher zu sitzen, ist zunehmend absurd, wenn man das, was man wirklich sehen will, ganz woanders und viel einfacher bekommt. Im übertragenen Sinn gilt das ebenso für all die anderen „Wundertüten“, wie Henri Nennen mal seinen „Stern“ nannte“. Wundertüten haben – im metaphorischen Sinne – in der Zeit des Mangels funktioniert. Wer heute einem 10jährigen aus dem Supermarkt eine „Wundertüte“ mitbringen würde (wenn es denn noch welche gäbe), würde wahrscheinlich erstaunte Blicke ernten – und die Frage: Was soll das? Diese Frage muss man sich auch bei einem publizistischen Prinzip stellen, das jede Menge Zeug anbietet in der Hoffnung, dass man das eine oder andere davon interessant finden könnte. Wenn nebenan doch gleich die nächste Community ist, von der man verlässlich weiß, was man dort bekommt. Und wo man zudem auch noch gleich Menschen findet, die ähnliche Interessen und Werte haben.

Nebenbei bemerkt: Das wäre eigentlich alles keine ganz neue Erkenntnis. Lokaljournalismus ist immer schon auch ein Stück Community-Journalismus gewesen. Das gleiche Interesse ist die die gemeinsame Heimat – die außerhalb dieser Heimat in sehr vielen Fällen keinen anderen Menschen interessiert. Und nein, liebe Marketing-Manager: Zielgruppe und Community sind nicht dasselbe.

5. Entbündelte Inhalte, gebündelte Vermarktung

Meine beiden pubertierenden Töchter treiben sich bevorzugt auf Instagram rum. Da bin ich ab und an auch. Unser Verständnis von Instagram ist allerdings ein anderes. Ich sehe es immer noch als hübsche Foto-Plattform, für meine beiden Damen ist es eher ein Kommunikations-Tool.

Dafür können sie Twitter nichts abgewinnen. Ich schon.

Soll heißen: Es ist ein Irrglaube, wenn man meint, man könne im digitalen Zeitalter noch alle (oder wenigstens sehr viele) um das gleiche Lagerfeuer versammeln. Das letzte große TV-Lagerfeuer wird am Samstag gelöscht und nicht mal mehr die Kids lesen heute noch alle brav ihre „Bravo“. Man wird also, um in der Metapher zu bleiben, nicht daran vorbeikommen, viele kleinere Lagerfeuer zu entzünden, an denen sich versammelt, wer sich dort eben versammeln mag. Und das, ohne das Ziel zu haben, dass sie am Ende doch wieder zu dem einen großen Lagerfeuer kommen.

Konkret: Man erlebt noch viel zu häufig, dass beispielsweise Social-Media-Kanäle ausschließlich zu dem Ziel bespielt werden, irgendwann alle wieder zum „Muttermedium“ zu holen. Das kann, muss aber nicht der Effekt sein. Es geht vielmehr darum, eine Marke auf möglichst vielen Kanälen zu etablieren.

Aber man verdient doch mit Twitter oder Facebook kein Geld? Oder mit irgendwelchen kleinen Apps? Das mag in der einzelnen Betrachtung schon richtig sein. Geld verdient wird mit der Marke. Was letztlich zu einem scheinbaren Paradox führt: Man entbündelt seine Inhalte, um die Marke dann wieder gebündelt zu vermarkten.

Eine gute Marke und eine lebende Community – so müsste Journalismus funktionieren, wenn er auch ökonomisch überleben will.

 

Hoffnungsschimmer und Trümmer

Düstere Tage im Journalismus? Wer genau hinschaut, stellt fest: Neben rauchenden Trümmern gibt es auch einige Projekte, die den Glauben an eine Zukunft in den Medien zurückgeben.

Man könnte ein wenig verzweifeln an der Branche in diesen Monaten: Bei Gruner&Jahr gibt es seit Monaten Nachrichten, die man sich nur mit viel gutem Willen und einer fähigen PR-Abteilung schönreden kann. Beim „Spiegel“ läuft eine absurde Vorstellung aus der beliebten Reihe „Selbstzerfleischung“, bei anderen Blättern irgendwo in Deutschland gehören Entlassungen, Kürzungen und Schließungen ganzer Redaktionen zum Alltag. Man zuckt nochmal kurz zusammen, das war´s. Soll man da wirklich noch Spaß an seinem Job haben – oder womöglich sogar jungen Kollegen empfehlen, sich weiter mit einem lauten Hurra in den Journalismus zu stürzen?

Medien 2014, das ist aber auch das: Zwei Journalisten starten auf eigene Faust ein ambitioniertes Wissenschafts-Magazin (siehe auch die Geschichte drüben beim „Universalcode“). Das „correctiv“ etabliert sich als hoch spannendes Investigativ-und Rechercheprojekt. Die „Krautreporter“ haben rund eine Million Euro für ihr Reportage-Magazin eingesammelt. Und natürlich gibt es immer noch die ganzen Selfmade-Menschen, die sich im Netz als eigene Journalistenmarke etabliert haben, gute Geschichten außerhalb der Strukturen etablierter Medien erzählen und davon auch noch halbwegs passabel leben können.

Und nein, die Innovation passiert eben nicht nur an den Rändern – so schwarz-weiß ist nicht mal die Medienwelt. Es gibt eine ganze Menge an Veränderung auch bei denen, die in der digitalen Welt gerne mal ein bisschen geschmäht werden (aus Diskretionsgründen darf ich an dieser Stelle nicht allzu viel verraten). Es gibt hoch spannende Projekte wie die „NZZ“, die übrigens nebenbei bemerkt gerade Leute sucht. Es müssen gar nicht mal „NZZ“, „Guardian“ oder die „Zeit“ sein, die sich als Treiber hervortun. Wer genau und halbwegs vorurteilsfrei hinschaut, der sieht auch bei kleineren Häusern immer wieder mal interessante Ansätze.

Gespannt darf man vor allem auf das Projekt „Substanz“sein, das am kommenden Freitag an den Start gehen wird. Neben dem Modell der „Krautreporter“, die den Ansatz entwickelt haben, Geld dadurch zu verdienen, dass man eine Community gründet, ist das der nächste Weg: konsequent kostenpflichtig, vom ersten Tag an. Geld verdienen mit hochwertigem Journalismus. Mit einer Spezialisierung auf ein Ressort zudem. Gesetzt den Fall, die „Krautreporter“ und „Substanz“ funktionieren auf mittelfristige Sicht, dann wäre zumindest der Beweis erbracht, dass es eben doch funktionierende Geschäftsmodelle für Journalismus im Netz gibt. Es gibt ein Leben jenseits der bisherigen Geschäftsmodelle. Man muss es nur entdecken.

Und es gibt noch einen Grund, solchen Projekten Erfolg zu wünschen: Es wird ja viel und gerne darüber lamentiert, dass Journalismus im Netz automatisch gleichzusetzen ist mit Verflachung. „Substanz“, „Correctiv“ und „Krautreporter“ setzen genau auf das Gegenteil.

Würde das alles funktionieren – man könnte beinahe wieder Lust auf die Branche bekommen.

Warum ich gratuliert habe

Am Freitag habe ich in Hamburg Sebastian Esser getroffen (für die wenigen, die es evtl. nicht wissen: Er ist der Herausgeber der künftigen „Krautreporter“).  Wir haben uns schnell ein wenig an die Seite verdrückt. Ich habe ihm gesagt, dass mein Scheitern-Abgesang verfrüht war, ich mit meiner generellen Kritik wohl besser hätte warten sollen und dass ich das bedaure. Obwohl ich an der grundsätzlichen Kritik am Projekt festhalten würde. Sebastian wiederum hat gesagt, dass er den Zeitpunkt der Kritik ziemlich unschön fand, die Kritik als solche aber annimmt und in manchen Dingen womöglich sogar teilt. Später sind wir dann gemeinsam mit einem Taxi vom Reporter-Forum in Hamburg weggefahren, die Fahrt verlief nach meiner schwachen Erinnerung weitgehend aggressionslos.

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Falls Sie sich jetzt fragen, warum dieser Beitrag mit einer derart banalen Geschichte beginnt: weil es anscheinend nötig ist. Nach meinem umstrittenen Text über das Projekt „Krautreporter“ hat mich nicht so sehr erstaunt, dass es zu diesem Text nicht nur überwältigte Zustimmung gab. Verblüffender fand ich eher, wie wütend die Reaktionen ausfielen, vor allem bei dem einen oder anderen Betroffenen. Wie sehr die Debatte plötzlich auf eine sehr persönliche Ebene gezogen wurde. Und wie wenig differenziert die Kritik an dem Text ausfiel. Gelesen und transportiert wurde nur noch: Der hält die „Krautreporter“ für gescheitert und mag die einfach nicht. Ich glaube, ich habe in dem Text und auch schon zuvor immer wieder explizit betont, Sympathie für dieses Projekt zu haben. Diese Ambivalenz, die mich allerdings die ganze Zeit dabei begleitet, habe ich auch bei vielen anderen gespürt.

Aber das sind wohl die interessantesten Erkenntnisse aus dieser ganzen KR-Debatte: Journalisten sind selbst nicht immer so kritikfähig, wie sie es von anderen gerne einfordern. Und: Zumindest in meiner eigenen Filter Bubble sind Debatten immer noch gerne hoch emotional und nehmen sehr, sehr persönliche Züge an. An Motiven wurde mir unter anderem unterstellt, ich sei gekränkt, weil ich nicht im Team sei. Oder dass ich Aversionen gegen die Beteiligten hätte. Oder dass ich schlichtweg das Projekt kaputt hätte schreiben wollen. Letzteres fand ich lustig: Ein kleines Blog kann ein Projekt kaputt schreiben, über das in den letzten vier Wochen ganz Medien-Detschland gesprochen hatte?

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Persönlich sehe ich das deutlich gelassener. Die „Krautreporter“ haben schon alleine durch die Initiative für dieses Projekte eine gute und wichtige Debatte ausgelöst. Das ist ein unbestreitbares Verdienst, auch wenn die Debatte an einigen Stellen etwas, nun ja, ausgefranst ist. Sie haben, auch das darf man nicht unterschätzen, eine enorme Marketing-Kampagne auf die Beine gestellt, die man so erst mal hinbekommen muss. Sie haben rund eine Million Euro eingesammelt, auch davor muss man uneingeschränkten Respekt haben. Und sie werden im kommenden Jahr das vermutlich interessanteste Labor des digitalen Journalismus sein: Bekommen sie es hin, halten sie Wort, reparieren sie den „kaputten“ Online-Journalismus? Und: Schaffen Sie es, im Laufe des kommenden Jahres nochmal eine Million Euro über Abonnenten einzusammeln? Letzteres ist die eigentliche große Aufgabe: Aus dem Hype einen journalistischen Alltag machen, bei dem Nutzer dauerhaft bereit sind, jedes Jahr 60 Euro zu bezahlen. Die Mühen der Ebene sind immer deutlich schwieriger als den Schwung eines Hypes zu nutzen.

Ich hatte am Freitag dann übrigens noch gewittert (als das positive Ergebnis bekannt wurde), dass ich den „Krautreportern“ aufrichtig gratuliere. Mir war klar, dass mir das nicht jeder glauben würde. Und, das ist die Crux an 140 Zeichen, dass ich nicht hinreichend erklären kann, warum ich das tue. Deshalb nochmal hier: Ich glaube, dass man diese Leistung schlichtweg nur respektieren muss. Selbst dann, wenn man das Projekt kritisiert hat.

Zu einer halbwegs vernünftigen Debattenkultur gehört auch, dass man einräumen können muss, wenn man sich getäuscht hat. Und deswegen auch das jetzt nochmal in aller Deutlichkeit: Ich habe mich getäuscht, als ich das (finanzielle) Scheitern prognostiziert habe. Und es war rückblickend ein Fehler, diesen Text drei Tage vor Ende der Kampagne zu veröffentlichen. Das tut mir leid, das habe ich Sebastian Esser gesagt und das sage ich jetzt auch an dieser Stelle nochmal. Wer mir darauf basierend Opportunismus unterstellen will, bitte sehr. Trotzdem glaube ich: Die Kritik an dem Projekt (und die kam ja keineswegs nur von mir) hat das Projekt weiter gebracht. Zumindest sollte sie das.

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Insofern: Danke, Sebastian, für Deine souveräne Reaktion am Freitag. Hoffe, du bist noch gut nach Hause gekommen.

Krautreporter: Gescheitert an sich selbst

Zumindest eines muss man den „Krautreportern“ ja lassen: Ihr absehbares Scheitern hat eine der intensivsten und anhaltendsten Diskussion über ein einzelnes Projekt ausgelöst. Natürlich ist es noch nicht ganz vorbei, wenn sich in den kommenden drei Tagen noch ein bisschen mehr als 7000 Abonnenten finden, dann wird es doch noch was aus dem Magazin. Das aber wäre tatsächlich der fulminanteste Endspurt aller Zeiten und ein Grund für ein paar weitere lang anhaltende Debatten.

Realistisch ist eher das folgende Ergebnis: Die Krautreporter werden ihr Ziel nicht nur nicht erreichen – sie werden es vermutlich in einer erstaunlichen Deutlichkeit verfehlen. Und noch etwas haben die Krautreporter geschafft: Ich habe schon lange kein Projekt mehr erlebt, das mehr Ambivalenz hervorgerufen hat. Bei dem Menschen ihre Positionen – oder besser gesagt: die Positionen, bei denen man sie vermutet hatte – radikaler gewechselt haben. Und auch für mich selber kann ich sagen: Ich hätte mir grundsätzlich sehr gewünscht, dass ein Projekt wie die Krautreporter funktioniert hätten. Ich würde mir auch weiterhin wünschen, dass man ein solches Projekt auf die Beine stellt. Aber – so viel zur Ambivalenz: Ich bedaure es nicht, dass es die Krautreporter in ihrem jetzigen Zustand wohl nicht geben wird. Obwohl ich zu Beginn des Projekts etwas anderes geschrieben hatte.

Natürlich sind hinterher immer alle schlauer. Und natürlich weiß ich auch (ich habe selbst eine erfolglose Crowdfunding-Kampagne hinter mir), dass man sich als Außenstehender mit Kritik immer leicht tut. Trotzdem fand ich verblüffend, wie offensichtlich wenig durchdacht und mit welcher überheblichen Attitüde teilweise an dieses Projekt herangegangen wurde.

Fangen wir mal an mit dieser Attitüde. „Der Online-Journalismus ist kaputt“, schreiben die Krautreporter sehr prominent auf ihrer Seite – und tappen dabei gleich in zwei Fallen. Zum einen ist diese Aussage in ihrer Absolutheit so falsch, wie es nur absolute Aussagen sein können. Niemand bestreitet, dass es eine ganze Reihe von weniger schönen Erscheinungen im (Online-)Journalismus gibt. Aber der  Online-Journalismus ist kaputt? Ach, Leute. Wenn ich mir so anschaue, was ich alleine in den letzten zwei Wochen an Stücken gefunden habe bei süddeutsche.de oder bei ZEIT Online, wenn ich mir die Nominierungen bei Grimme Online Award so ansehe oder noch eine ganze Reihe andere Sachen, die man nicht täglich in den diversen Mediendiensten als leuchtende Beispiele findet – dann würde ich sagen, dass es zu viele Gegenbeispiele gibt, als dass man diese Aussage einfach mal eben so hinwerfen könnte.

Aus dieser absoluten Aussage resultiert noch etwas anderes. Ich würde sogar soweit gehen, dass dies die Krautreporter enorm viele Sympathien gekostet hat: Wer den Online-Journalismus als „kaputt“ darstellt und gleichzeitig von sich sagt: „Wir bekommen das wieder hin“ – der stellt sich selbst auf einen Sockel mit ganz enormer Fallhöhe. Ich habe eine ganze Reihe geschätzter Kollegen erlebt, die ich zu den sicheren Unterstützen gezählt hätte, die aber einfach angefressen waren, wenn sie sich als Vertreter eines „kaputten“ Journalismus bezeichnen lassen mussten, die sich jetzt von 27  Kollegen retten lassen müssen. Ich habe in meinem Leben jede Menge Beratungs-Projekte gemacht. Wenn ich mich auch nur einem einzigen hingestellt und gesagt hätte: Euer Journalismus ist kaputt, aber ich kriege das wieder hin, ich wäre sofort hochkant rausgeflogen.

Ein riesiges Eigentor war diese Grundhaltung für die „Krautreporter“ aber auch aus anderen Gründen: Wenn man sich selbst als Retter des kaputten Journalismus geriert, dann müsste schon etwas verdammt Überzeugendes folgen. Ein Konzept, eine Idee, bei der ich, überspitzt gesagt, nach Luft schnappe und sage: Ja! Das ist es! Die Außenwirkung der Krautreporter ist, wenn auch vielleicht ungewollt: Gebt uns mal das Geld, dann machen wir. Dafür ist allerdings die Idee, jeden Tag vier bis fünf Geschichten zu schreiben, ein wenig dünn. Irgendwann lieferte man dann, als die Kritik daran zu groß wurde, pflichtschuldig noch Vorschläge für die Themen eines jeden Autors ab. Das kam viel zu spät, klang eher unverbindlich – und ganz ehrlich: Diese Themenliste war nett. Aber dass ich darin die Rettung des kaputten Online-Journalismus hätte erkennen können, lässt sich wirklich nicht sagen. Viele andere haben das offenbar auch nicht. Zumindest im Aufkommen der Crowdfunder hat sich auch nach Veröffentlichung dieser Liste nichts Erkennbares getan. Vielleicht hat das auch damit zu tun, weil man die ganze Zeit während der laufenden Kampagne das Gefühl hatte, die Krautreporter kämen den Wünschen nach Interaktion, nach Initiative und nach Transparenz mehr oder weniger nur widerwillig nach. Selbst prominente Unterstützer wie Thomas Knüwer oder Dirk von Gehlen spendeten zwar, erklärten gleichzeitig aber auch, mit welchem Bauchgrimmen sie das tun. Auch beim Thema Erwartungsdruck habe ich an eigene Erfahrungen gedacht. Ich war 2011 im Gründungsteam der deutschen „Wired“ dabei. Und ich erinnere mich nur zu gut, welchem Erwartungsdruck wir ausgesetzt waren; mir war manchmal ganz übel, wenn ich die erwartungsfrohen Beiträge im Netz so gelesen habe. Wir haben damals versucht, mit so viel Kommunikation und Transparenz wie möglich ein bisschen Druck aus dem Kessel zu lassen. Hätte sich der damalige Chefredakteur Thomas Knüwer in einem Interview hingestellt und gesagt: Unser Konzept besteht aus einem Magazin, in dem gute Autoren gute Geschichten schreiben, man hätte ihn massakriert und uns in der Isar versenkt. Wir haben damals nach dem Release immer noch ausreichend Prügel bekommen, manche sogar zurecht. Aber wenn wir mit dieser Attitüde der Krautreporter aufgetreten wären, wir würden heute vermutlich alle irgendwie im Exil leben.

Neben dem vermutlich eher psychologischen Aspekt der Fallhöhe haben die „Krautreporter“  mit diesem Konzept, mit dieser Idee auch anderes nicht geschafft. Nämlich eine ausreichend große Zahl von Menschen davon zu überzeugen, dass man sie wirklich braucht. Das ist insofern ebenso erstaunlich wie ärgerlich, weil es in den letzten Jahren in Deutschland kein einziges Medienprojekt gegeben hat, das auf so viel grundsätzliche Sympathie, auf so viel Wohlwollen und auch auf soviel Airplay in den Medien gestoßen wäre. Die „Krautreporter“ bringen es auf TV-Beiträge, Rundfunkbeiträge, auf Zeitungsbeiträge, auf sehr, sehr viele prominente Unterstützer – und das Netz war eh jeden Tag voll mit ihnen. Wenn man es bei einem solchen Rückenwind nicht mal in die Nähe des Funding-Ziels bringt, dann muss man einfach festhalten, dass einiges an der Idee und an der Kampagne nicht überzeugt hat.

Zu den Schwächen des Konzepts gehört auch: 27 Journalisten sind 27 Journalisten. 27 Journalisten sind noch lange keine Redaktion. Dabei ist mir der Frauenanteil völlig Wurscht. Selbst wenn er bei 100 Prozent gelegen wäre: Hinter den 27 verbarg sich nicht die Idee eines Teams, das man irgendwann auch mal als Team identifiziert. Stattdessen kamen die Krautreporter eher wie ein Multiautoren-Blog daher, in dem jeder ein bisschen was schreibt. Magazine leben aber eben auch von der Marke. Und von einer Haltung, für die ein Magazin steht. Ich lese den „Spiegel“ oder die „FAZ“, weil es der „Spiegel“ oder die „FAZ“ sind. Ich lese sie nicht, weil dort im Impressum eine Auflistung bekannter Namen steht. Das kommt dann erst an zweiter Stelle.

Davon abgesehen möchte ich bei einem Magazin (da bin ich ein alter, konservativer Sack) eine Struktur haben. Ich möchte in etwa wissen, wo ich welche Themen finden kann. Oder genauer: welche Themen mich überhaupt erwarten. Die Aussage bei den „Krautreportern“ war: 27 Leute schreiben, worauf sie gerade Bock haben. Und das soll die Rettung des Online-Journalismus sein?

Und weil wir gerade beim Thema (Mehr-)Wert sind: Ich hatte schon in meinem ersten Beitrag über das Thema geschrieben, es werde spannend sein zu sehen, wie man dem Leser erklären will, warum er die Krautreporter unterstützen soll, wenn er die Beiträge ihrer Autoren auch auf etlichen anderen Plattformen lesen kann. Das spricht ja keineswegs gegen die Qualität der Autoren, wohl aber gegen die Krautreporter: Es fehlt ihnen so etwas wie Exklusivität.

Auch da hilft ein Blick in die analoge Welt: Angenommen, 30 Edelfedern aus den besten Redaktionen Deutschlands würden ein Magazin ankündigen, in dem sie immer wieder mal Beiträge ankündigen. Aber natürlich schreiben sie weiterhin auch für ihre bisherigen Arbeitgeber. Der Reiz würde sich in engen Grenzen halten.

Man muss – leider – diese konzeptionellen Schwächen deshalb so klar benennen, weil wir gerade dabei sein, das Entstehen einer kleinen Dolchstoßlegende zu erleben: Das Netz hat die eigenen Pioniere, die eigenen Vorkämpfer von hinter erstochen! Man hat sie hängen lassen, obwohl wir immer gefordert haben, dass es so etwas doch geben müsste! Bei netzpolitik.org beispielsweise ist schon die Rede davon, dass „uns“ ein Scheitern vor Augen führen würde, dass wir nicht mal in der Lage seien, uns „diese Utopie in unserer eigenen kleinen Nische zu errichten indem wir 15.000 Menschen finden, die bereit sind, einen lächerlichen Fünfer pro Monat für ein Experiment beizutragen.“ Und schließlich kommt die bedeutungsschwangere Frage: „Können wir als Netzgemeinde™ uns ein Scheitern dieses Projektes überhaupt erlauben?“. Vermutlich wird dann irgendwann auch jemand auf die Idee kommen, dieses Scheitern als Beleg dafür zu nehmen, dass Menschen für Journalismus im Netz eben doch nichts bezahlen wollen.

Das alles ist im vielfachen Sinne falsch. Diese „kleine Nische“ dürfte es vor allem deswegen nicht geben, weil die Nischengründer es nicht geschafft haben, diese Idee überzeugend auszugestalten. Was ist das eigentlich für eine fatale Geisteshaltung zu glauben, man müsse ein Projekt unterstützen, nur weil es von den vermeintlich richtigen Leuten gemacht wird? Zudem benennt dieser Netzpolitik-Beitrag ungewollt noch eine weitere Schwäche des Projekts: Es ist ein Netzgemeinden-Projekt. Aus der Netzgemeinde für die Netzgemeinde. Kann man schon machen, das. Man sollte dann halt nur nicht glauben, dass es zur Rettung des kaputten Journalismus irgendwas beiträgt.

Natürlich kann man zum Thema Zahlungsbereitschaft aus der Krautreporter-Geschichte einiges lernen. Nämlich, dass Menschen im Netz ganz einfach ticken: Sie zahlen für etwas, was sie gut finden. Für etwas, was ihnen im wahrsten Sinne des Wortes „wertvoll“ erscheint. Kommt ihnen das nicht in den Kopf, zahlen sie nicht. So einfach, so mündig. Und man ahnt jetzt auch anderes. Nämlich, wie schwer es in Zukunft sein wird, Journalismus über Bezahlung durch den Leser zu finanzieren. Der nämlich hat ein inzwischen riesiges Angebot und muss keineswegs schon alleine deshalb glücklich sein, weil ihm 27 Autoren ankündigen, etwas schreiben zu wollen.

Um es also nochmal deutlich zu sagen: Das Scheitern der Krautreporter ist ein Scheitern der Krautreporter. Nicht mehr, nicht weniger.

War es das also, wie einige befürchten, auf längere Zeit mit der Finanzierung unabhängiger und alternativer Journalismus-Projekte? Unsinn. Ich bin sicher, dass eine Art Krautreporter2-Projekt sofort wieder auf viel Sympathie stoßen würde. Dass es den Wunsch danach gibt, zeigt die ja dann trotz allem sehr hohe Zahl von Unterstützen. Und die vielen Debatten darüber. Man debattiert nicht über Dinge, die einen kalt lassen.

Wer clever ist – lernt einfach aus den vielen Fehlern dieses Versuchs. Und macht es irgendwann dann mal selbst. Nur besser.

(Für den Fall, dass die Krautreporter ihr Ziel doch noch erreichen, haben sie dann ja gleich eine gute Aufgabe: Aus der vielen Kritik, die es gab, ihre Schlüsse zu ziehen.)

Die Kritiker-Filter-Bubble

Vielleicht ist das ja eine persönliche Sache, was weiß man schon. Aber seit geraumer Zeit gehen mir zwei Sachen ziemlich auf mein sensibles Gemüt. Zwei Sachen, die ich mal sehr geschätzt habe: das Netz (sofern man so pauschal von dem Netz sprechen kann) und nicht ganz wenige der dort in unserer Medien-Filter-Bubble auftauchenden Protagonisten. Daraus geworden ist eine merkwürdige Melange, bei der ich mir noch nicht sicher bin, was aus ihr irgendwann mal werden soll. Sicher bin ich mir nur in einem: Mein eigenes schwarz und weiß und gut und böse ist gerade ziemlich ins Wanken geraten.

Der aktuelle Auslöser: die Debatte um die „Krautreporter“. Nein, man muss nicht alles richtig finden, was die planen und natürlich darf man Dinge kritisieren. Aber der momentane Erregungsgrad ist ziemlich unappetitlich. Liest man das, was da gerade so abgeht, man könnte meinen, die Damen und Herren würden Crowdfunding für ein Atomkraftwerk betreiben. Dabei passiert hier momentan doch nur eines: Eine Truppe von Leuten will ein neues journalistisches Projekt an den Start bringen. Unterstützt es. Oder lasst es bleiben. Oder, wenn ihr denn schon so viel zu kritisieren habt und selbstverständlich wisst, wie es besser geht: Macht es selber. Macht es besser. Mit mehr Frauen, besserer Technik, besseren Inhalten und einfacherer Bezahltechnik. Oder (und jetzt mache ich etwas, was ich in diesem Blog noch nie gemacht habe): HALTET DOCH BITTE EINFACH MAL DEN MUND!! Weil es einfach nervtötend ist, dass man in diesem gottverdammten Netz ungefähr nichts machen kann, schon gleich gar nicht, was mit Medien zu tun hat, ohne dass es sofort zerredet wird. Deutschland besteht nicht nur aus 80 Millionen Fußball-Bundestrainern, sondern auch noch noch aus genauso vielen Projekt-Managern.

Es gibt aber auch etwas anderes, grundsätzlicheres, was mich stört. Der Eindruck nämlich, dass in diesem unserem Netz ziemlich viele Menschen mit einem Selbst- und Sendungsbewusstsein unterwegs sind, das nahe an der unerträglichen Selbstverliebtheit ist. Bei denen die Show, das digitale Posertum, die immer offene große Klappe sehr viel wichtiger ist als die inhaltliche Substanz. Mag sein, dass es auch bei den „Krautreportern“ den einen oder anderen gibt, bei dem das Sendungsbewusstsein über allem anderen steht. Aber wenn dann sowas von zwei Seiten aufeinander prallt, dann sind das Debatten, bei denen man sich wünscht, sie besser nicht mit erleben zu müssen. Die Filter Bubble lebt und die Meta-Ebene auch.

Ganz ehrlich: Ich kann dieses Maß an Kritik und auch an Häme, die da über den Krautreportern ausgeschüttet wird, einfach nicht mehr nachvollziehen. Lasst die Jungs und Mädels wenigstens erst mal machen. Gebt ihnen eine Chance, die länger währt als zwei Tage. Redet nicht alles kaputt, bevor es überhaupt existiert. Und ansonsten gilt wie immer der einfache wie nachvollziehbare Rat: Wenn ihr es denn alle besser wisst und könnt – machen!