der griff an die eigene nase

natürlich war das für die allermeisten parteien kein sehr schöner wahlabend gestern. für die demoskopen aber erst recht nicht und auch für unseren berufsstand nicht. obschon man natürlich darüber streiten kann, ob der noch-und vielleichtbaldwiederkanzler schröder unbedingt als erstes die medien attackieren musste, unrecht hat er nicht. über monate hinweg haben durch die bank alle eine kanzlerin merkel als gottgegeben angesehen. die möglichkeit, dass die union bei für ihre verhältnisse albernen 35 prozent landen könnte, ist nicht mal ansatzweise ins kalkül gezogen worden.

was das bedeutet? nichts anderes, als dass wir über monate hinweg kritiklos den zahlen der meinungsforscher gefolgt sind, ohne jeglichen hinweis darauf, wie volatil diese zahlen sind. aus den erfahrungen von 2002 nix gelernt; da mag man sich noch wundern, dass das latente misstrauen gegenüber etablierten medien zunehmend wächst. insofern wirft das fragen auf – vor allem die, ob es nichgt ein wenig verantwortungslos ist, zahlenwerke von demoskopen unreflektiert wiederzugeben.

btw, dazu tragen dann auch auftritte wie der der herren von der tann und brender gestern abend bei der elefantenrunde bei. bräsig, onkelhaft, überheblich, ohne jegliche einsicht: wie man sich nach monatelanger letztendlich desaströser berichterstattung zur wahl auch noch so aufplustern kann, ist mir ein rätsel.

überhaupt sahen die ör´s nicht gut aus gestern abend. brender und von der tann indiskutabel, hahne salbaldernd, predigend, inkompetent; dazu ritualisierte und wenig aussagekräftige diskussionsrunden. um klassen besser: rtl mit einem souveränen kloeppel, bei sat 1 ein witziger kausch und bei n-tv eine enorm gute maischberger.

bitte bei der nächsten neuwahl (also in ca. 3- 4 wochen) dringend unterlassen: die anschließenden talkrunden. christiansen wie immer unterirdisch. und was frau rust bei sat1 dringenden mit den herren willemsen und tiedje zu besprechen hatte, man weiß es nicht. tiedje und willemsen in der sendung zu wahl; liebe güte, liebes sat 1 – da dürft ihr euch nicht wundern, wenn man euch einfach keine politische kompetenz zubilligen mag.

wie gewohnt realsatirisch der br: markus söder mit der interessanten einschätzung, frau merkel habe einen klaren regierungsauftrag erhalten; davor ein als redakteur getarnter mikrofonständer. sigmund gottlieb in blanker aufregung und mit einer um eine oktave höhergelegten stimme („wie konnte das passieren?“), dazwischen fakten-markwort, der stoiber nach berlin schicken wollte („jetzt muss der erste sturm aufs eis“). was, lieber br, ist eigentlich der erkenntniswert einer unterhaltung zwischen gottlieb und markwort, hä?

danke insofern an pro 7. exakt in dem moment, als der wahlabend die unvermeidliche christiansengottlieb-phase erreicht hatte, kam stromberg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.