Blogs haben nix mit Pluralität zu tun (zumindest nicht viel)

Darf man Blogs professionalisieren sprich sie vermarkten? Darf man mit Bloggen Geld verdienen oder ist ein guter Blogger nur ein Blogger, der der reinen Lehre folgend das bloggt, was er denkt und sich nicht in eine latente Abhängigkeit zu Werbekunden begibt? Die Debatte wird gerade andernorts heftig geführt und unstrittigerweise haben beide Seite gute Argumente für sich. Die Gegner, die den Kern der Bloggosphäre bedroht sehen, wenn die Kommerzialisierung beginnt, die anderen wiederum nichts Schlimmes daran finden können, wenn sie für einen erheblichen Aufwand, den sie mit einem guten Blog zweifelsohne betreiben müssen, auch bezahlt werden.

Mit Bloggen Geld verdienen (wenn es klar gekennzeichnet ist) – ich habe damit auch aus anderen Gründen keine großen Probleme. Letztendlich nämlich zeigen eine ganze Reihe relevanter Studien, dass es eine Mär ist, wenn man glaubt, die nominal hohe Anzahl von Blogs würde quasi einen proporational genau so hohen Beitrag zur Demokratisierung der Medien leisten. Tatsache ist, dass auch die Bloggosphäre ihre Elitezirkel kennt, in der Leithammel die Richtung vorgeben und die Meute hinterher hechelt. Man muss dazu nicht mal Studien lesen, es reicht ein etwas genauerer Blick auf die Szenerie. Wäre es nicht so, würden sich auch unsägliche Begrifflichkeiten wie „A-Bloger“ von selbst erledigen. So aber bilden die elitären Alphablogger ihren kleinen, aber feinen Kreis und sorgen, ob nun bewusst oder unbewusst, präzise dafür, dass andere in diesen Kreis erst gar nicht reinkommen. Das ist generell nicht zu kritisieren, und schließlich kann ja jeder dorthin linken, wohin er will. Trotzdem, seien wir dann wenigstens ehrlich, gestehen wir ein, dass es Meinungsführerschaft und passiven Konsum wie bei den „richtigen“ Medien auch ganz massiv in der Bloggosphäre gibt. Und wenn jemand mit seinem Blog die Reichweite einer mittelgroßen Lokalzeitung erzielt (es gibt welche, die das von sich so sagen) und wenn folgerichtig jemand offensichtlich für eine Menge Leute viel Relevanz besitzt und viel Zeit und Arbeit investiert – der soll dann quasi Verrat an der reinen Lehre begehen, wenn er versucht, seine Arbeit zu finanzieren? Respekt vor jedem, der es sich leisten kann, darauf zu verzichten, aber bitte keine Glaubenskriege gegen die, die es nicht können und auch nicht wollen.

Summary der Neuberger-Studie als PDF gibt´s hier.

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