E-Paper, endgültiger Abgesang

Wie geht´s eigentlich dem E-Paper, dem einstigen Hoffnungsträger der deutschen Zeitungshäuser? Nicht gut, das ahnt man alleine schon deswegen, weil man das einstige Hypethema in den letzten Monaten nur noch verdächtig wenig gehört hat. Grund genug also, mal nachzusehen, was die IVW dazu zu sagen hat. Um es vorwegzunehmen: erschütternd wenig, was unter dem Strich rausgekommen ist.

In Zahlen: Im vierten Quartal 2006 sind bei der IVW insgesamt 79.776 E-Paper-Abos gemeldet. Sie verteilen sich auf insgesamt 51 Anbieter, macht also unter dem Strich gerundete 1587 1564 Abos im Durchschnitt. Was nicht wirklich viel ist, allerdings auch nicht so katastrophal, wie man anfangs befürchten musste. Die Sache hat nur einen Haken: Im 4. Quartal kam in der Zählung eine Motorzeitschrift dazu, die angeblich alleine fast 69.000 Abos mit bringt (welche auch immer das sein mag). Zieht man dann also diese 69.000 Exemplare ab, bleiben noch gut 10.000 Exemplare, verteilt auf 50 Anbieter. Und das kann sogar ich aus dem Kopf rechnen rund 200 Exemplare pro Anbieter. Was für ein wunderbares Desaster. Das kompensiert nämlich nicht einmal das, was die durchschnittliche Tageszeitung im Verlauf eines Jahres an gedruckter Auflage verliert.

Gegencheck, typische durchaus größere deutsche Regionalzeitung, in dem Fall Passauer Neue Presse. Und tatsächlich. Selbst die mit über 170.000 Exemplaren nicht ganz kleine PNP verkauft in der Gesamtausgabe nicht einmal 500 E-Paper-Abos (in meiner Heimatausgabe sind es laut IVW gerade mal alberne 4). Man kann sich also leicht vorstellen, dass diese 200er-Durchschnittszahl dieRealität schon ziemlich genau trifft.

Ich wundere mich in dem Zusammenhang allerdings schon ein wenig. Nicht so sehr über das E-Paper-Desaster, sondern über ein derartiges müdes Management, wie es anscheinend immer noch in vielen Zeitungshäusern zu finden ist. Jeder, der sich schon mal mit Internet ein wenig beschäftigt hat, wusste schon vor drei Jahren, dass E-Paper keine Zukunft haben wird, alleine schon deshalb, weil es dem Wesen des Mediums nicht gerecht wird. Doch statt in eine Rundernerung angestaubter Blätter, vernünftige Online-Auftritte und plausible crossmediale Konzepte zu investieren, freuten sich nicht ganz wenige Zeitungsmanager wieBolle, jetzt endlich einen neuen Vertriebsweg gefunden zu haben. Dass der höchstens für nach Paraguay ausgewanderte Niederbayern relevant sein könnte, hat niemand so recht bedacht.

E-Paper ist also endgültig tot. So tot wie die Bäume, aus denen immer noch Papier gemacht wird.

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8 Kommentare

  1. 79.776 geteilt durch 51 sind auf meinem Taschenrechner gerundete 1.564. Woher kommen die 1.587?

  2. Hallo,

    jene ominöse Motorzeitschrift ist die ADACmotorwelt, die es mittlerweile auf über 90 000 Abos bringt.

    Allerdings sehen die Zahlen der anderen Anbeiter wirklich mau aus. Zeitschriften melden kaum Zahlen – leider.

    Beste Grüße aus München.

  3. Das E-Paper ist ein E-folgspaper! Und das hat einen Grund. Am 24. Januar 2005 erschien erstmals die elektronische Ausgabe von WESER-KURIER, Bremer Nachrichten und Verdener Nachrichten – und seitdem haben mehr als 2300 Personen die elektronische Ausgabe unserer Zeitungen abonniert. Damit nimmt die Bremer Tageszeitungen AG im Bundesvergleich einen Spitzenplatz unter den E-Paper-Anbietern ein.

  4. >Können wir den bitte erfahren?
    Keine Ahnung. Hier wurde bedauert, dass kaum Zahlen zu erhalten seien, deshalb das Posting.
    Persönlich gefällt mir das Format aber auch: Printausgabe als pdf, 7€ preiswerter, kein Altpapier zu entsorgen, Sportergebnisse mit Copy&Paste in die Datenbank.
    Nachteil: Fliegen leben länger, Kaffeeflecken nun auf der Tastatur.
    Die Tageszeitung ist von mir durchschnittlich in 5 Minuten abgearbeitet, von daher das optimale Format.
    Persönlich habe ich bei meinem letzten Umzug vor drei Jahren sehr wohl überlegt, die damalige lokale Zeitung am neuen Ort als e-paper weiterhin zu lesen; es gab diese aber nur als kostenpflichtigen Zusatz zum normalen Abo. Dann eben gar kein Abo.

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