Journalisten und Unterhaltung

Wenn es um Unterhaltung – und zwar ganz einfach und ausschließlich um Unterhaltung – geht, dann tun sich Journalisten meistens ziemlich schwer. Und entwickeln eigenartige Reflexe. Unterhaltung ist so, bäh, irgendwie. Weil man aber von den Thema dann doch fasziniert ist und weil es letzendlich ja auch wirklich ein Thema ist, wenn am Samstagabend ein paar Millionen Menschen eine TV-Sendung ansehen, berichtet man drüber, tut aber so, als sei das wie bei McDonalds. Obwohl die Tag für Tag Millionen von ihren Papp-Burgern verkaufen, kenne ich persönlich keinen einzigen, der zugibt, ab und an einen zu essen (ich übrigens schon, ab und an).

Man hat das, wie beschrieben, diese Woche wunderbar am Spiegel gesehen. Die gedruckte Ausgabe amüsierte sich am Montag darüber, wie andere, namentlich SZ und FAZ, dem RTL-Hype auf den Leim gegangen seien. Spiegel Online hinderte das nicht, dennoch am Finaltag ein Interview mit Max Buskohl zu bringen. Und in der Nacht, in DER Finalnacht, blieb SPON-Unterhaltungsschreiberin Patricia Dreyer extra ganz lange wach und schrieb eigens in der Nacht noch eine lange Geschichte. 

Tenor: DSDS sei langweiliger Kram. Bei DSDS seien nicht gerade begnadete Sänger am Start. Und ansonsten beweint Frau Dreyer exakt das, worüber sich die Print-Kollegen am Montag noch lustig machten: RTL gebe „unangepassten Sängern“ wie Max Buskohl keine Chance und fördere stattdessen den Mainstream. Stimmt exakt. Ein Mainstream-Sender befördert den Mainstream. Und hallo, Freunde in den Feuilletons, falls ihr das morgen nochmal feststellen wollt: DSDS ist nicht wirklich ein Talentwettbewerb, DSDS ist eine Quoten- und Geldmaschine, eine musikalische 9-Monate-Soap, eine Unterhaltungssendung wie „Wetten, dass“. Und nein, Dieter Bohlen ist kein großer Musiker, das wissen wir inzwischen auch alle.

Um solches extra noch niederzuschreiben, schlägt sich bei Spiegel Online also jemand die Nacht um die Ohren. Für ein La-Di-Da der Langeweile, für etwas völlig Unbedeutsames? Komisch, das.  Man beklagt die Banalisierung der Dinge und trägt gleichzeitig mit dazu bei.

Aber keine Sorge, übrigens: Die SZ, die vergangene Woche noch auf der Medienseite mahnte, RTL wolle lediglich Sternschnuppen „effektvoll verglühen“ lassen, widmete dem DSDS-Finale folgendes:

  • 1 Liveticker
  • 1 Zusammenfassung
  • 1 Bildstrecke

Davon abgesehen, dass man sich doch im Blatt erst noch lauthals beschwerte und nun reichlich Quote resp. Klicks machen will: Wenn´s denn nur blöd und banal ist – warum dann, bitte, nicht einfach ignorieren? Das geht, mühelos. Bei FAZ.net oder zeit.de findet sich über DSDS keine einzige Zeile, welt.de ist konsequent: Man nimmt die Tatsache, dass einige Millionen gestern abend zugesehen haben, zum Anlass, einen ziemlich stinknormalen Bericht abzusetzen. Das ist ehrlich, weil dem Anlass angemessen.

Für die Zukunft also der kleine fromme Wunsch: Entweder Hamburger futtern und auch zugeben. Oder Hamburger doof finden, nicht futtern und einfach den Mund halten. Hamburger futtern und dann datüber jammern, dass sie nicht schmecken, klingt ein kleines bisschen beschränkt.

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