Das völlig transparente ZDF

Man soll ja immer beide Seiten hören. Weswegen ich mir erlaubt habe, der frontal21-Redaktion ein paar Fragen zu dieser Nummer mit der Radio-PR zu schicken. Im einzelnen lauten die Fragen wie folgt:

  1. Wie verträgt sich die Tatsache, dass Ihre Sendung selbst von der Agentur „All4Radio“ gesponserte Beiträge als PR für Ihre Sendung erstellen lässt, mit Ihrer Kritik an dieser Vorgehensweise?
  2. Warum wurde in Ihrer Sendung nicht darauf hingewiesen, dass sich das ZDF bzw. Frontal 21 selber dieser Methode bedient?
  3. In der Anmoderation heißt es u.a., es gäbe „“mehrere hundert Radiosender, die immerhin täglich von der halben Nation gehört werden”. Können Sie näher spezifizieren, wie Sie auf „mehrere hundert Radiosender“ in Deutschland kommen?
  4. Warum wurde JAM FM mit einem vermeintlichen Honorar von 15.000 Euro geködert, wo doch ein Werbespot von JAM FM bei der entsprechenden Reichweite bei 30 Sek. Maximal rund 250 Euro kosten könnte? Würden Sie das Hantieren mit völlig unrealistischen und fiktiven Zahlen als seriöse Recherche bezeichnen?

Das ZDF hat inzwischen wie folgt geantwortet:

Zu Ihrer Anfrage schicken wir Ihnen einen Kommentar, den die Redaktion von Frontal21 für unser Forum zu diesem Thema verfasst hat:

Und selbst? Sind wir auch nicht ohne eigene Erfahrungen – allerdings ausdrücklich nicht als verdeckte Schleichwerbung. Wir haben vor unserer Sendung Interviewauszüge als Sendehinweis auf unsere Beiträge angeboten. Verteilt wurden diese Sendehinweise über all4radio. Es handelte sich dabei lediglich um die erweiterte Wiedergabe von Programminhalten, wie sie sich auch auf unserer Internet-Seite finden und auch als Schlagzeilen in vielen deutschen Tageszeitungen erscheinen. Um jeglichen Zweifel an diesen völlig offenen Programmhinweisen auszuräumen, haben wir diese Art der Verteilung von Programmhinweisen nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

Zu Ihrer 3. Frage: Herr Koll hat die Zahlen der Landesmedienanstalten zugrunde gelegt, siehe: < http://www.alm.de/52.html>

Zu Ihrer 4. Frage: Nicht der Interviewer hat über diesen Betrag von 15.000 Euro gesprochen, sondern der Interviewte.

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Hölting

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5 Kommentare

  1. 232 private Radioangebote, die – wie Frontal 21 berichtet – immerhin von der Hälfte der Bundesbürger gehört werden, sind aber noch keine „mehrere Hundert“ und die Moderation schließt damit explizit die andere Hälfte der gehörten Programme, nämlich die öffentlich-rechtlichen vom Vorwurf der PR-Agenturen unterwanderten Schleichwerbung aus.

    Und was den Einsatz von PR-Agenturen für das ZDF betrifft:
    Zitat Frontal 21:
    „Es handelte sich dabei lediglich um die erweiterte Wiedergabe von Programminhalten, wie sie sich auch auf unserer Internet-Seite finden und auch als Schlagzeilen in vielen deutschen Tageszeitungen erscheinen.“

    Das ist das Problem, Frontal 21 misst mit zweierlei Maß. Ihre eigenen PR-Strategien sind normal, im Beitrag über Radiosender und zuliefernde PR-Agenturen wird aber alles schnell mal zusammengeschmissen und in keinsterweise zwischen echter Schleichwerbung, Sponsoring, PR-Beiträgen etc. unterschieden.

    Das macht wirklich wütend.

    Wie die Redakteure von Frontal 21 für ihren Beitrag über „gekaufte Beiträge im Radio“ beispielsweise bei der Agentur audioetage recherchiert haben, ist wunderbar nachzulesen im Radioforum, Kommentar 14. http://www.radioforen.de/showthread.php?t=30198.
    Julian Regenthal-Patzak schildert in einer 1:1 Abschrift den Auftritt der investigativen Rechercheure…

    Schließlich noch die Antwort zur 4. Frage: Leider können wir als Zuschauer nicht nachvollziehen, ob die Redakteure im Vorfeld irgendwelche Summen genannt haben. Die Antwort des bedauerlich naiven Ricky Breitengaser kommt völlig unvermittelt mit der vorhergehenden Unterstellung des Beitragsmoderators: Nur diese Journalisten interessiert das gesetz herzlich wenig, „am liebsten würden Sie sogar selbst kassieren“!!

  2. Wirklich begeistert bin ich auch nicht von der Antwort. Ich habe den Eindruck, als wenn man den Beitrag eigentlich lange schon fertig gehabt habe und nur noch auf der Suche nach Protagonisten war. Dafür spricht eben auch, dass man aus etwas über 200 Angeboten mal en passant „mehrere hundert Sender“ macht und ein jungen und hoffnungslos naiven Burschen wie diesen Ricky Breitenbumms ins offene Messer laufen lässt und ihn wissentlich wahlweise zum Deppen macht oder ihn darstellt als Kronzeuge für diesen völlig verkommenen privaten Rundfunk. Journalistisch ziemlich flachbrüstig, sowas. Schauen wir mal wieder in ein altes Volo-Lehrbuch und den Umgang mit Zahlen. Da steht: so präzise wie möglich. Wenn man im Internet innerhalb weniger Sekunden recherchieren kann, dass es sich um 200nochwas handelt und man spricht dann in der Anmoderation von „mehreren hundert“, was ist das dann? Faulheit, Schlampigkeit? Oder gibt „mehrere hundert“ der fanden Geschichte dann doch einfach mehr Drive, als wenn man korrekterweise von etwas über 200 sprechen würde? Mein Volontärsvater jedenfalls hätte mit einen derart saloppen Umgang mit Zahlen um die Ohren gehauen, und das heißt bei meiner hinlänglich bekannten Dyskalkulie was.

  3. …warum wird eigentlich immer nur von all4radio gesprochen? Das ZDF bezahlt aus Gebühren eine weitere Radio-PR-Agentur, und das nicht zu knapp. Directnews bombadiert die Sender tagtäglich mit zig O-Tönen aus dem ZDF-Programm, die nur mit Nennung ZDF gesendet werden dürfen. Dafür hat diese Agentur einen Schichtdienst mit drei Redakteuren eingerichtet. Der Etat dürfte in auch hoch 5-stellig bis 6-stellig sein. Verantwortlich ist dafür ein Name, der auch noch nie auftauchte: Der Leiter der Presseabteilung des ZDF.

  4. Manueller Trackback:
    „Ein Beitrag des ZDF-Magazins Frontal21 sorgte in den vergangenen Tagen für eine frische Brise in der Blogosphäre. Mit der Metapher vom Bumerang könnte man die Vorwürfe zusammenfassen, die sich gegen das ZDF richteten. Wir dokumentieren hier das vollständige und aufschlussreiche Transkript eines Interviews, das für die Sendung geführt wurde.“
    http://medienlese.com/2007/07/21/ja-ich-muss-ja-ansetzen/

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