Radio-PR – oder: Gutmenschen unter sich

Gutmenschen unter sich: Das ZDF sendet einen Beitrag, der sich mit Werbepraktiken im Radio beschäftigt. Unter anderem auch damit, dass eigene Radio-PR-Agenturen damit beauftragt sind, mit kostenlosen Beiträgen für Gutwetter im Programm zu sorgen. Das (was man eigentlich schon lange weiß) hat das ZDF zum Anlass zu einem ziemlich zweifelhaften Beitrag zu machen (im Detail später mehr). Also plustert sich Theo Koll in seiner Moderation ziemlich auf und verkündet, dass man bei ihnen, den großen, den öffentlich-rechtlichen Medien immer sehr genau hinschaue. Dafür übersehe man leicht, welch üble Praktiken bei den Privaten und Lokalen so gang und gäbe sind.

Der leicht selbstgerechte Herr Koll übersieht dabei allerdings etwas – nämlich, dass er und sein Sender, bei dem alle so genau hinschauen, die selben Methoden gebrauchen:

Das ZDF-TV-Magazin „Frontal 21“ wird von all4radio mit umfangreicher Audio-PR begleitet, um die Sendung von Moderator Theo Koll noch stärker ins Bewusstsein der Radiohörer zu bringen. Dazu liefert all4radio den Radiosendern Vorab-Infos zum spektakulärsten Thema von „Frontal 21“, kombiniert mit O-Tönen von Moderator Theo Knoll.

Schreibt die Agentur All4Radio auf ihrer eigenen Homepage, für jeden einsehbar. Bei den Lokalsendern also ein Skandal, beim ZDF völlig berechtiges Marketing? Die Kollegen von blogmedien, die ich hier eigentlich viel zu selten lobend erwähne, sind der Sache dann nachgegangen und haben einige andere Unebenheiten in diesem Beitrag festgestellt (bitte dort nachlesen!).

Was ich interessant finde, ist die Kette der Weitergabe der Information vor allem durch die, die solche Praktiken gerne kritisieren und die nahezu täglich mit den Fingern auf andere zeigen: Thomas Knüwer, der von Peter Turi grundsätzlich nur mit dem Präfix „Alpha-Bloger“ erwähnt wird, nimmt das ZDF-Stückchen zum Anlass, eine flammende Eloge gegen die PR-abhängigen Lokalfunker zu schreiben. Und die Kommentatoren bei Knüwer überbieten sich dann gegenseitig mit „erschreckend“, „traurig“ und sonstigen Reflexen. Und alle zusammen wissen wir es dann: SAT1-Prinzipien und billige, bestechliche Lokalfunker bedeuten den Untergang des Journalismus, dem sich gottseidank die nieimLeben schleichwerbende ARD und das ZDF heroisch entgegen stellen. So einfach ist das im Leben. Wenn man nur schwarz und weiß kennt.

(Danke nochmal fürs Recherchieren an die blogmedien!)

Nachtrag: Thomas Knüwer hat das jetzt zum Anlass genommen, eine Geschichte darüber zu schreiben, warum wir wohl lieber auf frontal21 verzichten sollten. Gut pariert. 

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