So lauft´s (Eva)-Business…

Ich glaube, Gerhard Polt hat diesen wunderbar lakonischen Satz geprägt: So lauft´s Business…(dass da kein „ä“ sondern ein „a“ in „laufen“ steht, ist dem bayerischen Idiom geschuldet).

Gestern und heute hat die Branche mal wieder gezeigt, wie´s Business so lauft: Eva Braun Herman durfte im ZDF rund 52 Minuten schwadronieren. Ihre Bücher wurden in schöner Regelmäßigkeit namentlich genannt und ab und an auch mal eingeblendet. Sie durfte weitgehend unwidersprochen erstaunlich NS-kompatibles Vokabular wie das der „gleichgeschalteten Presse“ benutzen und Thesen verwenden, die man selbst an einem Stammtisch irgendwo in Niederbayern nicht mehr bringen würde, weil sie echt zu blöd sind („Hitlers Autobahnen“). Außerdem stilisierte sie sich zur verfolgten blonden, aufrechten Unschuld, die sich nicht mal mehr über den Verlauf der Geschichte äußern dürfe, ohne in Gefahr zu geraten. Daneben saßen ein blöd daher schnabelnder „Comedian“, der mit dem Formulieren anständiger deutscher Sätze (anständig und deutsch jetzt bitte nicht falsch deuten…) erhebliche Probleme hatte, eine Frau Schreinemakers, die den empörten Gutmensch geben durfte und als einziger Lichtblick Senta Berger, die den Herman-Quatsch souverän konterte und irgendwann mal meinte, sie gehe jetzt, weil ihr der ganze Kram zu abstrus werde. Nach 52 endlos langen Minuten entschied sich der Herr Kerner dann aber dafür, dass lieber Blondchen Eva gehen solle, weil er ja nicht dumm ist, der Johannes Baptist: Man stelle sich das verheerende Echo vor, wenn Senta Berger gegangen wäre und Eva Herman weiter schwadroniert hätte. Senta Berger also hat JBK die Pistole auf die Brust gesetzt: die oder ich.

Und was kommt am nächsten Tag raus? „Kerner wirft Herman aus der Sendung“, titeln sie alle ohne lang nachzudenken und vermutlich auch, ohne sich die Sendung angesehen zu haben: von Spiegel über Bild und Süddeutsche bis heute.de und zdf.de. ZDF.de freut sich übrigens über eine derat schöne Promotion und feiert auf der Startseite und der Mediathek den „Rauswurf“ Hermans als „Tipp!“. Nettes Spekaktel, bitte klicken sie hier.

Und so haben schließlich alle was davon: Kerner grundpositive Schlagzeilen -dafür, dass er sich nach 52 von 60 Minuten entschied, lieber die anderen als Herman im Studio behalten zu wollen. Herman prima Werbung, 50 Minuten nahezu unbegrenzte und ungestörte Redezeit und sicher eine weitere Stärkung ihres positiven Images beim Ring Nationaler Frauen (die nächste Pressemitteilung des RNF kommt bestimmt). SPON & Co. haben wunderbare Schlagzeilen und Margarete Schreinemakers hat sich auch wieder in Erinnerung gebracht.

So lauft´s Business. Noch Fragen?

Nachtrag: Bei sueddeutsche.de hat übrigens der Qualitätsjournalismus-Reflex sofort reagiert, weswegen man zu der Kerner-Geschichte gleich mal eine Bildstrecke produziert hat. Immerhin, sechs Klicks hat man dem Ding damit noch zusätzlich rausgewürgt.

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