Unsortiertes zum Wochenende

Der „Verein Deutsche Sprache“ hat investigativ und blitzschnell herausgefunden, dass Lena Meyer-Landrut zwar einen ziemlich treudeutschen Namen hat, in Oslo beim European Song Contest Europäischen Liederwettbewerb nicht (wiederhole: nicht!) auf deutsch singen wird. Stattdessen wird sie ihr Lied auf englisch vortragen. Beim Verein Deutsche Sprache ist man nun der Meinung, dass sich Deutschland neuerlich blamieren wird, weil man bisher immer die besten Ergebnissse erzielt habe, wenn die Interpreten deutsch gesungen hatten. Man erwähnt dabei beispielsweise die erstaunlicherweise in Vergessenheit geratene Gruppe „Mekado“, die mit dem lyrischen Titel „Wir geben ´ne Party“ zum ersten Mal einen Song ein Lied schuf, bei dem es den Hund samt der Hütte schüttelt. Von einer gewissen Schlichtheit abgesehen, war es aber auch bei Mekado nicht so weit her mit dem reindeutschen Deutsch:

FUEHL DEN RHYTHMUS

BABY

WO IST ‚NE PARTY

WO IST ‚NE PARTY HEUT‘ NACHT

FLIEGT HEUTE IRGEND JEMAND MIT MIR ZUM MOND

ICH BRAUCH ‚NEN KICK

DAMIT DER ABEND SICH LOHNT

WO IST ‚NE PARTY

WO IST ‚NE PARTY

BABY?

Partybabykick. Aber immerhin, Platz 3 damals.

Und warum hat sich eigentlich Wolf Schneider noch nicht zum Thema gemeldet?

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Auf der anderen Seite sollten ja nun gerade wir Medien-Leute mit Spott ein wenig vorsichtig sein, weil wir generell auch dazu zu neigen, diese lustige Quatschveranstaltung zu überhöhen. Die „Süddeutsche Zeitung“ beispielsweise versuchte sich in dieser Woche auf einer geschlagenen halben Seite im Feuilleton, sich dem Phänomen Lena Meyer-Landrut anzunähern („Versuch einer Annäherung“ wäre eh eine sehr schöne Überschrift gewesen, fällt mir gerade auf). Was ziemlich erstaunlich ist für eine 19jährige, die irgendwie ganz lustig ist, inzwischen aber ein Album vorgelegt hat, das an Flachheit und Langeweile kaum zu toppen ist. Wird man vermutlich bemerken, wenn sich der Hype in einem Tempo legt, gegen das sogar der Niedergang von Guildo Horn nichts war. Die „Zeit“ ließ Lena ein wenig träumen und alle auch ernstzunehmende Welt jubilierte, dass Lena von einem Bauernhof und einer Harley träumt und begann sofort, diese tiefenschweren Gedanken zu interpretieren. Die bisher halbwegs erträglichste Art, sich der lustigen Quatsch-Veranstaltung anzunähern, habe ich bei Stefan Niggemeier und Lukas Heinser gefunden, da ist der Ernst nicht ganz so heilig. Aber über das Mikro in den Videos müssten wir dringend nochmal reden.

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Mit diesen Eil-Meldungen ist das langsam ein echtes Kreuz. Man kann sich ja kaum mehr vor dem Eindruck retten, dass auf der Welt alle Naslang was passiert. Stimmt ja auch. Beispielsweise:

Dass Phillip Lahm Kapitän der deutschen Nationalmannschaft wird, wurde natürlich ebenfalls eiligst gemeldet, so wie viele andere Sachen auch. Ich meine, ich mag ja dieses ganze Twitterzeugs einigermaßen, aber manchmal bin ich mir nicht sicher, ob nicht die Neigung, eher unwichtige Dinge aufzuplustern, massiv verstärkt wird. Gabi Pauli und eine Nullkommairgendwas-Partei als Eilmeldung – geht´s denn eigentlich noch?

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Nachtrag, 30.5.:  Muss sich der Sprachschützer-Verein nach der eingetrenenen Riesenblamage nicht selbst auflösen?

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