Schlachtplattenpads

Kann es sein, dass es der Branche momentan gerade unter leichtem Kopfschmerz dämmert, dass diese Sache mit dem iPad vielleicht doch nicht die potenzielle Erlösung ist?

Dem VDZ geht auf, dass von diesen ganzen hübschen Spielereien erstmal nur einer in jedem Fall profitiert — und das sind nicht die Verlage, sondern Apple. Beim Deutschen Journalistenverband (Hinweis: Ich bin Mitglied) bemerkt der Vorsitzende Michael Konken plötzlich, dass Apple ja auch massiv Einfluss auf Inhalte nehmen kann.  Und Frank Schirrmacher sieht die Welt auf dem Weg zu einem autoritären „iPad-Staat„, was die Apple-Enthusiasten gar nicht freuen dürfte und vielleicht auch etwas überspitzt ist. Die Grundtendenz ist aber nicht von der Hand zu weisen. Apple hat keineswegs vor, darbenden Verlagen aus der Misere zu helfen. Apple will Geld verdienen, Apple will Kontrolle, Apple hat perspektivisch Microsoft schon lange hinter sich gelassen. Bei Microsoft wurde nach dem Einsatz von irgendwelchen europäischen Kommissionen gerufen, um das Monster zu zähmen. Bei Apple jubilieren die selben Menschen schon, wenn der Konzern ankündigt, in Erwägung zu ziehen, demnächst vielleicht eine neue Version des iPhone auf den Markt zu werfen (Ich sollte da übrigens wirklich vorsichtig sein, ich habe selbst ein iPhone).

Aber es soll hier nicht so sehr um die merkwürdig unreflektierte Haltung an sich intelligenter Menschen gehen, sondern um die enorme Diskprepanz zwischen Hoffnungen und Realitäten in Sachen iPad. Sehr schön sieht man das aktuell am „Spiegel“, der sich noch lustig gemacht hatte über die Trostlosigkeit der US-Verlagsangebote. Inzwischen gibt es die eigene App, was das „Fontblog“ zur sarkastischen Anmerkung veranlasst, es handle sich hierbei eher um eine Art „grafische Schlachtplatte“. Und in der Tat, was man bisher so sieht, das wirkt nicht gerade wie der Aufbruch in einen neuen multimedialen Journalismus. Die Trost- und Lieblosigkeit der iPhone-App setzt sich hier konsequent fort:

(Screenshots: Fontblog)

Natürlich, zwei Argumente werden zu dieser Kritik umgehend kommen: zum einen, dass es andere ja auch noch nicht sehr viel besser gemacht haben. Und dass, zum anderen, die Entwicklung solcher Apps und eines solches iPad-Journalismus ja noch ganz am Anfang stehe. Beides stimmt, beides zeigt aber auch, dass es noch eine ganze Menge zu tun gibt, will man wirklich plausible Gründe schaffen, Medienangebote auf eigenen (kostenpflichtigen) Apps zu schaffen. Die App des „Spiegel“ liefert bisher jedenfalls nur sehr eingeschränkte Anreize, dafür mehr Geld auszugeben als für die gedruckte Ausgabe. Man wird gut zu tun haben, bis man Apps entwickelt, die wirklich eine neue Form des Journalismus bieten und das iPad nicht nur zum hippen Lesegerät degenerieren.

Trotzdem denke ich, dass es der „Spiegel“ sein wird, der noch am ehesten von möglichen Entwicklungen auf dem iPad profitieren wird. Ganz einfach, weil er sich erneut als einer der ersten ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzt. So wie damals, vor fast 15 Jahren, als man „Spiegel online“ ins Leben rief, was aus heutiger Sicht ebenso unbeholfen und irgendwie überflüssig wirkte wie die jetzige App. Manchmal wiederholt sich Geschichte eben doch.

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1 Kommentar

  1. Dummdämlich ist dieses blinde Vertrauen in einen erneuten vermeintlichen Heilsbringer zur Lösung des Bezahlproblems. Kaum aus dem Jammern über den alles dominierenden Moloch Google heraus, begibt man sich diesmal sogar freiwillig und begleitet von viel kostenloser Promotion in die Abhängigkeit des nächsten Giganten.
    Nur diesmal ist es übler: Apple stellt die Infrastruktur, kontrolliert den Zugang, zensiert die Inhalte und prägt die öffentliche Meinung (durch die wohlwollende Berichterstattung der von dem Geschäftsmodell abhängigen Medien). Fein hinbekommen.

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