Was von der Woche übrig blieb

Bei den Kollegen von sueddeutsche.de sucht man immer noch einen Nachfolger für den scheidenden Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs. Das ist insofern erstaunlich, als dass Jakobs´Abgang schon seit einigen Monaten feststeht. Auf der anderen Seite ist die lange Suche nicht erstaunlich, wenn man weiß, dass es bei der Süddeutschen schon längere Zeit Debatten gibt, die Onliner und die Printredaktion enger zu verzahnen. In einem solchen Konstrukt würde sich letztendlich auch die Frage stellen, ob man einen reinen „Online-Chefredakteur“ überhaupt braucht. Das Problem bei dieser neuen Struktur soll aber gar nicht mal sein, ob man das journalistisch oder strukturell durchziehen kann/will. Vielmehr geht es ganz banal ums Geld: Die Online-Redakteure der SZ sind in einer eigenen GmbH angestellt und verdienen nach diversen Insider-Einschätzungen rund 30 Prozent weniger als die Kollegen der gedruckten Zeitung (Tarif vorausgesetzt). Das ist immer noch erstaunlich, auch wenn man sich an die Tatsache, dass Onliner weniger verdienen, fast schon resignierend gewöhnt hat.  Erstaunlich ist es, weil man ja so furchtbar gerne (und da ist die SZ im Regelfall ganz vorne dabei) über die mangelnde Qualität im Onlinejournalismus wehklagt. Erstaunlich ist es, weil es nicht einen einzigen plausiblen Grund für die deutlich schlechtere Bezahlung gibt. Und erstaunlich ist es, dass man zwar selbst in den konservativsten Verlagen zähneknirschend einräumt, dass die eigene Zukunft sehr stark von Online abhängen könnte — man aber auf der anderen Seite, denen, die den Laden mittelfristig irgendwie ins Laufen bringen sollen, deutlich weniger bezahlt. Dabei bemerkt ja auch die SZ, wie die Zeiten härter werden. Die Klagen aus der Redaktion über die Arbeitsbelastung nach dem rigorosen Personalabbau sind nichts Unbekanntes mehr und auch am Blatt bemerkt man ungewohnte kleine Fehler, die natürlich die Qualität des Blattes nicht dramatisch schmälern. Trotzdem kann man fehlende Überschriften, Meldungs-Doubletten und eine spürbar gestiegene Zahl an kleinen Flüchtigkeitsfehlern gut mit dem Personalabbau in Verbindung bringen. Was sonst noch fehlt bei der SZ: wirkliches Engagement im digitalen Geschäft, eine Webseite, die man personell und inhaltlich so betreut, wie man es von der SZ eigentlich erwarten würde — und freuen würde man sich auch über eine App für dieses neue Zaubergerät namens iPad, von dem man neuerdings so viel hört.

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Die interessanteste Frage der Woche habe ich diese Woche in einem Interview gestellt bekommen: Ob ich denn glaube, dass eine zunehmende Nutzung von Blogs durch Journalisten für eine bessere Qualität des Journalismus sorge (weil man als Journalist dann möglicherweise auch kritischere Sichtweisen zu eigen mache)? Die Antwort erst mal vorweg: Selbst wenn man eine wachsende Nutzung von Blogs durch Journalisten unterstellen würde, würde sich dadurch in der Qualität des Journalismus nichts ändern. Aber noch viel erstaunlicher finde ich, dass Blogs in der Alltagsarbeit deutscher Journalisten immer noch eine eher untergeordnete Rolle spielen. Wenn nicht gerade ein Verlegerssohn die Kommentarfunktion eines Blogs flutet (oder zumindest: wenn von seinem Rechner die Kommentarfunktion geflutet wird), schaffen es deutsche Blogs selten in die Tagesarbeit von Redaktionen. Dabei finde ich ja gar nicht, dass man als Journalist selber unbedingt bloggen müsste. Aber lesen, lesen sollte man das Zeug schon. Ist vermutlich ergiebiger als der ganze Pressemitteilungs-Kram, durch dessen Berge auf den Schreibtischen man sich jeden Tag durchwühlen muss.

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3 Kommentare

  1. > Dabei finde ich ja gar nicht, dass man als
    > Journalist selber unbedingt bloggen müsste. Aber
    > lesen, lesen sollte man das Zeug schon. Ist
    > vermutlich ergiebiger als der ganze
    > Pressemitteilungs-Kram, durch dessen Berge auf den
    > Schreibtischen man sich jeden Tag durchwühlen muss.

    Und mit Feedreadern etc. war es noch nie so einfach, den Überblick zu behalten. Ich kann die Aussage nur unterschreiben und unterstreichen. Andere Blogs lesen bildet und inspiriert!

  2. Hier zur Diskussion noch eine Studie über die Nutzung von Social Media von Journalisten:
    http://bit.ly/b0RYu4
    Demnach interssieren sich lediglich knapp zwei Drittel der befragten Journalisten nicht für Bloginhalte…

  3. @Christiane Danke für den Tipp mit der Studie – sie bestätigt meine Wahrnehmung in diversen Diskussionsrunden der letzten Wochen. Erschreckend, wieviele Journalisten sich weder für Bloginhalte, Social Media oder „iPad“ (als Variable für „Tablet PC“ betrachtet) interessieren und all das, was längst Teil ihrer täglichen Arbeitsrealität ist, ignorieren oder schlimmer noch, als „überflüssiges Spielzeug“ abqualifizieren.

    Und die Süddeutsche veröffentlicht lieber ein Radtouren-App, als ihr Flaggschiff entsprechend zu vermarkten. Gute Güte.

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