Man wird wohl noch löschen dürfen

Eigentlich wollte ich ja zu dem vermeintlichen „Konstantingate“ nichts schreiben, weil es ohnehin schon fast alle getan haben. Nachdem die Debatte um die vermutlich gefakten Kommentare auf den Blog von Stefan Niggemeier momentan etwas absurde Ausmaße annimt, würde ich aber doch noch gerne das eine oder andere sehr Grundsätzliche loswerden.

Komisch ist das ja, erstens, irgendwie schon. Bisher dachte ich immer, es sei so eine Art Selbstverständlichkeit, dass jemand, der etwas halbwegs Ernsthaftes zu sagen hat, das auch unter seinem richtigen Namen tut. Oder wenigstens dem anderen, in dem Fall dem Bloginhaber, innerhalb des Kommentarformulars eine Möglichkeit gibt zu verifizieren, um wen es sich handelt.   Wenn irgendjemand anfängt, Kommentare zu fingieren, dann finde ich den Hinweis auf Datenschutz und Anonymität, die man irgendjemandem zusichert, reichlich bizarr. Es gibt Spielregeln, an die sich beide Seiten zu halten haben. Kommentare faken und dann auf Datenschutz pochen ist in etwa wie ein Banküberfall und einem Bestehen auf freien Abzug, weil im Grundgesetz Bewegungsfreiheit garantiert ist.

Ich habe, zweitens, keinerlei Ahnung, welche Version die Richtige ist. Sprich: Ob Konstantin Neven DuMont tatsächlich hinter der Kommentarspammerei steckt oder ob es, wie er behauptet, Mitarbeiter waren, die an seinem Computer Zugang hatten. In dubio pro reo, klar. Aber ich wüsste zumindest, was ich mit Mitarbeitern/Kollegen/Freunden machen würde, die an meinem Computer und unter Angabe meiner Mailadresse irgendetwas machen würden, ganz egal, ob sie Kommentarspam schreiben, einen Blogeintrag schreiben oder Pornos bestellen. Man darf es also dann bitte wenigstens noch merkwürdig finden, dass ein Großverlag zur Erklärung für einen solchen Vorfall nichts anderes anführen kann als: Waren zwei böse Mitarbeiter. Wir haben ihnen gesagt, dass sie das in Zukunft beiben lassen.

Und schließlich, das als Drittes, ist es eine Frage des persönlichen Umgangs, wie man so etwas handhabt. Ich habe (angesichts dieser Dimension würde ich sagen: gottseidank) nicht im Ansatz diese Kommentarfluten wie der Kollege Niggemeier und die Zahl der Trolle hat sich bisher in überschaubaren Grenzen gehalten. Trotzdem ist es natürlich nicht immer nett, was man so alles zu lesen bekommt und manche Menschen sind mit penetrant“ noch sehr höflich beschrieben. Einer hat mich mal als „Nazi“ , bezeichnet, jemand anderes meinte, er müsse dringend mal meine ganzen Charaktereigenschaften öffentlich diskutieren, einer empfahl mir, ich solle mich doch endlich vor einen Bus werfen und Ruhe geben. Dass ich so etwas nicht veröffentliche, war für mich zu keiner Sekunde eine Frage. Ich bin für jede Saalschlacht im Netz gerne zu haben, finde aber nicht, dass das Netz jegliche Grundlagen menschlichen Anstands aufhebt. Umgekehrt habe ich für mich eine denkbar einfache Lösung gefunden: Löschen. Ohne jegliche Erklärung. Wenn mir jemand empfiehlt, mich vor einen Bus zu werfen, muss ich ihm nicht erklären, warum ich das jetzt nicht für eine so gute Idee halte.

Und schließlich, als viertes: Ich würde Ihnen gerne diesen Text ans Herz legen, weil man das Thema „Kommentieren im Internet“ nicht treffender beschreiben kann.

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