Eine kleine App-Kritik (2): Dahinter steckt nicht immer…

Bei der FAZ lässt man sich traditionell gerne etwas Zeit, bis man eine Weiterentwicklung in der digitalen Welt mitmacht. Als alle Welt schon mit Internet-Auftritten am Markt war, kam irgendwann auch mal FAZ.net angeschlappt. Das Warten hatte sich allerdings gelohnt, finde ich. Ich bin kein großer Fan der gedruckten FAZ, mag aber online ihre Unaufgeregtheit — und dass sie sich den Luxus leistet, nicht wie ihr großer Konkurrent SZ wirklich jeden noch so blöden Mist in Klickstrecken zu packen. Anders als beispielsweise „Spiegel Online“ kommt die FAZ auch ganz wunderbar ohne Ausflüge ins Reich der Bohlens und Menowins aus. Und sie hat Stefan Niggemeier und Don Alphonso auf eine gemeinsame Blogplattform gepackt, das muss man auch erstmal hinbekommen. Dafür nimmt man eine nicht ganz so große Innovationsfreude der Frankfurter schon mal in Kauf.

Dass die FAZ jetzt auch mit einer iPhone-App reichlich spät daher kommt, ist also noch nicht die eigentliche Überraschung. Erstaunlich ist vielmehr: Man hat sich wirklich reichlich Zeit gelassen — um dann es etwas vorzulegen, was man bestenfalls Standard nennen kann, garniert mit einem ebenso erstaunlichen Finanzierungsmodell. Man soll für eine 30tägige Nutzung 2,99 € bezahlen.

Erst einmal zur App selber: Sie ist, wenig überraschend, sehr solide gut geworden, mit allen wichtigen Funktionen und einer wirklich feinen Optik. Sieht man von der edlen Optik ab, ist das, was die FAZ vorlegt, allerdings auch haargenau das, was man heute als Anspruch an eine funktionerende App stellen muss. Was hingegen irritiert: Auch vor einem Testversuch verlangt die FAZ eine Registrierung, was im iTunes-Store schon zu einigen bösen Kommentaren geführt hat und auch nicht wirklich nachvollziehbar ist. Dass ich mich für die Nutzung einer App irgendwo registrieren muss (außer im Store natürlich), ist mir bisher auch noch nicht untergekommen.

Für 2,99 € pro Monat bekommt der Nutzer dann allerdings nichts, was einen Preis rechtfertigen würde. Letztendlich ist die App die mobiloptimierte Version der Website. Das ist schön, aber irgendwie nur von bedingtem Wert, weil man zwei Mausklicks weiter ebendiese optimierte Version ja kostenlos bekommt. Allerdings zeigt diese Geschichte der FAZ-App exemplarisch auch die Problematik von Apps, insbesondere für das iPhone. Man kann natürlich, wie die Kollegen von meedia, durchaus das Fehlen eines Zeitungs-PDFs beklagen. Aber will man die FAZ wirklich als PDF auf dem kleinen Handyscreen lesen (ich will das jedenfalls nicht)? Ebenso fehlen die Blogs, aber will ich wirklich einen 10.000 Zeichen-Schinken von Don Alphonso auf dem Handy lesen? Und ist die Tatsache, dass man die Mobilversion einer Webseite auf einen Fingertipp statt auf zwei Klicks bekommt, wirklich etwas, wofür man Geld bezahlt (bei mir gilt wiederum: eher nein).

Das alles sind Funktionen, die man sich auf dem iPad mit seinem deutlich größeren Bildschirm gut vorstellen könnte. Eine iPad-App aus Frankfurt gibt es allerdings nicht, aber wenn sie sie so hurtig sind wie immer, dann könnte hier schon im Sommer 2011 die nächste Besprechung einer FAZ-App stehen.

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4 Kommentare

  1. 10000? Pah! Mit Kommentaren im Schnitt 80.000 Zeichen!

    Aber im Ernst: Ich würde auch bezweifeln, dass man solche Beiträge auf dem iPhone liest. Aber andererseits ist es schon auch komisch, wenn ausgerechnet die wirklich interaktiven Elemente wie mein Blog nicht vorhanden sind, und dafür nicht interaktive Buchtipps eingetauscht werden. Ich war nicht involviert und halte Apps generell für wenig aussichtsreich, aber zur Markenstärkung wäre es sicher kein Fehler gewesen, sie zu integrieren. Netter hätte ich es gefunden, die Leser selbst entscheiden zu lassen.

  2. Ich will die FAZ mobil lesen. Das kann die App aus zweierlei Gründen nicht leisten. Erstens bietet sie die Funktion nicht an. Und zweitens beschränkt sie sich auf die Apple-Plattform. Ich halte beides für große Fehler.

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