Ein Buch – das Update (19): Alleswissenkönnenmüsser

So unterschiedlich die Debatten zum Thema „Crossmedia“ auch immer sein mögen — mit einem Thema wird man zuverlässig bei fast jeder Veranstaltung konfrontiert: Muss man jetzt alles können? Und möglicherweise: sogar alles gleichzeitig? Kann man so etwas wie journalistische Qualität überhaupt gewährleisten, wenn Journalisten plötzlich Dinge machen müssen, die sie gar nicht richtig beherrschen? Crossmediales, journalistisches Handwerk — und seine Grenzen, das wird eines meiner Themen im Buch sein. Und weil ich mich natürlich ebenfalls gerne mit meinem Expose der Debatte stelle, bitteschön, hier ist es:

Vermutlich gibt es ja zwei Sichtweisen auf dieses viel gebrauchte Wort „Crossmedia“. Da ist zum einen die Sichtweise von denen, die es nicht machen müssen und sich gerne mit Zahlen und Renditen beschäftigen. Für die ist „Crossmedia“ in erster Linie toll, weil man damit vermutlich viel Geld sparen kann (weil einer jetzt nicht mehr nur einen, sondern mindestens zwei Kanäle bespielt).

Darum geht es im Buch nicht.

Und dann gibt es eine andere Sichtweise. Die „Crossmedia“ nicht einfach als eine gedankenlose, uninspirierte Möglichkeit betrachtet, möglichst schnell möglichst viel Inhalt irgendwo hinzupacken. Sondern als eine Herausforderung für Journalisten, aber auch eine Chance. Für vielseitiges, abwechslungsreiches und vor allem wirklich vernetztes Arbeiten.

Dazu gehört zweierlei. Das eine ist solides, in des Wortes Sinne gekonntes Handwerk. Das klingt banal und einfach, das sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man nicht etwas, was man handwerklich nicht beherrscht (ist es aber leider nicht). Deswegen wollen wir im Buch nicht nur spezialisierteres Wissen vermitteln — z.B. für alle, die sich auf einen Bereich verstärkt konzentrieren wollen – sondern auch darstellen, was jemand können muss, der sich als das versteht, was man gerne spöttisch „eierlegende Wollmilchsau“ nennt. Man könnte das auch crossmediale journalistische Grundlagen nennen.

Das Zweite ist das vernetzte Denken. Viel zu oft erlebt man, dass „Crossmedia“ in erster Linie bedeutet, einen Inhalt auf möglichst allen Kanälen laufen zu lassen (oder, andere Variante: Kannste da nicht auch nen Video dazu machen?). Wir wollen zeigen, worauf es beim vernetzten Denken ankommt,wie man wirkliche Mehrwerte schafft — und warum es durchaus sehr sinnvoll sein kann, auch mal auf ein Video, ein Audio oder eine andere Darstellungsform einfach zu verzichten.

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3 Kommentare

  1. Vielleicht ebenso wichtig, wie „warum“ Crossmedia oder „wie“ man Mehrwerte schafft, fände ich das „wann“. Wann mache ich aus was-auch-immer einen Text, ein Audio, ein Video? Vermutlich ist das eine schwierige Frage, weil es – glaube ich – darum geht ein Gefühl dafür zu vermitteln bzw. zu entwickeln. Aber vielleicht könntest Du versuchen, es zu erklären?

  2. Ja, wann ist eine gute Frage. Ich glaube wir müssen uns davon lösen, in Mediengattungen zu denken, sondern erst einmal von der Geschichte her denken und dann fragen: „Und wie setze ich das jetzt um?“ Nicht: „Oh, ich hab hier ein geiles Tool“ oder „Hey, ich könnte mal wieder ein Video machen“ und dann macht man das. Erst sollte doch die Geschichte stehen und dann erst das Medium. Dafür muss man die ganzen Tools natürlich kennen – aber wir sollten bei der ganzen Debatte doch echt mal nicht vergessen: Es geht um Journalismus. Nicht um Medien!!!

  3. Zwei sehr spannende Kommentare! Die doch zeigen, wie sehr man (noch) in alten Denkmustern hängt. In den neuen Möglichkeiten des „Crossmedia“ ist angekommen, wer nicht mehr versucht, einen Inhalt zu produzieren, um in danach in einer Form/einem Medium zu verpacken. Inhalt und Form lassen sich nicht trennen. Sie bedingen sich gegenseitig, beeinflussen und prägen sich. D.h. wechsele ich das Medium, ändert sich auch die Geschichte, die ich erzähle (sofern ich die Möglichkeiten und Bedingungen dieses Mediums auch wirklich verstehe und ausnutze). Vielleicht ist es das, was der Journalismus heute lernen muss.

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