Der ultimative Tsunami im Blogger-Sumpf

Spätestens seit eine gewisse Sarah im Dschungel ein leicht anschwellendes Bächlein als „Tsunami“ bezeichnete, sollte man ja etwas vorsichtig sein mit diesem Begriff. Der Blogger Sascha Pallenberg hat trotzdem via Twitter einen Tsunami angekündigt. Ach was, nicht irgendeinen Tsunami, sondern den „ultimativen Tsunami“, was wiederum die Frage aufwirft, ob es zwischen Sascha Pallenberg und Sarah Knappik nicht irgendeine entfernte Verwandschaft gibt, aber das nur am Rande. Jedenfalls twitterte Pallenberg vergangene Woche, er habe „boese brisantes Material“ zugesteckt bekommen. Für einen Moment wird er sich vermutlich wie ein ultimativer Mini-Assange gefühlt haben und damit könnte man es auch bewenden lassen, getwittert wird schließlich viel, wenn der Tag lang ist.

Aber wie das so ist mit Journalisten: Wenn sie mit ins Spiel kommen, zumal dann, wenn sie beim Hyperventilationsportal „Meedia“ arbeiten, wird daraus dann doch noch eine Geschichte. Und weil man sich bei „Meedia“ ungern mit den kleinen Dingen des Lebens zufrieden gibt, wird daraus jetzt ein „Schleichwerbesumpf in der Blogger-Szene“ (etwas kleiner hatten sie es gerade nicht). Der Tsunami im Werbesumpf geht demnach so: Pallenberg hat Verträge „zugespielt“ (uiii…) bekommen, aus denen hervorgeht, dass eine PR-Agentur versucht hat, Links in Blogs zu kaufen. Diese Links sollten in Beiträge eingebunden werden und dann wiederum auf die Seiten der Kunden der Agentur verweisen. „Meedia“ empört sich praktischerweise über beides, nämlich über den „Ausbeutungsversuch“ der Agentur, die zwischen 30 und 70 Euro pro Link bezahlt hätte und selbst ein mehrfaches von ihren Kunden erhalten hätte. Und natürlich über die Blogger, die sich in ebendiesen Schleicherwerbesumpf begeben hätten.

Irgendwann hat es Meedia dann aber doch mal gedämmert und man hat einen Anwalt gefragt, ob das denn Schleichwerbung sei und der Anwalt hat geantwortet, das eigentlich nein, weil es ja irgendwie weder Werbung noch verboten sei (ein Sumpf, ein Tsunami ist das natürlich dann trotzdem). Trotzdem lässt Meedia Pallenberg den Schluss ziehen, dass das Einbinden von Links „lukrativer als jede Werbekampagne“ sei, was bei mir selbst gerade übrigens die drängende Frage aufwirft, warum mir potentielle Werbekunden eigentlich nicht jeden Tag die Tür einrennen.

Ein bisschen beitragen können hätte ich übrigens zu dem Scoop auch, weil man mir (Gänsehaut!) ebenfalls ein solches Angebot geschickt hat und ich jetzt heilfroh bin, dass ich nicht vom Sumpf im Tsunami mitgerissen werde, weil ich das gemacht habe, was man mit solchen Mails eben macht: löschen.

Aber so ist das  mit Bloggern und (Medien-)Journalisten: Irgendwo müssen die Schlagzeilen ja her kommen. Und wenn sie eine Geschichte mal eben so gar nicht hergibt, dann dreht man eben so lange, dass sie vermutlich sogar in der „Bild“-Redaktion rote Öhrchen bekämen.

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19 Kommentare

  1. Pingback: Nics Bloghaus
  2. Ich kann dir sagen warum potentielle Werbekunden dir nicht die Tuer einrennen.

    Wer bewusst die entscheidenden Passagen zum Google-Ranking Push und der Verschwiegenheitsklausel inkl. der Vertragsstrafe nicht nennt, wird halt nicht ernst genommen.

    Denk mal 2 Minuten drueber nach 😉

  3. Mit dem Tsunami hast du natürlich Recht. Alte Journalistenkrankheit (Wie heißt euer Buch noch mal?)

    Allerdings frage ich mich und dich, wie man den Versuch, das Google-Ranking zu manipulieren, denn nennen soll? Aha, 1 Anwalt (in Worten: ein!) hat gesagt, das sei keine Schleichwerbung. Naja, wenn es 1 Anwalt sagt, dann muss es ja stimmen. Vielleicht ist es Schleichwerbung über Bande? Oder indirekte Schleichwerbung? O.K. ist es jedenfalls nicht.

  4. @Wolfang

    Allerdings frage ich mich und dich, wie man den Versuch, das Google-Ranking zu manipulieren, denn nennen soll?

    … ganz einfach: SEO. Mache ich jeden Tag und läuft gut.

  5. @Sascha Pallenberg: Ich kann den Skandal nicht entdecken, nicht mal ein Skandälchen. Und auch die Neuigkeit an deinen bevorstehenden Enthüllungen nicht. Solche Mails kursieren seit Ewigkeiten. Dazu braucht man kein Wikileaks in klein. Was ein Betreiber damit erreichen will, ist auch jedem klar, der sich mal ein bisschen mit dem Netz beschäftigt hat. Also, nochmal: Wo ist dein „böses Material“? Wenn das alles ist, entlockt mir das nicht mal ein Gähnen. Wenn ein Blogger sich so billig für so einen Kram verkauft, so what…wenn das Stoff für Auswertung von CD´s und deren Preisgabe ist, oh weia. Aber kleine Prophezeiung: Davon spricht morgen kein Mensch mehr.

    @Wolfgang Michal: Die Sache ist ziemlich einfach. Schleichwerbung wird dann ein relevantes Thema, wenn dadurch wahlweise ein bestehendes Werbeverbot umgangen wird oder eine vorgegebene Trennung von Redaktion und Werbung nicht eingehalten wird. Blogger unterliegen diesen Vorgaben ja gar nicht. Wenn ich als Privatmann und Blogger unterwegs bin, kann ich hemmunglos behaupten, dass Vodafone ein Mistladen ist und die Leute lieber mit E-Plus telefonieren sollten. Ich kann offen auf E-Plus linken oder auch nicht. Ich kann von E-Plus Geld dafür bekommen oder auch nicht und bin niemanden darüber Rechenschaft schuldig. Ob ich das dann auch tue, steht wieder auf einem anderen Blatt. Also…wo ist die Geschichte, bitte sehr?

    Achja, das Buch heißt vermutlich „Universalcode“ – bessere Vorschläge :-)?

  6. Naja mal wieder sind die bösen Blogs daran schuld ;-). Völliger Quatsch. Einzig und alleine die Firma mit den Knebelverträgen ist an diesem Problem schuld.

  7. Die Medien mit denen ich gesprochen habe kennen die Dokumente und involvierten Firmen. Glaube mir, dass ich sonst damit nicht an die Oeffentlichkeit gehe.

    Ob du das entdecken kannst oder nicht, ist auch ziemlich wumpe. Du hielst es noch nicht einmal fuer noetig auf die Verschwiegenheitsklausel des Vertrages hinzwuweisen. Waere dies eine der ueblichen „Schreibe mal ueber unser Produkt“-Nummern die jeden Morgen in der Inbox aufschlaegt, dann wuerde ich nicht damit in die Oeffentlichkeit gehen. Ist es aber nicht und auch dir wird das noch oeffenbart. Keine Angst, ich bin da recht gelassen und habe Zeit 😉

  8. Pallenberg = Geil auf Aufmerksamkeit
    Online-Medien = Keine Ahnung von der Materie und geil auf Traffic
    Netzgemeinde = gelangweilt

  9. @Nevim: Du verkennst das Problem, hier werden pseudopersönliche Beiträge geschrieben, nur um dann in dem Text einen „gekauften“ Link unterzubringen. Für mich ist das indirekte Schleichwerbung – Leute für dumm verkaufen. Die Dimension des Ganzen ist für den Sachverhalt zweitrangig. Die Dauer der Aufregung darüber auch.

    Sascha Pallenberg sollte aber nicht so viel Wind machen vorher, sondern mit den Fakten rüberkommen.

    P.S. Ich kenne den Titel des Buches. Universalcode hat ja was superlativ Tsunami-artiges 😉 Wir wär’s mit FREESTYLE (passt zum Untertitel, zum freien Journalismus, zum Unfertigen, zum Protesshaften und zum Improvisieren). Viel Glück!

  10. @Nevim: Du verkennst das Problem. Wenn extra pseudopersönliche Beiträge geschrieben werden, nur um dann in den Texten die gekauften Links unterzubringen, dann ist das Leser-für-dumm-verkaufen. Es ist dabei völlig egal, welche Dimension der „Skandal“ hat, und es ist auch völlig egal, wie lange er durchs Dorf getrieben wird.
    Aber Sascha Pallenberg sollte nicht so viel Wind machen vorher, sondern mit den Fakten rüberkommen.

    @cjakubetz: Universalcode hat ja auch was superlativ-tsunami-mäßiges 😉
    Wie wär’s mit FREESTYLE (passt zum Untertitel, zum freien Journalismus, zum Prozesshaften, zum Unfertigen und zum Improvisieren)?

  11. @Sascha Pallenberg Der „Skandal“ ist lächerlich und die Aufdeckung setzt auch noch an der falschen Stelle an.

    Wie kommst Du eigentlich darauf, dass es sich hier um „Knebelverträge“ handelt? Es gibt eine Verschwiegensheitsklausel mit Vertragsstrafe – Klingt nach einem normalen Vertrag. Mal abgesehen davon, dass ich einem normalen Blogger unterstelle das er lesen kann, ist der Vertrag für ihn ein „Knebelvertrag“ dann muss er ihn nicht unterschrieben, in Deutschland haben wir Vertragsfreiheit.

    Das es sich bei der ganzen Geschichte um Schleichwerbung handeln soll hat cjakubetz ja bereits entkräftet.

    Das einkaufen von Links, auch auf Blogs, gehört zum SEO-Tagesgeschäft und ist nichts Besonderes. Ich könnte 20 „Internetunternehmen“ nennen, die es machen und es ist auch nichts dabei, entweder man setzt den Link und nimmt das Geld oder eben nicht. Die Verantwortung liegt hier doch bei den Bloggern und nicht bei den Agenturen. Niemand zwingt sie Verträge zu unterschreiben oder Links zu setzen. Wenn du hier schon einen auf Mini-Assange machen willst, dann setze doch bitte bei den Schuldigen an – den Bloggern. Sie haben das Angebot doch angenommen und ihre treuen Leser nicht aufgeklärt. Niemand hat sie dazu gezwungen!

    Dein Verhalten, insbesondere der Vorwurf der Schleichwerbung, grenzt langsam an den Straftatbestand der Falschen Verdächtigung, das aber nur am Rande.

    Das ganze beweist auf jeden Fall mal wieder vorzüglich die Engstirnigkeit der deutschen Blogosphäre, die in ihrem eigenen Mikrokosmos fernab der Realität lebt. Da wird etwas als Skandal ausgegeben, das seit Jahren zum normalen operativem Geschäft gehört, die Rollen werden vertauscht und die armen Blogger als Opfer hingestellt. Sie haben das Geld genommen, Sie haben den Vertrag ohne Zwang unterschrieben und die Blogger haben den Link geschaltet – Die Opfer in dieser Geschichte sind sie jedenfalls nicht

  12. @Sascha Pallenberg: Und was ist damit? http://www.netbooknews.de/1289/netbooknews-gewinnspiel-nc20-ideapad-s10e-msi-wind-u100-und-mehr/

    Sicherlich bist du hier dem „Knebelvertrag“ entkommen…
    Trotzdem bleiben 2 Sachen offen:
    Hast du mit der Aktion „Link für eine Gewinnspielteilnahme“ nicht Google-Spamming betrieben?
    Hast du hier nicht Firmen gegen eine Leistung (in dem Fall ein Produkt) verlinkt?

    Wenn man das Ganze so durchliest, tust du einem leid. Gute Freunde sind ein besserer Zeitvertreib!

  13. Pallenberg? Ist das nicht der, der im Ringen um Aufmerksamkeit einem Journalisten, mit dessen Einschätzung er nicht übereinstimmt, gerne Mal ein Problem mit harten Drogen andichtet?

    Und Pallenbergs Netbooknews.de? Sind das nicht die, die sich von Amazon dafür bezahlen lassen, dass sie in ihre Texte einen Link zu deren Produktseiten einbauen? (Ja, das Partnerprogramm von Amazon ist ebenfalls Schleichwerbung und hat in einem journalistischen Blog nichts verloren. Und überhaupt: Nur fünf Prozent vom Umsatz, ist das nicht schrecklich, wie Amazon die armen Blogger ausbeutet…?)

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