Ich habe vorhin im Internet nachgeschaut

Der Nachrichtendienst Twitter ist nicht sicher. Ich habe vorhin im Internet nachgeschaut.

Es ist ein ziemlich Leichtes, sich über diesen wunderbaren Dialog zwischen offensichtlich irritierten Berliner Hauptstadtjournalisten und dem stellvertretenden Regierungssprecher Herrn Dr. Steegmans (klingt irgendwie nach Loriot) zu amüsieren. Im Kern geht es darum, dass Regierungssprecher Steffen Seibert jetzt auch twittert (@RegSprecher) und über diesen nicht sicheren Nachrichtendienst mitteilt, dass die Kanzlerin beabsichtigt, im Sommer in die USA zu reisen. Die Nachfragen an den Herrn Dr. Steegmans reichen bis hin zur besorgten Anfrage, ob man jetzt auch einen Twitter-Account haben müsse, um von @RegSprecher Seibert informiert zu werden. Das ist alleine schon deswegen witzig, weil man sich spontan fragt, wie eigentlich Berliner Hauptstadtjournalisten bisher ihre tägliche Arbeit so ganz ohne Nachrichtendienst geschafft haben, selbst wenn er unsicher ist, wie das Internet weiß.

Dabei sind es gar nicht die Hauptstadtjournalisten alleine, die zu diesen unsicheren Nachrichtendiensten ein etwas eigenartiges Verhältnis haben. Fragen, die mir in den letzten drei Wochen gestellt wurden (von Journalisten):

– Was kostet Twitter eigentlich?

– Wenn eine SMS von Twitter (!) ins Ausland kommt, ist die dann teurer?

– Wie installiere ich Twitter auf dem Rechner?

– Wenn ich bei Facebook mit jemandem befreundet bin, sind dessen ganzen Freunde dann auch meine?

Was ich demnach ganz banal glaube: Es ist, so lächerlich das klingt, zunächst eine Alterssache. Wenn ich Seminare mit jungen Journalisten mache, stelle ich regelmäßig die Frage, wer keinen Facebook-Account hat. Selten gehen Hände nach oben. Bei Twitter ist die Nutzerzahl nicht ganz so exorbitant, aber auch hier gilt: In den allerseltensten Fällen muss ich noch erklären, was dieses Twitter eigentlich ist. Umgekehrt stelle ich immer wieder fest, dass bei Menschen meiner Altersklasse (etwas überhalb der Mitte von Ü 40) Twitter in etwa so populär ist wie Peter Maffay bei 16jährigen. Schlimm? Nein. Ziemlich normal.

Den möglicherweise sinnigsten Satz in der Spott- und Lacharie allerdings, die jetzt über die irritierten Hauptstadtjournalisten hereinbricht, hat der Chefredakteur der Rhein-Zeitung, Christian Lindner, gesagt. Twittern, so der hardcoretwitternde Lindner, sei weder Ausweis journalistischer Kompetenz noch von Inkompetenz. Weil es ja schließlich so ist, dass mich offen gestanden all jene, die meinen, nur der twitternde Mensch sei ernstzunehmen, mindestens genauso nerven wie die Dauer-Verweigerer. Twitter ist ein wunderbares Werkzeug für vieles, Twitter ist für mich unverzichtbar geworden — aber auf Dauer wäre es dann doch schön, wenn wir wieder über Journalismus sprächen. Gerne auch in mehr als 140 Zeichen.

Nachtrag: Ist Twitter ein offizielles Nachrichtenorgan? Zum schauen noch lustiger als zum lesen:

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