Eine kleine App-Kritik (10): Paper Late

Natürlich kann man sich immer noch (und vermutlich auch noch für lange Zeit) trefflich darüber streiten, was eine App einer Tageszeitung alles leisten kann/soll/muss. Es wäre ziemlich unverschämt gelogen, würde ich behaupten, darauf eine endgültige Antwort zu haben. Wirklich sicher bin ich mir nur in einem: Auf einem multimedialen und hyperkonvergenten Gerät wie dem iPad erwartet man ein Angebot, das dieser Idee des Alleskönners zumindest entgegen kommt. In erster Linie lese ich zwar bei den Blättern, die ich auf dem iPad habe, tatsächlich in erster Linie die Zeitung. Aber ich nutze auch ziemlich intensiv gute Zusatzangebote, auch wenn ich beim besten Willen keine Rangfolge der besten oder wichtigsten Zusatzangebote aufstellen könnte.

Vieles spricht also dafür, dass es zumindest eine verpasste Chance ist, wenn man als Verlag tatsächlich nur die pure Zeitung auf den Bildschirm bringt. Und wenn man sich schon dafür entschließt, dann muss diese „Bildschirm-Zeitung“ tatsächlich auch wie eine Zeitung gemacht und gedacht sein. Man sollte sie also blättern können und sie einfach so bedienen können, wie man eine gedruckte Zeitung auch „bedient“. Ohne Umwege, ohne Umschalten, ohne irgendwas.

Aus dieser Perspektive ist die App der „Neuen Westfälischen“ ein merkwürdiges Nichts, bei dem einmal mehr die Frage offen bleibt: warum sollte man die Zeitung auf einem iPad lesen, wenn das doch sehr viel mühevoller ist als nötig. Bei der „NW“ wie auch bei einigen anderen hat man sich nämlich de facto für eine ePaper-Lösung entschlossen. Möglicherweise war das ja auch vor einigen Jahren für Bildschirmleser noch eine halbwegs probate Lösung, heute ist sie antiquiert. Die eigentliche Zeitungsseite lässt sich nicht wirklich zoomen, man müsste also, will man eine Geschichte im Zeitungslayout lesen, sie erst antippen, um eine Textversion zu erhalten – um dann nochmal umschalten zu müssen, wenn man das Original-Zeitungslayout sehen will. Vielleicht ist das ja eine etwas arg konservative Haltung, aber für mich hat Zeitunglesen eben nicht nur mit dem nüchternen Konsumieren von Texten zu tun (weswegen ich auch nur sehr ungern RSS oder Google-Reader verwende). Eine Textversion ist zwar einfacher zu konsumieren, aber eben auch mit etwas weniger Sinnlichkeit behaftet. Für mich müsste der Gedanke also genau umgekehrt sein: Mein Standard-Lesemodus ist das Original-Layout, als Alternative wird mir noch eine reine Textversion angeboten. Dass ich erst in der dritten Variante einen Artikel im Zeitungslayout lesen kann und das auch nur herausgelöst aus dem Umfeld der sonstigen Seite – das stört mich entschieden.

Was wir also daraus lernen: Ein iPad ist ein iPad und kein ePaper-Pad.

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1 Kommentar

  1. Ich bin gerade zufällig über diesen Blog gestolpert, als ich ipad zeitung alternative gegoogelt habe.
    Unseer Unternehmen entwickelt gerade eine HTML5 Web-App für Tageszeitungen und möchte Sie bitten, sich einmal diesen Prototypen anzusehen, den wir am Dienstag bei der NW vorstellen. ( Link steht weiter unten )
    Es handelt sich um ein HTML5 ePaper, das wir für das iPad entwickelt haben und das man im Safari-Browser lesen kann, ohne vorher eine App zu installieren und die Ausgaben vorab herunterladen zu müssen.
    Der Protoyp läuft im 3G Betrieb leider noch etwas ruckelig, aber per WLAN läuft er schon sehr stabil.

    Schreiben sie doch bitte Ihre Meinung in einen Kommentar, damit wir wissen, was wir für den Leser verbessern müssen.

    Öffnen Sie den Link bitte mit einem iPad. Auf der ersten Seite befinden sich blaue Flächen, die Videos und eine Bildgalerie öffnen. Viel Spaß beim ausprobieren.

    http://www.bluecreator.de/nw,934699532

    Mit dem PC sieht man unsere Flashlösung, die in einer Woche durch eine bessere ersetzt wird.

    PC und iPad Version bieten:

    Inhaltsverzeichnis,
    Seitenübersicht,
    Gehe zu Seite xy,
    Volltextsuche,
    interne Verlinkungen ( auf Seite innerhalb der Zeitung),
    externe Verlinkungen ( zu Webseiten ),
    Videos,
    und Bildgalerien

    Ihre Meinung zu folgenden Punkten liegt uns sehr am Herzen, daher äußern Sie sich bitte zu folgenden Punkten.

    – Bedienbarkeit / Benutzerfreundlichkeit
    – Geschwindigkeit
    – Lesbarkeit
    – nur mit Internetverbindung nutzbar
    – Gesamteindruck des Prototypen

    Wünschen Sie sich die Beilagenwerbungen, die der Printausgabe beiliegen auch am PC oder auf dem iPad?

    Mit freundlichen Grüßen

    André Böker
    OnKalog Marketing
    Telefon 05241-9649574
    P.S. Ich antworte auch gerne auf Ihre Fragen

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