Ein Buch – das Update (54): Bitte wählen Sie Ihr Cover!

In der „Universalcode“-Truppe geht es momentan zu wie bei einem halbwegs frisch verliebten Pärchen, das sich gerade zum ersten Mal streitet. Bevor Sie sich Sorgen machen: Nein, wir streiten natürlich nicht. Aber wir diskutieren. Dummerweise mit einem Ergebnis, bei dem man nicht mal eine demokratische Legitimation via Abstimmung hinbekommt, weil die Meinungslage aktuell einem klassischen Patt entspricht. Und deswegen würden wir jetzt gerne Ihnen die Entscheidung überlassen…

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Die Sache ist die: Wir haben ein Cover fürs Buch, das Sie ja auch schon gesehen haben. Jene Zeichnung, bei der eine Hand mit einem Pinsel auf einem iPad-ildschirm etwas Neues entstehen lässt. Zugegeben: Das Cover ist seit längerem das umstrittenste Ding bei diesem Buch. Es gab von Anfang an Kritiker (auch von außen) und es gab leidenschaftliche Befürworter. Irgendwann kam dann mal die Idee, einen Alternativvorschlag erarbeiten zu lassen, der jetzt, kurz vor Torschluss, eingetrudelt ist. Gestern habe ich ihn rumgemailt, was leider insofern keine gute Idee war, als dass wir jetzt wieder nicht schlauer sind. Denn auch der Alternativvorschlag findet Befürworter und Gegner. Und die Fronten verlaufen ebenso hart wie vorher.

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Cover 1, erst einmal die Grundgedanken. Die Idee war zunächst, dass wir kein Cover mit irgendwelchen missratenen Symbolbildern haben wollten (bevorzugt: Mensch am Computer, arbeitend). Wir fanden die Arbeitsweise von Anna Lena Schiller sehr spannend und fragten sie nach einem Entwurf. Der Gedanke hinter der Zeichnung: Unsere analoge Medienwelt transformiert gerade in etwas Neues, Ungekanntes. Die Argumente unserer internen Befürworter: orginell, auffällig, einprägsam, vielsagend, ungewöhnlich, Potential für eine komplette CI. Argumente der Gegner (Zitate aus internen Mails):

Welches Signal geht denn von einer (handwerklich guten) Illustration aus, auf der jemand einen Pinsel verwendet, um einen Touchscreen zu bedienen? Man stelle sich vor, Spiegel/Stern/SZ hätten eine Geschichte übers „Mitmach-Web“ so bebildert, die „Netzgemeinde“ hätte eine Freude daran, der Frage nachzugehen, ob man in den dortigen Redaktionen tatsächlich der Meinung ist, man könne Twitter und Facebook mittels eines verkabelten Pinsels auf ein iPad übertragen.

Finde das (alternative)  Cover besser, weil passender zu Titel und Inhalt.

Das ist so die Quintessenz der Gegner dieses Covers.

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Cover 2 ist ein Entwurf von Dirk Kirchberg. Der QR-Code auf dem Titel könnte natürlich noch mit einer Botschaft angereichert werden. Dieser Entwurf hat Befürworter, aber auch Gegner. Die Kritik bezieht sich vor allem darauf, dass QR-Codes im Jahr 2011 nicht mehr wirklich relevant sind und ebenfalls ein falsches Signal aussenden würden. Auszüge aus den internen Mails:

Zusätzlich zu allem, was schon eingewendet wurde, möchte ich hinzufügen, dass ein QR-Code auch ein falsches Signal wäre. Aus meiner Sicht er ein technisches Hilfsmittel, vor allem um Verbindung zwischen physischen Objekten und der virtuellen Welt herzustellen. In unserem Buch befassen wir uns jedoch vor allem mit journalistisch-inhaltlichen Themen.

Qr-Codes finde ich nicht zentral zukunftsweisend (NFC!) und ein Alleinstellungsmerkmal hat man damit auch nicht mehr (Welt kompakt twitterbild etc.) 1995 wäre das ein unfassbarer Kracher gewesen 😉

qr-codes sind nie erwachsen geworden. und dank NFC tatsächlich obsolet. von daher aus inhaltlicher sicht ein „eher nicht“ von mir.

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Schließlich gibt es noch eine dritte Idee, die ebenfalls ein paar Befüworter gefunden hat. Nämlich eine Art „Mash-Up“ aus beiden Entwürfen, was dann so aussähe.

 

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Aber es ist ja auch Ihr Buch. Und Sie sehen, zum ersten Mal in der kurzen Geschichte des Universalcodes sind wir gespalten. Helfen Sie uns, damit wir wieder friedlich miteinander leben und uns wie frisch verliebte Pärchen benehmen können. Und stimmen Sie ab. Jetzt — und hier!

(Eigentlich sollte hier ein Abstimmungstool stehen, genauer gesagt: wp-polls. Das Problem ist nur, dass nach Installation des Plugins die Seite de facto nicht mehr lesbar war, keine Ahnung warum. Deswegen Anmerkungen bitte in den Kommentaren oder via Mail unter cjakubetz ät gmail dot com. Danke!)

Nachtrag: Dank Verna Bunse gibt´s jetzt doch noch ein vernünftiges Voting-Tool:


Beteilige dich an der Unterhaltung

17 Kommentare

  1. 1 oder 3, nicht das Mittlere, das dürfte auf viele wie ein akademischer Schinken wirken, da nüchtern in S-W gehalten und der Font wirkt auch eher „streberhaft“ …

  2. Also 1 und 3, mit der Hand und der Palette, geht gar nicht, dass sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt, sorry.

    Etwas objektiver: Diese Art Illustration ist im Web absolut unüblich, die Striche sind zu dünn, die Farben zu aquarell-mäßig. Sieht eher nach Abi-Zeitung aus. Modern sind heute ganz andere Stile.

    Außerdem hält niemand einen Pinsel derart im Pinzettengriff. Und selbst wenn, wären Daumen und Zeigefinger nicht so gebogen. Kann ja jeder selbst ausprobieren, der einen Kugelschreiber zur Hand hat.

    Warum die Hände nur vier Finger haben, ist auch so eine Frage.

    Bild 2 dagegen ist von der Illustration her wirklich auf den Punkt. Mich würde interessieren, wie das Motiv in Kombination mit der Typografie aus 1 oder 3 aussähe.

  3. Meine 12 Punkte für Cover #1. Finde die Illustration hat sehr viel Charme und spiegelt damit auch das analoge Medium Buch wider. Stimme mit Stefan überein, das QR-Code-Cover würd mich eher abschrecken.

  4. Ich muss ehrlich gestehen: Alle drei Cover würden mich vom Kauf eher abschrecken, als mich dazu zu animieren. Die Illustration finde ich nicht nur vom Inhalt, sondern vor allem vom Stil her ziemlich mäßig. Vielleicht soll das ja irgendetwas symbolisieren – auf mich wirkt es aber, als hätte da jemand einen Malwettbewerb für Kinder/Jugendliche veranstaltet und das Siegermotiv aufs Cover drucken lassen. Nichts, was Vertrauen in den Inhalt des Buches weckt.

    Und beim QR-Code stimmt es einfach, dass er praktisch keine Relevanz hat. Dennoch wirkt er auf mich etwas weniger abschreckend, als die Illustration. Was nicht heißt, dass das Cover mich zum Kauf animieren würde – ich würde ein einfarbiges Cover jederzeit beiden Entwürfen vorziehen.

  5. Unbedingt Cover 1! Auch nicht perfekt, aber dennoch gelungen und mit deutlicher journalistischer Note. QR-Code finde ich eine schlechte Idee, weil es nicht für journalistisches Arbeiten steht, ob im Web 0.0 noch im Web 2.0. Der QR-Entwurf erinnert mich an eine Bahnkarte oder ein Informatikbuch… 🙂

  6. Und weil jeder gegen Cover 2 ist, stimme ich dafür! Aber auch aus Überzeugung. Und weil das Gepinsele mir noch nie gefallen hat und auch nie gefallen wird. Auf mich wirkt´s kindisch, sorry. Sind das wirklich alle Alternativen? Schade.

  7. Mir geht es wie Karpatenhund – alle drei Cover sind ungeeignet, finde ich. Der QR-Code ist zu speziell und hat mit Journalismus nur am Rande zu tun. Die Illustration mit Hand und Palette sieht sehr dilettantisch aus – und wirbt damit ganz und gar nicht für den Inhalt. Lasst doch einfach die Illustration ganz sein, sucht euch eine schöne Typo, setzt den Titel des Buches gut lesbar auf den Umschlag und fertig. Was spricht dagegen?

  8. Wollt Ihr wirklich eine Zeichnung (die ich bislang für ein schlechtes Skribble gehalten habe) hernehmen, bei der man extra „Sachbuch“ dazu schreiben muss, damit das Ganze nicht für ein Kinderbuch gehalten wird? Was spricht gegen den schon mehrmals geäußerten Vorschlag eines einfarbigen Covers mit gut gesetzter Typo? „Universalcode“ ist immerhin ein Fachbuch, das sich nicht über ein möglichst auffälliges Cover auf dem Wühltisch der Buchhandlung verkaufen muss.
    Macht Content, kein Layout 😉

  9. @makrele, @Alex: Ich würde für ein Buch auch kein einfarbiges Cover verwenden. Zwar finde ich es besser, als die hier gezeigten Alternativen; aber es ist keine optimale Lösung.
    Ein Buch soll sich primär über den Inhalt verkaufen, stimmt. Aber grade Spontankäufer erreicht man über das Cover. Wenn ich durch einen Buchladen gehe und stöbere, nehme ich Bücher zur Hand, die mir auffallen. Bei denen Titel und Cover ansprechend wirken. Als Laie tippe ich, dass ein unauffälliges Buch bei Spontankäufern wenig Chancen hat. Und ich halte es auch für eine Illusion, dass alleine der Inhalt für Verkaufszahlen ausschlaggebend ist.

    Es dürfte eher wie bei Internetseiten sein: Natürlich ist der Inhalt ein wesentlicher Teil einer Internetseite; aber wenn die Optik nicht stimmt – beispielsweise aufgrund einer grauenhaften Farbwahl, mieser Navigation und eines Headers, bei dem man sich am liebsten die Augen herausreißen würde – sieht man einen großen Teil der Besucher nie wieder. Egal wie gut der Inhalt ist.

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