Notizblog (9): Zweimal Finale

In der Wirtschaft würde man das wohl „merger of equals“ nennen, was richtig ist, wenn man dazu sagt: ein Zusammenschluss unter zwei Schwachen. „Spredder“ fusioniert jetzt mit der „Redaktion“ der Deutschen Post. Wirklich funktioniert hat „Spredder“ nie, ich vermute, dass das auch für das Post-Modell gelten wird.  Weil es dem Arbeitsalltag der allermeisten Redaktionen widerspricht und auch sonst nicht sonderlich plausibel ist.  Journalismus für Freie hat immer noch sehr mit gutem Netzwerken und – ja, auch das – mit einem Namen zu tun, den man sich irgendwann vielleicht mal erarbeitet. Dagegen: Auf irgendeinem Portal schauen, ob irgendjemand irgendwas zu irgendeinem Thema geschrieben hat, das klingt eher unwahrscheinlich. Zumal die Texte, die man so bei „Spredder“ zu lesen bekam, mit dem angekündigten, handverlesenen Qualitätsjournalismus nicht sehr viel zu tun hatten. Das sah eher nach Texten aus, die Menschen einstellten, weil man sich ja nix dadurch vergibt, geschweige denn, irgendwas zu verlieren hätte. Kein Wunder übrigens, dass man bei all den Debatten über „Unternehmerjournalismus“ eher selten den Rat hört, man solle seine Texte beliebig auf Börsen einstellen. Dass es „Spredder“ gerade mal ein knappes Jahr gegeben hat, spricht Bände.

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Mit dem „Focus“, ganz subjektiv eingeschätzt, wird es ebenfalls demnächst dahingehen. Ich hatte zwar meine Zweifel, ob man aus dem alten Service-Möbel wirklich ein schöngeistiges Debattenblatt machen kann, aber die nutzerorientierten Sonstwas-Zeiten sind spätestens seit dem Ende der 90er endgültig vorbei, weil das niemand mehr braucht. Und irgendwann sind ja auch alle Listenlisten endgültig mal durch. Zurück in die Service-Irrelevanz – für den „Focus“ ein weiterer Schritt Richtung Finale.

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1 Kommentar

  1. Ich halte DieRedaktion.de auch für eine Totgeburt. Schon die Behauptung in der Werbebroschüre, Verlage hätten einen steigenden Bedarf an qualitativ hochwertigen Inhalten, darf bezweifelt werden.
    Und solche Börsen haben ein kaum zu überwindendes doppeltes Kaltstartproblem: Am Anfang haben weder die Textanbieter noch die potenziellen Abnehmer ein Motiv mitzumachen – es sei denn, man bietet ihnen etwas Besonderes an, was bei DieRedaktion aber nicht erkennbar ist. (Ganz abgesehen von dem bereits von Ulrike Langer bei Twitter genannten Reputationsdingens.)

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