Lesetipps: Dirk von Gehlen, Sebastian Christ

Zwei Journalisten, zwei, die machen statt reden. Und beide haben ein Buch geschrieben. Grund genug, sie an dieser Stelle kurz vorzustellen.

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Dirk von Gehlen, Mashup – Lob der Kopie (Suhrkamp):

Dirk von Gehlen gehört zu der Kategorie jener Journalisten, die man auf der Stelle als „Vordenker“ bezeichnen könnte, wäre der Begriff nicht irgendwie etwas abgenutzt. Mit „jetzt.de“ verantwortet Dirk das Angebot, mit dem die „Süddeutsche Zeitung“ immer noch die beste Lösung für diese Zielgruppe hat, die es in Deutschland gibt. Konzept und tägliche Realisation zeigen, dass es eben doch möglich ist, auch als saturierte Tageszeitung ein ordentliches und zukunftsweisendes Angebot für eine junge Zielgruppe zu machen. Daneben bloggt Dirk mit seinen Digitalen Notizen intensiv über den digitalen Wandel und bringt dort in drei Beiträgen in schöner Regelmäßigkeit mehr kluge Gedanken unter als andere in drei Jahren. Mit „Mashup – Lob der Kopie“ hat Dirk jetzt ein Buch vorgelegt, dessen Titel im Zeitalter des Leistungsschutzrechts erst einmal irritiert. Gemeint ist allerdings nicht das Lob des Kopierens im Guttenberg-Verständnis. Sondern der Gedanke des Teilens, des Remixens, des Mashups. Dirk hat sich mit interessanten Gesprächspartnern aus den verschiedensten Bereichen über deren Auffassung bzw. die Bedeutung des Mashups in deren Bereich unterhalten, sei es aus der Musik, aus der Medizin oder dem klassischen digitalen Leben.  Am Ende steht ein kluges Plädoyer, dafür sich von unseren heutigen Maßstäben von unantastbaren Originalen zu verabschieden. Weil sie in einem Leben, in dem zwar alles geteilt werden kann, keinesfalls aber angetastet werden darf, nicht mehr relevant sind. So gut hat´s bisher noch keiner erklärt. Chapeaux!

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Sebastian Christ, Das Knurren der Panzer im Frühling (Droemer):

Ich weiß nicht, ob Sebastian Christ nach der nun folgenden Feststellung noch ein Wort mit mir sprechen wird. Aber wenn man Sebastian Christ sieht, kommt man nicht auf den Gedanken, dass es sich dabei um jemanden handeln könnte, der sich auf eigene Faust in Afghanistan rumtreibt. Sebastian Christ ist gerade mal 30, sieht aber zehn Jahre jünger aus. Doch der Eindruck täuscht. In den letzten Jahren war er mehrfach im Land, hat alle Feldlager der Bundeswehr bereist, Soldaten auf ihren Patrouillen begleitet. Herausgekommen ist ein Buch, das genau dadurch besticht: von den Erfahrungen von jemandem, der selbst da war. Was auch in einem anderen Kontext interessant ist: Gerade Journalisten glauben ja bis zum heutigen Tag noch, man könne nur ordentlichen Journalismus machen, wenn man eingebettet ist in die kuscheligen Strukturen einer Großredaktion eines Verlags oder Senders. Sebastian ist erst losgefahren und hat sich danach überlegt, wer das publizieren könnte. Was mir persönlich weitaus mehr imponiert als betreutes Pressereisen mit anschließenden „Das habe ich alles erlebt“-Erzählungen.

(Offenlegung: Ich kenne beide Autoren persönlich, Dirk ist u.a. mit einem Beitrag in „Universalcode“ vertreten. Mit beiden verbindet mich ein tendenziell freundliches Verhältnis.)

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