1. September 2012, ca 21 Uhr: Umzug nach München geschafft. In meiner Wohnung in Deutschlands Medien-, Technik-, Lifestyle-, Fußball- und Allesandere-Metropole fehlen nur noch belanglose Kleinigkeiten. Internet, Fernsehen, Radio, Telefon. Habe aber von einem Konzern gelesen, er biete das alles aus einer Hand an. Ein Klacks. Ab auf die Webseite. Gerade mal 312 Klicks später das passende Angebot gefunden. Internet, Fernsehen, Radio, Telefon, alles aus einer Hand, aus einer Dose.  Soll gerade mal zwei bis drei Wochen dauern, nehme ich aber in Kauf. Schließlich geht dann sogar zeitversetztes Fernsehen.

21.10 Uhr: Stelle fest, dass ich eigentlich so gut wie nie fernsehe und kaum Radio höre. Macht nichts. Die Verlockung, künftig zeitversetzt nichtfernsehen zu können, ist zu stark. Schicke die Bestellung ab und fühle mich endlich wieder wie richtig dahoam. Telekom dahom, sozusagen.

21.15 Uhr: Stromberg würde jetzt sagen: läuft! Automatisierte Mail der Telekom ist eingetroffen, wonach mir bestätigt wird, dass ich eine Bestellung aufgegeben habe.

21.16 Uhr: Kurzes Zusammenzucken. Da steht auch sinngemäß, dass das noch nichts zu sagen hat. Erst wenn ich auch eine Auftragsbestätigung habe, gilt die Bestellung als verbindlicher Auftrag. Ach so.

2. September, 3.37 Uhr: Schweißgebadet aufgewacht. Was, wenn jetzt die Telekom keine Auftragsbestätigung schickt. Verwerfe den Gedanken wieder, schimpfe mich selbst einen Verschwörungstheoretiker und schlafe danach beruhigt weiter. Von Manfred Krug geträumt.

5. September: Noch ist keine Auftragsbestätigung da. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, tröste ich mich. Und da gab es ja noch gar kein DSL, Fernsehen, Radio und Telefon!

8. September: Komme an T-Punkt vorbei. Denke kurzzeitig daran, mal nachzufragen, ist mir dann aber zu peinlich. Abends Freunde besucht. Sie haben ein WLAN, Fernsehen, Radio, Telefon. Ich hasse sie.

10. September, 15 Uhr: Besuche den T-Punkt. Schildere Mitarbeiter mein Problem. Erste Befürchtung: Er sagt jetzt gleich „Hassu Problem, komm mit raus, könne wir lösen.“ Macht er aber nicht. Sagt mir zunächst, das könne momentan schon mal ein bisschen dauern mit dem Anschluss. Meinen Einwand, ich wäre ja schon mal mit einer Auftragsbestätigung zufrieden, schiebt er elegant zur Seite: „Das kann auch dauern.“ Deswegen hält er es auch nicht für nötig, mal in seinem Computer nachzusehen, was dieser Vorgang so macht: „Computer spinnt ein bisschen momentan.“ Gemeinsam haben wir eine Idee: Ein Surfstick zur Überbrückung, das könnte gehen. Überlege erst, was so ein Surfstick nochmal war. Und dass mir das peinlich ist. Denke dann aber daran, dass mir T-Mobile bald wieder eine SMS schicken wird, wonach ich jetzt mit gedrosselter Geschwindigkeit surfe, die WLAN-Option des iPhone beinhaltet nämlich nur beschämend geringe Datenvolumen. Stimme zähneknirschend dem Stick zu.

16 Uhr: Der Problemlöser strahlt mich unter seinem gegeltem Igelputz an: „Gute Nachricht, den Stick bekommen Sie kostenlos von mir.“ Freue mich, weil ich so viel Kulanz nicht erwartet hatte. Haken daran: Ich soll einen Zweijahresvertrag unterschreiben. Wende verschüchtert ein, dass ich doch hoffe, dass es jetzt nicht zwei Jahre bis zum Internet dauert. Igelputz sagt: Nein, aber Surfsticks ohne Vertrag werden auf 300 MB im Monat reglementiert. Rechne schnell durch, 10 MB pro Tag. Wird nicht ganz reichen. Frage nach größeren Volumina. Igelputz ist nicht mehr ganz so freundlich und sagt, dass es das bei T-Mobile nicht gibt.  Gerate langsam in Panik. Muss ich künftig leben wie in Ostwestfalen?

17 Uhr: Inneres Teufelchen reitet mich. 200 Meter weiter betrete ich den nächsten T-Punkt. Keine Ahnung, warum es übrigens alleine in der Münchner Fußgängerzone drei davon gibt. Dort wartet ein weiblicher Igelputz und sagt sinngemäß: Hassu Problem? Können wir lösen. Erfahre, dass es tatsächlich keine Sticks mehr von T-Mobile gibt, dafür aber von Congstar. Angeblich eine Billigmarke, aber mir ist jetzt alles recht. Erwäge kurzzeitig, nachts einen T-Punkt zu überfallen und alle verfügbaren Congstar-Sticks zu klauen.

19 Uhr: Internet!

19.01 Uhr: UMTS!

19.02 Uhr: HSDPA.

19.03: Leben am Edge.

19.04: Fühle mich wie 2001. Mails verschicken – ein Abenteuer. Audiovisuelles Zeugs ist eh überschätzt. Mein Facebook-Account wehrt sich gegen Congstar und spricht seitdem nicht mehr mit mir. So kann das nicht weitergehen.

13. September: Keine Auftragsbestätigung. Fühle mich zunehmend verzweifelt und minderwertig.

14. September: Schreibe eine Mail an den Telekomservice. Ob man da vielleicht was gehört hat von meinem Auftrag.  Keine Antwort. Finde das logisch. Kein Auftrag, keine Antwort, keine Surfsticks. Telekom bietet das alles aus einer Hand. Überlege, ob das vielleicht mit triple play gemeint war.

15. September: Habe gehört, dass die Telekom gerne auch bei Twitter hilft und deswegen den Account auch @Telekom_hilft genannt hat. Wende mich vertrauensvoll an „Telekom hilft“. Telekom hilft dann erst mal mit Trost:

 

Antworte ordnungsgemäß, noch keine Auftragsbestätigung erhalten zu haben.  Wundere mich am Rande, wie man auf die Mitteilung, dass man noch keine Auftragsbestätigung erhalten habe, die Frage stellen kann, ob man schon eine Auftragsbestätigung erhalten habe. Und auf die Mitteilung, man wünsche einen Neuanschluss, die Antwort bekommt, ob es um einen Neuanschluss geht. Aber immerhin, wir näher uns einer konkreten Lösung. Mein Leben bekommt langsam wieder Sinn (ob es auch Internet, Fernsehen, Radio und Telefon bekommt, ist allerdings offen).

16. September: Beschließe, den netten Tröstern von „Telekom hilft“ mein Problem nochmal zu schildern. Möglicherweise war ich ja nicht deutlich genug. Bekomme auch sofort eine Antwort:

 

 

Stelle fest, dass man dort schon zwei Schritte weiter ist als ich. Hätte mich sehr über eine Auftragsbestätigung gefreut, finde die Option eines Wunschdatums aber auch reizvoll. Kurze Überlegung, ob ich anbieten soll, auf ein Wunschdatum zu verzichten, wenn ich dafür eine Auftragsbestätigung erhalte. Hinweis auf „längere Wartezeiten“ lässt mich allerdings zurückzucken.

17. September: Ein! echter! Hoffnungsschimmer! Mail von der Telekom. Unaufgefordert! Verstehe nur den Inhalt nicht so ganz:

Sehr geehrter Herr Jakubetz,

Sie haben bisher noch keine Antwort von uns erhalten – bitte entschuldigen Sie.

Leider konnten wir mit der Auftragsnummer sowie mit Ihrer Anschrift nicht recherchieren. Handelt es sich bei der Anschrift auch um den Standort des Anschlusses? Wenn nein, senden Sie uns die entsprechende Anschrift zu.

Haben Sie die Auftragsbestätigung erhalten, dann ergänzen Sie bitte in dieser E-Mail folgende Angaben und senden Sie diese an uns zurück.

Hm. Immerhin scheine ich die richtige Anschrift angegeben zu haben, sonst wäre der Brief nicht angekommen. Puh, eine Fehlerquelle wieder ausgeschlossen. Befürchte dann beim Durchlesen der zu machenden Angaben, dass man mich auf den Arm nehmen will:

Vorname Name (Anschlussinhaber/in):
Telefonnummer mit Vorwahl:
Kundennummer:

Unser Tipp: Die Kundennummer finden Sie oben rechts auf Ihrer Telekom Rechnung oder auf Ihrer Auftragsbestätigung.

Träume nachts von Auftragsbestätigungen und davon, nach einer Auslandsreise nicht mehr einreisen zu können, weil man an der Grenze feststellt, dass ich weder eine Auftragsbestätigung noch eine Kundennummer habe.

18. September, 6 Uhr: Denke das Undenkbare. Bin zwar seit 20 Jahren T-Kunde, habe mir aber sagen lassen, dass es noch andere Anbieter gibt. Soll ich es wagen und fremdgehen?

14 Uhr: „Telekom hilft“ kann Gedanken lesen und schickt einen Kundenbindungstweet.  Und fragt höflich nach:

Schreibe freundlich zurück, leider noch nicht im Besitz eines Anschlusses zu sein. Freue mich aber sehr über das große Interesse. Zum Lohn gibt es einen brandheißen Tipp:

 

16 Uhr: Mache mich auf den Weg in die Innenstadt zum T-Punkt. Komme mir vor wie jemand, den man weit sichtbar „Keine Auftragsbestätigung“ auf die Stirn tätowiert hat. Betrete verschüchtert den Laden. Igelputz arbeitet immer noch da, würdigt mich aber keines Blickes. Hätte den Zwei-Jahres-Vertrag besser doch unterschrieben, fürchte, er wird heute abend irgendwo auf mich warten.

16.20 Uhr: Komme in meiner Schlange endlich dran. Schildere einem Mitarbeiter, der Igelputz verblüffend ähnlich sieht, mein Problem. Ich solle doch bitte zwei Schlangen weitergehen, sagt er mir.Computer kaputt, er könne da leider nicht nachschauen.

16.35 Uhr: Stehe seit 15 Minuten in der Schlange. Kundin vor mir hat Probleme, angeblich hat sie noch keine Auftragsbestätigung erhalten. Drehe mich vorsichtig um, ob hier versteckte Kamera gedreht wird.

16.45 Uhr: Stehe seit 25 Minuten in der Schlange. Kundin vor mir hat Probleme, angeblich hat sie noch keine Auftragsbestätigung erhalten. Drehe mich vorsichtig um, ob hier versteckte Kamera gedreht wird.

16.46 Uhr: Verlasse unverrichteter Dinge den T-Punkt und beschließe, mich womöglich heute abend sinnlos zu besaufen.

(Fortsetzung folgt wohl leider)

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16 Kommentare

  1. SimKarte aus Surfstick in einen mobile Hotspot und ab ins WLAN. Jeht. Sehr. Gut.

    Wennde eh keinen Fernseher und kein Radio brauchst.

  2. Es ist schon krass zu hören, dass der größte deutsche Telefonanbieter nicht in der Lage ist, mit einer Neubestellung umzugehen. Ich erlebe gerade, wie schwer sich die Telekom mit einem Umzug tut: Im Neubau wurde erst DSL2000 RAM geschaltet, weil man VDSL erst durchmessen müsse. Aber eine Woche nach Schaltung des DSL-Anschlusses hatte ich immer noch keinen VDSL-Termin, weil die Leitung zwar gut genug sei – aber der Computer eine Buchung auf meine Anschrift (dort, wo ich seit einer Woche einen Telekom-Anschluss habe) nicht zulässt. Warte immer noch und surfe ungefähr auf EDGE-Niveau.

  3. Nun ja, aber wir bleiben dran und optimistisch und immerhin sind wir ja alle so online, dass wir hier wenigstens Kommentare posten können.

  4. Ein ähnliches Lied kann ich von einem Umzug mit einem Telefon/Internet/Fernsehen-Komplettpaket bei Kabeldeutschland singen. Ein Anbieterwechsel ist also womöglich auch nicht das Allheilmittel, sondern wohl eher Glückssache. Allerdings lohnt es sich immer, mit der Kündigung des kompletten Auftrages zu drohen. Dann geht’s entweder doch ganz schnell, oder man bekommt wenigstens irgendwelche Gebühren erlassen.

    Was mobiles Internet auf die Schnelle angeht, damit man wenigstens in Grundzügen Kontakt zu Außenwelt halten kann, kann ich einen eigentlich fachfremden Anbieter empfehlen. Mein Surfstick von Aldi hat mich ins Netz gebracht, 15 Minuten nachdem ich ihn gekauft hatte. Schnell ist zwar anders. Aber langesames Internet ist besser als schnelles, das nicht funktioniert. Auch die Serviceversprechen hat Aldi bis dato alle gehalten. Und das alles ohne Zweijahresvertrag von Igelputz. (Geile Wortschöpfung) Ich frage mich, wieso ein (Lebensmittel-)Discounter das hinbekommt. Ein Telekommunikationsunternehmen (!) dessen ureigenstes Geschäft das ist, aber nicht…

  5. großartig geschrieben, hab mich halbtot gelacht. besitze aber auch einen der wenigen zeitweise fast immer funktionierenden alice-anschlüsse. freue mich auf die fortsetzung (der geschichte und meines anschlusses).

  6. Jaja, die Telekom. Mit der hatte ich auch schon meine Probleme. Seither bin ich der festen Meinung ALLES nur nicht Telekom. Wer in München lebt, der ist auch mit MNet besser bedient. Kundenservice scheint beim ehemaligen Monopolisten ein Wort zu sein, das aus zwei vollkommen unverständlichen Wörtern zusammengesetzt wurde.

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