Der Niedergang eines Berufsstands (und eine Buchidee)

Vorwarnung: Ich möchte mal wieder ein Buch schreiben. Aus einer sehr spontanen Idee heraus, so wie damals bei „Universalcode“. Dazu bräuchte ich mal wieder Ihre und Eure Hilfe. Und ich bedanke und entschuldige mich zugleich bei Dirk von Gehlen, von dessen Idee ich mich inspirieren lasse. Man könnte auch sagen: von dem ich sie geklaut habe (sorry, Dirk). Was also soll das werden – und warum? Wenn Sie ein bisschen zuviel Zeit haben, dann erkläre ich Ihnen das auf den nachfolgenden gefühlten 50.000 Zeichen. Danke für Ihre Geduld.

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Was ist eigentlich aus unserem Beruf geworden? Wieso empfehlen Professoren plötzlich, auf gar keinen Fall mehr Journalist zu werden? Warum beschreiben junge Journalistinnen ihre Entscheidung für diesen Beruf als eine gegen jegliche Vernunft? Wieso ist es anscheinend nicht mal mehr längere Diskussionen wert, wenn ein Beruf, der ja dann doch irgendeine kleine Bedeutung für eine Gesellschaft haben sollte, so bezahlt wird, dass man ihn nicht wegen, sondern trotz seiner Bezahlung ausübt?

Das alles ist mir in den letzten Tagen oft durch den Kopf gegangen und an die Geschichte von meinen Großeltern (ich erzählte sie hier bereits), die mir vor inzwischen beinahe 30 Jahren von Herzen zugeraten haben, diesen Job zu machen, muss ich immer wieder denken. Würden sie heute noch leben,wären sie wahrscheinlich entsetzt über meine Berufswahl – und würden sagen: Willst du dir das wirklich antun? Es ist also genau genommen gar keine Krise, in der sich Medien und Journalismus aktuell befinden. Davon könnte man nur sprechen, wenn es sich um ein vorübergehendes Phänomen handeln würde, das irgendwann wieder vorüber geht. Tatsächlich ist der Journalistenberuf seit 30 Jahren langsam, aber stetig im Niedergang. Möglicherweise nicht nur, was sein ohnedies nie überragend hohes Ansehen angeht. Sondern auch, ganz profan, was seine materielle Ausstattung anbelangt.

Eine andere Frage, die sich stellt: Was wird eigentlich aus einer Gesellschaft ohne Journalismus? Braucht sie ihn und uns vielleicht gar nicht mehr? Und falls doch, wie soll ein Journalismus funktionieren, der aus Tagelöhnern und Dazuverdienern besteht – oder bestenfalls aus Menschen, die eine Unmenge an Idealismus mitbringen, weil es anders gar nicht mehr geht? Müsste man also nicht langsam mal eine Entscheidung treffen – entweder, den Journalismus, wie wir ihn heute kennen, für verzichtbar zu erklären, oder aber für eine Renaissance zu sorgen, damit er seine ihm eigentlich zugedachten Aufgaben wieder ordentlich wahrnehmen kann?

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So viele Fragen – und womöglich warten Sie jetzt zurecht auf ein paar Antworten. Die ich natürlich auch nicht habe und wenn ich sie hätte, würden sie nicht in einen Blogbeitrag handelsüblicher Größe passen. Aber womöglich passen sie in ein Buch. Jawoll, Buch. Eines, in dem man sich mal mit sehr grundsätzlichen Überlegungen zu Medien und Journalismus befasst. Keines dieser kurzatmigen Bestandsaufnahme-Dinger, auch kein Handwerksbuch wie es „Universalcode“ ist. Sondern eines, nach dessen Lektüre man (vielleicht) versteht, was das passiert ist in den letzten Jahren.  Wie der status quo jetzt ist. Und wie es weitergehen könnte. Ich würde gerne mit vielen Menschen sprechen, mit Journalisten, die noch mit Schreibmaschine und Filmentwickler gearbeitet haben. Mit Leuten, die seit ein paar Jahren dabei sind und jetzt mitten im Berufsleben stehen. Und natürlich mit solchen, die einsteigen wollen oder es gerade eben erst getan haben. Ich würde gerne mit Verlegern sprechen, mit Senderchefs und Chefredakteuren. Aber auch mit Lokaljournalisten, freien Mitarbeitern, mit jenen also, die jeden Tag irgendwo an der Basis den Betrieb am laufen halten. Und natürlich mit Politikern und Medienwissenschaftlern. Darüber, welche Rahmenbedingungen unseren Beruf in den nächsten Jahren erwarten könnten.

Und am Ende hätte ich gerne eine Antwort auf die beiden simplen Fragen: Was ist da überhaupt in den letzten Jahrzehnten? Und: Lohnt es sich wirklich nicht mehr, Zeit und Mühe und Begeisterung in diesen Beruf zu investieren?

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Das geht natürlich nicht alleine. Das ging schon bei „Universalcode“ nicht alleine. Und es wäre vermessen zu glauben, man könne all diese komplexen Fragen mal eben im Alleingang beantworten. Zumal es dem Verständnis, dass ich von Journalismus der Neuzeit habe, komplett widersprechen würde, wenn ich den Anspruch hätte, das alles alleine zu stemmen. Ich würde mich gerne nach guten Mitautoren umsehen. Ich würde natürlich gerne wieder den Entstehungsprozess möglichst transparent machen. So (und da kommen wir auf die Einleitung zurück) wie es Dirk von Gehlen bei seinem Projekt „Eine neue Version ist verfügbar“ vormacht. Ich mag die Idee sehr, das Schreiben zu verflüssigen, Menschen teilhaben zu lassen, ihre Ideen und Anregungen mit einfließen zu lassen. Und ich bin sehr angetan von der Möglichkeit, sich als Autor aus den Abhängigkeiten von Verlagen und Unternehmen zu befreien. Deswegen würde ich das Buch, sofern es jemals Realität werden sollte, ähnlich wie Dirks ENVIV via Crowdfunding finanzieren lassen.

Finanzieren? Ja. Sehr nüchtern betrachtet wird eine Menge Arbeit dahinter stecken und auch ein gewisser Materialaufwand, der irgendwie bezahlt werden muss. Zum anderen: Es ist ja schlichtweg widersinnig, wenn man zum einen immer von neuen Erlösmodellen und Finanzierungsmöglichkeiten von Journalismus spricht, Kollegen dazu auffordert, auch mal eigene Wege zu gehen – und dann bei einem solchen Projekt solche gar nicht mehr so neuen Wege nicht versuchen würde. Das bedeutet im Umkehrschluss auch: Die Entscheidung, ob es ein Buch über den Niedergang und die hoffentliche Wiederauferstehung des Journalismus treffen Sie/trefft ihr. Wenn das Thema niemanden juckt, gibt’s kein Buch. Auch das gehört zu den neuen Realitäten des Journalismus, dass das Feedback sehr unmittelbar und manchmal auch ganz gnadenlos ausfällt.

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Liege ich also völlig falsch mit dieser Idee? Dann ignorieren Sie dieses Posting. Liege ich vielleicht doch halbwegs richtig? Keine Sorge, dann müssen Sie jetzt noch nichts bezahlen oder sich für irgendwas verpflichten. Sie würden mir mit Feedback sehr helfen, gerne in den Kommentaren oder an cjakubetz (ät) gmail (dot) com. Uns noch mehr helfen würden Sie mir, wenn Sie diese Idee weiterverbreiten, auf allen Kanälen, die wir inzwischen haben, ob das Twitter, Facebook, Google + oder Ihr eigenes Blog ist. Oder sogar ganz analog, mündlich, in Gespräch mit echten, lebenden Menschen. Vielleicht sind ja auch noch ein paar Journalisten darunter, solange es sie noch gibt.