to make a small story big…

ohja, das kennt man im august: sauregurkenzeit, die tage, in denen für journalisten so rein gar nix los ist (das sind übrigens auch die tage, in denen sogar zitate aus irgendwelchen provinzwahlkampfveranstaltungen so weit dringen, dass sie es zur aufmachermeldung in der tagesschau und zum leidthema der bundestagswahldebatte bringen – dabei sagt stoiber solche sachen wie in den letzten tagen ziemlich oft in jedem bayerischen bierzelt, nur dringt es da nicht so weit).

jedenfalls müssen in diesen tagen selbst die banalsten banalitäten herhalten, um irgendwie aufgeplustert zu werden. eine davon war in den letzten tagen die tatsache, dass die stones ein neues album rausbringen. das passiert in etwa alle paar jahre, wird flankiert von boxkampfähnlichem ballyhoo und einer möglicherweise-ist-es-ja-die-letzte-welttournee. routiniertes, cleveres marketing also, jedesmal garniert mit einer meldung, auf die sich dann alle stürzen: keith richards war während der aufnahmen auch mal nüchtern. charlie watts hat sich mit jagger gefetzt. lauter son zeug eben.

diesmal ist die meldung, dass die herren multimillionäre eine an harmlosigkeit nicht mehr zu überbietende spitze gegen den neokonservatismus in den usa gesetzt haben. in „sweet neocon“ (stück vom neuen album) heißt es:

„You call yourself a patriot, well I think you’re full of shit.“

was jagger noch dazu sagte (man will es sich ja dann noch nicht mit allen verderben):

„Der Song richtet sich nicht – nicht persönlich – gegen Präsident Bush. Er hieße nicht ‚Sweet Neo Con‘ wenn er es täte.“

macht nix, denkt sich die versammelte deutsche journaillie. bei den einen heißt es ja noch halbwegs vage und unverbindlich „stones beschimpfen us-regierung“ (was eine sehr freie interpretation des textes ist), während die münchner abendzeitung in ihrer bekannten auflagennot textet:

„stones beschimpfen bush als scheißkerl“.

davon abgesehen also, dass diese überschrift vom text ganz sicher nicht gedeckt wird, wundert und ärgert mich auch anderes: dass sich journalisten immer wieder ohne nachzudenken vor einen marketingkarren spannen lassen.

mensch, jungs: der jagger wird in seinem leben nicht mehr not leiden müssen. und mal ehrlich: welchen nachrichtenwert hat es eigentlich, was jagger über neocons denkt?

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