penetranz-placement

jetzt also sat1. der privatsender habe über jahre hinweg gekaufte productplacement-beiträge als getarnte redaktionelle eigenleistung gesendet und dabei umsätze jenseits der millionengrenze erzielt, schreibt heute die sz.

erste reaktion bei mir: wundert mich nicht.

zweite reaktion bei mir: es sollte mich aber eigentlich schon wundern, dass ich mich nicht wundere. oder ist man bei den schaudermeldungen aus der branche inzwischen so abgestumpft, als dass man es als selbstverständlich hinnimmt, wenn man darüber im klaren sein sollte, dass ein beträchtlicher teil dessen, was man im tv so zu sehen bekommt, von konzernen gekauft ist?

das problem – ganz generell und keineswegs nur auf tv-sender beschränkt – scheint mir zu sein, dass der erlösdruck angesichts sinkender oder bestenfalls stagnierender werbemärkte so groß geworden ist, dass man seitens der sender und zeitungen sehr empfänglich geworden ist für einen sehr kreativen umgang mit gesetzen und richtlininen. ohne es rechtfertigen zu wollen: aber wenn ich bei spiegel online „krankenkassen-news“ als eine redaktionell getarnte rubrik entdecke, bei n-tv ein paar sparkassen-meldungen und eigentlich auf jeder größeren webseite ähnliche beispiele, dann zeigt das deutlich, wie stark die dämme inzwischen schon gebrochen sind. da macht übrigens auch die sz keine große ausnahme, weder online noch print. dass die so genannten sonderveröffentlichungen in der sz wie in vielen anderen zeitungen auch nichts anderes sind, als den anzeigenkunden sehr wohl gesonnene publikationen, muss man einfach so hinnehmen. nicht, um irgendetwas gegeneinander aufzurechnen, sondern um klarzumachen, dass es sich hier um einen teufelskreis handelt: wer heute als sales-mensch zu einem kunden geht und dem eine konventionelle werbeform (anzeige, spot) anbietet, ist eine arme sau. im regelfall fragt ihn der blasiert-gelangweilte mediaplaner gegenüber, ob er nicht irgendwas kreatives in der tasche habe.

spannende frage aus der heutigen sz, teil 1: wäre es nicht ehrlicher, man würde, wie doetz es bspw fordert, gleich das ganze product placement freigeben?

spannende frage aus der heutigen sz, teil 2: wird bild morgen die sat1-verfehlungen ebenso wie bei der ard als „dokument der schande“ bezeichnen?

spannende frage bei mir: wird eigentlich mal jemand begreifen, dass man mit solchen aktionen zwar sehr kurzfristig erlöse sichern kann, man aber gleichzeitig damit das grundvertrauen der leser/zuschauer/user in seine eigene marke verspielt?

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